Regesta Imperii
Aufgaben
Aufgabe ist das Erstellen von Regesten (= wissenschaftlichen Abstracts) zu den Urkunden mittelalterlicher römisch-deutscher Kaiser und Könige und zu den sie erwähnenden historiographischen Quellen zur Dokumentation der Regierungshandlungen.
Die Arbeitsgruppe Regesta Imperii konstituierte sich im Januar 1998 als Nachfolgerin der "Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii". Zusammen mit der Deutschen Kommision für die Bearbeitung der Regesta Imperii an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz bildet sie das Gesamtunternehmen Regesta Imperii.
Die Arbeitsgruppe steht in der bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts reichenden Tradition des von Johann Friedrich Böhmer begründeten Unternehmens und vereinigt derzeit sechs laufende Arbeitsvorhaben zu Kaisern und Königen vom 12. bis zum 16. Jahrhundert.
Die Regesta Imperii sind als chronologische Dokumentation aller urkundlichen und chronikalischen Quellen zu den römisch-deutschen Kaisern und Königen des Mittelalters angelegt. In römischer Zählung wird das gesamte Mittelalter in dynastie- oder herrscherbezogene Perioden eingeteilt. Die Regesta Imperii beginnen mit Band I bei den Karolingern und enden mit Band XIV bei Kaiser Maximilian I. Die dabei nach Epochen dynastischer Kontinuität gegliederten Bände Karolinger, Sächsisches Haus, Salisches Haus und Ältere Staufer weisen Abteilungen auf, in denen einzelne oder mehrere Herrscher oder Päpste erfasst werden. Für die Herrscher des Spätmittelalters wird jeweils ein eigener Band konzipiert, der je nach Anzahl der zu bearbeitenden Quellen in mehrere Teilbände oder Faszikel unterteilt wird. Die Regesten der Kaiser Ludwig der Bayer, Sigismund (Neubearbeitung) und Friedrich III. werden wegen der Materialfülle unter Verzicht der Aufnahme chronikalischer Quellen nach Archiven und Bibliotheken geordnet in Heften publiziert. Bei Maximilian I. zwingt die Materialfülle zu einer Auswahl von ungefähr einem Fünftel aus dem sehr großen Gesamtbestand an Urkunden, Akten und Briefen.
Seit 2004 stehen dem Benutzer alle Regesten der Regesta Imperii im Internet zur Verfügung: REGESTA IMPERII Online
Geschichte der Regesta Imperii
Die Regesta Imperii sind untrennbar mit dem Namen ihres Begründers Johann Friedrich Böhmer (1795-1863, Stadtbibliothekar und Archivar in Frankfurt/Main) verbunden, der als Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica (MGH) 1829 mit der Erstellung und 1831 mit der Publikation von Urkundenregesten römisch-deutscher Kaiser und Könige begann. Was zunächst nur als Vorarbeit zu der Edition vollständiger Urkundentexte durch die MGH gedacht war, entwickelte sich zu einem eigenständigen Unternehmen mit dem Konzept, eine genaue Wiedergabe von Urkunden und chronikalischen Quellen in Regestenform als Grundlagenwerk für die Geschichtsforschung zu publizieren. Zusammen mit den Urkundeneditionen der MGH und den Jahrbüchern der Deutschen Geschichte bilden die Regesta Imperii ein unentbehrliches und weithin anerkanntes Grundgerüst für die Erforschung des mittelalterlichen römisch-deutschen Reiches.
Für das seit 1906 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angesiedelte Unternehmen Regesta Imperii wurde 1931 die "Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii" gegründet, zu welcher als Partnerunternehmen 1967 die Deutsche Kommission für die Bearbeitung Regesta Imperii hinzukam. Beide Sektionen der Regesta Imperii sind etablierte, von den Akademien getragene Langzeitvorhaben. Die Bedeutung und Qualität der Regesta Imperii spiegelt sich auch in ihren Mitarbeitern wider. Zu den Historikern, die Beiträge geliefert oder administrative Funktionen innegehabt haben, gehören Julius Ficker, Alfons Huber, Emil Ottenthal, Engelbert Mühlbacher, Eduard Winkelmann, Oswald Redlich, Vinzenz Samanek, Hans Hirsch, Leo Santifaller und viele andere mehr.
Vgl.:
Leo Santifaller: Bericht über die Regesta Imperii, in: Anzeiger der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 106. Jg. 1969
Paul-Joachim Heinig: Der gegenwärtige Stand der Regesta Imperii, in: Diplomatische und chronologische Studien aus der Arbeit an den Regesta Imperii, hg. v. dems. (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters – Beihefte zu F.J. Böhmer, Regesta Imperii, Bd. 8, Köln-Wien 1991)
Christine Ottner : Joseph Chmel und Johann Friedrich Böhmer. Die Anfänge der Regesta Imperii im Spannungsfeld von Freundschaft und Wissenschaft, in: Wege zur Urkunde – Wege der Urkunde – Wege der Forschung. Beiträge zur europäischen Diplomatik des Mittelalters, hg. von Karel Hruza und Paul Herold (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii, Bd. 24, Wien-Köln-Weimar 2004)
Jan Paul Niederkorn : Julius von Ficker und die Fortführung der Regesta Imperii vom Tod Johann Friedrich Böhmers (1863) bis zu ihrer Übernahme durch die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien (1906), in: Wege zur Urkunde – Wege der Urkunde – Wege der Forschung.

Institut für Mittelalterforschung
Zentrum für Mittelalterforschung
Wohllebengasse 12-14 • A-1040 Wien
Tel.: +43-1-515 81/7200 • E-mail
Direktor: Univ.Prof.Dr. Walter Pohl
Kontakt: Dr. Karel Hruza • 51581/7220 • e-Mail