| Allgemeines über Technikfolgen-Abschätzung | |||||||
| Methoden der Technikfolgen-Abschätzung | |||||||
| Ansatzpunkte der Technikfolgen-Abschätzung | |||||||
| Institutionalisierung der Technikfolgen-Abschätzung | |||||||
| Hören Sie, was Technikfolgen-Abschätzung "eigentlich" ist... (aus einem ITA-Programm für Radio1476) | |||||||
| Zum Weiterlesen: Auswahl-Bibliographie zu Technikfolgenabschätzung | |||||||
Allgemeines über Technikfolgen-AbschätzungUnsere Welt und unsere Gesellschaft sind durch Technik geprägt; ihr verdanken wir unseren Lebensstandard, aber auch manche unserer Probleme. Mit steigendem Wohlstand durchdringt die Technik immer mehr Bereiche. Das wirkt sich keineswegs nur positiv aus, und es werden immer mehr Menschen auch mit den negativen Auswirkungen von Technik konfrontiert; daraus ergeben sich zumindest Umstellungs- und Akzeptanzprobleme. An die Stelle der inzwischen weithin verständlichen "mechanischen" Technologien treten zunehmend "undurchsichtige" Technologien wie elektronische und chemische. Bestand immer schon Angst davor, daß die Technik Arbeitsplätze gefährden könnte, so kommt in unserer Zeit die Angst dazu, daß Technik auch unsere Lebensgrundlagen zerstören könnte. Angst und Unsicherheit über die Folgen neuer Techniken prägen nicht bloß die Gesellschaft, sie stellen auch die Entscheidungsträger vor schwierige Probleme, die im Wege von Gesetzgebung und Verwaltung (Forschungs-, Technologie- und Industriepolitik) die Entwicklung zumindestens beeinflussen können: Die komplexen Folgen neuer Techniken sind für Laien nicht ohne weiteres absehbar und die Gutachten der Experten erweisen sich zunehmend als widersprüchlich; dies ergibt sich aus dem zwangsläufig prognostischen Charakter der Technikfolgen- Abschätzung, vor allem aber aus der Interdisziplinarität: Diejenigen, die sich von der Anwendung neuer Technologien (etwa neuer Medikamente) Vorteile erhoffen, werden gentechnologischen Experimenten ganz anders gegenüberstehen als diejenigen, die die Folgen einer Freisetzung genetisch veränderter Organismen befürchten oder gar eine Manipulation am menschlichen Erbgut. Technikfolgen-Abschätzung ist der Versuch, den Entscheidungsträgern Entscheidungsgrundlagen zu liefern; sie hat nicht die Ambition "Supergutachten" zu erstellen, sondern will klären, worüber in der Fachwelt weitgehende Übereinstimmung besteht, welche Annahmen oder Befürchtungen hinter abweichenden Meinungen stehen und welche Risiken von der einen oder anderen Entscheidung zu erwarten sind. Technikfolgen-Abschätzung will herausarbeiten, welche Tatsachen die Entscheidungsträger als gegeben annehmen und welche Fragen sie durch politische im Sinne von Werturteile betreffende Entscheidungen lösen müssen. Die Konzentration der politischen Diskussion auf die relevanten und politischen Fragen kann den Entscheidungsprozeß versachlichen, vereinfachen und effizienter gestalten. Technikfolgen-Abschätzung ist als Input für eine Technologiepolitik gedacht, die sich nicht ausschließlich an technischer Präzision und wirtschaftlicher Rationalität orientiert, sondern vielmehr die gesellschaftlichen und ökologischen Wirkungen und die Folgen der Einführung bestimmter Technologien in ihre Entscheidungsprozesse miteinbezieht. Das Idealkonzept der Technikfolgen-Abschätzung erhebt den Anspruch, technologieinduzierte Risiken frühzeitig zu erkennen, das Spektrum möglicher sozialer, wirtschaftlicher, rechtlicher, politischer, kultureller und ökologischer Auswirkungen umfassend zu analysieren, die Untersuchungsergebnisse problemorientiert aufzubereiten, alternative Handlungsoptionen entscheidungsorientiert aufzuzeigen und zugleich die unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen und Werturteile offenzulegen, die an die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien geknüpft sind. Die wichtigsten Methoden
der Technikfolgen-Abschätzung, ihre Ansatzpunkte und
die unterschiedlichen Möglichkeiten ihrer Institutionalisierung werden im Folgenden kurz
beschrieben. Des weiteren stellt die auf TA spezialisierte österreichische
Institution, das Institut für Technikfolgen-Abschätzung ( |
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Methoden der TADie Begriffe "Technikbewertung" oder "Technikfolgen-Abschätzung" sind die gebräuchlichen Übersetzungen des ursprünglich in den USA geprägten Begriffs "Technology Assessment" (TA). TA arbeitet interdisziplinär, um die möglichen Folgen des Einsatzes bestimmter Technologien, die nicht unbedingt "neu" sein müssen, systematisch und umfassend zu analysieren. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse werden Handlungsoptionen für die Akteure in der Technologiepolitik (Techniksteuerung) erarbeitet. Besonderer Wert wird dabei auf die Analyse unbeabsichtigter, zumeist erst langfristig auftretender Sekundär- und Tertiär-Wirkungen gelegt. Bedingt durch den Forschungsgegenstand und die interdisziplinäre Zusammensetzung der Forscherteams wird eine Vielfalt von quantitativen und qualitativen Methoden angewendet: Brainstorming, Literaturrecherche, Dokumentenanalyse, Expertenbefragung, Fallstudien, cross-impact analysis, cost/benefit-analysis, Computer-Simulationen, Entwicklung von Szenarien, aber auch bestimmte Verfahren der Bürgerbeteiligung. Die Methode muß an das jeweilige Untersuchungsthema angepaßt werden. Die Methode der Technikbewertung gibt es nicht und kann es nicht geben; denn nicht die Methode an sich macht eine erfolgreiche Technikbewertung aus, sondern die Vielfalt der Methoden, der Methodenmix und die spezifische Vorgangsweise. Für die Durchführung von TA-Studien hat sich ein typisches Ablaufschema herausgebildet. Seine Komponenten sind: |
