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[2011/07] Reproduktionstourismus
Dissertationsprojekt: Eva-Maria Knoll
Betreuerin: Ulrike Felt
Projektlaufzeit: 01.01.2004 - 04.07.2011
Finanzierung:
Mischfinanziert    

Dieses Dissertationsprojekt zählt zu den ersten sozialanthropologischen Untersuchungen transnationaler Dimensionen der künstlichen Befruchtung und  wurde  von  Univ.-Prof.  Dr.  Ulrike  Felt  (Institut für Wissenschaftsforschung, Universität Wien)  betreut.

Reproduktionstechnologien haben sich in den letzten drei Jahrzehnten von einer Kuriosität zu einem prosperierenden Bereich eines globalen Gesundheitsmarktes entwickelt. Eine sozio-technisch und moralische Landschaft, die vielfältige ‚Optionen jenseits von Grenzen‘ eröffnet, entwickelte sich im Spannungsverhältnis zwischen der globalen Verfügbarkeit dieser Medizintechnologie und ihrer Einbettung in vielfältige, ‚lokale moralische Welten‘ inklusive ihrer Reglementierung durch nationalstaatliche Gesetze. Diese Arbeit beschreibt die Entfaltung und Multiplizierung einer zugehörigen sozio-technischen und moralischen Landschaft, des Reproscape. Dieser Reproscape ist Bedingung und Effekt der Fusionierung des medizinischen und touristischen Blicks (‚medico-tourist gaze‘) im Reproduktionstourismus.

Die vorliegenden Einsichten beruhen auf ethnographischen Daten von fünf ausgewählten europäischen Schauplätzen, der virtuellen Welt des Internets und auf den Perspektiven unterschiedlicher involvierter AkteurInnen. Der Reproscape wurde entlang dreier Untersuchungsdimensionen erkundet: Einer deskriptiven, die auf die Elemente und Bedingungen des Reproscape fokussiert; einer agency-zentrierten Dimension, die beleuchtet wie Menschen Nutzen aus dieser technogenen Landschaft ziehen; und einer dritten, die eine Einschätzung und Beschreibung der vielfältigen Bewegungen im Reproscape vornimmt.

Der Reproscape ist im physischen Raum verankert und durch vielfältige Formen von Überschreitungen gekennzeichnet: Die räumliche Überschreitung nationalstaatlicher Grenzen, die biotechnologische Überschreitung körperlicher Schranken und die Übertretung legaler und moralischer Einschränkungen. Das Navigieren des Reproscapes erlaubt Dinge zu tun, die zu Hause nicht getan werden können, nämlich repromedizinische Serviceleistungen anzubieten oder in Anspruch zu nehmen, die als billiger oder besser erachtet werden oder zu Hause verboten sind.

Durch die Beleuchtung des Reproduktionstourismus in unterschiedlichen Örtlichkeiten und Zusammenhängen trägt diese Arbeit zum grundlegenden Verständnis einer multiplen sozio-technischen Landschaft bei, die immer beides ist – Bedingung für und Resultat von Reproduktionstourismus.

Navigating Socio-technical and Moral Landscapes: Reproductive tourism in Europe, Dissertation Universität Wien 2011