Überwachung

Unsere Handlungen können heute über viele Wege überwacht, aufgezeichnet, und die gesammelte Daten ohne unser Wissen zu verschiedenen Zwecken verwendet werden.

Ob wir bargeldlos bezahlen, mobil telefonieren oder im Internet surfen – mit jeder Anwendung von Technologie im Alltag hinterlassen wir digitale Datenspuren. Gleichzeitig boomt der Markt für Sicherheits- und Überwachungstechnologien im öffentlichen wie im privaten Bereich. Beide Entwicklungen strapazieren zunehmend unsere Grundrechte.

Überwachung durch den Staat

Die Forschung zu Überwachung und deren Auswirkung auf unser Leben hat ihren historischen Schwerpunkt in der Analyse der Beziehung zwischen Staat und BürgerInnen. Dahinter steckte die Vorstellung des repressiven Großen Bruders, der alle Aktivitäten überwacht und überprüft. Durch 9/11 in New York und weitere Attentate wurden schon vorhandene Tendenzen zu mehr Überwachung dramatisch verstärkt. Die Angst vor Terrorismus löste eine rasant fortschreitende Entwicklung hin zur Sicherheitsgesellschaft aus, viele Länder verschärften auch ihre Gesetze dahingehend. In Sicherheitstechnologien und damit zusammenhängende Forschung wurden gewaltige Investitionen getätigt.

KritikerInnen dieser Entwicklung bezweifeln dass eine lückenlose Überwachung Gefahren vorbeugen kann. Eine Gesellschaft, in der jeder überwacht werden kann, die Überwachenden aber nicht gesehen werden, schürt Angst. Sie erhöht die subjektive Unsicherheit, verbreitet Unfreiheit, bedroht den demokratischen Grundkonsens und verhindert gesellschaftliche Entwicklung. All dies bildet den Hintergrund für die laufenden Bemühungen, Forschungen zur Bedeutung der Grundrechte und ihre Verankerung in der Technikentwicklung zu fördern.

Überwachung durch die Privatwirtschaft

Konsumdaten sind inzwischen eine kostbare Währung, für die sich eigene Märkte entwickeln. Diese Daten werden u.a. verwendet, um Verhaltensmuster von KonsumentInnen auszuwerten, um Werbeangebote gezielter einzubringen oder um die Effizienz von Warenströmen in verschiedenen Marktsegmenten zu erhöhen. Genutzt werden dazu etwa Daten aus der Internetnutzung und dem Kommunikationsverhalten, mittels Smartphone ermittelte Standortdaten oder durch Kundenkarten oder Kreditkarten erhaltene Daten zum Kaufverhalten.

Aus Sicht der Unternehmen profitiert auch die Kundschaft, da deren Bedürfnisse besser berücksichtigt werden können. Oft aber sind sich die KonsumentInnen der vielseitigen Überwachungsmöglichkeiten gar nicht bewusst, und haben der Übermittlung und Nutzung der Daten nicht zugestimmt. Tatsächlich haben KonsumentInnen aus dem über sie gesammelten Wissen zumeist keine Vorteile.

Gesteuerter Konsum

Auch in Fällen von Rabatten oder anderen Vergünstigungen besteht zu wenig Transparenz, um beurteilen zu können, ob die angebotenen Bedingungen fair sind. Neben den datenschutzrechtlichen Problemen wirken sich landläufige Verkaufsmethoden auf die Wahlfreiheit und die langfristige gesellschaftliche Entwicklung aus: Wer immer nur das Naheliegende angeboten bekommt, tut sich schwer, Alternativen zu wählen. Anreize zu abweichendem Verhalten, alternative Produkten oder bestimmte Dienstleistungen verschwiden. Die gesellschaftliche Entwicklung wird durch diesen Trend eingeschränkt.

Das ITA beschäftigt sich im Licht dieser aktuellen Entwicklungen ausführlich mit Fragen der kurz- und langfristigen Auswirkungen von Überwachung.

Beobachtung damals und heute