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Rhodiapolis
Vorveröffentlichung
von Materialien der Bauforschung für die Epigraphik /1/,
von
Gerhard Huber
Vorbemerkungen
Der
vorliegende Bericht bezieht sich auf eine Arbeit, die im Rahmen des
Wissenschaftler-Austausch-Programms zwischen der
- Türkiye
Bilimler Akademisi, und der
-
Österreichischen
Akademie der
Wissenschaften durchgeführt
wurde /2/.
Die
Bauforschung kann, unterstützt durch neuere Technologien, der
Epigraphik als einer der Grundwissenschaften der Alten Geschichte
durch Planifikation und Verortung der Inschriften wertvolle Hilfe
leisten. Es handelt sich nicht um Archäologie, auch nicht um
Topographik.
Als Gast eines Teams unter
Leitung von Bülent Iplikcioglu /3/ wurden (a) von diesem ca. 60
neue Inschriften gefunden /4/, und (b) vom Verf. in 14tägigem
Aufenthalt erste Beobachtungen und Skizzen erarbeitet /5/. Der Text
dient zur Erläuterung der Zeichnung /6/.
Bei der
Benennung, etwa der Funktion der Gebäude, werden Kürzel
verwendet /7/.
Fussnoten
zu den Vorbemerkungen:
/1/ Es ist
beabsichtigt, diese Arbeit der kleinasiatischen Kommission der ÖAW
zur Veröffentlichung im Druck vorzulegen.
/2/ Es ist
dem Verf. ein aufrichtiges Bedürfnis, allen an dem
Zustandekommen des Austausches beteiligten Persönlichkeiten und
Institutionen seinen tief empfundenen Dank auszudrücken. Die
beiden Akademien werden gebeten, den vorliegenden Text und die 2
Zeichnungen als Tätigkeitsbericht wohlwollend anzunehmen.
/3/
Danksagung: a) o. Univ.-Prof. Dr. Bülent Iplikcioglu für
die freundliche Einladung und Betreuung und alle Hilfestellungen,
für
die fachlichen Diskussionen und Anregungen; b) TC Kültür
Bakanligi, Anitlar ve Müzeler Genel Müdürlügü,
für die Prof. Iplikcioglu erteilte Genehmigung; c) dem Obmann
der kleinasiatischen Kommission der ÖAW, o. Univ.-Prof. dr. G.
Dobesch, sowie den Herren Dr. Rehrenböck, Dr. Hild und
Univ.-Prof. Dr. Tomaschitz für fachliche Beratung und anregende
Diskussionen.
/4/ Es ist
geplant, dieselben in einem ETAM ? Band zu veröffentlichen.
/5/ Die
vorliegende Arbeit präsentiert eine weitere antike Stätte
der kleinasiatischen Südküste, die früheren Arbeiten
des Verf. an Anemurion, Antiocheia e. K., Selinus / Traianopolis,
Iotape, Syedra und Hamaxia fortsetzend. Siehe dazu Lit /8/.
/6/ Zur
Form dieses Textes: Die Zitierweise /n/ ist vorläufig. Das
griechische und türkische Alphabet stand nicht zur Verfügung.
/7/ Wie in
den vorangegangenen Publikationen gelten folgende Kürzel:
-
bei
sicherer Zuschreibung erfolgt kein Zusatz
-
bei
hoher Wahrscheinlichkeit der Zusatz wa
-
bei
einiger Wahrscheinlichkeit der Zusatz vi
Historisches:
Zwecks
Querverbindung der Geschichte mit den Bauwerken und der Bautechnik,
auch aus der vergleichbaren Situation vieler Städte der
kleinasiatischen Südküste /8/, seien wa
Bauperioden zitiert:
-
?hellenistisch?
2., 1. Jhdt. v. Chr. vor den römischen Eingriffen;
-
?kaiserzeitlich?
von der Zeitenwende bis zur nachhaltigen Störung Mitte des 3. Jhdt.s /9a/
-
?spätantik?
nach der Erholung etwa Mitte des 4. Jhdt.s bis zu neuen Krisen Anfang
6. Jhdt. /9b/.
-
weiteres
Bestehen der Siedlung ist möglich bis zu den Araber ?
