Technologie-Kontroversen

Technologie-Kontroversen prägen heute moderne Gesellschaften. Gestritten wird nicht nur über konkrete Anwendungen, sondern auch darüber, was und wie geforscht und entwickelt werden soll.

Lange haben wir Fortschritt in Wissenschaft und Technik automatisch mit Wachstum und Wohlstand für alle gleichgesetzt. Die Einführung neuer Technologien war daher unproblematisch. Seit den 1970er Jahren wurden Risiken und unerwünschte Nebeneffekte der Technisierung aber immer öfter Thema. Öffentliche Kontroversen gab es etwa um die Nutzung von Kernenergie, Wasserkraft und Großchemie, später wurde ausgiebig um den Einsatz von Grüner Gentechnik oder Stammzellforschung diskutiert. Manchmal werden Kontroversen schon befürchtet, noch bevor es überhaupt eine öffentliche Auseinandersetzung, konkrete Anwendungen oder marktreife Produkte gibt, zum Beispiel beim Thema Nanotechnologie oder bei der synthetischen Biologie.

Die öffentliche Meinung zählt

Neue Technologien werden heute anders von der Öffentlichkeit beurteilt und kritisiert als früher. Waren die 1980er und 90er Jahre noch stark durch Proteste, Massenmobilisierung und Konsumentenboykott geprägt, kommen heute gezielte Methoden zum Einsatz. Moderierte Dialogverfahren, in denen ExpertInnen und InteressenvertreterInnen aufeinander treffen, sollen helfen Aktivismus zu vermeiden. Außerdem verstärken sich die Bemühungen, die Öffentlichkeit schon vorab bei möglicherweise strittige Technologiefragen durch partizipative Verfahren mit entscheiden zu lassen. Dabei werden besonders diejenigen angesprochen, die von sich aus keine Möglichkeit oder auch gar kein Interesse am Dialog über Technikfragen haben, und zur aktiven Teilnahme am Entwicklungsprozess motiviert.

Risiko vs. ethische Bedenken

Im Mittelpunkt von Technikkontroversen können ganz unterschiedliche Bedenken stehen: In den Auseinandersetzungen um die Kernenergie, die Grüne Gentechnik oder die Nanotechnologie ging es vor allem um die Frage des Risikos, bei der Biomedizin um ethische Aspekte. Wer mitreden darf, welche Argumente zählen und wie politische Entscheidungen zu legitimieren sind hängt von der Fragestellung ab. Es geht nicht mehr nur um Regulierung auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise, sondern um die Bestimmung der relevanten Themen und deren Aushandlung – mit anderen Worte um die Governance.

Das ITA untersucht, welche Bedeutung Technologie-Kontroversen für den politischen Umgang mit den strittigen Technologien haben:

Im Zentrum steht die Frage, wie diese Kontroversen entstehen, wie sie verlaufen und verhandelt werden. Die öffentliche Wahrnehmung und die Art und Weise, wie wissenschaftlicher Inhalte weiter kommuniziert werden, haben darauf großen Einfluss.

Wir beschäftigen uns auch mit der Bedeutung von Wissen in solchen Konflikten:

Wissenschaftliche Erkenntnisse helfen, unterschiedliche Standpunkte zu abstrakten Themen zu untermauern; für eine moralische Bewertung sind sie weniger wichtig. Ein wichtiges Indiz für das Kernproblem der Kontroverse ist, welche Kompetenzen nachgefragt werden – ob es z.B. um ethische Aspekte oder um konkrete Risiken geht. Wenn wir wissen, mit welcher Art von Kontroverse wir es zu tun haben, können wir ihren Verlauf auch besser abschätzen.

Grüne Gentechnik bleibt weiter heftig umstritten

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