Intelligente Stromnetze

Smart Grids, oder Intelligente Stromnetze, sollen die zentrale Infrastruktur für ein umweltfreundlicheres Energiesystem sein. Doch die Entwicklung steht erst am Beginn. Eine Reihe von technischen, sozialen, finanziellen und rechtlichen Fragen müssen erst geklärt werden.

Mit den Begriff Smart Grids werden Stromnetze bezeichnet, die durch Verwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien eine intelligente Abstimmung und Steuerung der verschiedenen Bestandteile zulassen. Im Stromnetz der Zukunft soll es damit möglich sein Übertragungsverluste zu reduzieren, bestehende Übertragungskapazitäten besser als bisher zu nutzen, die Kosten für Netzverstärkungen gering zu halten und eine Vielzahl von neuen, dezentralen Erzeugungsanlagen und Speichersystemen zu integrieren.

Energiesektor im Wandel

Intelligente Stromnetze werden damit als zentrale Voraussetzung für den weiteren Ausbau von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie etwa Wind, Sonne oder Biomasse gesehen. Sie garantieren damit auch für die Zukunft ausreichende Versorgung und gefährden dabei die Stromqualität nicht. Die Umsetzung dieser technischen Vision steht aber erst am Beginn. Viele Fragen sind noch ungeklärt, das heißt aber auch, dass noch politischer und gesellschaftlicher Gestaltungsspielraum vorhanden ist. Die TA kann in diesen frühen Phasen der Entwicklung wichtige Beiträge liefern.

Neue Strukturen schaffen

Das ITA beschäftigt sich sowohl mit Fragen der sozialen und technischen Gestaltung von zukünftigen Smart Grids als auch mit allgemeinen Fragen der Governance, also der Koordination der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure und ihrer Interessen in diesem neuen Feld der Technikentwicklung. Eine zentrale Frage dabei ist zum Beispiel, wie es gelingen kann, die angepeilten positiven ökologischen Ziele zu erreichen und gleichzeitig die Interessen der Stromkunden angemessen zu berücksichtigen. Eine andere wichtige Frage ist, mit welchen Technologien und Organisationsprinzipen die bereits bestehende Infrastruktur flexibler und damit effizienter genutzt werden können.

Umstrittene digitale Stromzähler

Ein viel diskutierter Teilaspekt zukünftiger Smart Grids sind digitale Stromzähler. Solche auch als Smart Meters bezeichnete Zähler können nicht nur den tatsächlichen Energieverbrauch sondern auch die entsprechende Nutzungszeit zu erfassen. Darüber hinaus ermöglichen sie die automatische Übermittlung der erhobenen Daten an den Energieversorger. Auf dieser Grundlage sollen zukünftig auch zeitvariable Tarifsysteme möglich sein.

Bislang zeichnen sich digitale Stromzähler aber nicht nur durch Vorteile aus, sie haben auch ernst zu nehmende Nachteile: Die Geräte haben nicht nur einen höheren Energieverbrauch als die bislang verwendeten mechanischen Zähler. Die möglichen Reduktionen des Energieverbrauchs auf Seite der VerbraucherInnen fallen geringer als erwartet aus, Fragen des Datenschutzes sind unzureichend gelöst, und auch die Frage, wer welche Kosten für die flächendeckende Einführung zu tragen hat, ist umstritten.

Das ITA hat sich im Projekt Smart New World? speziell mit Fragen des Datenschutzes auseinandergesetzt und Vorschläge für einen verbesserten Schutz der Privatsphäre im Zusammenhang mit digitalen Stromzählern formuliert.

Nicht mehr einfach nur Strom – unser Energie-System befindet sich im Wandel