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Kulturforschungen Copyright © IKT der ÖAWRedaktion: J.Feichtinger C.Hofer Update: C.Hofer Letzte Änderung: 19.06.2012 |
Transformationen des österreichischen GedächtnissesGeschichtspolitik und Denkmalkultur in der Zweiten Republik*
Anläßlich des ersten Besuchs eines österreichischen Bundespräsidenten in Israel sprach Thomas Klestil im November 1994 vor der Knesset von "Verdrängung", einem fehlenden "Eingeständnis der vollen Wahrheit" und erklärte: "Wir wissen, daß wir zu oft nur davon gesprochen haben, daß Österreich damals als erster Staat seine Freiheit und Unabhängigkeit an den Nationalsozialismus verlor - aber viel zu selten auch darüber, daß manche der ärgsten Schergen der NS-Diktatur Österreicher waren." 1 Damit reagierte Klestil auf die fundamentale Infragestellung der Opferthese in der Waldheim-Diskussion - ebenso wie Bundeskanzler Franz Vranitzky in seiner vielzitierten Erklärung vor dem österreichischen Parlament am 8. Juli 1991, daß sich Österreich "zu den guten wie zu den bösen (...) Seiten" seiner Geschichte bekennen müsse: "Wir müssen uns (...) zur Mitverantwortung für das Leid, das zwar nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben, (bekennen)" und uns "bei den Überlebenden und bei den Nachkommen der Toten" entschuldigen.2 Ähnliche Worte hatte aber bereits Präsident Waldheim in seiner Fernsehansprache anläßlich des Gedenkens an den "Anschluß" am Vorabend des 11. März 1988 gewählt.3 Diese Aussagen zeigen beispielhaft, daß die heutige Kritik am Umgang mit der Vergangenheit davon ausgeht, daß die Opfertheorie das zentrale Einstellungsmuster des österreichischen Geschichtsbewußtseins im Hinblick auf die NS-Zeit bildet. Die Selbstdarstellung als erstes Opfer nationalsozialistischer Expansionspolitik - in der Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 wurde festgeschrieben, daß der "Anschluß" durch "militärische kriegsmäßige Besetzung des Landes dem hilflos gewordenen Volke Österreichs aufgezwungen" worden war - und die Berufung auf den österreichischen Freiheitskampf gegen das NS-Regime beschreiben jedoch nur ein Argumentationsmuster im komplexen österreichischen Gedächtnisdiskurs, nämlich die offizielle Geschichtserzählung der Zweiten Republik.4 In Konkurrenz bzw. im Gegensatz dazu stand eine andere Deutung, die Kurt Waldheim 1986 mit seiner Rechtfertigung auf den Punkt brachte: "Ich habe im Krieg nichts anderes getan als Hunderttausende andere Österreicher, nämlich meine Pflicht als Soldat erfüllt." 5 Wie weitreichend diese Einstellung das Geschichtsbewußtsein insbesondere der Kriegsgeneration prägte, zeigte sich nicht nur an der Virulenz entsprechender Meinungsäußerungen in der Diskussion um die Kriegsvergangenheit Kurt Waldheims (der zur Identifikationsfigur des Durchschnittsösterreichers wurde), die Verbreitung dieses Deutungsmusters wird bereits durch einen Blick auf die österreichischen Denkmäler als Zeugnisse der kollektiven Erinnerung offenkundig: Denkmäler für die Opfer von Widerstand und Verfolgung sind - außerhalb der Bundeshauptstadt Wien - wenig präsent; was die Denkmallandschaft prägt, sind Kriegerdenkmäler, die an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnern - jedoch nicht als Opfer nationalsozialistischer Kriegspolitik, sondern als "Helden", die ihr Leben "in treuer Pflichterfüllung auf dem Altar der Heimat geopfert haben".6 Mit dieser Terminologie wurde bruchlos an das Gefallenengedenken für die Toten des Ersten Weltkriegs angeschlossen. Kriegerdenkmäler widersprechen somit, wie der Politologe Anton Pelinka 1991 in der ersten österreichischen Studie zu diesem Thema festgestellt hat, in ihrer Darstellung des Zweiten Weltkriegs "im Regelfall ganz eindeutig und unversöhnlich der �Philosophie� der Zweiten Republik: Nichts von der Befreiung Österreichs durch die Alliierten und durch den österreichischen Widerstand, nichts von der Besetzung Österreichs durch Deutschland." 