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Bearbeiter Michael Alram, Nikolaus Schindel
Im Zuge der Grabungskampagne von Prof. R. Ünal (Ege Universität Izmir) in Beçin (Milas, Provinz Mugla, Türkei) kam ein Münzschatz von 30 kg osmanischen und europäischen Silbermünzen ans Tageslicht, der in der türkischen Presse großes Aufsehen erregte. Beçin war Hauptort des Ahmet Ghazi, Bey der anatolischen Dynastie der Mentese im 14. Jahrhundert und hatte auch noch in osmanischer Zeit gewisse Bedeutung, wie dem Reisebericht des Evliya Çelebi aus dem 17. Jahrhundert zu entnehmen ist. Aus beiden genannten Epochen sind imposante Baudenkmäler erhaltenen. Der Schatzfund (Enddatum ca. 1610 n. Chr.) besteht aus etwa 60.000 Münzen, zum weitaus größten Teil Akces (Kleinsilbermünzen) der Sultane Murad III. (AH 982-1003; AD 1574-1595), Mehmed III. (AH 1003-1012; AD 1595-1603) und Ahmed I. (AH 1012-1026; AD 1603-1617). Daneben sind auch Dirhams und Madinis dieser Prägeherren in geringer Zahl vertreten. Kostantiniye (Istanbul) stellt die häufigste Münzstätte dar, es finden sich aber nahezu alle bisher bekannten Prägeorte dieser Epoche wieder. Abgesehen davon sind auch wenige Gepräge der halbautonomen Girei Khane auf der Krim und ca. 830 europäische Münzen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts Teil dieses Schatzfundes: vor allem die damals im osmanischen Reich beliebten spanischen 8-Reales und niederländische Löwentaler, aber auch Prägungen des Römisch-Deutschen Reiches, aus Transsylvanien oder aus Polen. Zahlreiche verschiedene Kleinsilbermünzen aus ganz Europa runden das Spektrum ab. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen vieler zeitgenössischer Talerfälschungen. Die wissenschaftliche Aufnahme und Auswertung dieses Schatzfundes, der den größten auf dem Gebiet der heutigen Türkei darstellt, ist ein türkisch-österreichisches Gemeinschaftsprojekt: Die Bearbeitung erfolgt durch die Numismatische Kommission sowie das Institut für Kulturgeschichte der Antike der ÖAW in Kooperation mit der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA), der Ege Universität in Izmir, dem Österreichischen Archäologischen Institut und dem Kunsthistorischen Museum Wien. Umfangreiche materialanalytische Untersuchungen werden vom Institut für Wissenschaften und Technologien in der Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien in Zusammenarbeit mit dem Marmara Research Center (The Scientific and Technical Research Council of Turkey) durchgeführt. Neben einer umfänglichen archäologischen und historischen Einführung umfasst die Auswertung eine detaillierte numismatische Analyse, die für die Sultane Murad III., Mehmed III. und Ahmed I. erstmals eine Systemanalyse nach den Regeln der Wiener Schule der Numismatik versucht. Auch der neuzeitliche Fundteil erfährt eine ausführliche Behandlung. Der Band wurde im Juni 2009 an der ÖAW zum Druck angenommen und soll noch 2009 erscheinen.
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