Einfällen Ende 7.
Jhdt.
Diese
kleine Stadt in Ostlykien kann wegen ihres Namens und eines Turms als
hellenistische Gründung angesprochen werden. Sie teilt das
Schicksal aller Siedlungen der Region mit dem Höhepunkt in der
Kaiserzeit, bemerkenswert (bmw.) durch den hier beheimateten
Wohltäter Opramoas. Das Gros der Bauten stammt aus dieser Zeit.
Für die Spätantike gibt es eine Befestigung der Stadt in
verkleinertem Umfang, die aus vielen Spolien rasch aufgestellt wurde,
sowie eine Kirche auf der befestigten Akropolis. Ein Zubau zur Kirche
ist das späteste Zeugnis.
Lagebeschreibung
Die Stätte
des antiken Rhodiapolis liegt in Luftlinie 3 km nordwestlich des
heutigen Zentrums von Kumluca, auf einer 300 m hohen Kuppe der ersten
Hügelkette, die sich aus der Ebene erhebt. Die Sicht nach
Süden
geht zur 10 km entfernt liegenden Küste des Golfs von Finike und
reicht von dieser Stadt im Westen bis zum Kap Gelidonia im Osten.
Hinter Rhodiapolis im Norden, durch einen Sattel abgetrennt, steigen
die Beydaglari bis zu 3000 m hoch an. Im Vergleich zu anderen vom
Verf. aufgenommenen Städten in ähnlicher Lage zeigen sich
(a) eine geringere Höhe über dem Meer und (b) keine
geeigneten Felsen, sodaß keine ausgesprochene Schutzlage
vorliegt. Dementsprechend ist auch der hohe Zerstörungsgrad der
Ruinenstätte. In Fußgänger ? Entfernung in der
Ebene lag Korydalla, hier als Schwesterstadt von Rhodiapolis
angesprochen und dieser vi als Fluchtburg dienend; 10 km
nach Westsüdwest befindet sich Limyra, in gewissen Epochen
sicher das Zentrum der Küstenebene und der umsäumenden
Hügellandschaft. Geologisch bestehen die Erhebungen aus
wasserdurchlässigem Kalkstein, welcher auch als Baustein
verwendet wurde.
Wasserversorgung
Innerhalb
des bebauten Gebietes von Rhodiapolis lässt sich keine Quelle
ausmachen, auch nicht in annehmbarer Entfernung. Bescheidene Quellen
finden sich im nördlichen Tal, hundert Meter bergab und ca.
einen Kilometer zu gehen. Diese Wasserlosigkeit ist der
entscheidendste Nachteil des Siedlungsplatzes, andererseits Grund
für
erstaunliche Anstrengungen im Zisternenbau. In meist erkennbarem
Kontext mit öffentlichen Bauten wurden tiefliegende
tonnenüberwölbte Zisternen großen Ausmaßes
errichtet, in welche die Dach- und Platzflächen entwässerten.
Der
Wasserlosigkeit der Höhen entspricht, daß unmittelbar am
Fuß der Hügel und Berge reichlich Wasser zutage tritt und,
teils in Wasserläufen, teils als Grundwasser zur Küste
strömt. So sind Korydalla und Limyra sehr gut mit Wasser
versorgt, die Ebene für die Landwirtschaft prädestiniert.
Stadtanlage
<>Bereiche:
Der in ca.
300 m Höhe gelegene Bereich A kann als ?Akropolis?
bezeichnet werden. Von hier aus entwickelt sich die Stadt
grundsätzlich nach Süden, zum Meer hin. Es muß jedoch
vermerkt werden, dass sich nach Nordosten ein stark zerstörtes
Areal erstreckt, von dem besonders eine westliche Abgrenzung zu sehen
ist. Dieser Bereich ist in der Plandarstellung nicht erfasst.>
Nach Süden
hin schließt an den Abhang der Akropolis der dokumentierte Teil
der Stadt. Sein westlicher Teil wird mit Bereich B bezeichnet und hat
Höhenlagen von ca. 280 m bis 260 m über dem Meer.
Der
östliche Teil des bebauten Abhanges hat mit Theater, Agora, Stoa
u.s.w. die Funktion des Zentrums und wird mit Bereich C bezeichnet.
