Palastmosaik in Istanbul erfolgreich restauriert

Ab 1. Dezember 1997 im neuen Schutzbaumuseum in Istanbul für die Öffentlichkeit zugänglich Österreichisch-türkisches Großprojekt archäologisch und restaurierungstechnischer Forschungsarbeit damit abgeschlossen

Das große byzantinische Palastmosaik in Istanbul, eines der Meisterwerke spätantiker Mosaikenkunst, ist nach fünfzehnjähriger Forschungs-, Restaurierungs- und Konservierungsarbeit ab 1. Dezember 1997 der Öffentlichkeit zugänglich. Das Mosaik, einmalig sowohl in der Technik als auch im umfangreichen Bildrepertoire, wurde seit 1983 im Rahmen einer Kooperation zwischen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Generaldirektion der Türkischen Altertümer und Museen bearbeitet und wird nun in einem neuen Schutzbaumuseum präsentiert.

Das Mosaik, das durch britische Archäologen bereits vor dem zweiten Weltkrieg gefunden wurde, gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen dieses Jahrhunderts. Es bildete den Schmuckfußboden im Peristylhof einer Palastaula und bedeckte einst eine Fläche von 1872 m2. Von dem in der Zeit Kaiser Justinians I. (527-565 n. Chr.) im Zuge einer Vergrößerung und Neugestaltung des Palastbezirks in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. geschaffenen Kunstwerks sind zwar nur mehr rund 250 m2 erhalten, dennoch bietet das Mosaik eine eindrucksvolle Vorstellung byzantinischer Palastausstattung. "Das erhaltene Bildrepertoire zeigt Szenen des menschlichen Lebens, der Mythologie und der Tierwelt. Zu den figürlichen Bildmotiven kommen landschaftliche, botanische und architektonische Elemente. Heute können noch 90 verschiedene Bildthemen mit etwa 150 Menschen- und Tiergestalten gezählt werden", schildert der Leiter des Projekts, der Archäologe Prof. Dr. Werner Jobst.

Sehr hochwertige Werkstoffe wie Kalksteinwürfel, Terrakotta, Glaswürfel und Halbedelsteine mit einem vielfältigen Farbenspektrum wurden für die Herstellung des Mosaiks verwendet. Bei einer Kantenlänge der Mosaikwürfel von fünf Millimeter ergibt sich, daß pro Quadratmeter rund 40.000 Steinchen versetzt worden sein mußten, bei der ursprünglichen Gesamtfläche mußten demnach insgesamt 75 bis 80 Millionen Mosaikwürfel verarbeitet worden sein. "Ebenso anspruchsvoll wie die technische und künstlerische Leistung der antiken Meister bei diesem Mosaik waren demnach die an Forschungsinstitutionen und Restaurierwerkstätten der Gegenwart gestellten Anforderungen, was die Sicherung, Erhaltung und Präsentation dieses Kunstwerks betrifft", betont Prof. Jobst. Denn Umweltbelastungen sowie unsachgemäße konservatorische Eingriffe nach der Entdeckung des Mosaiks hatten im Lauf der Jahre zu einer massiven Gefährdung geführt.

Im Zuge des 1983 begonnenen Forschungsprojekts, finanziert von der ÖAW, dem FWF und der Generaldirektion der Monumente und Museen der Türkei wurde das Mosaik der Nordosthalle des Peristylhofes abgenommen, in einer auf den Emporen der Irenenkirche errichteten temporären Werkstätte konsolidiert und anschließend wieder an den Fundort zurückgebracht. Das Mosaik wurde in 338 Teilungsflächen zerlegt und auf einem neuen Interventionsmörtel und einer aus Aluminiumwaben-Laminatplatten bestehenden Trägerkonstruktion appliziert. Bei der Bergung wurde eine transparente und elastische Abklebung des Mosaiks verwendet. Eine der arbeitsintensivsten Aufgaben der Konservierung bestand in der Reinigung der durch Verschmutzung und chemische Einflüsse stark beanspruchten Oberfläche. Ein ästhetisch besonders anspruchsvolles Restaurierungsproblem wieder war die Schließung der vielen Fehlstellen.

Um schließlich eine adäquate museologische Präsentation zu gewährleisten, wurde ein moderner Schutzbau errichtet. Die Bildfragmente und kleineren zusammenhängenden Mosaikteile aus der Südwest- und Nordwesthalle des Peristylhofes im Ausmaß von 70 m2 werden nun, in Zementmörtelplatten gegossen, an den Wänden dieses Museums präsentiert. Die in der Nordosthalle des Hofes erhalten gebliebene zusammenhängende Fläche von 170 bis 180 m2 kann nach der gelungenen Konservierung wieder in situ besichtigt werden.
 
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Letzte Änderung: 01.12.1997 14:05