Geschichte des ISR

Die wissenschaftliche Begleitforschung zu Fragen des Wiederaufbaus Österreichs und insbesondere Wiens bildete die Zielsetzung der am 17. Mai 1946 von Hugo Hassinger gegründeten Kommission für Raumforschung und Wiederaufbau. Diese Begleitforschung blieb ebenso wie die umfangreiche Gutachtertätigkeit unpubliziert. Als längerfristiges Unternehmen ist die Herausgabe des Atlasses von Niederösterreich hervorzuheben, der nach dem Tod von Hugo Hassinger von seinem Schüler Erik Arnberger fertiggestellt wurde.

Die unmittelbare Wiederaufbauzeit war zu Ende, als Hans Bobek 1954 die Leitung der Kommission übernahm und sie in Kommission für Raumforschung unbenannte.. 1955 fasste er – symbolhaft für die neue Identität der Zweiten Republik – den Plan zur Schaffung eines „Atlas der Republik Österreich“ und übertrug sein Modell der „stufenweisen Integration zur Landschaft“ im Sinne seines „logischen Systems der Geographie“ auf die Atlaskonzeption. Der Kartograph Erik Arnberger und die wissenschaftliche Elite Österreichs konnten zur Mitarbeit gewonnen werden. 1959–1961 begann die Produktion des Österreich-Atlasses, zwanzig Jahre später – nach der Herstellung von 119 Kartentafeln – wurde er abgeschlossen und damit ein singuläres Dokument über den österreichischen Staat geschaffen. Richtungweisend war auch die Analyse des Systems der Zentralen Orte in Österreich, für welche zwischen 1959 und 1973 drei Erhebungen von Maria Dr.Bobek - Fesel durchgeführt wurden. Begriffe und Ergebnisse bildeten eine Grundlage der Raumordnungspolitik der 1960er und 1970er Jahre.

1977 übernahm Elisabeth Lichtenberger die Stellvertretung und 1983 die Leitung der Kommission. Damit begann ein neuer Abschnitt der wissenschaftlichen Forschung. Die Internationalisierung der Forschung wurde durch drei innovative Schwerpunkte bestimmt: "Gastarbeiter-Leben in zwei Gesellschaften" (Wien - Jugoslawien), "Stadtverfall und Stadterneuerung" (Wien - Budapest – Prag - Chicago), "Vom Plan zum Markt" (Transformationen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt in den postsozialistischen Staaten). Der strikt analytische Forschungsstil fußte auf der EDVisierung der Primärforschung und hatte den Aufbau von regionalgeographischen Datenbanken, darunter eines geographischen Informationssystems von Österreich, zur Folge. Dank des institutionellen Aufbaus und des internationalen Ansehens gelang die Umwandlung der Kommission für Raumforschung in das Institut für Stadt- und Regionalforschung mit Beschluss der Gesamtsitzung am 12. Dezember 1988, d.h. knapp vor dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Nach Elisabeth Lichtenberger übernahm 1992 Heinz Fassmann die Institutsleitung. Die Probleme des Arbeitsmarktes und die wachsende Arbeitslosigkeit in den 1980er Jahren fanden ihren Niederschlag in einer verstärkten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen. Entsprechend den veränderten politischen Rahmenbedingungen wurde die Internationalisierung des Forschungsprogramms ausgebaut. Themen wie „Europa der Regionen“, „Die Zukunft der europäischen Migration“ oder „Vergleichende Regionalentwicklung in Ostmitteleuropa“ erhielten wissenschaftliche Priorität. Ein europaweites Netzwerk von Forschungskooperationen wurde installiert, Fellowships für junge, ausländische Gastforscher gewährt und strategische Allianzen mit anderen Institutionen inner- und außerhalb der Akademie eingegangen.

Nach dem Ruf Heinz Fassmanns auf eine Professur in München 1996 und einer  Zwischenetappe von Manfred M. Fischer wurde 1999 Axel Borsdorf zum geschäftsführenden Direktor bestellt. Ihm gelang es, der neuen Positionierung Österreichs in einem größeren Europa entsprechend,  die Funktion des ISR als internationale Forschungsplattform für innovative Projektideen zu definieren.

Nach der Verselbständigung der Alpenforschung und der Gründung der Forschungsstelle für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt am 1. April 2006 durch die ÖAW in Innsbruck, die von Borsdorf geleitet wird, übernahm 2006 Heinz Fassmann, der von München nach Wien berufen worden war, wieder das Amt des geschäftsführenden Direktors. Er baute die Migrationsforschung,   ein langjähriges, wichtiges Forschungsthema am ISR weiter au und konnte durch die  Einbindung des ISR in ein EU-weites Network of Excellence ("IMISCOE") und in mehrere EU-finanzierte Projekte dessen internationale Sichtbarkeit und Präsenz ganz wesentlich steigern.

To the top