Er liegt auf 280 m bis 270 m Höhe.
Tiefer im
Südosten, auf 240 m Höhe, befindet sich abgetrennt der
Bereich D.
<>Orientierung:
Der
Stadtgrundriss mag zunächst etwas ungeordnet aussehen.
Bezüglich
der Orientierung der erkennbaren öffentlichen Gebäude sind
drei Gruppen anzutreffen: (a) etwa O ? W Richtung bzw. normal
darauf: die Gruppe auf der Akropolis A.4, A.6, A.10, sowie das
Theater C.1 folgen einer Ostrichtung, um ca. 15o nach
Norden abweichend; die Stoa C.10 um 6o, die ?Anlage
Rundtempel? C.13 um 7o nach Nord abweichend. Die
Achse der Kirche A.3 weicht um ca. 2o nach Norden ab, B.2
um ca. 2o nach Süden.>
(b) Der
Raum zwischen dem Theater und Stoa C.10 ist gegliedert durch zwei
Terrassen C.4 und Agora C.6, deren Geländekanten sich wie ein
Fächer bis Südwest öffnen. Sie erreichen auf diese
Weise die Höhenschichtenlinie des natürlichen Geländes.
(c) Die
Anlagen B.4, B.5, B.6 sowie einzelstehend D.2, jeweils
größere
Komplexe mit Zisternen, scheinen sich nach der Höhenschichtenlinie
zu orientieren.
<>Plätze,
Gassen und Wohnbebauung:
An
städtischen Raumbildungen sind folgende Plätze zu nennen:
Der Platz vor dem Theater C.1, begrenzt von der
Gelände-Stützmauer
C.4 und der aufragenden Wand C.3, inmitten steht das Mausoleum des
Opramoas. Eine Geländestufe weiter unten die Agora C.5, C.6, die
sich bis zur Stoa C.10 erstreckte.>
Die
?Anlage Rundtempel? C.13 mit darunterliegenden Zisternen.
Bei B.4, B.6, sind jeweils über den Zisternen Plätze oder
Höfe anzunehmen, bei D.2 mit dem Charakter einer Terrasse.
Schmale
Gassen lassen sich nachvollziehen vor der Kirche A.3, sowie zwischen
C.7 und C.8. Die eigentliche Wohnbebauung ist, wie so oft in diesen
Ruinenstätten, durchgehend zerstört. Daß es sie
gegeben hat, erkennt man am ehesten vor der Kirche A.3, sowie
nördlich B.6. Der auf dem Stadtplan freie Bereich zwischen
Akropolis A.10, der Wand C.3, und C.15 bis B.1 ist erfüllt von
stark zerstörten vi Wohnbauten.
<>Stadtmauer:
In wa
spätantiker Zeit wurde der Kernbereich der Stadt mit einer
Befestigung versehen, deren Verlauf im Westen gut zu verfolgen ist.
Von der Akropolis zieht bei A.8, A.9 eine vielfach aus Spolien
bestehende Mauer den Hang herunter, um bei B.1 einen
Zwingerähnlichen
Zugang und ein Stadttor zu bieten. Weiter im Süden und Osten
ergibt sich ein Abschluß durch die, auf hohen Substruktionen
stehenden, Bauten in der Abfolge B.2, C.13, C.12, C.11, vi
bis zur Terrasse der Agora C.6, wobei in letzterem Bereich sowohl
Reste einer Stadtmauer, als auch spätantike Bauten mit ihrem
typischem Mauerwerk fehlen.>
Bemerkungen
zu einzelnen Bauwerken:
Der Turm
A.1 mißt ca. 8,30m x 7,80 m. Er ist aus Steinblöcken aus
cca. 1 ? - 2 m Länge zusammengesetzt. Der Bau ist mit
anderen Türmen als Siedlungskern vergleichbar, z.B. Lyrboton
Kome bei Varsak / Antalya und Hamaxia / Alanya, s.Lit /8f)/, die
jedoch kleinere Steingrößen haben. Er wird als wa
?hellenistisch? angesprochen.
A.2, die
Ecke eines Turmes oder Wehrbaues, auf gleicher Höhe mit A.1, aus
Spolien zusammengesetzt, mit einer abgeschrägten Schieß-Luke.
