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[2013/06] Shifting Memories – Manifest Monuments. Memories of the ‚Turks’ and Other ‚Enemies’

Projektleitung: Johann Heiss
Projektkoordinator:
Johannes Feichtinger (Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, ÖAW)
ProjektmitarbeiterInnen:
Marion Gollner, Simon Hadler (Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, ÖAW) (Ehemalige Mitarbeiterinnen: Silvia Dallinger, Johanna Witzeling)
Projektlaufzeit:
01.01.2009 - 30.06.2013
Website:
http://www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at/

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Shifting Memories - Manifest Monuments. Memories of the ,Turks' and Other ,Enemies'" ist aus dem Vorgängerprojekt "'der Türkische Säbel ist vor der Thür....'. Zur Neubewertung von Türkenbildern in Wien' heraus entstanden.

Ziel des Projekts ist es, einen neuartigen Zugang zu einer Art von Denkmalen zu schaffen, die wie kaum eine andere in den Mittelpunkt politischer Propaganda und Auseinandersetzungen geriet: die ‚Türkendenkmale’. Gerade das Feindbild der ‚Türken’ entpuppte sich als eines, das für verschiedenste Zwecke verwendbar war. ‚Der Türke’ wurde zum Symbol so widersprüchlicher Feindbilder wie ‚Aufklärer’, ‚Bolschewiken’ und ‚Nationalsozialisten’.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die systematische Aufarbeitung der Geschichte der Inbesitznahme des öffentlichen Raums durch Denkmal setzende Instanzen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Analysiert werden – vor allem anhand von archivalischen Quellenbeständen – die Entstehungszusammenhänge der zahlreichen ‚Türken’-Monumente, ihre Umdeutung und die mit ihnen verbundenen Feierlichkeiten, hauptsächlich Jahrestage (1783, 1883, 1933, 1983). Untersuchungsgebiet ist der von den sogenannten Türkeneinfällen betroffene ostösterreichische Raum (die heutigen Bundesländer der Republik Österreich: Wien, Burgenland, Steiermark, Niederösterreich), der Analysezeitraum im Wesentlichen das 19. und 20. Jahrhundert, die Zeit des „Denkmalkultus“. Die Komplexität des Vorhabens bedingt ein transdisziplinäres Forschungsdesign, was seinen Ausdruck in mehreren Kooperationen findet. Träger des Projekts sind das Institut für Sozialanthropologie und das  Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte (ÖAW).

Innovativ ist das Vorhaben in so ferne, als es in der Analyse die Ebene der Verwendung der Denkmale in der Vergangenheit überschreitet und von dem so gewonnenen kritisch distanzierten Standpunkt eine reflexive Auseinandersetzung ermöglicht. Reflexiv bedeutet, dass nicht die Feindbilder unreflektiert wirken sollen, sondern die Vorgänge, die zu ihrer Ausbildung führen, sichtbar gemacht werden. Dieses Projekt liefert daher einen wissenschaftlichen Beitrag zum Abbau von Feindbildern.

Dekmale haben eine in- und exkludierende Funktion. Sie wirken Identitäts-stiftend und -bewahrend. Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens sind neuere theoretische Ansätze, die dynamische Wandlungsprozesse, was diese Funktionen betrifft, als grundlegend miteinbeziehen.

Das Wiener Liebenbergdenkmal, von der liberalen Stadtverwaltung für ihren Bürgermeister 1883 in Auftrag gegeben, wurde zum Beispiel 1933 erneut benutzt, diesmal jedoch von den Nationalsozialisten, deren Anhänger ein Nachkomme des Helden von 1683 war.

Derartige Instrumentalisierungen werden auf der Grundlage von vorwiegend aus Archiven gewonnenen Daten zu ‚Türken’–Denkmal setzenden Institutionen, Biographien einzelner Akteure und zu Diskursen mit Hilfe von drei methodischen Werkzeugen analysiert: durch Vergleich, historische Diskursanalyse und Netzwerkanalyse. Der Vergleich lässt Unterschiede im diachronen Verlauf erkennen, die historische Diskursanalyse zeigt, unter welchen Voraussetzungen solche Akteure vorgingen und wie sie jene selbst mitgestalteten. Die Netzwerkanalyse verdeutlicht das Machtspiel kooperierender und konkurrierender Kräfte, welche die ‚Türken’ für ihre Zwecke gebrauchen.

Die Bedeutung des Projekts liegt darin, dass es die vergangene Funktion der Denkmale als Orientierung für bewusstes Handeln in der Gegenwart für Multiplikatoren wie LehrerInnen, PolitikerInnen, DenkmalschützerInnen auf doppelte Weise verfügbar macht: einerseits, was den Umgang mit ‚ungeliebten’ Denkmalen (z. B. von Diktatoren) betrifft, anderseits verleihen gerade die Diskussionen um den EU-Beitritt der Türkei dem Projekt seine besondere Aktualität und Relevanz.

Erste Forschungsergebnisse des Projektes sind auf der interaktiven Website www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at abrufbar.

Neben dem Projekt "Shifting Memories - Manifest Monuments. Memories of the ,Turks' and Other ,Enemies''" widmet sich auch das daraus hervorgegangene ÖAW-DOC-team-Projekt ",Die Türken (vor) und in Wien'. Zur Vermitllung und Vergegenwärtigung von Geschichtsbildern der ,osmanischen Bedrohung' in Österreich" der Vielfältigkeit eines bereits seit Jahrhunderten im kollektiven Gedächtnis Österreichs (und Europas) verankerten und verinnerlichten Geschichtsbildes "der Türken".