Grüne Gentechnik

Hat Gentechnik eine Zukunft in der europäischen Landwirtschaft? Trotz zahlreicher wissenschaftlicher Risikostudien, fachübergreifender Problemanalysen und Bürgerbeteiligungs-Verfahren in vielen Ländern gibt es darauf noch keine Antwort. Konkrete politische Entscheidungen zu treffen, ist daher schwierig.

Immer wieder treten Schwierigkeiten mit der Zulassung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen auf. Vordergründig geht es um mögliche Risiken; die politischen Probleme ergeben sich aber aus unterschiedlichen Auffassungen in den Mitgliedsländern, ob Grüne Gentechnik überhaupt erwünscht ist. Nach fast drei Jahrzehnten, trotz zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen und detaillierter Gemeinschaftsregeln, scheint man immer noch keine Entscheidungen treffen zu können.

KonsumentInnen lehnen Gentechnik-Produkte ab

Inzwischen wartet eine Generation von Gentechnik-Pflanzen mit neuartigen Eigenschaften auf ihre Zulassung. Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft verändern sich unterdessen, z.B. durch den Klimawandel und die Nachfrage nach Energiepflanzen. Wie mehrere EU-Projekte, bei denen das ITA beteiligt war, gezeigt haben, ergibt sich ein scheinbar unlösbares Problem:

Viele KonsumentInnen lehnen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel in den Supermarktregalen ab, während Industrie, Forschung und Teile der Politik Europa in Sachen Technologie aufs Abstellgleis rollen sehen. Gleichzeitig werden Transparenz und Bürgernähe eingefordert. Was aber, wenn viele BürgerInnen nicht wollen, was die Innovationspolitik für unverzichtbar hält?

Was kommt nach der Zulassung

Umfrageserien wie der Eurobarometer (link LSES und STEPE) haben gezeigt, dass die – meist skeptische – öffentliche Meinung über gentechnische Nutzpflanzen bis heute anhält. Es gibt aber Anzeichen für eine langfristige Änderung. Allerdings nur, wenn KonsumentInnen einen unmittelbar höheren Nutzen wahrnehmen würden.

Sollte es zu einem vermehrten Anbau von Gentechnik-Sorten kommen, müssen als nächstes Fragen der Koexistenz und Kennzeichnung geklärt werden. Bisher ist z.B. Koexistenz für Nutzpflanzen nur unter bestimmten Anbaubedingungen (link EPTA Projekt) gewährleistet.

Nationale Entscheidungen im Spannungsfeld zum Welthandel

Der Spielraum, der nationalen Entscheidungen auf EU-Ebene eingeräumt wird, hat auch bei der Grünen Gentechnik für Spannungen gesorgt: die Mitgliedsländer sollen selber über den Anbau von Gentechnik-Pflanzen entscheiden dürfen. Allerdings gilt diese Wahlfreiheit nicht uneingeschränkt, denn internationale Handelsregeln setzen enge Grenzen.

Die Welthandelsorganisation (WTO) verlangt von der EU, dass gentechnisch veränderte Sorten nicht anders behandelt werden dürfen als konventionelle, wenn keine Risiken nachweisbar sind. Das hat einige Mitgliedsländer mit einer restriktiven Gen-Politik, wie z.B. Österreich, schon in der Vergangenheit vor Probleme gestellt.

Die Zukunft der landwirtschaftlichen Gentechnik in Europa hängt nicht nur von Regulierung, neuen technischen Lösungen, Markterfordernissen oder der öffentlichen Meinung ab. Sie hängt auch davon ab, was als nachhaltige Landwirtschaft gelten soll. Solange nicht klar ist, was die Aufgabe der europäischen Landwirtschaft in Zukunft sein soll, bleibt auch die Rolle einzelner Technologien unbestimmt. Das ITA hat sich z.B. im Rahmen des EPTA-Projekts mit dem Thema Nachhaltige Landwirtschaft beschäftigt.

Die Zulassung von Gen-Mais ist in der EU weiter umstritten