Die Fundmünzen der römischen Zeit in Österreich (FMRÖ)
Steiermark
Bearbeiterin
Ursula Schachinger
Das Projekt „FMRÖ Steiermark“, das vom FWF gefördert wird, hat die Erfassung aller antiken Fundmünzen und Münzfunde auf dem Boden der heutigen
Steiermark zum Ziel. Dies betrifft einerseits die aus archäologischen Grabungen stammenden Münzen, die das Rückgrat für die numismatische
Auswertung des Materials bilden; andererseits sind naturgemäß auch zahlreiche private Sammlungen, die sich aus steirischem Fundmaterial speisen,
von Bedeutung: Die genaue Prüfung der Fundortangaben ist hier freilich Grundvoraussetzung für eine Aufnahme. Hinzu treten die in der Literatur
erwähnten Altfunde, die in verschiedenen, oft weit verstreuten und heute vielfach nur mehr schwer zugänglichen Schriften publiziert sind.
Das erfaßte Material beläuft sich unter der Prämisse, Stücke nicht eindeutig dokumentierter Provenienz ausgenommen zu haben, in Summe auf
ca. 20.000 Fundmünzen.
Zum Zwecke der fächerübergreifenden Nutzung des Materials sind die nach den neuesten wissenschaftlichen Grundlagen bestimmten Münzen in einer
elektronischen Datenbank gespeichert. Diese dient als Grundlage für die Katalogerstellung sowie für eine numismatische Auswertung und
Interpretation des Gesamtmaterials, deren Ziel es ist, die Evidenz der Münzen in Einklang mit der historisch-archäologischen Evidenz zu
bringen. Dabei werden vergleichende Untersuchungen der Ergebnisse von Flavia Solva, der am besten dokumentierten antiken Siedlung der heutigen
Steiermark, mit anderen Städten – wie z. B. Virunum, Carnuntum oder Vindobona – auf Basis der bereits erschienenen FMRÖ-Bände vorgenommen.
Außerdem wird an einer flächendeckenden Kartierung der örtlichen Fundmünzreihen gearbeitet, wobei die verschiedenen Fundgattungen (Einzel-,
Grab-, Weihe- und Schatzfunde) zu unterscheiden sind. Einen Schwerpunkt stellen die aus römischen Siedlungen (Flavia Solva, Kalsdorf,
Gleisdorf, Lupitsch etc.), römischen Villen (Grafendorf, Löffelbach, Lassenberg etc.) oder von Handels- oder Verkehrswegen (Sölkpass,
Dachstein) stammenden Streufunde dar. Hiebei treten oft lange Münzreihen auf, die bisweilen keltisches oder römisch-republikanisches
Material enthalten und bis in das ausgehende 4. Jhdt. n. Chr. reichen. Die Versorgung der heutigen Steiermark mit römischem Münzgeld
dürfte nach Aussage des bearbeiteten Materials seit konstantinischer Zeit neben Rom und Aquileia besonders von östlichen Prägestätten
aus (Siscia, Sirmium, Thessalonica etc.) durchgeführt worden sein.
Hinsichtlich der Grabfunde (Bild links) hat sich die Vermutung, daß diese Münzen in der Regel dem Geldverkehr direkt entnommen wurden, erhärtet.
Die wenigen Schatzfunde aus der Steiermark (Adriach, Strettweg, Scheifling, Wagna etc.) haben meist Münzen des 3. oder 4. Jahrhunderts zum
Inhalt, wobei die Ansparzeit der Horte in der Regel kurz ist.
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Letzte Änderung: 26.02.2003
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