Arbeitsschwerpunkte

Informations- und Kommunikationstechnologien

Die geplanten Arbeiten auf diesem Gebiet stehen in engem Zusammenhang und können unter dem Überbegriff "e-Society" zusammengefasst werden. Im Rahmen dieses Forschungsbereichs spielt das Internet eine zunehmende Bedeutung, da dieses Bündel an Technologien und Diensten auf absehbare Zeit immer mehr Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens mit beeinflussen wird. Das ITA hat in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine Reihe von Beiträgen zur Internetforschung geleistet. Neben Arbeiten im Bereich der Zurverfügungstellung öffentlicher Informationen und Dienstleistungen über das Internet und Fragen des Schutzes von Privatheit und persönlicher Daten beim Internetsurfen, stand die Bedeutung des Internet für die Wissenschaft im Zentrum der Forschung.

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Folgende Schwerpunkte werden in diesem Gebiet derzeit bearbeitet:

Cyberwissen(schaft) (Cyberscience–Cyberknowledge)
e-Government and e-Democracy
Privacy

 

Cyberwissen(schaft) (Cyberscience–Cyberknowledge)

Hier hat das ITA bisher insbesondere den Einfluss des Einsatzes neuer Medien auf die geographische und soziale Struktur und die Arbeitsweisen in der Wissenschaft analysiert. Ein Schwerpunkt lag auf den neuen Formen von Publikationen und Wissensrepräsentation. Dies stellt den Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung in Richtung "Cyberwissen" im Sinne von im "Cyberspace", d.h. in digitalen Netzwerken verortetem Wissen auf breiterer Basis dar. Das Internet ist nicht nur ein Ort der privaten, öffentlichen und beruflichen Kommunikation, sondern vor allem auch und in zunehmendem Maße ein Ort der Speicherung, Vermittlung und Darstellung von "Wissen". Im Rahmen dieses Forschungsprogramms wird "Wissen" in einem umfassenden Sinne verstanden, d.h. es umfasst alle Arten von digital zur Verfügung stehenden Daten, Informationen und Wissensbeständen, ob in Textform, in Datenbanken, als Bilder, Filme oder Audiodateien, sei es institutionell organisiert (Bibliotheken, Museen, staatliche Organe), sei es privat (kommerziell oder nicht) zugänglich gemacht. Die Kernfragen stellen sich nach dem zukünftigen gesellschaftlichen Umgang mit diesen digitalen Wissensbeständen: Wer erhält unter welchen Bedingungen Zugang? Wie wird die Bestandserhaltung sichergestellt? Das Ziel des Schwerpunkts "Cyberwissen(schaft)" ist es, diese Fragen anhand einiger aktueller Themen sukzessive abzuarbeiten, wobei sich die Projektzusammenarbeit innerhalb des Bereichs "e-Society" und darüber hinaus anbietet.

 

e-Government und e-Democracy

Die traditionelle Organisation staatlicher Einrichtungen und Dienstleistungen, insbesondere der öffentlichen Verwaltung und der Beziehungen zu ihren Klienten ist im Umbruch. Die Popularisierung des Internet, staatliche Aufgabenreform und New Public Management sowie die forcierte Förderung einer europäischen Informationsgesellschaft durch die EU-Politik (Initiative "e-Europe") stellen Produktion und Inanspruchnahme öffentlicher Dienstleistungen auf eine neue Basis. Der Forschungsschwerpunkt e-Government beschäftigt sich mit dem Wandel von Informations-, Kommunikations- und Transaktionsprozessen im Bereich der öffentlichen Verwaltung und staatlicher Institutionen durch neue Medien. Neben Interaktionen zwischen staatlichen Einrichtungen, BürgerInnen und Unternehmen umfasst e-Government auch Dienstleistungen, die demokratische Kommunikations- und Partizipationsstrukturen unterstützen (e-Democracy).