A.8. und
A.9 zeigen den Verlauf der spätantiken Stadtmauer,
größtenteils aus Spolien zusammengestellt. Die befestigte
Akropolis sichert die Fläche von A.1, A.2 einschließlich
A.4, einer Reihe von Räumen bei A.10, die große Zisterne
A.6 flankierend. Die drei letztgenannten Bauwerke stehen im selben
?Raster? wie das Theater. Die Zisterne besteht aus zwei
Längstonnen, beachtliche 25 m lang, Spannweite unter 6 m, die
Gewölbe aus Haustein. In der südl. Ecke ein quadratischer
Teil ohne Einwölbung, mit einer Treppe.
Von der
Kirche A.3 fällt zunächst die
große Apsis mit
10? (Fuß) Radius auf. Die Apsis ist in das
Gebäuderechteck eingeschrieben, sodaß
unregelmäßige
Pastophorien bleiben. Leichte Umfassungsmauern, drei Schiffe mit
Resten von glatten Säulen, Basis und vi Kapitell sind
zu sehen, im Apsisbereich Bruchstücke von Bodenmosaik mit
großen
Tesserae. Die Eingangsfront ist gekennzeichnet durch ein Mitteltor
mit reich geschmücktem Rahmen; bmw. das südl. Seitentor,
bei dem folgende Spolien vi absichtlich gezeigt werden:
Unterteil des Gebälks einer freistehenden wa
Tempelarchitektur, mit Inschrift auf den Faszien des Architravs, die
das Gebäude dem Kaiser widmet und den Stifter nennt: Opramoas.
Die Apsis und Kirchenwände haben Ziegelbruch im MW, kaum
Spolien, die Grundrissform mit vielen Parallelen ist ?spätantik?
und datiert wa in das 5. Jhdt.. Von weitergehender Nutzung
berichtet die im Norden angefügte Seitenkapelle, auch sie hat
Parallelen, die durch eine weiterentwickelte Liturgie notwendig
wurden und nach dem 6. Jhdt. anzusetzen sind.
Vor der
Eingangsfront der Kirche eine Zisterne A.7.
A.4 bietet
einen Raum mit wa Apsis nach Norden. Die Mauertechnik
zeigt große Steine als Überlager der zwei Öffnungen
in der Ostwand, regelmäßiges Bruchstein-MW sowie eine
Abgleichung der Mauer am Gewölbeansatz, ebenfalls in
größeren
Steinen. ?Kaiserzeitlich?, und sorgfältiger als die
Bruchsteinmauern im Bereich C.
Theater
C.1: 16 Sitzreihen in 6 Sektoren, oberer Umgang, in den obersten
Reihen Löcher für Masten der Sonnensegel. Der Grundriss
geht über den Halbkreis hinaus und ist damit vom ?griechischen
Typ? nach Vitruv /10/. Die Parodoi waren wa nicht
überwölbt. Während sich das Bauwerk westlich an den
Hang schmiegt, ist die Ostseite vorgebaut, zeigt Widerlager und
Polygonal-Mauerwerk (MW). Von der Scenae frons erhalten die Ebene der
Bühne, darunter mittig ein Eingang zur Orchestra. In letzterer
in Sturzlage: korinthisches Wand-Kapitell. Außerdem erhalten:
Teil eines Bogens und einer Tor-Umrahmung. Einordnung
?kaiserzeitlich?.
Vom
inschriftenbedeckten Mausoleum des Opramoas /11/ C.2 sind nur
mehr die untersten, sorgfältig behauenen Steinreihen in situ, an
der Ostseite ist ein Sockelprofil zu studieren. Die Orientierung
dieses und der folgenden Bauwerke erinnert an eine Auffächerung
, ausgehend von einem Punkt oberhalb C.6.
C.3
präsentiert sich als Wand mit Nischenarchitektur zum Platz C.4,
leicht gekrümmt und mit abgeschrägtem Ende. Es sind ein
Rücksprung und Fenster wie von einem Obergeschoß
vorhanden, jedoch keine korrespondierenden Mauerzüge eines
geschlossenen Bauwerks zu sehen. C.4 zeigt Plattenbelag und eine
Stützmauer gegen die tieferliegende
Terrasse. Unten, auf
der Ebene C.5, parallel zur Stützmauer und in ca. 9 m
Entfernung, verläuft ein Stylobat mit mind. 50 m Länge.
