Internationales Symposion zu Methoden und Inhalten der historischen Geographie des östlichen Mittelmeerraums im Mittelalter/ 11.-13. Dezember 1997 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Seit 30 Jahren reisen Wissenschaftler der Kommission für die Tabula Imperii Byzantini (TIB) der ÖAW und des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik der Univ. Wien durch die Kulturen: In der Türkei, in Syrien, Griechenland, Bulgarien und Albanien sind sie auf der Suche nach den Resten des byzantinischen Vielvölkerstaates. Alle Quellen, die über die Raumbeziehung und Raumnutzung der Menschen in byzantinischer Zeit Informationen bieten, etwa Veränderungen der Naturlandschaft wie Landwirtschaftsterrassen oder Straßentrassierungen, Denkmäler und archäologische Überreste wie Burgen, Festungsmauern, Kirchen und Klöster, Orts-, Flur- und Landschaftsnamen werden systematisch erfaßt. Doch kontinuierlich verschwinden die sichtbaren Zeugen "römischer" Kultur. In Tausenden von Dias haben die Forscher inzwischen vernichtete Burgen, Kirchen, Herbergen dokumentiert.
Ergänzt wird die Bestandsaufnahme "vor Ort" durch die Auswertung von Schriftdokumenten aller Art, etwa Geschichtswerken, Literatur oder Urkunden. Darüber hinaus versuchen die Wissenschaftler die unregelmäßige Quellendichte dadurch zu kompensieren, daß sie quellenmäßig nicht dokumentierte Teile der historischen Siedlungsrealität behutsam rekonstruieren.
Das Produkt der Forschungsarbeit sind Landkarten von einzelnen Regionen des Byzantinischen Reiches, die durch Textbände erläutert werden und die über Geographie, Kirchen-, Wirtschafts- und Siedlungsgeschichte des riesigen Gebiets informieren. Die bisher erschienenen neun Bände der TIB decken etwa die Hälfte des Kerngebietes des byzantinischen Raumes ab. Sie dokumentieren für weite Teile Südosteuropas und des östlichen Mittelmeerraums in umfassender Weise die menschliche Lebenssituation und deren Entwicklung zwischen der Antike und der Neuzeit und bieten eine "Verständnisbrücke" zur Gegenwart mit dem Ziel, Ursachen für religiöse, ideologische und kulturelle Differenzen innerhalb der euromediterranen Ökumene mit Hilfe der historischen Geographie durchschaubarer zu machen.
Eine Bilanz über die Arbeit zur Erforschung des östlichen
Mittelmeerraums findet im Rahmen des internationalen Symposions "Byzanz
als Raum - Zu Methoden und Inhalten der historischen Geographie des östlichen
Mittelmeerraumes im Mittelalter" vom 11. bis 13. Dezember 1997 in der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen
Siedlungsgeographie, Klimakunde, Verkehrssituation, Toponyme und Neuinterpretationen
schriftlicher Quellen.
| Nähere Informationen: | Kommission für die Tabula Imperii Byzantini der ÖAW
Univ.-Prof. Dr. Johannes Koder und Dr. Friedrich Hild A-1010 Wien, Postgasse 7/1/3, Tel. +43-1-515 81-542, Fax +43-1-512 70 23 |