17.11.2016

JUBILÄUM DER WIENER TEILCHENPHYSIK

Hochkarätige Gäste und eine Expedition zu den kleinsten Bausteinen des Universums: Das Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird 50 Jahre alt und lädt zum Jubiläum zu einem großen Fest-Symposium in Wien.

Forschungsarbeit am europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN zu leisten, so lautete der Auftrag, mit dem das Institut für Teilchenphysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bei seiner Gründung 1966 betraut wurde. 50 Jahre und zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse später steht fest: Die hohen Erwartungen konnte das ÖAW-Institut nicht nur erfüllen – sondern sogar noch übertreffen.

An insgesamt drei Nobelpreisen für Physik, unter anderem für die Entdeckung des inzwischen berühmten Higgs-Bosons, war das HEPHY beteiligt. Inzwischen ist die Expertise des Instituts nicht nur am CERN in Genf gefragt, sondern auch bei weiteren internationalen Großforschungsprojekten. So suchen die Wiener Forscher/innen im CRESST-Experiment am Laboratori Nazionali del Gran Sasso in Italien nach neuen Erkenntnissen zur bisher rätselhaften Dunklen Materie, von der man annimmt, dass sie 26 Prozent unseres Universums ausmacht. Know-how und High-Tech-Entwicklungen bringt das HEPHY auch beim Teilchenbeschleuniger in der japanischen High Energy Accelerator Research Organization (KEK) ein: Mit einem Siliziumstreifen-Detektor Made in Austria wird sich ein Experiment ab 2018 auf die Spur der beim Urknall entstandenen Anti-Materie begeben.

Ausblick auf eine neue Physik

Zum 50sten Jubiläum der Gründung des Instituts lädt das HEPHY nun am 24. November 2016 zu einem öffentlichen Symposium in den Festsaal der ÖAW ein. Internationale Vortragende blicken dabei auf die bisherigen Entwicklungen in der Teilchenphysik zurück und wagen einen Ausblick auf mögliche kommende wissenschaftliche Revolutionen. Denn, so HEPHY-Direktor Jochen Schieck: „In den letzten 50 Jahren haben Experimente unter wesentlicher Beteiligung des Instituts für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur Entwicklung des Standardmodells der Teilchenphysik geführt. Wir sind nun an einem Punkt angekommen, an dem die Grenzen dieses Modells für die Erklärung unseres Universums deutlich werden. Es geht daher heute um nicht weniger als die Suche nach einer neuer Physik jenseits des Standardmodells.“

Winzige Teilchen und Dunkle Materie

Wie diese neue Physik aussehen könnte, beleuchten beim Symposium hochkarätige Gäste aus der Welt der Teilchenphysik. Der CERN-Forscher Tiziano Camporesi präsentiert Neues zum „Large Hadron Collider“, dem größten Teilchenbeschleuniger des Planeten. Gudrid Moortgat-Pick von der Universität Hamburg widmet sich der Theorie der Supersymmetrie, die angetreten ist, eine Brücke zwischen Teilchen- und Astrophysik zu schlagen. Peter Križan von der Universität Ljubljana wiederum stellt neueste Entwicklungen am japanischen Teilchenbeschleuniger SuperKEKB vor, der in zwei Jahren an den Start gehen wird, und Maxim Pospelov von der kanadischen University of Victoria erzählt vom global ausgetragenen Wettlauf um die experimentelle Herstellung von Dunkler Materie.

Public Lecture mit CERN-Physiker Manfred Krammer

Ein abschließendes Highlight des Symposiums bildet die Public Lecture des Physikers Manfred Krammer, der seit 2016 die experimentelle Physik am CERN leitet. Er entführt seine Zuhörer/innen auf eine Reise zu den kleinsten Bausteinen unseres Universums und erzählt aus erster Hand, wie sich mit dem gigantischen Teilchenbeschleuniger am CERN bislang unbekannte Teilchen entdecken lassen. In Wien ist Krammer übrigens kein Unbekannter: Bis zu seiner Berufung ans CERN war er als stellvertretender Direktor an einem anderen weltweit anerkannten Zentrum der Teilchenphysik tätig – dem Institut für Hochenergiephysik der ÖAW.