Sasanidische Münzen und ihre Imitationen in Zentralasien
– Fundmünzen aus Usbekistan –


 
 
Bearbeiter

Michael Alram und Nikolaus Schindel (Wien)
Shakir Pidaev, Edvard Rtveladze und Larissa Baratowa (Tashkent)


 
 

 

Im größeren Rahmen des Projekts „Sylloge Nummorum Sasanidarum“ (SNS) wurde von der Numismatischen Kommission in Kooperation mit der Usbekischen Akademie der Wissenschaften das Projekt „Sasanidische Münzen und ihre Imitationen in Zentralasien“ ins Leben gerufen. Zentralasien, das gleichsam die Brücke zwischen Iran und Rom im Westen und China im Osten bildete, war für den Sasanidenstaat politisch wie wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung. Hauptstützpunkt der Sasaniden in Zentralasien war Merw (heute in Turkmenistan), das seit der Gründung der sasanidischen Dynastie unter Ardashir I. (224-240) als militärisches und wirtschaftliches Zentrum an der NO-Grenze des Reiches fungierte und auch eine eigene Münzstätte besaß. Diese Grenze war freilich nicht statisch, da sich gerade im numismatischen Material sowohl weite Vorstöße der Sasaniden nach Zentralasien, aber auch in Zeiten militärischer Probleme ein Zusammenbruch der sasanidischen Macht im zentralasiatischen Raum beobachten läßt.

Aufgrund der wirtschaftlichen Potenz des Sasanidenreichs vom 3. bis zum 7. Jhdt. n. Chr. hatte die sasanidische Münzprägung eine einzigartig starke Vorbildwirkung auf die gesamte zentralasiatische Münz- und Geldwirtschaft. Sasanidische Silberdrachmen strömten in großer Zahl nach Zentralasien und gelangten als überregionale Handelswährung bis nach Ostturkestan und China. Ab dem späten 5. Jahrhundert bildeten die sasanidischen Drachmen schließlich auch das Vorbild für die Eigenprägung zentralasiatischer Stämme und Dynastien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier in der Sogdiana (Usbekistan) sowie im nördlichen Tokharistan (Usbekistan, Tadschikistan), das im 5. und 6. Jahrhundert von den Hephthaliten beherrscht wurde. Hinzu treten westtürkische Stämme, deren Prägungen gleichfalls sasanidische Drachmen imitierten. Ein Phänomen für sich sind die zahlreichen Gegenstempel, die auf den in Zentralasien zirkulierenden Münzen sasanidischen Typs begegnen und zumindest teilweise als Hoheitszeichen einzelner Herrschaften zu interpretieren sind. Besonders zu betonen ist, daß ohne die Münzprägung die Geschichte Zentralasiens in der Spätantike nicht rekonstruiert werden könnte.

Schatzfunde und Einzelfunde sasanidischer Münzen und ihrer Imitationen aus Zentralasien bilden eine hervorragende Quelle für die politische und wirtschaftliche Geschichte dieses Raumes im Spannungsfeld zwischen Ost und West am Übergang von der Antike zur islamischen Periode. Leider sind diese Funde bislang nur ungenügend oder gar nicht publiziert und können somit für eine zusammenhängende geldgeschichtliche wie kulturhistorische Auswertung nicht verwendet werden.
 

Geplant sind im Rahmen des Projekts „Sasanidische Münzen und ihre Imitationen in Zentralasien“ folgende Teilarbeiten:

  • Aufnahme und Katalogisierung der sasanidischen Münzen und ihrer Imitationen aus den Sammlungen zentralasiatischer Museen und Grabungen (v.a. in Usbekistan, aber auch in anderen zentralasiatischen Staaten) und die Publikation dieses Materials zusammen mit einer detaillierten münz- und geldgeschichtlichen Analyse

  • Bearbeitung zweier kushanischer und kushanosasanidischer Münzschatzfunde in der Sammlung des Archäologischen Instituts der Usbekischen Akademie der Wissenschaften in Samarkand, die aus gesicherten archäologischen Kontexten stammen und dadurch von herausragendem wissenschaftlichem Wert sind. Das Manuskript soll 2009 fertiggestellt werden.

  • Publikation einer Detailstudie von Prof. Rtveladze (Taschkent) zu Geschichte und Münzprägung von Chach in der Spätantike und im Frühmittelalter in deutscher Sprache

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    Rückmeldungen an Dr. Bernhard Woytek
    Letzte Änderung: 03.07.2009