7 Wie konnte sich - so die Ausgangsfrage der folgenden Überlegungen - diese Form des Gefallenengedenkens, trotz ihrer offenkundigen Widersprüche zur offiziellen Sichtweise der NS-Vergangenheit, in weiten Bereichen als vorherrschende Erinnerungskultur durchsetzen? Anton Pelinka sieht darin eine Art plebiszitärer Geschichtsschreibung "von unten", ermöglicht durch die Laissez-faire-Geschichtspolitik der Zweiten Republik, einem "nahezu beliebigen Pluralismus, der fast unbeschränkten Toleranz gegenüber jeder Form politischer Symbolik." 8 Aus der Entwicklungsgeschichte der Denkmallandschaft nach 1945 läßt sich jedoch eine andere These ableiten, nämlich daß diese Denkmalkultur eben nicht im Widerspruch zur Geschichtsauffassung der Zweiten Republik steht, sondern daß sie das indirekte Ergebnis ihrer widersprüchlichen Geschichtspolitik ist. Der öffentliche Umgang mit der NS-Vergangenheit war von spezifischen politischen Interessen geleitet, und während außenpolitisch das Insistieren auf den Status als "erstes Opfer" bis zur Waldheimaffäre bestimmend blieb, wurden auf innenpolitischer Ebene andere Leitlinien wirksam: Das Bemühen um die Integration und, damit zusammenhängend, um das beträchtliche Wählerpotential der ehemaligen Nationalsozialisten, aber auch die Auswirkungen der gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse seit den 60er Jahren (Studentenbewegung, Konsolidierung eines österreichischen Nationalbewußtseins etc.) prägten die widersprüchlichen Perzeptionen der NS-Zeit in der Zweiten Republik.9 Die Verschiebungen in der Geschichtspolitik finden in den Bruchlinien der Denkmallandschaft ihren sichtbaren Ausdruck: Die kurzfristige Orientierung am österreichischen Freiheitskampf unmittelbar nach Kriegsende wurde in den 50er Jahren von der Rehabilitierung der gefallenen (und damit auch der überlebenden) Wehrmachtssoldaten abgelöst. Seit Mitte der 60er Jahre läßt sich - allerdings beschränkt auf die staatlich-offizielle Ebene - eine deutliche Distanzierung von einem Geschichtsverständnis feststellen, das auf der Identifikation mit den (ehemaligen) Soldaten beruhte, und eine Erneuerung des Konsenses der politischen Eliten hinsichtlich des Geschichtsbildes der Opfertheorie, die in den folgenden Jahren in weiten Bereichen der Öffentlichkeit (vor allem in der Schulpolitik) zum Durchbruch gelangte. Es bedurfte allerdings des Bruchs im offiziellen Geschichtsbild, ausgelöst durch die Waldheim-Debatte, um die Frage nach der österreichischen Verantwortung für die Verbrechen der Jahre 1938 bis 1945 in das Zentrum der Vergangenheitsdebatte zu rücken. Seit Mitte der 80er Jahre wurde der Fokus zeitgeschichtlicher Forschungen wie auch einer kritischen Öffentlichkeit auf die Verfolgung und Ermordung von Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen, Behinderten und Zeugen Jehovas, von Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern einerseits, auf die Zustimmung breiter Bevölkerungskreise zum "Anschluß" im März 1938 andererseits gelegt. Damit wurde die bisher im Rahmen der Opfertheorie vorherrschende