Wissenschaftliche Tätigkeit 2008
Arbeitsgruppe S. Bortenschlager.
- Im Jahr 2008 wurden die pollenanalytischen Untersuchungen zur Abklärung des historischen Bergbaues in Schwaz, Brixlegg und Mitterberg fortgesetzt. Ebenso liefen die Untersuchungen zur Vegetationsgeschichte menschlichen Einflusses auf die Vegetation und zur Abklärung von Katastrophenereignissen Lawinen, Windwurf am Ritten bei Bozen, Gleinser Mähder im Stubaital, im Fimbertal und auf der Biedringer Platte weiter.
Arbeitsgruppe C. Neugebauer-Maresch.
- Schwerpunkt der Arbeiten der Paläolith-AG war die Fortsetzung des Projektes Krems-Wachtberg. Mit dem Nachfolgeprojekt FWF P19347 wurde März 2008 begonnen. Die in Anbetracht der Witterung 2007 nicht mehr erfolgte Ausgrabung der als Block geborgenen und in einem Container vor Ort gelagerten Feuerstelle nahm die Zeit zwischen Mai und Juli ein. Die Lackprofile gelangen hervorragend; die Ausgrabung erbrachte den Beleg einer mehrphasig genutzten Feuerstelle.
Arbeitsgruppe R. Pavuza
- Projekt „Eisuntersuchungen“. Die Eismessungen sowie die Höhlenklimamessungen in der Dachstein-Mammuthöhle, in der Dachstein-Rieseneishöhle und in der Beilsteineishöhle wurden fortgesetzt, in der Kolowrathöhle wurden lediglich die Temperaturserien gemessen. Der Eisrückgang ist vergleichbar mit den Vorjahren. Im Rahmen des Eishöhlenprojektes von Prof. Spötl erfolgten in der Eisriesenwelt Radonmessungen als begleitende Untersuchungen zur Höhlenklimadynamik.
Gernot Patzelt
- Der geplante Abschluss der Geländearbeiten im Bereich des Hallstätter Gletschers, Dachsteingruppe, wurde dreimal durch Neuschneefälle verhindert und musste auf das Jahr 2009 verschoben werden.
- Die Grabungsarbeiten am Sulzenauferner und in der Oberfernau (Buntes Moor), bei Stubaier Alpen, wurden an insgesamt sieben Arbeitstagen fortgesetzt. Die Untersuchung der holozänen Waldentwicklung im Grenzlagenbereich ergibt sowohl nutzungshistorische als auch klimageschichtliche Informationen.
Arbeitsgruppe Doris Nagel
- Migration Pattern in Pleistocene Mammals. 2007 konnten in Helsinki Proben der Typusart Ursus spelaeus „odessanus“ genommen werden. Das Material ist noch in Bearbeitung. Das Material aus der Loutraki Höhle (Thessaloniki) wurde sondiert und für 2009 ist die Arbeit an den Carnivoren vorgesehen. Aus dem Transbaikalia Gebiet konnte Material einer unbearbeiteten Höhlenhyäne gewonnen werden.
Gernot Rabeder und Mitarbeiter
- Projekt „Die Bärenhöhlen des Vercors (Frankreich)“. Die Knochenproben aus der Bâlme Noire erwiesen sich als für die DNA-Analyse als unbrauchbar, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Proben seit mehr als 25 Jahren im Depot liegen. Neue Probennahme im Juli.
- Projekt „Loutraki Aridea Cave“ (Griechenland). Die Grabungen in dieser großräumigen Höhle sind schon 2007 abgeschlossen worden. Die Aufarbeitung des riesigen Fundmaterials bedarf noch vieler Korrekturen und Ergänzungen.
- Projekte „Krizna jama“ und „Ajdovska jama (Slowenien)“. Die Fertigstellung der Monographie ist weit fortgeschritten.
- Projekt „Die altpleistozänen Ursiden von Deutsch-Altenburg (Niederösterreich)“. Die Monographie ist fertig gestellt und soll als Band 17 der Mitteilungen der Kommission für Quartärforschung der ÖAW noch im Jahre 2009 erscheinen.
- Projekt „Medvedia jaskyna (Slowakei)“. Die im Sommer 2007 begonnenen Grabungen wurden durch eine dreiwöchige Kampagne im Sommer 2008 fortgesetzt.
- Projekt „Quaternary warm phases in the High Alps“. Nach der Herausgabe der Aufsehen erregenden Monographie („HOLA“ Holozäne Lawinenereignisse...“) als Band 16 der Mitt. Komm. Quartärforsch. der ÖAW im Herbst 2008, ist nun auch eine zusammenfassende Arbeit über die Mittelwürm-Warmzeit in den Hochalpen zum Druck eingereicht.
- Projekt „Phylogenie des pleistozänen Gulo gulo“ (D. Döppes). Basis für aDNA Untersuchungen an oberpleistozänen Vielfraß-Material (Knochen und Zähne) waren die Bestandsaufnahmen von fossilen Vielfraßresten aus Mitteleuropa. Bei 17 (von 25) Proben konnte genug Kollagen festgestellt werden um aDNA Analyse durchzuführen. Die Phylogenie der oberpleistozänen Vielfraße Mitteleuropas zeigt eine starke Verästelung ganz im Gegensatz zu der heutigen Verbreitung der Vielfraße.
- Projekt „Spätglaziale Braunbären“ (D. Döppes & M. Pacher). Die spätglazialen/holozänen Braunbärenresten aus Höhlenfundstellen des Ostalpenraumes am Naturhistorischen Museum in Wien wurden aufgenommen und radiometrisch sowie DNA-analytisch untersucht.
- Projekt „Revision der Großsäuger der Gudenushöhle“ (M. Pacher). Die Revision der Tierreste aus der Gudenushöhle wurde fortgesetzt. Bislang konnte die magdalenzeitliche Besiedelung anhand des Tierknochenmateriales genauer erfasst und charakterisiert werden.
- Projekt „Höhlenfundstellen der Alpen und Karpathen“ (M. Pacher). Ausgehend von einem Vergleich der Höhlenbären und der so genannten Begleitfauna aus der Fundstelle Peşteră cu Oase soll das fossile Tierknochenmaterial aus Höhlen der rumänischen Karpathen und der Alpen gegenübergestellt werden.
Projekte externer Mitarbeiter
Reinhard Steinberger
- Paläoökologische Untersuchungen an ausgewählten Löss-Paläoböden-Sequenzen im Nördlichen Alpenvorland. An vier Profilen wurden Probeserien genommen und auf Makro- und Mikrofossilien untersucht. Im Profil Duttendorf ergaben sich für den hangenden Abschnitt nach Mollusken hochglaziale Bedingungen, während der liegende Anteil aus umgelagerten Sedimenten besteht.
- Die Untersuchung von Holzkohlen aus zwei Schottergruben (St. Radegund und Hochburg-Ach ergab, dass diese Kohlenstücke aus den mittelmiozänen Flözen stammen, die einst in mehren Bergwerken bei Trimmelkamm, Wildshut und Radegund abgebaut wurden.
A. Kellerer-Pirklbauer & R. Drescher-Schneider und Mitarbeiter
- Ergänzende Untersuchungen zu Funden subrezenter Torfe an der Pasterze. Von den zahlreichen neuen Torfstücken vor der Gletscherzunge der Pasterze im Jahre 2008 wurde das größte Exemplar (PAST5) pollenanalytisch untersucht. Die Fichtendominanz zusammen mit reichlich Buche und Tanne bedeutet eine ähnliche Zeitstellung wie jene der Funde PAST1 und 4.
Helena Rodnight