Westlich endet es in einer aufragenden Ecke aus bestem Haustein,
östlich visiert es den Abschluß der Sitzstufen bei C.6 an.
C.5, C.6, C.7 bilden eine Ebene, gesäumt mit Sitzstufen und am
spitzen Ende betont, der östliche Abschluß in
Schräglage
ist die Stoa C.10. Diese Ebene wird als Agora oder Erweiterung
der ürsprünglichen Agora C.4 angesprochen, alles
Vorstehende als ?kaiserzeitlich?. C.7 hat 3
tonnengewölbte Zisternen, die Gewölbe in Hausteinen. Bei
C.9 sind Aufgänge von unteren Ebenen anzunehmen, letztendlich
vom Weg von Korydalla her. An dieser Stelle befindet sich der Sockel
eines Monumentes, welche im Inneren opus caementitium, außen
schöne Hausteinblöcke zeigt, außerdem eine Inschrift,
die Kaiser und Stifter nennt, nämlich Opramoas.
Die 100?
lange und ca. 20? tiefe wa Stoa C.10 verfügt
über einen Unterbau in ausgezeichnetem Haustein, an der
westlichen Schmalseite zwei gerahmte Türen; die Hauptebene liegt
ca. 1-1,50 m über der Agora. Das aufgehende MW geht in
Bruchstein über. An der südlichen Längsseite, für
die Agora hinter einer anzunehmenden Säulenstellung, liegen
einige öffentlich zugängliche Räume:
?Meeting-Rooms?:
Mit C.11 beginnt die Reihe einer Sonderform von bisher 4
gleichartigen Bauwerken. Sie haben ihren Ursprung wa (a)
in der freistehenden Exedra, einer Bank mit Tierfuß, mit
Rückwand, ev. mit Widmung, ggfs auf der ebenen Oberseite
Statuen, s. Lit. /8f/. Der Grundriss mag geradlinig, leicht gebogen
bis halbrund ausgeführt sein, für letzteren tritt die
zeitgenöss. Bezeichnung hemikyklion auf /12/; und (b)
bedeutete exedra für die alten Griechen
Gesellschaftszimmer, Halle, und bei Vitruv ist sie der Salon hinter
dem Peristyl.
In
Rhodiapolis finden sich in Marmor /13/ ausgeführt, an der
Rückwand eines durchgestalteten Raumes, die Sitzbank mit
Tierfuß, eine Rückwand mit Sockel- und Abschlussprofil,
zweimal ein vorgekröpfter Mittelteil, einmal eine Einarbeitung
für Statuen, und zweimal eine Widmungsinschrift. Der Raum ist
immer von einem wichtigen öffentlichen Bereich aus
zugänglich.
C.11 hat bescheidene Ausmaße, zwei seitliche Nischen, ist den
Eltern des Stifters gewidmet, der Stifter: Opramoas.
Gebäude
C.12 ist größer, hat eine Dreiteilung der Stirnwand, in
der Mitte eine Apsis, jedoch gerade durch Bank und Rückwand
abgeschlossen. Die Bauleute hatten mit einer schrägen
Rückwand
Probleme. Die rechte Nische ist tiefer, die Rückwand hat
Einarbeitung für Statuen-Grundplatte. Im MW
unregelmäßiger
Übergang von großen Hausteinen zu Bruchstein-MW. Die linke
Nische ist seichter, man kann die großen Hausteine in situ und
in Sturzlage sehen. Die Inschrift der Mittelnische nennt Kaiser,
Stadt und den Stifter: Opramoas.
Die zwei weiteren
Vertreter des Bautyps sind C.14, an der unten beschriebenen ?Anlage
Rundtempel? gelegen, mit Pilastergliederung der verputzten
Wände und verkröpftem Marmor-Mittelteil in Sturzlage; sowie
C.15, ein bescheidener Vertreter des Typs außerhalb der
vorgenannten Anlage.