Sichtweise, die sich auf die gewaltsame Zerschlagung der österreichischen Eigenständigkeit und staatlichen Strukturen sowie auf den Widerstand gegen des NS-Regime konzentriert hatte, weitgehend abgelöst. Das Gedenken an den österreichischen Freiheitskampf in der unmittelbaren Nachkriegszeit Das erste monumentale Denkmal zur Erinnerung an das NS-Regime in Wien wurde bereits wenige Wochen nach Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Roten Armee erbaut. Die ausgedehnte Anlage mit der fast zwölf Meter hohen Bronzefigur eines Rotarmisten sollte bis zur Errichtung von Alfred Hrdlickas "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" im Jahr 1988 das einzige stadtbildprägende Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse der Jahre 1938 bis 1945 bleiben. Das sowjetische Befreiungsdenkmal, enthüllt am 19. August 1945, war zwar den Gefallenen der Roten Armee gewidmet - "Ewiges Heil den Helden der Roten Armee, gefallen im Kampf gegen die deutsch-faschistischen Landräuber für die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker Europas", lautet die russische Inschrift auf den Kolonnaden.11 Die Enthüllungsfeierlichkeiten gaben jedoch auch österreichischen Politikern - dem Staatskanzler Karl Renner (SPÖ), dem ÖVP-Staatssekretär und späteren Bundeskanzler Leopold Figl und dem kommunistischen Staatssekretär Ernst Fischer - bereits kurz nach Kriegsende Gelegenheit, jener Interpretation der NS-Zeit Nachdruck zu verleihen, die der Gründungsideologie der Zweiten Republik entsprach, wie etwa aus der Rede Leopold Figls hervorgeht: "Sieben Jahre schmachtete das österreichische Volk unter dem Hitlerbarbarismus. Sieben Jahre wurde das österreichische Volk unterjocht und unterdrückt, kein freies Wort der Meinung, kein Bekenntnis zu einer Idee war möglich, brutaler Terror und Gewalt zwangen die Menschen zu blindem Untertanentum." Dennoch sei der "Glaube an Österreich" zum Motor eines von allen Schichten der Bevölkerung getragenen patriotischen Widerstandes geworden: "In den Fabriken und Büros, an der Front und in der Heimat wurde stille und erfolgreiche, aber auch gefährliche Sabotage am Hitlerstaate geübt. (...) Wir wahren Österreicher (standen) in einer Front mit den Soldaten der alliierten Armeen." 12 Figls Ausführungen entsprachen den Erfahrungen der politischen Eliten der Gründergeneration der Zweiten Republik - Figl selbst war als Exponent des ständestaatlichen Systems in den KZ Dachau und Mauthausen und zuletzt im Wiener Landesgericht inhaftiert, nur das rasche Vordringen der sowjetischen Armee rettete ihn vor dem sicheren Todesurteil 13 -, diese Erfahrungen wurden nun aber auf das ganze "österreichische Volk" übertragen. Bereits im Mai 1945 hatte am Zentralfriedhof von Graz, der steirischen Landeshauptstadt, eine der größten Kundgebungen der Nachkriegszeit stattgefunden. Rund zehntausend Grazerinnen und Grazer nahmen an der Grablegung von 142 Regimeopfern teil, die in den letzten Kriegswochen in der Militärschießstätte Feliferhof hingerichtet worden waren, und bekundeten damit ihren Abscheu vor dem "fluchwürdigen nazistischen Faschismus". Landeshauptmann Reinhard Machold an der Spitze der steirischen Landesregierung, der Grazer Bürgermeister mit dem Stadtsenat sowie höchste Repräsentanten der Kirche gedachten der Opfer einer unmenschlichen Diktatur - diese "unschuldigen Opfer" seien "Zeugen dafür, daß sich das österreichische Volk trotz brutalster Unterdrückung stets aufgelehnt hat gegen die Despoten des Dritten