Das Österreichische Biographische Lexikon setzt in Österreich eine Tradition der lexikalischen Biographik fort, die auf Constantin von Wurzbach und sein sechzigbändiges Werk "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" (erschienen 1856-1891) zurückgeht. Noch während des Ersten Weltkriegs begannen an internationalen Vorbildern orientierte Vorarbeiten zu einer Fortsetzung von Wurzbachs Lexikon, die zu einem Teil in der auch noch später weitergeführten Publikationsreihe "Neue Österreichische Biographie" veröffentlicht wurden. Darüber hinaus war vom Amalthea-Verlag reiches biographisches Datenmaterial gesammelt worden, das die Österreichische Akademie der Wissenschaften 1946 mit dem Ziel übernahm, es aufzuarbeiten und in Form eines Biographischen Lexikons herauszugeben.
Zu diesem Zweck wurde im selben Jahr die "Kommission für die Ausarbeitung eines Österreichischen Biographischen Lexikons" gegründet und eine Redaktion eingerichtet. Diese Kommission wurde am 1.1.1994 in das Institut "Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften umgewandelt. Am 1.1.2013 wurde das ÖBL in das neugegründete Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung eingegliedert.
Hauptaufgabe des Instituts ist die Herausgabe des Österreichischen Biographischen Lexikons 1815-1950 (siehe auch Publikationen). Dieses erfasst Personen, die:
auf irgendeinem Gebiet durch außergewöhnliche Leistungen hervorgetreten sind
im jeweiligen österreichischen Staatsverband (also auch in den ehemaligen Kronländern) geboren wurden, gelebt oder gewirkt haben
und zwischen 1815 - dem Abschlussjahr des Wiener Kongresses - und 1950 verstorben sind.
Bei der Auswahl der Aufzunehmenden ist es neben einem offenen thematischen Spektrum ein wesentliches Anliegen, gerade jene Persönlichkeiten zu berücksichtigen, die nicht im Vordergrund des allgemeinen Bewusstseins stehen und oft sogar in Speziallexika vergeblich gesucht werden. Dies eröffnet einen weiten Benützerkreis, da nicht nur Fachleuten, sondern auch allgemein Interessierten entsprechende Informationen geboten werden. Eine besondere Stärke des Werkes liegt darin, dass für die Mitarbeit ein großer Kreis externer Fachleute aus Österreich, aber auch aus allen Nachbarstaaten zur Verfügung steht, wobei seit vielen Jahren eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Akademien der Wissenschaften in Polen, Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Kroatien und Slowenien, mit den Redaktionen der biographischen Lexika dieser Staaten, aber auch mit regionalen Archivverwaltungen besteht.
Eine weitere wichtige Aufgabe des Instituts besteht in der Führung einer über den Berichtszeitraum des ÖBL hinausgehenden biographischen Dokumentation, die ursprünglich in Form einer Zettelkartei angelegt war und die nunmehr sukzessive in eine modernen Anforderungen entsprechende Datenbank umgewandelt wird. Basierend auf dem vom Amalthea-Verlag (s. oben) gesammelten biographischen Datenmaterial wurde in der Folge eine umfangreiche Personenkartei (mit über 80.000 Karteikarten), eine biographische Materialiensammlung (mit ca. 250 Ordnern) sowie eine Reihe von spezifischen Schlagwortkarteien (bibliographisch, geographisch, berufsbezogen usw.) angelegt, die seit den 90er Jahren in eigens entwickelten Datenbanken erfasst werden. Diese Datenbanken enthalten derzeit mehr als 200.000 Datensätze (davon über 80.000 Personendatensätze mit über 120.000 Literatur- und Quellenangaben, ca. 7.000 historisch aufgeschlüsselte Ortsnamen usw.) und werden laufend ergänzt.
Die Aktivitäten im Rahmen der biographischen Dokumentation beinhalten aber auch eine Vielzahl weiterführender Recherchen in externen Bibliotheken und Archiven sowie die permanente Auswertung von internetbasierenden Informationsquellen.
Zwei spezifische Teilprojekte umfassen derzeit:
a) biographische Grundlagenforschungen zur Erstellung einer verbesserten zweiten Auflage des 1. Bandes des "Österreichischen Biographischen Lexikons 1815-1950"
b) Forschungen und Ergänzungen zu einer historischen Ortsnamendatenbank
Da diese für unser Land wohl einzigartige biographische Materialiensammlung einen repräsentativen Querschnitt über bedeutende Persönlichkeiten von 1815 bis zur Gegenwart bietet, kann das ÖBL durchaus die Stellung als Zentrum biographischer Forschung in Österreich für sich beanspruchen.
Die biographische Dokumentation bildet aber nicht nur die Grundlage für die Erstellung des Lexikons, sondern ermöglicht ferner die Beantwortung von telefonischen oder schriftlichen Anfragen an die Redaktion sowie die Betreuung von Benützern vor Ort.
Das Forschungsprogramm ATJB vereinigt eine Reihe von Einzelprojekten:
1. Die Datenbank ATJB-Lexikon
2. Die Projekte der Konvertitenreihe
3. weitere Projekte, ergänzende Vorhaben
Nähere Informationen siehe auf der Informationsseite der ATJB.
biografiA. Biografische Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen
Partner: Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK), A-1090 Wien
Abschlussdatum: 22.10.1997
Beschreibung: Die Projektinitiative hat die umfassende historisch-biographische Aufarbeitung österreichischer Frauen in Form einer Datenbank, in der Folge auch in einer gedruckten Lexikonfassung zum Ziel und ist somit die erste Datenbank/das erste Lexikon, welche/s sich ausschließlich mit Frauen in und aus Österreich beschäftigt. Der Erfassungszeitraum reicht von der erstmaligen Nennung Österreichs bis zur Gegenwart, wobei allerdings der derzeitige Erfassungschwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert liegt.
