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Wohnintegration und Staatsbürgerschaft. Eine empirische Analyse der Unterschiede zwischen eingebürgerten und nicht eingebürgerten Zuwanderern hinsichtlich Ihrer Wohnsituation in Wien

Laufzeit
Oktober 2006 - September 2007

Finanzierung
MA 7, Abteilung für Stadtentwicklung und Stadtplanung, Referat
Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien

Bearbeitung
MMag. DDr. Josef Kohlbacher, Mag. Dr. Ursula Reeger

Zielsetzung
Die Wiener Wohnbevölkerung besteht zu einem immer größer werdenden Teil aus Menschen, deren Wurzeln im Ausland liegen. Eingebürgerte Zuwanderer, deren bereits in Österreich geborene Kinder und in Wien ansässige ausländische Staatsbürger machen inzwischen bereits ein Viertel der Wohnbevölkerung aus. Mit dem Ansteigen des Anteils der Neoösterreicher kommt der Frage, welche Konsequenzen die Einbürgerung für die sozialräumlichen Strukturen und die Wohnintegration der Bevölkerung mit Migrationshintergrund besitzt, zunehmende Wichtigkeit zu. In diesem Projekt stand die Fragestellung, in welchem Ausmaß sich die Wohnsituation der „Neoösterreicher“ infolge der Annahme der österreichischen Staatsbürgerschaft verändert, im Zentrum des Interesses. Während andere Aspekte im Kontext der Einbürgerung, wie die Darstellung des diesbezüglichen State of the Art im ISR-Forschungsbericht 35 anschaulich belegt, wissenschaftlich als gut untersucht gelten können, wurde den Konsequenzen für die Wohnsituation von Zuwanderern bisher in Österreich, aber auch international nicht allzu große Aufmerksamkeit geschenkt. Diese offensichtlich bestehende Forschungslücke versuchte das durchgeführte Projekt zu schließen.

Die empirische Grundlage bildeten Daten der amtlichen Statistik (Volkszählung 2001) sowie ein kleines Sample von narrativen Interviews mit Migrantinnen und Migranten aus diversen Herkunftsländern, die über ihre Wohnbiographien befragt wurden. Aus der Kombination der Auswertung quantitativer und qualitativer Daten konnten besonders aufschlussreiche Resultate erzielt werden.

Ergebnisse
Die statistischen und kartographischen Auswertungen auf der Basis der amtlichen Statistik zeigten, dass sich die unterschiedlichen Migrantengruppen in stark divergierendem Ausmaß einbürgern lassen. Hier spielt es auch eine erhebliche Rolle, ob es sich um Unterschichtmigration oder Elitezuwanderung handelt. Letztgenannte lässt sich viel seltener einbürgern, da sich der Wechsel der Staatsbürgerschaft für sie nur in einem geringen Ausmaß rechnet. Weiters konnten variierende räumliche Wohnverteilungsmuster etwa bei eingebürgerten und nicht eingebürgerten Serben, bei Bosniern, Türken und Polen – um nur die zahlenmäßig größten Immigrantengruppen anzuführen – nachgewiesen werden. Viele eingebürgerte Migranten verlassen nicht nur das Segment der privaten Mietwohnungen, sondern auch die traditionellen Arbeiterwohnbezirke. Die Wohnmobilität hin in den kommunalen Wohnbau sowie in das Genossenschaftswohnsegment ist bei den unterschiedlichen Gruppen auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Eingebürgerte Zuwanderer sind auch viel stärker an der westlichen und südlichen Peripherie und in den Bezirken jenseits der Donau zu finden.

Die Auswertungen der narrativen Interviews bestätigten die aus der Analyse der amtlichen Daten gewonnenen Resultate in einem beträchtlichen Ausmaß. Sie zeigten aber auch, dass Wohnbiographien zu einem erheblichen Teil durch sehr individuelle Einflussfaktoren wie subjektive Wohnpräferenzen, die ökonomische und berufliche Situation, den Familienstand und die Familienstruktur etc. determiniert werden. Die Einbürgerung bzw. Nichteinbürgerung repräsentiert hierbei nur einen Einflussfaktor neben einer großen Zahl anderer. Dies ließ aber die Schlussfolgerung zu, dass sich die Annahme der österreichischen Staatsbürgerschaft in summa schwächer als erwartet auf die Wohnbiographie auswirkt. Weiters stehen Einbürgerung und die Aufenthaltsdauer in einer engen Wechselbeziehung zueinander, sodass die Effekte beider Einflussfaktoren mitunter nur schwer zu differenzieren sind.

 


 

 

 

 


Kohlbacher J. u. U. Reeger: Staatsbürgerschaftsbonus beim Wohnen? Eine empirische Analyse der Unterschiede zwischen eingebürgerten und nichteingebürgerten Zuwanderern/-innen hinsichtlich ihrer Wohnsituation in Wien. ISR-Forschungbericht 35. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008. ISBN 3-7001-6512-5

Zusammenfassung/Summary

 

Link zum Verlag der ÖAW