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© Abteilung Musikwissenschaft
Redaktion: Mario Aschauer
Letzte Änderung: 22.04.2013 15:58

Conradin Kreutzer: Briefe Gesamtausgabe (Kritische Edition)

Bearbeiter: Mag. Dr. Till Gerrit Waidelich
Finanzierung: Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank
Laufzeit: 03/2013–02/2015

Für die Zeit des Biedermeier und Vormärz ist der Komponist und Kapellmeister Conradin Kreutzer (geboren in der Thalmühle bei Meßkirch 1780, gestorben in Riga 1849) neben den eigentlichen Größen der Musikgeschichte eine der interessantesten Persönlichkeiten. Einerseits war seine Popularität dank der Oper Das Nachtlager in Granada (Wien 1834 und 1837) und der Musik zu Ferdinand Raimunds "Original-Zaubermärchen" Der Verschwender nicht nur bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sehr beachtlich. Andererseits kam er fast im gesamten deutschen Sprachraum sowie in Frankreich und den Niederlanden mit zahlreichen einflußreichen Musikern und Schriftstellern in fruchtbaren Gedankenaustausch. Als Komponist von rund 50 sehr verschiedenartigen Werken für das (Musik-)Theater, lateinischen Messen, Chören, Liedern sowie Kammer- und Klaviermusik war er gleichsam in jedem kulturbeflissenen Haushalt des 19. Jahrhunderts mit einigen Notenausgaben sowie auch im kollektiven Melodiengedächtnis seiner Zeit präsent. Zwar blieb er sich als Komponist einerseits in seiner typisch biedermeierlich-konservativen ästhetischen Grundhaltung stets treu, versäumte jedoch keineswegs, sich nach und nach auch populären zeitgenössischen Strömungen anzupassen. So ist sein Opernschaffen sehr vielseitig, da er zwischen 1802 und 1849 in allen erdenklichen Gattungen experimentierte: vom Liederspiel und der musikalischen Posse bis zum Singspiel und Melodram, von heiteren Werken im Stil der Opéra-comique und Buffa bis hin zur 'großen romantischen' und 'großen tragischen' ('vaterländischen') Oper. Wegen seiner Männerchöre und Lieder war Kreutzer bis um 1900 sogar in Amerika populär, und als Operndirigent des gesamten zeitgenössischen Repertoires (einschließlich der Werke des Belcanto oder der großen Opern Giacomo Meyerbeers, die er zu deren Wiener Erstaufführungen einstudierte) war er sowohl in Wien als auch etwa beim Rheinischen Musikfest in Köln sehr geachtet. Über Kreutzers Ansichten und Einsichten, über seine Erwägungen zu eigenen und fremden Werken, zum Klavierbau in Wien, der Schweiz und Schwaben sowie seine Karriere- und Reisepläne informiert sein umfangreicher Briefwechsel sehr anschaulich und vielfältig. In Kreutzers Beschreibungen und Erörterungen seines Umfelds zeigt sich exemplarisch ein typischer Repräsentant seiner Zeit, der dank seiner musikalischen Begabung aus sehr bescheidenen Verhältnissen in bemerkenswerte und sehr geachtete Stellungen hineinwuchs.

Die überlieferten Korrespondenzen Kreutzers, der in seinen dreißig produktivsten Jahren mit kürzeren Unterbrechungen in Vorderösterreich und Österreich tätig war und langjährig als Kapellmeister der Wiener Hofoper sowie kurzzeitig als Komponist und Dirigent am Theater in der Josephstadt wirkte, beginnen 1801 in seinem 21. Lebensjahr und reichen bis zu seinem Tod mit 69 Jahren 1849, umfassen also die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erhalten sind ca. 500 Briefe (u. a. Staatsbibliothek zu Berlin, Wienbibliothek im Rathaus, Staatsarchiv Ludwigsburg, FFA Donaueschingen, Zentralbibliothek Zürich, Archive und Sammlungen in Stuttgart und Karlsruhe, mehrere Verlagsarchive, Privatbesitz Schweiz), die im Rahmen des Projekts ediert werden.

Besonders gut dokumentiert sind dank der dort erhaltenen lokalen Verwaltungsakten der Hoftheater bzw. des Hofes zunächst seine kurzen Engagements in Stuttgart und Donaueschingen zwischen 1812 und 1822. Darüber hinaus gibt es aber auch insbesondere über seine frühen Jahre in der Schweiz und in Wien (1804 bis 1810 sowie 1822 bis 1840) und Köln (1840 bis 1842) sowie seine drei ausführlichen Reisen nach Paris (1811, 1827 und mehrmals zwischen 1842 und 1844) zahlreiche Korrespondenzen mit Schriftstellern, Musikgesellschaften und Schauspielerkollegen, Komponisten wie Louis Spohr und Giacomo Meyerbeer, einer Reihe von Instrumentenbauern/-konstrukteuren, Zeitungsredakteuren sowie den meisten wichtigen Verlegern. Selbst in den späten Wanderjahren zwischen 1842 und 1849 verfügt man dank Kreutzers Briefwechsel mit Librettisten und Interpreten sowie Verlegern seiner Werke über einen guten Einblick in seine Aktivitäten und Vorhaben als Komponist in fast allen Gattungen seiner Zeit (von großen Orchesterwerken abgesehen), sowie als Kapellmeister, Panmelodikon- und Klavier-Virtuose. Für die Institutionsgeschichte der Wiener Hofoper und des Theaters in der Josephstadt zwischen 1820 und 1840 kommt Kreutzers Korrespondenz besondere Bedeutung zu, da es gerade für jenen Zeitraum, in dem er an diesen Häusern wirkte, wenige umfassend dokumentierte Privatkorrespondenzen gibt, die auch über die Hintergründe von Entscheidungen für den Spielplan, die Kollegen, die Zensurbedingungen und die Besetzungen detailliert informieren. Abgesehen von wenigen eher formelhaften Ansuchen und Auskunftsbriefen aus seiner Feder ist Kreutzer ein besonders mitteilsamer Korrespondent, der meist konzeptionelle Erwägungen, ästhetische Urteile sowie Beobachtungen zur Aufführungspraxis und anderer zeitgenössischer Phänomene einfließen ließ. Unter Kreutzers Briefpartnern sind neben vielen anderen zu erwähnen:

Komponisten: Georg Abraham Schneider, Johann Nepomuk Hummel, Louis Spohr, Carl Maria von Weber, Giacomo Meyerbeer, Anselm Hüttenbrenner, Johann Vesque von Püttlingen, Hippolyt Chelard.

Dichter: Joseph Carl Bernard, Gustav von Berneck, Charlotte Birch-Pfeiffer, Franz Grillparzer, David Heß, Friedrich Matthisson, Friedrich Rochlitz, Georg Friedrich Treitschke, Friedrich Kind, Adolph Bäuerle, Hermann von Herzenskron.

Gekrönte Häupter und Adel: König Friedrich I. und spätere Könige von Württemberg, Fürst Carl Egon von Fürstenberg, Ludwig I. von Hessen-Darmstadt sowie Adelige in Wien, Prag, im Rhein-Main-Gebiet und Norddeutschland. Darüber hinaus schrieb er vielfach an fast alle im Musik-, Theater- und Opernwesen seiner Zeit engagierten Musiker, Sänger, Intendanten, Journalisten und Verleger, darunter Johann Georg Nägeli, Ole Bull, Anton Schindler, Dieudonné & Schiedmayer, Carl Keller, Ernst Pasqué usw.