18.01.2016

Leise Rumpler

Das neue LARS-Projekt erforscht, wie eine spezielle Form der Lärmbelästigung an Autobahnen reduziert werden kann.

Wie macht man etwas leise, das eigentlich in erster Linie laut sein soll? Am Institut für Schallforschung (ISF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nimmt man sich dieser verzwickten Problemstellung an: In einem neu gestarteten Forschungsprojekt wird untersucht, wie Rumpelstreifen, bauliche Maßnahmen, die beim Befahren in Gestalt von Lärm und Vibration die Nähe zum Straßenrand oder zur Gegenfahrbahn melden, für Autobahn-Anrainer/innen weniger störend gemacht werden können. Ihr aufrüttelndes Potenzial für übermüdete Fahrzeuglenker/innen sollen die kleinen Lärmmacher dabei allerdings nicht einbüßen.

„Das Ziel des Projekts ist herauszufinden, ob und wie man Rumpelstreifen verbessern kann“, bringt ISF-Projektleiter Christian Kaseß das Forschungsvorhaben „Lärmarme Rumpelstreifen“ (LARS) auf den Punkt. Durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien und der ABF Straßensanierung GmbH und gefördert von Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft ASFINAG sowie Forschungsförderungsgesellschaft FFG, werden die Forscher/innen rund um Kaseß eine Fülle an Datenmaterial sammeln, erheben und analysieren.

Sinus als Maß der Dinge?

„Es gibt bereits“, wie Kaseß ausführt, „spezielle Varianten, die die Lärmemissionen von Rumpelstreifen reduzieren können.“ So wird bereits in der Praxis mit sinusförmig gefrästen Streifen gearbeitet, deren Ziel es ist den Fahrer überhaupt eher mit Vibrationen als durch Geräusche vor Gefahr zu warnen. „Unsere Untersuchungen verfolgen aber auch andere Ansätze um zum Beispiel die Geräuschcharakteristik zu verändern oder den Schall stärker unter das Fahrzeug zu lenken“, so der Schallforscher.

Wie genau sich manche dieser Fräsmuster verhalten, ist freilich noch unklar. Um dieses Defizit zu beseitigen, wird das LARS Projekt daher Messungen an Teststreifen vornehmen, Vibrationen an Lenkrad und Sitz aufzeichnen, virtuelle Simulationen modellieren und schließlich auch psychoakustische Wahrnehmungstests im Labor mit Probanden – für das Innen- wie auch das Außengeräusch – durchführen und analysieren. „Die Frage ist“, sagt Kaseß, „welche Unterschiede in der Wahrnehmung beim Befahren verschiedener Rumpelstreifen sowohl im Fahrzeug als auch außerhalb ermittelt werden können.“ Denn schließlich sind für die Ermittlung der Lärmbelästigung von Anrainern nicht nur mit Instrumenten gemessene Daten entscheidend – sondern auch das nach wissenschaftlichen Kriterien zu erhebende menschliche Empfinden.

Ob dabei bestehende Ansätze wie sinusförmig gefrästen Rumpelstreifen die besten Ergebnisse zutage fördern werden, oder neue, bisher nicht zur Anwendung gelangte Ansätze, will Kaseß derzeit noch nicht abschätzen. Genau das sollen schließlich die Forschungen im kommenden Jahr herausarbeiten. Denn es gilt in erster Linie, solides neues Grundlagenwissen zu schaffen. Und natürlich, bestätigt Kaseß, hoffen die Forscher/innen, dass „dieses Wissen letztlich auch in die Fertigung verbesserter Rumpelstreifen einfließen wird.“