Traian, die Arsakiden und das Geld

Neue Studien zu Politik, Ideologie und Finanzgeschichte
zwischen Ost und West


 
Bearbeiter

Bernhard Woytek


 
 

 

Im Rahmen des mehrjährigen Forschungsprojekts Moneta Imperii Romani 14 hat Bernhard Woytek die römische Reichsprägung des Kaisers Traian (98–117 n. Chr.) einer fundamentalen Neuanalyse unterzogen. Durch die Aufdeckung der Prägestrukturen und die erstmals geglückte Rekonstruktion der Chronologie der undatierten Prägungen zwischen dem fünften und sechsten Consulat des Kaisers (103–111) wurde ein gänzlich neuer Zugang zur wichtigsten, weil einzigen durchgehenden Quelle der Periode eröffnet.

Der radikale numismatische Neuansatz hat beträchtliche Auswirkungen auf unser Gesamtbild der Geschichte, der Finanzgeschichte und der Ideologie des traianischen Zeitalters: Ziel von B. Woyteks Forschungsvorhaben „Traian, die Arsakiden und das Geld“, das durch die ÖAW ab 1. 10. 2006 mit einem APART-Stipendium gefördert wird, ist es, diese Auswirkungen auf zwei verschiedenen Ebenen zu untersuchen und sichtbar zu machen.

Einerseits wird die historische und die ideologische Entwicklung des Imperium Romanum unter Traian vor dem Hintergrund der numismatischen Evidenz neu analysiert, andererseits soll der Blick auf das Verhältnis zwischen dem Römerreich und seinen Nachbarn, insbesondere dem von den Arsakiden beherrschten Iran, in der traianischen Periode gerichtet werden; im Zentrum der Aufmerksamkeit werden diesbezüglich vor allem finanzhistorische Fragestellungen stehen.

Bei der Erforschung der ökonomischen Auswirkungen des Kriegs zwischen dem römischen Staat und dem Partherreich (113–117) soll sowohl die europäisch-mediterrane wie auch die iranische Evidenz gleichermaßen Berücksichtigung finden: Eine Analyse der Prägerhythmen der neu aufgearbeiteten römischen Reichsprägung wird in Zusammenschau mit der Untersuchung der wichtigen römischen Provinzialemissionen in Edelmetall aus Kleinasien und Syrien zeigen, wie das Imperium den langen Kriegszug finanzierte. Für den arsakidischen Bereich ist numismatische Grundlagenarbeit zu leisten, gilt es doch, durch eine wissenschaftliche Erstbearbeitung die Struktur der Münzprägung der Könige Vologaeses III. (ca. 105–147), Osroes I. (ca. 109–129) und Parthamaspates (ca. 116) klarzulegen und auf diese Weise Auswirkungen des Kriegs gegen Rom auf die parthische Münzproduktion zu erkennen: Diese Untersuchung wird im Rahmen des numismatischen Großprojekts Sylloge Nummorum Parthicorum erfolgen, das in enger Kooperation mit dem multilateralen, interdisziplinären Forschungsvorhaben „Coins, Pots and People: Cultural Aspects of Parthian Iran“ steht und an dessen Konzeption die Numismatische Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften führend beteiligt ist.

 

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Letzte Änderung: 09.07.2009