Das ÖBL ist seit Projektbeginn sowohl konzeptionell und inhaltlich als auch in technischer Hinsicht (Datenbankentwicklung, EDV-Beratung) beteiligt.
Kontaktpersonen: Roland Feigl (EDV-Betreuung, Datenbank), Dr. Irene Nawrocka
Biographische Zusammenarbeit mit dem Lexikon des Theaters in den böhmischen Ländern
Partner: Divadelní ústav Praha, CZ-110 00 Praha 1
Abschlussdatum: 2.2.1999
Beschreibung: Im Rahmen des Divadelní ústav Praha (Theaterinstitut Prag) wird seit 1989 an der Erstellung von Biographien wesentlicher Persönlichkeiten zur Theatergeschichte der böhmischen Länder gearbeitet. Das ÖBL hat im Rahmen des Projektes u. a. folgende Aufgaben übernommen:
- Informationsaustausch im Bereich der biographischen Dokumentation, Datenerhebungen
- Unterstützung bei der Vermittlung qualifizierter Autoren für einzelne Biographien
- Vorredaktion der von österreichischen/tschechischen Autoren erstellten Biographien in Wien/Prag.
Kontaktperson: Mag. Eva Offenthaler
Biographischer Datenaustausch zu Exlibris-Künstlern in Österreich
Partner: Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung, Österreichische Nationalbibliothek, A-1015 Wien
Abschlussdatum: 2.1.2003
Beschreibung: Im Zuge der Kooperation werden zwischen den beiden Institutionen sowohl biographische Informationen und Datenauskünfte zu österreichischen Exlibriskünstlern bzw. Exlibrissammlern ausgetauscht als auch von Seite der Exlibrissammlung Hilfestellung bei der Beurteilung der Aufnahme von Künstlern in das Österreichische Biographische Lexikon geleistet.
Kontaktperson: Dr. Christine Gruber
Historisch-biographische Forschungen zur Wissenschaftsgeschichte
Partner: Österreichische Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte (ÖGW), A-1010 Wien
Abschlussdatum: 1.6.2006
Beschreibung: Das Österreichische Biographische Lexikon und die Österreichische Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte (ÖGW) streben hinsichtlich der Auf- und Erarbeitung wissenschaftsgeschichtlicher Themen in Österreich sowie zur gemeinsamen Abhaltung diesbezüglicher wissenschaftlicher Veranstaltungen eine vertiefte Zusammenarbeit an.
Kontaktperson: w.M. Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller
Zusammenarbeit im Bereich von lexikalischen bio-bibliographischen Projekten
Partner: Historisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik (HÚ AV ÈR, v. v. i.), CZ-190 00 Praha 9
Abschlussdatum: 14.2.2007
Beschreibung:
- Informations- und Erfahrungsaustausch im Bereich der bio-bibliographischen Dokumentation
- Datenerhebung zu einzelnen Persönlichkeiten (Archiv- und Literaturauswertung)
- Unterstützung bei der Vermittlung qualifizierter Autoren bzw. fallweise Abfassung biographischer Lemmata
- Gemeinsame Veranstaltungen und Wissenschaftleraustausch
Kontaktperson: Mag. Eva Offenthaler
Zusammenarbeit im Bereich von lexikalischen bio-bibliographischen Projekten
Partner: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW), D-10117 Berlin
Abschlussdatum: 7.5.2007
Beschreibung: s. oben (HÚ AV ÈR)
Kontaktperson: Dr. Irene Nawrocka
Aufbau eines gemeinsamen Biographie-Portals ADB/NDB/HLS/ÖBL 1815-1950
Ursprüngliche Partner:
Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, D-80539 München
Bayerische Staatsbibliothek, D-80328 München
Abschlussdatum: 14.8.2007
Weiterer Partner:
Historisches Lexikon der Schweiz, CH-3001 Bern
Abschlussdatum: 8.2.2008
Beschreibung: Gegenstand dieser Vereinbarung ist ein im Web frei verfügbares, gemeinsames Portal, das dem Benutzer eine einfache Suchmöglichkeit in den vier biographischen Lexika Allgemeine Deutsche Biographie, Neue Deutsche Biographie, Historisches Lexikon der Schweiz und Österreichisches Biographische Lexikon 1815-1950 bietet.
Kontaktpersonen: Dr. Christine Gruber (Vorsitzende der AG), Roland Feigl
Zusammenarbeit im Bereich von lexikalischen bio-bibliographischen Projekten
Partner: L'viv Medical University (LMU), 290010 L'viv, Ukraine
Abschlussdatum: 15.4.2009
Beschreibung:
- Informations- und Erfahrungsaustausch im Bereich der bio-bibliographischen Dokumentation
- Datenerhebung zu einzelnen Persönlichkeiten (Archiv- und Literaturauswertung)
- Unterstützung bei der Vermittlung qualifizierter Autoren bzw. fallweise Abfassung biographischer Lemmata
- Gemeinsame Veranstaltungen und Wissenschaftleraustausch
Kontaktperson: Dr. Daniela Angetter
Austausch von Bildern bzw. biographischen Informationen zur redaktionellen Nutzung durch die Vertragspartner
Partner: Österreichische Nationalbibliothek/Bildarchiv und Grafiksammlung
Abschlussdatum: 11.11.2009
Beschreibung:
- Abgleich von Personendatensätzen
- kontinuierlicher Datenaustausch
Kontaktpersonen: Roland Feigl, Dr. Christine Gruber