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| Problemdefinition | |||||||
| Beschreibung der Technologie | |||||||
| Voraussage der zukünftigen Technologieentwicklung | |||||||
| Beschreibung der Gesellschaft, der Betroffenen | |||||||
| Voraussage sozialer Entwicklungen | |||||||
| Identifikation, Analyse und Bewertungen von Folgen | |||||||
| Analyse politischer Handlungsoptionen | |||||||
| allgemeinverständliche Vermittlung der Resultate | |||||||
Ansatzpunkte der Technikfolgen-AbschätzungJe nach thematischem Zugang unterscheidet man zwischen projekt-, technologie- und probleminduzierten Technikbewertungsstudien. Die projektinduzierten TA-Studien sind Untersuchungen, die sich auf mögliche Folgen der Realisierung eines konkreten Projektes beziehen (z. B.: Kraftwerke, Straßenbauten etc.). Stehen dabei umweltrelevante Aspekte im Vordergrund, werden derartige Untersuchungen auch als "Umweltverträglichkeitsprüfung" (UVP) bezeichnet; dabei wird der umfassende Anspruch von TA aufgegeben, nämlich die Untersuchung aller Aspekte, zugunsten der Konzentration auf einen ganz besonders wichtigen. Die technologieinduzierten TA-Studien befassen sich mit den Folgen des Einsatzes einer bestimmten Technologie auf die Gesellschaft und die natürliche Umwelt. Als Beispiele seien hier spezielle Anwendungen von Informationstechnologien, Gentechnik etc. angeführt. Beim probleminduzierten Ansatz steht die Suche nach unterschiedlichen technologischen Lösungsmöglichkeiten für ein bestehendes oder zukünftiges gesellschaftliches Problem im Zentrum des Interesses. Durch die vergleichende Bewertung alternativer technologischer Entwicklungspfade sollen politische Handlungsoptionen erarbeitet werden. Beispiele dafür sind TA-Studien zu den Bereichen Verkehr, Energiegewinnung und -nutzung oder zur Abfallproblematik. Umfang und Tiefe der Analyse von Technikbewertungs-Studien können stark variieren. Makroassessments (Comprehensive Assessments) sollten den umfassenden Ansprüchen des TA-Konzeptes entsprechen und benötigen 10 bis 30 Personenjahre zu ihrer Erstellung. Miniassessments werden eine Größenordnung kleiner veranschlagt 1 bis 3 Personenjahre und analysieren eine begrenzte Fragestellung im Detail oder eine breite in ihren Grundzügen. Weniger detaillierte Mikroassessments dienen der raschen Information der Entscheidungsträger, sind vom Charakter als Literaturanalyse und erweitertes Brainstorming zu bezeichnen und nehmen etwa 3 Personenmonate in Anspruch. |
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Institutionalisierung der Technikfolgen-AbschätzungDrei unterschiedliche Modelle der Institutionalisierung von TA haben sich etabliert. Sie unterscheiden sich durch:
Das klassische TA-Modell wurde am ehesten am US-amerikanischen Office of Technology Assessment (OTA) verwirklicht, das sich durch Expertenorientierung, hohe "inhouse-expertise" und indirekte Beteiligung betroffener Interessengruppen auszeichnete. Als Dienststelle des Kongresses war eine enge Verbindung zur Legislative gegeben. Als Prototyp des Modells TA-Sekretariat ist das niederländische Rathenau Institut anzusehen. Sie stellt eine institutionelle Mischform dar, da sie von der Exekutive finanziert wird, dem Parlament verantwortlich ist und eine organisatorische Einheit der Königlichen Akademie der Wissenschaften ist. Ihre Aufgabe ist die Organisation und Koordination umfassender TA-Studien, die zumeist von extern beauftragten Experten durchgeführt werden. Das partizipative Modell findet seine Umsetzung z.B. im Dänischen Technologierat. Auch hier besteht eine enge Verbindung zum Parlament, jedoch liegt das Schwergewicht der Aktivitäten auf der Moderation eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses über Technikentwicklung. Ein geringes Maß an Eigenforschung und hohe Priorität der Bürgerbeteiligung zeichnen dieses Modell aus. Diese unterschiedlichen Modelle dürfen nicht als Alternativen verstanden werden; sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben, die in einer modernen Demokratie alle wenn auch vielleicht in unterschiedlicher Gewichtung erfüllt werden müssen: die Bereitstellung von Arbeitsunterlagen für die Verwaltung, von Entscheidungsgrundlagen für das Parlament und die Organisation eines Informations- und Meinungsbildungsprozesses für die Öffentlichkeit. Umfassende TA-Studien sind für alle diese Aufgaben unverzichtbare Voraussetzung. |
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