Volkssprachliche Texte
Aufgaben
Das Forschungsfeld der Arbeitsgruppe Volkssprachliche Texte des Spätmittelalters ist die Zeit vom 13. bis zum 16. Jahrhundert in Mitteleuropa und Ostmitteleuropa, wobei schriftliche Quellen an der Schwelle zwischen Latein und der jeweiligen Volksprachen (in dem gegebenen Raum vor allem Deutsch, Tschechisch, Polnisch, Ungarisch) mit historischen Methoden befragt werden, in einer engen Zusammenarbeit mit jeweiligen Philologien und Literaturwissenschaften.
Volkssprachen und volkssprachliche Texte spielten eine wichtige Rolle in der gesellschaftlichen Transformation des europäischen späten Mittelalters, circa zwischen der Mitte des 14. Jahrhunderts bis tief in das 16. Jahrhundert. Volkssprachliche Literaturen werden deshalb als soziale Kategorien betrachtet, die es erlauben, wichtige Erkenntnisse über komplexe Prozesse der Identitätsformation und –transformation bei Individuen wie gesellschaftlichen Gruppen zu gewinnen. Die Untersuchung der Volkssprachen und ihrer Literaturen in dem gegebenen Raum des Mittel- und Ostmitteleuropas aus diesem Blickwinkel erfüllt ein wichtiges Forschungsdesiderat der euro-amerikanischen Mediävistik.
Einen festen Teil der Forschungsarbeit der AG stellt die Erschließung der primären Quellen dar – Quelleneditionen, kodikologische und überlieferungsgeschichtliche Studien. Eine Mehrheit der volkssprachlichen Texte des Spätmittelalters ist im Kontext der Theologie und christlichen Katechese entstanden, ihre Überlieferung ist oft sehr umfangreich und kompliziert. Einen wichtigen Teil der Forschungsarbeit stellen daher vergleichende Studien dar, in denen vor allem Übersetzungen der meist verbreiteten religiösen Texte in ihren einzelnen sprachlichen Varianten analysiert werden.
Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Kooperationen und Kontakte im In- und Ausland aufgebaut. Regelmäßig werden Vorträge, Workshops und Symposien veranstaltet, vor allem im Rahmen des ERC-Projektes „Origins of the Vernacular Mode“, das zur Zeit die Grundlage der Forschungsarbeit der AG bietet.

Institut für Mittelalterforschung
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