?Anlage
Rundtempel? C.13 besteht aus einem Platz, der im Grundriss
aus Quadrat mit angeschlossenem wa Halbkreis besteht.
Unter dem Quadrat Zisternen, zwei Tonnen mit bes. Ziegeleinwölbung
/18/, an den Platzseiten Umschließung und Räume, die im O
erhalten sind; im Zentrum des Halbkreises ein wa
Rundtempel mit 10? Radius. Erhalten davon ein Sockel in weißem
Marmor, mit unterem und oberem Abschlussprofil, nicht vollständig
ausgearbeitet. Rundtempel und Umschließung mit Nische, letztere
in Bruchstein-MW, ragen auf einer Terrasse weit über das
Gelände
und sind vi auf Fernwirkung von S berechnet. Die
Mittelachse der Platzumschließung misst 100?. Im N Reste
eines reich durchgestalteten Portals. Die Anlage könnte eine der
aus der Geschichte bekannten Tempelstiftungen sein, ?kaiserzeitlich?,
an das alte Zentrum angefügt. Zeitlich kann vi durch
den angebauten ?Meeting-Room? C.14 eine enge Beziehung zu
C.11 und C.12 hergestellt werden, während andererseits durch die
bes. Ziegelwölbetechnik der Zisterne ein solcher Zusammenhang
mit B.4 und B.6 besteht.
B.2 könnte vi
eine Kirche sein. Der Grundriss entspricht durchaus einer Kirche,
siehe auch A.3, für Eingangsfront und Dreischiffigkeit gibt es
Hinweise. Die SW-Ecke des Gebäudes ragt bereits über das
abschüssige Gelände hinaus, nach S zeigen diese
Substruktionen Ziegelgewölbe, hinter denen im östlichsten
Teil eine intakte Zisterne liegt. In der Mittelachse vor der ?Apsis?
gibt es im Boden eine kleine, verputzte Kammer. Die ?Apsis?
ist im Bodenbereich abgemauert. Sicher hat das Gebäude mehrere
Umbauten mitgemacht, zunächst betrat man es westlich in der
Hauptachse, dann wurde es Teil der Stadtbefestigung, und es gab einen
nördlichen Zugang.
B.1 ist ein aus Spolien in
der Spätantike gebautes Stadttor mit ?Zwinger?,
welches sich an B.2 lehnt. Die Stadtmauer zieht, kaum kenntlich, den
Berg bis A.9 hinauf.
Es verbleiben drei
Bauwerke, die sozusagen einzeln stehen. Zwischen dem vorgeschilderten
Zentrum, und B.4 und B.6 ist eine stark zerstörte Wohnbebauung
anzunehmen.
Thermenproblem:
Während in fast allen Städten der kleinasiatischen
Südküste
eine oder mehrere zentrale Thermen durch Dimension, Bauweise und
Baudetails gut zu erkennen sind /14/, enthält keines der bisher
oben geschilderten Bauwerke irgendeinen Hinweis auf eine Therme. Der
Mangel an fließendem Wasser wäre natürlich als
entscheidendes Hemmnis zu sehen, wenngleich es zutreffende Beispiele
gibt (z. B. in Syedra). Zwei der einzelstehenden Bauten, B.4 und D.2,
könnten solche Bäder gewesen sein, ohne daß es
zurzeit schlüssige Beweise, insbes. eines beheizten Traktes
gibt.
B.4 hat auf der Ostseite
einen Platz, der mit zwei tonnenüberwölbten Zisternen
unterkellert ist. Die Gewölbe in bestimmter Ziegelbauweise, MW
/18/, ein Impluvium, durch eine markante Steinreihe umschlossen,
entsprechen bis ins Detail den Zisternen in der ?Anlage
Rundtempel? und in B.6. Das zugehörige Gebäude liegt
im W, teils auf hohen Substruktionen, die weggebrochen sind. Durch
ein mittiges Portal betritt man einen tonnenüberwölbten
Raum mit Nischenarchitektur, nach S einer Unterteilung durch einen
Schildbogen, sowie nach N zwei kleinen Räumen. Westlich
können
mehrere Seitenräume angenommen werden. Es handelt sich um
Bruchstein-MW; in den Bögen, sowie unter dem Tonnengewöbe
sind Ziegel verwendet, im südlichen, weggebrochenen Teil
Ziegeldurchschüsse. Grundsätzlich ist auch dieses Bauwerk
?kaiserzeitlich? einzuordnen.
