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[2007/12] Schönheit nutzt dem Sein: Vorstellungen von Ästhetik und deren Wert bei Tuareg in Libyen

Projektleitung: Andre Gingrich
Projektkoordination und Durchführung: Ines Kohl
Projektlaufzeit: 01.10.2005 - 31.12.2007
Finanzierung: OMV
Webseite: http://www.kohlspross.org/7.htm

„amashgul yanf iman – eine schöne Person nutzt der Seele“

Rund um das Tuareg-Sprichwort „Eine schöne Person nutzt der Seele“ drehte sich ein von der OMV gesponsertes und in Kooperation mit der Forschungsstelle Sozialanthropologie der ÖAW durchgeführtes sozialanthropologisches Projekt zum Thema Schönheit und Ästhetik bei Tuareg. Im Mittelpunkt des Projektes standen Tuareg in der zentralen Sahara und ihre Vorstellungen von Schönheit und Ästhetik als ein Indikator von sozialem Wandel.

In Ines Kohls Untersuchungen werden unterschiedliche Aspekte von Schönheit und Ästhetik angesprochen, die alle einem Tenor folgen: Vorstellungen von Schönheit und Ästhetik verändern sich im Laufe der Zeit, unterliegen den gängigen Norm- und Wertvorstellungen einer Gesellschaft, werden durch äußere soziale und wirtschaftliche Faktoren modifiziert, reflektieren letztendlich soziale Ideale und unterliegen einer sozialen und kulturellen Positionierung. Vorstellungen von Schönheit sind ein integraler Teil des sozialen Lebens und reflektieren damit Geschlechterbeziehungen, verdeutlichen Machtpositionen, geben Aufschluss über soziale Normen und Werte und können so zu einem zentralen Instrument sozialer und kultureller Abgrenzung werden, womit die Zugehörigkeit zu einer ganz bestimmten Gruppe ausgedrückt wird.

Die ProtagonistInnen des Projektes sind GrenzgängerInnen, also „Borderliner“, die sich zwischen Niger, Algerien und Libyen bewegen und durch ihre Grenzbewegungen nicht nur territoriale, sondern auch soziale und gesellschaftliche Grenzen und Schranken überschreiten. Politische Entwicklungen, wirtschaftliche Umbruchsprozesse und soziokulturelle Transformationen haben zur Bildung der Ishumar, einer Gruppe von „neuen modernen Tuareg-Nomaden“ geführt. Das Charakteristikum der Ishumar ist, dass ihre Lebensweise jenseits traditioneller Systeme angesiedelt ist. Sie brechen traditionelle Normen und Werte auf, nehmen sich spezielle Elemente heraus, verändern sie und stellen sie in einen neuen Kontext. Ihre Ideen, Vorstellungen und Ideale von Schönheit und Ästhetik, Wert und Moral können als Indikator sozio-kultureller Veränderungen in der Sahara betrachtet werden.

Die Ergebnisse des Projektes machen eines deutlich: Die Ishumar-Bewegung zeigt einen Bruch in der Gesellschaft an. Eine Gesellschaft, deren Nomadismus durch klimatische Umstände erschwert bis unmöglich gemacht wird, eine Gesellschaft, die durch Grenzziehungen ihrer Autonomie entrissen wurde, eine Gesellschaft, die politisch und ökonomisch an den Rand gedrängt wird, eine Gesellschaft die aufgrund der fehlenden Schulbildung keinen Platz in der globalisierten Welt besitzt und von ihr ausgeschlossen wird.

Publikationen:

Kohl, Ines (2009): Beautiful Modern Nomads: Bordercrossing-Tuareg between Niger, Algeria and Libya, Reimer: Berlin

Kohl, Ines (2007): Going "Off road": With Toyota, Chech and E-Guitar through a Saharian Borderland, in: Klute Georg & Hans Hahn (Ed.), Cultures of Migration. African Perspectives, Berlin, p. 89-106

Kohl Ines (2006): Von Tuareg, Toyotas und Wüsten Geschichten: Sahara-Tourismus in Libyen, in; Integra, Zeitschrift für Integrativen Tourismus und Entwicklung, 2/06, p. 14-17

Kohl, Ines (2006): Toyota, Chèch und E-Gitarre: Über Schönheit, Ästhetik und sozialen Wandel von Tuareg-Migranten in Libyen, Erster Forschungsbericht des von der OMV Business Unit Libya gesponserten Projetes "Schönheit nutzt dem Sein: Vorstellungen von Ästhetik und deren Wert bei Tuareg in Libyen", Working Papers der Komission für Sozialanthropologie der ÖAW, Band 15