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OEAW_Stigler_2011

STIGLER, Johanna
Verwandschaft, Kultur, Religion. Reihe: Veröffentlichungen zur Sozialanthropologie 15
(ISBN13: 978-3-7001-6723-5)


Der vorliegende Band befasst sich in zwei Teilen mit zentralen Fragen der georgischen Ethnographie und Kultur, die aus dem Nachlass der Sozialanthropologin und Georgienspezialistin Johanna Stigler (1962-2007) von Andrea Strasser-Camagni und Stefan Krist ediert wurden. Der erste Teil setzt sich kritisch mit Konzepten der sowjetischen Ethnographie zu Verwandtschaft und kharthvelischer Verwandtschaftsterminologie auseinander. Johanna Stiglers umfassende Studie "Gens, Klan und Patronymie. Sowjetische Konzepte zur Verwandtschaft und kharthvelische Verwandtschaftsterminologie" liefert eine genaue ethnographisch empirische Analyse der kharthvelischen Verwandtschaftssysteme und weist damit die sowjetethnographischen Konzepte "als Instrumente der Ideologie" nach, die nicht "als Ergebnisse wissenschaftlicher Verifizierung zu bewerten" sind. Der zweite Teil der Publikation ist dem kaukasischen Judentum gewidmet. In ihrer Studie "Wahlheimat Wien: Kaukasische Juden am Mexikoplatz" präsentiert die Autorin die Ergebnisse einer von ihr durchgeführten Feldforschung unter den in Wien niedergelassenen kaukasischen Juden und Jüdinnen. Durch die gewonnenen Erkenntnisse über die Identitätskonstruktionen dieser Migrantlnnen liefert diese Arbeit auch einen wertvollen Beitrag zur Migrationsforschung. Der Artikel "Zwischen Separation und Assimilation. Die Integration der kaukasischen Juden in ihr ethnisches Umfeld" stellt eine umfassende Historiographie des kaukasischen Judentums dar. Johanna Stiglers Arbeiten kommt in beiden Themenbereichen eine weitgehend singuläre Bedeutung zu. Sie sind von großer interdisziplinärer Relevanz für die Sozial- und Kulturanthropologie, für Kharthvelologie und Caucasian Studies, Jewish Studies, die Geschichte Osteuropas sowie die Migrationsforschung.

Mag. Johanna Stigler (1962 – 2007) studierte Volkskunde, Russisch und Völkerkunde an den Universitäten Innsbruck und Wien sowie Georgisch an der Universität Tiflis. Ihre Forschungsgebiete konzentrierten sich auf sowjetische ethnographische Konzepte zu Verwandtschaft und kharthvelischer Verwandtschaftsterminologie. Sie untersuchte überdies Ethnizität als Regulativ der Beziehungen im Vielvölkerstaat Georgien unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Georgiern, georgischen Juden und russischen Ashkenasim. Stigler erhob ihr empirisches Material in zahlreichen Feldforschungen in Georgien und Israel, Armenien, Turkmenistan und Kasachstan. Sie arbeitete under anderem als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin und Lehrende an der Universität Wien. Von 1995 bis 1997 war Johanna Stigler für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Tiflis tätig. Seit 2004 arbeitete sie bei der Volkshilfe Oberösterreich/Braunau in der Flüchtlingsbetreuung.