Die neue Kultur am Rand der Städte (NEWCULT)
Laufzeit
Juli 2006 – Dezember 2012
Finanzierung
Kulturamt der Stadt Wien, ISR
Bearbeitung
Dr. Walter Rohn (Projektleitung)
Im vergangenen Jahrzehnt entstand an den Rändern europäischer Städte wie London, Paris, Rom und Zürich eine Vielzahl neuer Kulturprojekte. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Thema kulturelle Stadtentwicklung zu einem bedeutenden Forschungsfeld. Die bekanntesten Wissenschafter in diesem Bereich sind Franco Bianchini und Charles Laundry (beide Großbritannien). Das mittelfristige Forschungsprojekt „Die neue Kultur am Rand der Städte“ befasst sich mit neuen Kultureinrichtungen in den Außenbezirken von Wien und Paris sowie mit den Effekten der Kulturinitiativen auf die Stadtentwicklung. Als Kulturinitiativen sind Theater, Kinos, Konzerthallen, Musikclubs, Galerien, Ausstellungsräume, Festivals und multifunktionale Einrichtungen definiert. Das Projekt repräsentiert die erste Studie über Kultureinrichtungen in den Randzonen von Wien und Paris und füllt damit eine Forschungslücke aus. Als erstes Projekt über kulturelle Stadtentwicklung am ISR war es beispielgebend.
Im Rahmen des Projekts werden folgende drei Forschungsfragen untersucht:
1. Durch welche Merkmale sind die Kulturinitiativen in den städtischen Randzonen charakterisiert? Diese Fragestellung umfasst die Akteure, rechtliche Organisationsform, Finanzierung, Zielsetzung, Kunstsparten, Netzwerke und Lokalisierung der Projekte sowie die Catchment Areas von Besuchern und Teilnehmern.
2. Welche Beiträge können die Kulturprojekte zu einer positiven Entwicklung urbaner Randgebiete leisten? Damit sind die Effekte der Einrichtungen auf die kulturelle, physische, räumliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Städten angesprochen.
3. In welcher Form kann eine städtische Kulturpolitik zur Förderung dezentraler Kulturinitiativen sowie generell der Stadtrandbezirke entworfen und welche Empfehlungen können der Wiener Stadtverwaltung gegeben werden?
Methodisch basieren die Forschungsarbeiten auf Recherchen in den Medien, der Feldforschung in den entsprechenden Stadtteilen von Wien und Paris, der teilnehmenden Beobachtung von Veranstaltungen der Kulturinitiativen und besonders auf 50 Tiefeninterviews mit Protagonisten der Einrichtungen, Experten für Kultur und Stadtentwicklung sowie politischen Repräsentanten. Zum Zweck der Dokumentation wurden eine Datenbank über die Kulturprojekte und eine Fotokumentation aufgebaut, die beide regelmäßig aktualisiert werden.

Carré de Baudouin, das Kulturzentrum des 20. Pariser Stadtbezirks (Foto: Rohn)
Die möglichen Effekte der Kulturinitiativen auf die Stadtentwicklung wurden auf der Grundlage von fragebogenbasierten Experteninterviews analysiert. Die Gespräche ergaben, dass positive Auswirkungen der Kulturprojekte besonders in Bezug auf die kulturelle Autonomie von peripheren Stadtgebieten, die Demokratisierung von Kultur, die Stadterneuerung sowie hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität zu erwarten sind. Darüber hinaus können die Projekte die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Stimulierung der Kreativwirtschaft, die Integration unterschiedlicher Bevölkerungssegmente, die Partizipation der Bürger an politischen Prozessen, die Stärkung der Identität von Außenbezirken und die Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnumfeld fördern.
Im Kontext des Forschungsprojekts wurden der 16., 19. und 21. Wiener Gemeindebezirk sowie das 20. Pariser Arrondissement untersucht und miteinander verglichen. Die drei Wiener Bezirke umfassen zusammen rund 300.000 und der analysierte Pariser Stadtteil 200.000 Einwohner. Die Wiener Kulturinitiativen repräsentieren überwiegend kleine und mittlere Projekte, die v. a. auf dem Engagement von Künstlern und Bezirksbewohnern basieren. Der Pariser Untersuchungsbezirk verfügt vergleichsweise über größere Kultureinrichtungen – darunter staatliche und kommunale Theater –, insgesamt eine reichere Kulturszene sowie über Initiativen auf höherem künstlerischem Niveau. Der Vergleich zwischen den beiden Metropolen zeigt, dass die Pariser Stadtverwaltung kulturelle Aktivitäten am Stadtrand wesentlich stärker unterstützt als ihr Wiener Pendant.
Die Forschungsarbeiten werden vom Kulturamt der Stadt Wien (MA 7) gefördert. In Kooperation mit den Wiener Gebietsbetreuungen wurden drei Podiumsdikussionen mit prominenten Vertretern von Kulturinitiativen und Experten veranstaltet. In Paris wurde die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und administrativen Partnern etabliert. Darüber hinaus ist eine intensive Berichterstattung der Medien über das Projekt zu verzeichnen (siehe unten).
Das Forschungsprojekt ist in vier Teile gegliedert. Für jeden Abschnitt wurde ein separater Projektantrag eingereicht. Die Forschungsarbeiten werden im Zeitraum 2006 bis 2012 durchgeführt. Derzeit wird die Publikation der bereits vorliegenden Forschungsergebnisse in Buchform vorbereitet. Im abschließenden vierten Projektabschnitt werden die kulturpolitischen Konzeptionen der Stadtverwaltungen von Berlin, Paris und Zagreb in Bezug auf urbane Randzonen analysiert. Auf Basis dieser Forschungsresultate werden ein Best-Practice-Modell einer städtischen Kulturpolitik entworfen und entsprechende Empfehlungen an die Wiener Stadtverwaltung formuliert.
Veröffentlichungen
http://www.oeaw.ac.at/isr/Personen/Rohn_Publikationen.pdf
Veranstaltungen zum Forschungsprojekt
Medienpräsenz
Die Presse 22.05.2007 (pdf)
Die Presse 13.09.2008 (pdf)
Wiener Bezirksblatt Ottakring 11-2008 (pdf)
Der Standard 10.12.2008 (pdf)
Augustin 248 (2009) (pdf)
Kurier 26.03.2009 (pdf)
Wiener Zeitung Extra 06.02.2010-1 (pdf)
Wiener Zeitung Extra 06.02.2010-2 (pdf)
Bericht zum Forschungsprojekt in Thema des Monats April 2011 auf ÖAW-Startseite (link)
"Kultur am Stadtrand" in Thema 9/2011, S. 44–45 (pdf)
art_scout 