Aus der Arbeit des Instituts:
Forschungsprojekte der angewandt-empirischen Richtung beziehen sich räumlich auf Wien, Österreich und seit 1989 vor allem auf Ostmitteleuropa.
Zwei neue Forschungsvorhaben, die im laufenden Jahr aufgegriffen wurden:
Anläßlich eines Tages der offenen Tür am 4. November 1997 möchte sich das Institut für Stadt- und Regionalforschung in seinen Räumlichkeiten in der Postgasse 7/2/2, 1010 Wien, der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.
Die wissenschaftliche Aufgabe des seit 50 Jahren in unterschiedlichen Organisationsformen bestehenden Instituts manifestiert sich in der Dokumentation, Analyse und Interpretation der interregionalen Disparitäten der Gesellschaft und der Raumnutzung. Die Bearbeitung der international vergleichenden Forschungsfragen basiert auf einem Netz von Forschungskooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen im In- und Ausland.
Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts lag bisher in der angewandt-empirische Forschung mit einer EDV-orientierten analytischen Arbeitsweise. Methodisch-theoretisch wurden die Forschungen überwiegend durch Datenanalysen, Auswertungen der amtlichen Statistik, Primärerhebungen und Experteninterviews sowie durch das Aufgreifen unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Ansätze gestützt. Der allmähliche Aufbau eines grundlagenwissenschaftlichen Arbeitsbereiches (mathematische Theoriebildung und Methoden für die Regionalforschung) ist in den letzten Monaten eingeleitet worden.
Die Forschungsprojekte der angewandt-empirischen Richtung beziehen sich räumlich auf Wien, Österreich und seit 1989 vor allem auf Ostmitteleuropa. Die sachlichen Forschungsfelder der letzten Jahre bestanden unter anderem in Studien zum Wiener Arbeitsmarkt und zur internationalen Migration.
Die in den letzten Jahren durchgeführten Studien widmen sich im besonderen den Entwicklungen in den östlichen Nachbarländern Österreichs seit dem Fall des Eisernen Vorhanges. Eine 1993 abgeschlossene Analyse befaßte sich mit der Expansion der Wiener Arbeitsmarktregion über die Grenzen Ostösterreichs hinaus. Infolge des Wegfalls der Ausreisebeschränkungen beginnt sich vor allem die Westslowakei zunehmend als Wiener Einpendelregion zu etablieren, wobei in erster Linie jüngere und qualifizierte Arbeitnehmer versuchen, in Wien eine Beschäftigung zu finden.
1993 hat das Institut gemeinsam mit der Universität Krakau eine Befragung unter in Wien lebenden polnischen Zuwanderern durchgeführt. Als besonders interessante Resultate sind das im allgemeinen hohe Ausbildungsniveau, die Anpassungs- und Integrationsfähigkeit der polnischen Migranten sowie auch das beträchtliche Ausmaß an Illegalität hinsichtlich Aufenthalt und Beschäftigung hervorzuheben.
In der Folge hat sich das Institut der Analyse der realen und der potentiellen Ost-West-Wanderung zugewandt. Ein wesentliches Ergebnis dieser 1997 erschienenen Studie liegt darin, daß rund 700.000 Menschen in Ostmitteleuropa dem tatsächlichen Migrationspotential zuzurechnen sind. Diese Zahl liegt über den Werten, die in Österreich oder in Deutschland als Zuwanderung als vertretbar gelten, aber weit unter jenen Zahlenangaben, die in den Medien das Bild einer neuen Völkerwanderung heraufbeschwören.
Zwei neue Forschungsvorhaben wurden im laufenden Jahr aufgegriffen. Das eine setzt sich mit einer besonders aktuellen Thematik, nämlich der Fremdenfeindlichkeit, auseinander. Ein Forscherteam des Instituts geht der Frage nach den räumlichen Verursachungsbedingungen von Fremdenfeindlichkeit auf den Grund und mißt der Wohnnachbarschaft von Österreichern und Ausländern in Wien in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung bei.
Das zweite Forschungsvorhaben, das erst vor einigen Wochen in Angriff genommen wurde, setzt sich mit der Entwicklung regionaler Innovationspotentiale und innovativer Netzwerke metropolitaner Verdichtungsregionen im Zuge des EU-Integrationsprozesses am Beispiel von Wien, Barcelona und Stockholm auseinander und wird in einem internationalen Forschungsverbund mit schwedischen, deutschen und spanischen Arbeitsteams bearbeitet.
Die angeführten und bereits abgeschlossenen Projekte werden in Form von Schautafeln im Foyer des Instituts anschaulich dargestellt, wobei ein Büchertisch bereitsteht und in die Publikationen Einsicht genommen werden kann. Auch für nähere Informationen stehen die WissenschaftlerInnen des ISR gerne zur Verfügung.