B.6 ist eine
zweigeschossige Anlage, die im Kern drei tonnenüberwölbte
Zisternen, technisch wie vor /18/ aufweist. Das Obergeschoß
konnte von W betreten werden, durch Tore mit reich geschmückten
Gewänden . Ein Mittelhof ist anzunehmen. Um diese Mitte
gruppieren sich nach allen Seiten einfache Räume, nur an der
S-Ecke sind kompliziertere Einbauten. An der südlichen
Schmalseite der Zisternen sitzt ein raumgroßer Gussbetonblock.
Das Gebäude ist ?kaiserzeitlich? mit vi
spätantiker Nutzung.
D.2 liegt weit unter dem
Stadtzentrum, und besteht aus einer Reihe von 4 Zisternen mit
Gewölben in Haustein, die eine Terrasse bilden. Weiter westlich
in Hanglage drei kleine Zisternen. Nördlich der so gebildeten
Terrasse erhebt sich das Gebäude in Bruchstein, mit 4
tonnenüberwölbten Räumen, der westlichste mit einer
Flachnische, der nächste mit einer Halbrundnische, durch eine
Stufe vom Raum abgetrennt /15/. Somit könnten D.2, wie auch B.4,
trotz peripherer Lage vi Thermen eigenständiger Art
gewesen sein. Zum Abschluß sei auf die zwei Bezeichnungen
für
Bäder in den Dokumenten des Opramoas-Monuments/11/, nämlich
Balaneion und Gymnasion, sowie
auf die Funktion des
Opramoas als Gymnasiarch in der Schwesterstadt Korydalla hingewiesen
/16/.
D.1 bezeichnet Gräber
im lykischen Stil. Sonst fanden sich solche Gräber außerhalb
des verbauten Gebietes, nämlich westlich der Akropolis, auch
einige hundert Meter nördlich derselben, auch auf der Ebene von
D.2 nach S, sowie in einem felsigen Gebiet im NO.
Schlussbemerkung:
Rhodiapolis war bis zu einem Waldbrand vor wenigen Jahren von
Nadelwald verdeckt. Frühere Bearbeiter /17/ hatten mit dieser
Schwierigkeit zu kämpfen.
Fußnoten zum Text:
/8a/ Gerhard Huber, Vorläufige Beobachtungen
über
die
Stadtanlagen in den Küstenorten des westlichen Kilikien, in:
Türk Arkeoloji Dergisi (TAD) XIII-2, Ankara 1964, 140.
/8b/ Gerhard
Huber, The Sites and their Principal Buildings, in: A Survey
of Coastal Cities in Western Cilicia, by Elisabeth Rosenbaum, Gerhard
Huber, Somay Onurkan TTKY, VI. Seri, Nr. 8, Ankara 1967, 1
ff.; mit Plänen, Beschreibungen und Einordnung der
Einzelbauwerke sowie Stadtplänen von Anemurion, Antiocheia e.
K., Selinus und Iotape.
/8c/ Gerhard
Huber, Die Therme II.7 A in Anamur ? Problem ihrer
Restaurierung. Dissertation Technische Universität Wien, 1969.
/8d/ Gerhard
Huber, Syedra , Anzeiger der phil.-hist. Klasse der ÖAW, 129.
Jhgg. 1992, Verlag der ÖAW, Wien 1993.
/8e/ Gerhard
Huber, Zu antiken Städten Westkilikiens, II. Weiteres zu Syedra,
Anzeiger der phil.-hist. Klasse der ÖAW, 138. Jhgg. 2003, Verlag
der ÖAW, Wien 2003.
/8f/ Gerhard
Huber unter Mitarbeit von Dietburga Huber, Hamaxia,
Vorveröffentlichung, Juni 2004, Homepage der Kleinasiatischen
Kommission der ÖAW: www.oeaw.ac.at/klasia. Vorgelegt zum Druck
im Anzeiger der phil.-hist. Klasse der ÖAW, Verlag der ÖAW,
Wien.