Das ITA hat die aufkommende Bedeutung neuer Formen der Nutzung IKT im Bereich des Staates frühzeitig erkannt und 1999 die erste empirische Studie zu "Electronic Government" in Österreich für das Bundeskanzleramt durchgeführt. In weiterer Folge wurden Forschungskooperationen auf internationaler Ebene aufgebaut: im Rahmen des Programms COST A14 "Government and Democracy in the Information Age", mit einem Symposium und Buchprojekt zu "Public Sector Information in the Digital Age", sowie mit dem EU-Projekt PRISMA "Providing Innovative Service Models and Assessment". Das damit begründete und international vernetzte Forschungsfeld verfolgt das Ziel, die technisch-organisatorischen Gestaltungsoptionen und gesellschaftlichen Folgen des IKT-Einsatzes im Staatsbereich, insbesondere der öffentlichen Verwaltung, zu untersuchen. Es erstreckt sich zum einen auf den internen Verkehr in und zwischen verschiedenen staatlichen Einrichtungen (Back-office), zum anderen auf Leistungsprozesse in den externen Beziehungen zu BürgerInnen und Unternehmen.

Ein zweiter Untersuchungsstrang des Forschungsschwerpunkts e-Government befasst sich mit Veränderungen von Formen politischer Partizipation durch IKT (e-Democracy). Im Zentrum stehen elektronische Beteiligungsformen und deren Bedeutung bzw. Potenzial für repräsentative Demokratien. Über die Untersuchung der Auswirkungen der Digitalisierung auf den Zugang zu Informationen des Staates als einer wesentlichen Voraussetzung hinaus sind theoriegeleitete und empirische Untersuchungen zu deliberativen Kommunikationsprozessen auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene geplant. Die Auseinandersetzung mit den elektronischen Beteiligungsformen soll einen Beitrag zur Frage der Nutzung des oftmals postulierten Demokratiepotenzials des Internet leisten. Besondere Bedeutung wird der Evaluierung von elektronischen Beteiligungsformen zukommen: Das zunehmende Angebot an online Diskussionsforen und die Einbindung von BürgerInnen in Form von online Konsultationen erfordert eine "Impact-Abschätzung", etwa auf Entscheidungsfindungsprozesse in bestehenden Institutionen wie parlamentarische Ausschüsse, EU-Gremien etc., eine Bewertung hinsichtlich demokratiepolitischer Möglichkeiten neuer IKTs und eine Beratung in Richtung zukunftsorientierter "good practice" Modelle im Bereich e-Democracy.

 

Privacy

Durch die Digitalisierung, die Verbreitung des Internet und der Mobilkommunikation ist die Menge generierter und gesammelter Daten enorm gestiegen. Diese Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen, im Gegenteil, die Vision des Ubiquitous Computing wird im Zusammenspiel mit leistungsfähigen Methoden der biometrischen Erkennung und Datenanalyse zu weiteren Quantensprüngen in Quantität und Qualität personenbezogener Daten führen. Die technische Entwicklung läuft aber nicht nur in eine einzige Richtung, leistungsfähige Technologien zum Schutz der Privatsphäre und zum Identitätsmanagement sind grundsätzlich verfügbar, werden bislang allerdings kaum eingesetzt.

Neben der klassischen technikinduzierten Vorgangsweise, die die Folgen der Einführung konkreter Technologien abzuschätzen versucht, gewinnt eine problemorientierte Sichtweise zunehmend an Bedeutung. Im Forschungsprogramm Privacy steht das gesellschaftliche Problemfeld "Privatsphäre in der digitalen Welt" im Mittelpunkt der Analyse. Das Forschungsprogramm soll das Beziehungsgeflecht zwischen Technologien, Grundrechten und sozialen/politischen Folgen analysieren und darauf aufbauend Handlungsoptionen ableiten. Ausgangspunkt und Kern der Analyse bilden die Wirkungen neuer und zukünftiger Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Privatsphäre. In einer erweiterten Perspektive sollen aber auch andere Technikfelder (z.B. Biometrie und Biotechnologie) sowie weitere betroffene Grundrechte (z.B. Informations- und Meinungsfreiheit) diskutiert werden.

 

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