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© Kommission für Kunstgeschichte
Redaktion und Update: Anna Mader
Letzte Änderung: 27.07.2010

Corpus der mittelalterlichen Wandmalerei Österreichs

Projektleitung und Herausgeber
Ao. Univ.-Prof. Dr. Eva FRODL-KRAFT
Ao. Univ.-Prof. Dr. Ernst BACHER (†)
In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesdenkmalamt

Bearbeiterin
Dr. Elga LANC

Finanzierung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)


Das Forschungsunternehmen des Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs hat sich die Aufgabe gestellt, eine in ihrer Existenz besonders gefährdete Kunstgattung, deren Werke trotz ihrer eminenten Bedeutung für die Geschichte der mittelalterlichen Kunst wissenschaftlich noch kaum bearbeitet und, mit wenigen Ausnahmen, auch den Mediävisten weitestgehend unbekannt geblieben waren, systematisch zu erfassen, zu dokumentieren und wissenschaftlich zu bearbeiten.

Vorgeschichte
Die ersten Ansätze dazu gehen auf Prof. Walter Frodl, damals Präsident des Bundesdenkmalamtes, und Prof. Otto Demus, damals Obmann der Kommission für früh- und ostkirchliche Kunst zurück, in deren Rahmen 1973 Dr. Elga Lanc mit der Arbeit am Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs betraut wurde. Seit der Gründung der Kommission für Kunstgeschichte mit ihrem ersten Obmann Prof. Otto Pächt ist das Corpus-Unternehmen in dieser Einrichtung verankert.

Zu Band 2 und zum Aufbau der Bände
Die Steiermark ist nach Kärnten das an mittelalterlicher Monumentalmalerei reichste Bundesland Österreichs. Aus dem Zeitraum vom 12. Jahrhundert bis um 1530 wurde in 163 Bauwerken der immense Bestand von 1752 Wand- und Gewölbemalereien bzw. Katalognummern – eine in der kunsthistorischen Grundlagenforschung bisher einzigartige Fülle von Material – in eingehenden Analysen kunstwissenschaftlich erschlossen.

Der Band umfaßt höchst bedeutsame und qualitätvolle Werke von europäischem Rang, darunter aus romanischer Zeit die eindrucksvollen Gesamtausstattungen mit ihren komplexen, vielschichtigen Programmen in der Johanneskapelle in Pürgg und in St. Georgen ob Judenburg (gegen 1240) sowie in der Michaelskapelle in Stift Göss, einem wichtigen Vertreter des Zackenstils. Unter den international herausragenden Wandbildern befinden sich unter anderem auch jene des Meisters von Bruck aus der Zeit gegen 1400.

Die umfassende Untersuchung eines derart großen Bestandes, in dem aus allen fünf Jahrhunderten umfangreiche Gesamtausstattungen vertreten sind, deren Vielfalt an formalen und programmatischen Gestaltungskonzepten alle anderen künstlerischen Medien bei weitem überragt, erbrachte nun auch eine grundsätzliche Neupositionierung der gotischen Monumentalmalerei. Unter anderem wurde die bisherige Auffassung, die Wandmalerei hätte im 15. Jahrhundert an Bedeutung verloren, widerlegt.

Im Textband gibt eine Einführung einen knappen entwicklungsgeschichtlichen Überblick über die vielfältigen Erscheinungsformen und Gestaltungsprinzipien der Monumentalmalerei und vermittelt einen Eindruck von dem breit gefächerten Spektrum eines Mediums, dem der gesamte Bau als Bildträger zur Verfügung steht.

Der nach Orten alphabetisch geordnete Katalog ist in die für die Monumentalmalerei relevanten Kategorien gegliedert: Ausstattungssysteme, übergreifende Gesamtprogramme, Ikonographie der Bildthemen, Technik, Erhaltung, Stilausprägungen und entwicklungsgeschichtliche Einordnung. Neben einer kommentierten Bibliographie enthält er überdies Informationen zur Baugeschichte, Geschichte, Epigraphik, Realienkunde und zu den Auftraggebern. 60 Wandabwicklungen bzw. Grundrisse, Personen- und Ortsverzeichnisse sowie das ikonographische und Sachregister erleichtern dem Benützer die Erschließung des Materials.
Der Tafelband bietet mit insgesamt 991 farbigen und schwarz-weißen Illustrationen eine annähernd vollständige fotografische Dokumentation der Denkmäler.

Vorschau auf Band 3
Da die corpusmäßige Bearbeitung des umfangreichen Bestands an mittelalterlicher Wand-und Gewölbemalerei in Österreich sehr zeitintensiv ist, wurde anhand der geringeren Anzahl von Werken im Burgenland ein neues, für eine Kurzfassung der Texte taugliches Katalog-Schema erarbeitet.

Publikationen
Elga LANC, Die mittelalterlichen Wandmalereien in Wien und Niederösterreich, Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs, Band 1, mit Beiträgen von Eva-Maria HÖHLE und Ivo HAMMER, Wien 1983.

Elga LANC, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark, Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs, Band 2, Text- und Tafelband, mit Beiträgen von Miriam PORTA, Wien 2002.

Elga LANC, Die mittelalterlichen Wandmalereien im Burgenland, Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs, Band 3, im Erscheinen.

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Graz, Leechkirche
Bruck a.d. Mur, Minoritenkirche
St. Lorenzen im Mürztal