/9a/ (in
Anlehnung an Lit /8 d,f/) Die Krise, in die die Ostprovinzen des
Reiches durch die Einfälle der Sassaniden i. d. 2. Hälfte
des 3. Jhdts. geraten, beginnt mit den militärischen
Ereignissen, endet damit aber noch lange nicht. Der militärische
Vorstoß der Perser geht bis Selinus, Syrien und Kilikien werden
erobert, der Kaiser wird gefangengenommen. Die Störung hält
an, die Goten und Königin Zenobia von Palmyra dringen in
Kleinasien ein, die Küsten werden von Raubgeschwadern der
?Skythen? und Alani heimgesucht; die Bewohner des
Landesinneren stoßen gegen die reichen Küstengebiete vor.
So hat noch Kaiser Probus Widerstand in den Gebirgen Isauriens zu
brechen. Auch unter Diokletian muß zufolge Geldentwertung,
Wirtschaftskrise, Steuerdruck, Bürokratisierung, Spitzelwesen,
Landflucht und systematischer Christenverfolgung von einem Anhalten
der Krisenzeiten gesprochen werden. Die größeren
Städte,
die von Handel und Seefahrt lebten, waren wesentlicher
Existenzgrundlagen beraubt.
/9b/ Erst
mit dem 5. Jhdt. beginnt eine größere Zeitspanne der Ruhe
und des Aufschwungs, dessen Basis nun kaum mehr Handel und Seefahrt,
vielmehr die Landwirtschaft ist.
/10/
Vitruv, Zehn Bücher über Architektur; hier zitiert nach C.
Fensterbusch, Wissensch. Buchgesellschaft Darmstadt 1964.
/11/
Christina Kokkinia, Die Opramoas-Inschrift von Rhodiapolis, Habelt,
Bonn 2000.
/12/ Kurt
Tomaschitz, Unpublizierte Inschriften Westkilikiens aus dem Nachlass
T. B. Mitfords, Ergänzungsbände zu TAM, Nr. 21, Wien 1998;
Exedren: Anhang II.
/13/ An
den Exedren und behauenen Architekturteilen, wird ein mehr oder
weniger verwitterter feiner Kalkstein angetroffen. In geschützten
Lagen zeigt sich feinste Ebenmäßigkeit des Materials und
weißer Farbton. Er wird hier im Sinne einer
großzügigen
Architektur-Definition als Marmor = polierbarer Kalkstein
angesprochen, während die Geologie darunter nur kristallin
umgeprägten polierbaren Kalk versteht. Im Bauwerk C.12 im
Mittelteil wie vor, re. seitlich eine Brekczie, wie auch an Monument
C.9.
/14/ S.
Exkurs über Thermen in Endfassung von /8 f/. Diese
Zusammenfassung ist notwendig, da die Arbeiten des Verf. über
Thermen, s. /8 b, c, d/ in der Sekundärliteratur, s. z.B. /15/,
nicht adäquat zitiert und durchgearbeitet wurden.
/15/
Andrew Farrington, The Roman Baths of Lycia, British Institute of
Archaeology, Mon. Nr. 20, Ankara 1995. Unmaßstäbliche
Skizze des Gebäudes, Becken in Halbrundnische unrichtig.
/16/ s.
oben /11/.
/17/
Cevdet Bayburtluoglu, Lykia, Ankara Turizmi, Eskieserleri ve
Müzeleri
Sevenler Dernegi Yayinlari 8, Ankara
/18/
Ziegelgewölbe als verlorene Schalung in besonderer Anordnung:
Die Ziegel stehen in einer Ebene normal zur Achse des
Tonnengewölbes,
in cca. 5 m Abstand gibt es je eine Lage, wo die Ziegel parallel zur
Hauptachse liegen, vi wegen der Schalungstechnik. Die
Technik wird im Kontext mit opus caementicium angetroffen, in
Rhodiapolis in den Zisternen B.4, B.6, C.13, die damit im
?kaiserzeitlichen? Rahmen fast gleichzeitig zu datieren
sind.
Verzeichnis der Zeichnungen:
1.
Lageplan Rhodiapolis
2.
Stadtplan Rhodiapolis
3. C.12,
gestaltete Rückwand, artists impression
zur Bildergalerie:
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