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Transnationale Mobilität - Die empirische Analyse eines neuen Mobilitätskonzepts am Beispiel der Polinnen in Wien

Laufzeit
2001 – 2004

Finanzierung
Jubiläumsfonds der OeNB

Bearbeitung
Dr. Heinz Fassmann, MMag. DDr. Josef Kohlbacher, Mag. Dr. Ursula Reeger

Zielsetzung
Das ISR führte Jahre hindurch ein kontinuierliches wissenschaftliches Monitoring der polnischen Zuwanderung nach Österreich durch. Das Konzept der transnationalen Mobilität stellte die theoretische Basis dar. Die Datenbasis setzte sich aus amtlichen Sekundärdaten und aus einem Primärdatenpool aus einer eigenen Befragung zusammen. Es wurden mehr als 400 standardisierte Interviews anhand eines umfangreichen Fragebogens durchgeführt. Die Befragung erfolgte in polnischer Sprache und in Kooperation mit einem polnischen Partnerinstitut (dem Institut für Geographie der Jagiellonski Universität in Krakau, Lehrkanzel Prof. Rajmund Mydel). Entsprechende Kontakte und Kooperationserfahrungen zwischen dem ISR und polnischen Institutionen bestanden bereits seit längerer Zeit.

Ergebnis
Die polnische Migration stellt ein Segment der „neuen Zuwanderung“ dar, welche nach dem Fall des Eisernen Vorhanges einsetzte. Polen sind nach den Zuwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei die zahlenmäßig drittgrößte Migrantengruppe in Wien. Ungeachtet ihrer zahlenmäßigen Bedeutung in der Wiener Migrationslandschaft stellte die Wiener Polonia lange Zeit eine weitgehende Terra incognita dar.

Durch die Analysen konnte nachgewiesen werden, dass die polnische Wanderung in erster Linie die bevölkerungsreichen Bundesländer in Ostösterreich, v.a. Wien, betrifft. Räumliche Konzentrationstendenzen der „Polonia“ bestehen auch innerhalb des Wiener Stadtraums. Die Alterspyramide entspricht derjenigen einer demographisch jungen Arbeitsmigrationsbewegung mit einer Dominanz der im Erwerbsleben stehenden Alterskohorten. Kinder bis 10 Jahre und Pensionisten sind nur schwach vertreten. Der Frauenanteil beträgt knapp über 46%. Die Schwerpunkte der Erwerbstätigkeit liegen in den Metall- und Elektroberufen, in der Baubranche und in den Reinigungsberufen. Größere Kontingente sind weiters im Fremdenverkehr, im Gesundheitswesen sowie in allgemeinen Hilfsberufen beschäftigt. Schwach präsent sind Polen im Handel, in den Lehr- und Kulturberufen, aber auch in etlichen industriellen Fertigungszweigen. Die polnische Beschäftigung hat auf dem Wiener Arbeitsmarkt in fast allen Branchen im Verlauf der 1990er Jahre abgenommen, zum Beispiel hat sie sich in den Metall- und Elektroberufen von 1992 bis 2002 um mehr als ein Drittel reduziert. An den Hauptquellgebieten der Wiener „Polonia“ hat sich nur wenig geändert. Auch 2002 waren es die Woiwodschaften im Südosten des Landes (v.a. Malopolskie), welche das Sample dominierten. 7,5% kamen aus Warschau. Es zeigt sich, dass bei dauernder Auswanderung die eigene Kultur zwar als unwichtiger erachtet wird, es bleiben aber doch auch unter den langfristig in Wien ansässigen Polen 58%, die ihre Sprache und Kultur als sehr wichtig einstufen. Dies ist ein empirischer Beleg dafür, dass die Lebensform des Transnationalismus nicht mit assimilationistischen Tendenzen einhergeht, sondern eine Beibehaltung der eigenen kulturellen Traditionen in Kombination mit der Adaption an den kulturellen Kontext des Aufnahmelandes darstellt.

 


 


 

 

Fassmann, H., Kohlbacher, J. u. U. Reeger: Polen in Wien. Entwicklung, Strukturmerkmale und Interaktionsmuster. ISR-Forschungbericht 30. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2004. ISBN 3-7001-3318-9

Zusammenfassung/Summary

 

Link zum Verlag der ÖAW