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Nachhaltige Suburbanisierung? Entwicklungstrends und Steuerungsmechanismen der Siedlungstätigkeit im Biosphärenpark Wienerwald

Finanzierung
MAB - Nationalkomitee

Bearbeitung
MMag. Dr. Robert Musil, Ing. Mag. Peter Pindur

Projektdauer
Jänner 2006 bis Dezember 2007

Anliegen und Zielsetzung
Dieses Forschungsprojekt folgt der Intention der Sevillastrategie, womit der Biosphärenpark Wienerwald als Modellregion zu verstehen ist, in der erfolgreiche Strategien zur Erhaltung eines nachhaltigen Natur- und Kulturraumes aufgegriffen und umgesetzt werden sollen. Der Siedlungsentwicklung kommt angesichts der sich abzeichnenden Suburbanisierungstendenzen besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, die potentielle zukünftige Siedlungsentwicklung mit Hilfe der Bestimmung der verfügbaren Baulandreserven abzuschätzen sowie bisherige Strategien der örtlichen Raumplanung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu beurteilen. Anders formuliert: Welche Maßnahmen, unter welchen Rahmenbedingungen ermöglichen es, nachhaltige Siedlungsentwicklung im Sinne der Wienerwalddeklaration, d.h. kompakte Verbauung und mäßiges Bevölkerungswachstum, umzusetzen? Als Datengrundlage werden dazu die Bevölkerungsstatistiken der Volkszählungen von 1981 bis 2001, die Häuser- und Wohnungszählungen, verschiedene kartographische Quellen (u.a. Flächennutzung, digitale Orthofotos) und die regionalen Raumordnungsprogramme herangezogen.

Die zentrale Forschungsfrage des Projektes leitet sich aus dem Konflikt ab, in einer Region, die durch mehr oder weniger intensive suburbane Überprägung gekennzeichnet ist, den Ansprüchen des Biosphärenparks und damit auch einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung gerecht zu werden. Wie kann „nachhaltige Suburbanisierung“ durch Indikatoren erfasst und als politische Zielgröße umgesetzt werden? Zur Bewertung soll der Verbrauch von als Bauland ausgewiesenen Freiflächen (kurz Baulandreserven) herangezogen werden. Die Komplexität suburbaner Prozesse resultiert aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Ebenen: jener der Gesellschaft (Makroebene), der Stadtregion (Mesoebene) sowie der Gemeinde (Mikroebene). Bautätigkeit, Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung werden von diesen drei Ebenen maßgeblich beeinflusst und drücken sich in der Variable „Flächenverbrauch“ aus, die in der vorliegenden Arbeit eine zentrale Rolle einnimmt. Das Ausmaß der Baulandreserven in den Wienerwaldgemeinden dient einerseits dazu, die bisherige Siedlungstätigkeit im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit zu bewerten, aber andererseits auch den Rahmen um das zukünftig mögliche Bevölkerungswachstum einzuschätzen.

Ergebnisse:
Durch dieses Forschungsprojekt konnten folgende vier zentrale Erkenntnisse gewonnen werden:

  1. Der Wienerwald umfasst Gemeinden, die schon sehr früh (ab 1960) von der Bevölkerungs-suburbanisierung erfasst wurden. Während in diesen klassischen Suburbanisierungsgemeinden des Untersuchungsraumes (Südbahnachse, Wiennähe) mittlerweile Sättigungstendenzen feststellbar sind, werden periphere Gemeinden gegenwärtig und zukünftig verstärktem demographischem Wachstumsdruck ausgesetzt sein.

  2. Die Siedlungsstrukturen im Wienerwald sind durch erhebliche Heterogenität gekennzeichnet. Dies ist einerseits auf die unterschiedlichen historischen Siedlungsformen, bedingt durch die naturräumlichen Rahmenbedingungen, andererseits auf das sehr unterschiedliche Ausmaß der bisherigen suburbanen Überprägung zurückzuführen. Die dispersen Siedlungsstrukturen in zahlreichen peripheren Wienerwaldgemeinden bedeuten eine erhebliche Herausforderung für die betroffenen Kommunen, da eine Ausweitung der Siedlungstätigkeit mit erheblichen Infrastrukturkosten einhergeht.

  3. Die Baulandreserven in den Wienerwaldgemeinden belaufen sich auf ein knappes Viertel der Siedlungsfläche (innerhalb der Baulandumhüllenden): 24,1 % oder 2.968,2 Hektar in den Wienerwaldgemeinden sind unverbaut, aber als Bauland ausgewiesen. Problematisch ist die mangelnde Verfügbarkeit schon ausgewiesener Freiflächen, wodurch der wachsende Flächenbedarf nur durch zusätzliche Erweiterungen der Siedlungsfläche befriedigt werden kann.
    Das potentielle Bevölkerungswachstum – auf Basis der Bevölkerungsdichte sowie der Freiflächen in den jeweiligen Siedlungskörpern errechnet – beläuft sich auf rund 81.000 Personen (gegenwärtige Einwohnerzahl: 288.000). Diese Zahl entspricht dem Bevölkerungsanstieg der letzten vier Dekaden.

  4. Den Gemeindevertretern kann durchwegs Sensibilität für die Problematik der nachhaltigen Raumentwicklung zugesprochen werden, allerdings werden einschneidende Maßnahmen, die zu einer signifikanten Trendänderung führen würden, abgelehnt. Es ist im Sinne eines sparsamen Flächenverbrauches jedoch notwendig, wirksame raumordnerische Maßnahmen zu setzen. Vor allem in den peripheren Gemeinden mit disperser Siedlungsstruktur sollten raumordnerische Maßnahmen auf eine zentrumsorientierte Siedlungsentwicklung ausgerichtet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Musil R. u. P. Pindur: Nachhaltige Suburbanisierung? Entwicklungstrends und Steuerungsmechanismen der Siedlungstätigkeit im Biosphärenpark Wienerwald. Endbericht zum MAB-Forschungsprojekt „Nachhaltige Suburbanisierung?“
Wien und Salzburg 2008, 154 S. + XVIII + CD-ROM