Arbeitsschwerpunkte

Biotechnologie

Die moderne Biotechnologie steht seit mittlerweile drei Dekaden im Zentrum technikpolitischer Auseinandersetzungen, und das Thema hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Der Brennpunkt der Debatten hat sich allerdings über die Jahre von medizinischen hin zu landwirtschaftlichen Anwendungen (transgenen Pflanzen) und wieder zurück zur Medizin bewegt (aktuelle Stichworte sind hier die Stammzellenforschung oder das Klonen). Ihre Funktion als Motor gesellschaftspolitischer Debatten weit über den rein technologischen Kontext hinaus hat die Biotechnologie dabei beibehalten. Gestützt auf die Erfahrungen aus bisherigen Projekten, eignet sich das Feld für das ITA daher auch zur Analyse technikübergreifender, allgemein TA-relevanter Fragestellungen.

In Bezug auf sozialwissenschaftliche Forschung in den Bereichen landwirtschaftliche ("grüne") Gentechnik und öffentliche Wahrnehmung ist das ITA gut etabliert. Die Arbeiten im Rahmen des Mittelfrist-Programms knüpfen an die vorhandenen Kompetenzen zu Fragen politischer Regulierung in der landwirtschaftlichen Gentechnik (Vorsorgende Expertise für genetisch veränderte Nutzpflanzen und Vorläufer, ESTO-Projekt zur Umsetzung des Vorsorgeprinzips), der Entwicklung der öffentlichen Wahrnehmung, Presseberichterstattung und Regulierung von Biotechnologie (Life Science in European Society und Vorläufer) an. Nun gilt es, vorhandene Kompetenzen zur Thematik "Humangenetik und Gesellschaft" zu nutzen und weiter auszubauen. Ausgangspunkt sind die Untersuchungen zur Rolle kultureller Leitbilder in der Humangenetik (Life Politics in der Risikogesellschaft). In beiden Fällen bemühen wir uns wie auch bisher um eine genuin sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Biotechnologie.

Ausgehend von den Projekten zur medizinischen und landwirtschaftlichen Biotechnologie wird sich der Bereich in den nächsten Jahren konzeptionell an den Diskussionen um die Veränderungen im Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik beteiligen, die theoretisch an der These von der Wissensgesellschaft orientiert sind. Einen wichtigen Input für die konzeptionelle Arbeit in diesem Bereich wird auch die Konferenz "TA 03: Wozu Experten?" leisten, die von den Mitarbeitern des Bereichs Biotechnologie betreut wird. Vor dem Hintergrund eines gesteigerten Interesses der Politik an Beratung durch Experten (z.B. in Bioethik-Kommissionen), aber auch an Orientierungsleistungen durch Laien (partizipative Modelle), werden wir Formen und Funktionen von Politikberatung bei verschiedenen Anwendungen der Biotechnologie untersuchen und, sollte sich das als zielführend herausstellen, mit solchen in Fällen ähnlich kontrovers gehandelter Technologien vergleichen. Einerseits soll damit die Wahl eines geeigneten Instruments für die praktische Politikberatung erleichtert werden, andererseits soll dies perspektivisch auf einen Beitrag zu einer "Theorie der Politikberatung" bei kontroversen technologiepolitischen Entscheidungen zulaufen.

Einen zweiten Fokus der Arbeit in den nächsten Jahren wird die Untersuchung der Auswirkungen von Prozessen, die in der Öffentlichkeit ablaufen, auf die Regulierung, Diffusion und letztlich Gestaltung von "strategischen" Technologien – und vice versa – bilden. Dies soll am Beispiel einiger Anwendungen der Biotechnologie untersucht werden, wobei aber auch andere kontrovers diskutierte Technologien (z.B. Nanotechnologie) zum Vergleich behandelt werden sollen. Dabei gehen wir von der Vorstellung aus, dass sich Öffentlichkeit, Wissenschaft/Technik und Regulierung in Abhängigkeit voneinander entwickeln und dabei zu neuen Lösungen gelangen. Eine wichtige Frage wird sein, welche intermediären Akteure dabei beteiligt sind, und wie sich deren Rolle im Verlauf der Entwicklung der Technologie verändert, aber auch, in welcher Weise sie auf die Technikentwicklung Einfluss nehmen. Hier ergibt sich ein Anknüpfungspunkt an die Untersuchungen zum Thema Expertise und Politik, das einen wichtigen Schnittpunkt im angesprochenen Dreieck Öffentlichkeit, Wissenschaft/Technik und Regulierung markiert.

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