Mittelfristiges Forschungsprogramm des ISR

Drei große Themenbereiche strukturieren die Forschungsarbeiten des ISR. Sie ergeben sich aufgrund der fachlichen Kompetenz der Mitarbeiter, des institutionellen Forschungsauftrags und der Fragestellungen, die von der Gesellschaft an die Wissenschaft herangetragen werden. Diese Themenbereiche sind nicht mit konkreten Projekten ident, sondern stellen übergeordnete Fragestellungen dar.

Die räumliche Organisation und baulichen Strukturen städtischer Gesellschaften

Der erste große Themenbereich befasst sich mit der Stadt, ihrer baulichen Struktur und Reproduktion sowie mit ihrer funktionellen und sozialen Organisation. Wie ist der physische „Bauplan“ der Stadt gestaltet, wie erfolgen Stadterweiterung und Stadterneuerung und welche Veränderungen ergeben sich aktuell aufgrund veränderter politischer, ökonomischer und sozialer Rahmenbedingungen? Nach welchen Prinzipien verteilt sich die Bevölkerung in der Stadt und in welchem Ausmaß verändert eine ethnisch und sozial heterogene sowie eine zunehmend individualisierte Gesellschaft die Stadt? Diese und andere Fragen interessieren das Institut. Projekte, die sich mit der Rolle neuer Kulturinitiativen als Motoren für die Entwicklung der Wiener Außenbezirke befassen, fallen ebenso in diesen Themenbereich wie Analyse zu Plattenbausiedlungen und ihrer Sanierung oder Projekte, die sich mit Aspekten der Zuwanderung in die Stadt befassen, mit den sich daraus ergebenden Konfliktbereichen und mit der Integration in die städtische Gesellschaft. Die Projekte beziehen sich auf Wien und Österreich sowie auch auf andere Großstädte der entwickelten Welt.

Suburbane und postsuburbane Entwicklungstendenzen

Der zweite Themenbereich befasst sich mit suburbanen und postsuburbanen Entwicklungstendenzen, denn eines der zentralen Phänomene der Stadtentwicklung der Gegenwart und wohl auch der Zukunft ist die zunehmende Verlagerung und Ausbreitung städtischer Lebensweisen und Funktionen in das Stadtumland. Die kompakte Kernstadt löst sich auf und geht in eine neue Siedlungsform über. Die Vorstellung von einem Zentrum, auf das die funktionellen Aktivitäten des Randes ausgerichtet sind, wird mehr und mehr verdrängt vom Bild eines polyzentrischen urbanen Gebildes, dessen Interaktionen nicht mehr nur zentral-peripher, sondern vielfältig und ohne Richtungsdominanz ablaufen. In diesem Zusammenhang wurden neue Begriffe (Zwischenstadt, urbaner Archipel, Citta diffusa, Stadtland) geprägt, um auf die – aus historischer Perspektive – Neuheit dieser Siedlungsform aufmerksam zu machen. Laufende und künftige Projekte, die sich mit spezifischen Bauformen und sozialen Phänomenen („stille Suburbanisierung“) im Umland Wiens befassen oder die Entwicklungsprozesse in den Wienerwaldgemeinden aufgreifen, zählen zu diesem Themenbereich.

Regionaler Wandel im (östlichen) Europa

Der dritte Arbeitsschwerpunkt befasst sich mit Regionalentwicklung im nationalen und internationalen Vergleich. Es geht dabei nicht um die idiographische Analyse einer spezifischen Region, sondern um einen vergleichenden Ansatz, der zu allgemeinen Aussagen über steuernde Faktoren führt. Wie entwickeln sich periphere Räume außerhalb der Agglomerationen in Österreich und – insbesondere – in seinen östlichen Nachbarstaaten? Welchen Einfluss übt dabei die Europäische Regionalpolitik aus und welche Konsequenzen ergeben sich durch eine zunehmende Integration in einen Europäischen Binnenmarkt? Abermals erscheint der vergleichende Forschungsansatz zielführend. Ähnlich strukturierte Räume (Grenzräume, ländliche Gebiete) werden untersucht, um das Ausmaß an ökonomischen und sozialen Disparitäten zu bestimmen und den Einfluss von Planung und Politik abzugrenzen.

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