Technische Ausbildung

Technikfolgenabschätzung (TA) ist ein wichtiger Bestandteil der technischen Ausbildung. Sie unterstützt die Fähigkeit der StudentInnen zur kritischen Bewertung und Abwägung der Nutzen und Risiken technischer Lösungen. TA hilft ebenso wie Angewandte Ethik dabei, eine Brücke zwischen technischer Ausbildung und nachhaltiger Entwicklung zu bauen.

Die kritische Auseinandersetzung mit Technikfolgen zeigt: Ein Teil der Probleme im 21. Jahrhundert – z.B. höhere Umwelt- und Sicherheitsrisiken, ein erhöhter Verbrauch von Ressourcen oder die fehlende Chancengleichheit bei der Nutzung neuer Technologien – entstehen durch unerwünschte Effekte mancher technischer Neuerungen. Eines von vielen Beispielen für einen solchen Nebeneffekt sind durch Putzmittel oder Feinstaub ausgelöste Allergien bei Kindern. Für eine nachhaltige Entwicklung wird von IngenieurInnen erwartet, dass sie sich im öffentlichen Raum wie im wissenschaftlichen Kontext für die sozial verträglicheren und umweltfreundlichen Innovationen entscheiden.

TA relevante Bildungsschwerpunkte für IngenieurInnen sind etwa:

  • das Wissen über das Vorsorgeprinzip als Mittel zur Gefahrenvermeidung, d.h. die frühzeitige Bewertung der Ziele und der möglichen Folgen von Innovationen durch TA noch während der Entwicklungsphase, und
  • das Wissen über den zeitlichen und örtlichen Kontext der Innovationen, um während der Gestaltung technischer Entwicklung kurz- und langfristige Folgen zu bewerten und lokale und globale Gegebenheiten zu berücksichtigen.

IngeneurInnen-Ausbildung zu nachhaltiger Entwicklung

Die Konferenz Engineering Education in Sustainable Development (EESD) bietet in regelmäßigen Abständen die Möglichkeit zum wissenschaftlichen Austausch über nachhaltige Entwicklung in technischer Ausbildung. Ein wiederkehrendes Thema der letzten Treffen war Inter- und Transdisziplinarität.

Interdisziplinäres Lernen verändert die Gruppendynamik

Die Verknüpfung von Forschung und Lehre benötigt neue pädagogische Konzepte für die Vermittlung von Theorie und Praxis in einem interdisziplinären Rahmen. Der Lernprozess wird dabei durch die unterschiedlichen Ausgangspunkte der Studierenden auf technischen, natur- und sozialwissenschaftlichen Gebieten aufgewertet und transformiert.

Dabei kann es auch zu Konflikten kommen. Fest steht aber, dass die Interaktion zwischen Studierenden verschiedener Disziplinen und Länder die Gruppendynamik maßgeblich beeinflusst. Für die Teilnehmer an einer interdisziplinären Lehrveranstaltung gilt es häufig, innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens ein konkretes Ergebnis zu präsentieren. Studierende und Lehrende tragen für das Ergebnis gemeinsam Verantwortung.

Die Entwicklung der Kriterien für diese Art des gruppendynamischen Lernens und die Weiterbildung der Lehrenden für neue Formen des Unterrichts sind fixe Diskussionspunkte der EESD Konferenzen. Das ITA war intensiv an der wissenschaftlichen Organisation der EESD 2006, 2008 und 2010 beteiligt.

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EESD Konferenz 2013

TA vermittelt Prinzipien der Nachhaltigkeit schon in der Ausbildung