Neue Institutsadresse

home ⇛ Zielsetzung und Geschichte ⇛ Geschichte

Von der Ethnologischen Kommission bis zum Institut für Sozialanthropologie

Die "Ethnologische Kommission" entstand am 22. November 1961 durch die Umbennennung der "Kommission für die Erforschung primitiver Kulturen und Sprachen". Diese Maßnahme war notwendig geworden, da die ursprüngliche Beschränkung der ethnologischen Forschung auf einfach strukturierte Gesellschaften (Jäger und Sammler, Nomaden und Bodenbauern) der damaligen Entwicklung in der internationalen Ethnologie nicht mehr gerecht werden konnte. So rückten in der westlichen Ethnologie seit den 1930er Jahren auch komplexe Gesellschaften in den Mittelpunkt der Forschung. Die "Kommission für die Erforschung primitiver Kulturen und Sprachen" war am 2. März 1938 durch die Zusammenlegung der "Kommission zur Erforschung von illiteraten Sprachen außereuropäischer Völker" sowie der "Kommission zur Herausgabe der in den Kriegsgefangenenlagern aufgenommenen Gesänge und Texte" begründet worden.

PilgerstätteEine weitere Etappe des Ausbaus zur heutigen Gliederung der Forschungsstelle markiert die mit 1. Jänner 1993 unter Prof. Walter Dostal erfolgte Vereinigung der "Ethnologischen Kommission" mit der "Arabischen Kommission". Damit ergaben sich zwei Arbeitsbereiche: 1.) Das Gebiet der Sozialanthropologie und 2.) die arabische Philologie und Kulturgeschichte des Nahen Ostens. Diese fächerverbindende Kombination bildet zweifellos eine günstige Voraussetzung für die Erforschung inter- und intrakultureller Zusammenhänge, für gemeinsame fachspezifische Bemühungen und methodische Reflexionen und legt zugleich die interdisziplinäre Forschung geradezu verpflichtend fest. Sie ist aber darüber hinaus auch ein Symbol für die neueren Entwicklungen in der deutschsprachigen Ethnologie, widersetzt sie sich doch dem überalteten Denken, wonach Kompetenzen in den Sprachen der zu untersuchenden außereuropäischen Gesellschaften für die Erbringung ethnographischer Daten als nicht vordringlich erachtet worden waren.

StadlAus der Entwicklung der ethnologischen Forschung resultierte schließlich die Umbenennung der Kommission. Der Begriff "Ethnos" selbst ist heute auf Grund des verfügbaren Datenmaterials nicht mehr ausreichend. Ethnizität als Verhältnis zwischen mehreren Gruppen, die sich vorwiegend voneinander durch kulturelle Unterschiede abgrenzen, macht zugleich nur mehr ein Teilgebiet der Forschungen in der Sozial- und Kulturanthropologie aus. Die von der Ethnologie untersuchten Gesellschaften zeigen sich unterschiedlich sozial und politisch strukturiert, wie zum Beispiel Horden, Linienverbände, Stammesverbände, sozial stratifizierte Gesellschaften (Kasten und Klassen) und staatliche Gesellschaften. Aus diesen Gründen wurde im angelsächsischen und französischen Raum die Bezeichnung "Ethnologie" konsequenterweise durch "Social Anthropology" bzw. "Anthropologie Sociale" ersetzt. "Sozialanthropologie" bezieht sich unmittelbar auf die Erforschung des Menschen – mit einem klar vorgegebenen Bereich: Der Mensch definiert über seine sozialen Beziehungen, die eingebettet in die jeweiligen Strukturen des Wissens, des Glaubens, der technischen, wirtschaftlichen und geistigen Daseinsgestaltung, gedacht werden. Auf dieser Grundlage erfolgte die Umbenennung dieser Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 18. Jänner 1995 in "Kommission für Sozialanthropologie", eine Bezeichnung, die den gegenwärtigen Schwerpunkten der Forschungsprojekte wesentlich besser gerecht wird.

JemenDieser Denkansatz sozialanthropologischer Forschung implizierte die fächerübergreifende Programmatik der "Kommission für Sozialanthropologie": Die Durchführung von empirisch-ethnographischen Untersuchungen, von philologisch-historischen Analysen und von interkulturellen Vergleichsstudien sozio-kultureller Phänomenkomplexe.

Mit 1. Jänner 2007 wurde die Kommission für Sozialanthropologie in eine Forschungsstelle umgewandelt und dem Zentrum Asienwissenschaften und Sozialanthropologie (ZAS) zugeordnet. Die klassischen sozialanthropologischen Kernkompetenzen des Studiums von Gewohnheitsrecht, Verwandtschaftsbeziehungen und Ritualen werden in der Forschungsstelle Sozialanthropologie spezifiziert und weiter entwickelt: Regional liegen die Spezialisierungen der Forschungsstelle Sozialanthropologie im Islamisch geprägten Nahen Osten, in Zentralasien und in Südostasien. Methodisch ist die Forschungsstelle Sozialanthropologie orientiert an ausgewogen geschlechterspezifischen, empirischen Feldforschungen in einheimischen Sprachen sowie am systematischen interkulturellen Vergleich, und auf diesen Grundlagen an der Analyse und Interpretation von soziokulturellen Prozessen der Gegenwart wie der Geschichte. Inhaltlich ist das langfristige Rahmenprogramm der Forschunggstelle Sozialanthropologie auf die programmatische Thematik von „Konsens und Konflikt in Asien und im östlichen Mittelmeerraum“ gerichtet, wofür primär ergebnisorientierte mittelfristige Grundlagenforschung nach spezifizierten Schwerpunkten und sekundär auch kurzfristige Expertisen im Sinne der Akademie erarbeitet werden. Die Forschungsstelle Sozialanthropologie wurde mit 1. Jänner 2010 in das Institut für Sozialanthropoloige umgewandelt.