Reiches". Machold gelobte aber auch, die "schwere Schuld, die das österreichische Volk durch seine Duldung des nazistischen Jochs und durch seine Teilnahme am Krieg auf sich geladen hat", tilgen zu wollen.14 Die Grazer Kundgebung und die Übergabe des Wiener Befreiungsdenkmals geben exemplarische Einblicke in den öffentlichen Umgang mit Krieg und Nationalsozialismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit. In Denkmalerrichtungen für die Opfer des Widerstandes, Gedenkfeiern und politischen Erklärungen der drei Gründungsparteien der Zweiten Republik, der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), der Sozialistischen Partei (SPÖ) und der Kommunistischen Partei (KPÖ), wurde der Freiheitskampf als Grundlage des unabhängigen, demokratischen Österreich gewürdigt. In dieser Phase wurde in Wien, Graz und anderen Städten die Errichtung von Denkmälern für den Freiheitskampf beschlossen, fanden parteienübergreifende Gedenkfeiern wie die Totenfeier der Stadt Wien am 1. November 1945 statt, bei der Vertreter von SPÖ, ÖVP und KPÖ "allen Opfern faschistischer Unterdrückung, welcher politischen Richtung immer sie angehört haben mögen" (Bürgermeister Theodor Körner) die Ehre erwiesen.15 Der "antifaschistische" Konsens in der Beurteilung der Vergangenheit sollte rasch brüchig werden. Eine entsprechende Weichenstellung erfolgte bereits im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen im November 1945 und ihrem überwältigenden Ergebnis für die beiden Großparteien. Mit der KPÖ erhielt jene Partei, die sich am stärksten auf den Widerstand berief (und die sich als einzige Partei auch weiterhin uneingeschränkt mit dem österreichischen Freiheitskampf identifizieren sollte), entgegen den Erwartungen lediglich fünf Prozent der Stimmen. Auch die Konsolidierung im Verhältnis vor allem zu den westlichen Besatzungsmächten ließ die Legitimation durch den Widerstand nicht länger zwingend erscheinen. Mit dem Beginn des Kalten Krieges verstärkte sich die Abgrenzungspolitik gegenüber der KPÖ, Ende 1947 trat das letzte kommunistische Regierungsmitglied zurück. Durch die Amnestiegesetze von 1947 wurden neue Rahmenbedingungen geschaffen, zugleich intensivierten sich die Bemühungen von ÖVP und SPÖ um die ehemaligen Nationalsozialisten, vor allem im Hinblick auf das beträchtliche Wählerpotential der "Minderbelasteten", die bei der Nationalratswahl des Jahres 1949 erstmals wahlberechtigt waren. Zum Anwalt der "Ehemaligen" machte sich insbesondere der Verband der Unabhängigen, die Vorläuferpartei der Freiheitlichen Partei (FPÖ), aber auch beide Großparteien bemühten sich um Wählerstimmen aus dem nationalen Lager. Das Abflauen des antifaschistischen "Geistes von 1945" und die mit der gesellschaftlichen Rehabilitierung verbundene Aufwertung ehemaliger Nationalsozialisten ließen bereits am Ende der 40er Jahre das Thema Widerstand "geradezu zu einem politischen Tabu" werden. 16 Je stärker diese Integrationspolitik in den Vordergrund trat, auf umso größere Distanz gingen SPÖ und ÖVP zu den Widerstandskämpfern - auch in den eigenen Reihen. Der Sozialist Josef Hindels hat im Jahr 1987, kurz vor seinem Tod, berichtet, daß ehemalige KZ-Häftlinge damals von prominenten Politikern aufgefordert wurden, "nicht mehr von den Greueln in den Konzentrationslagern zu reden, weil das die Leute nicht mehr hören wollen." 17 Im Zusammenhang mit der zunehmenden Distanzierung von der KPÖ zogen sich die Vertreter von ÖVP und SPÖ auch aus dem überparteilichen, wenngleich - im Sinn der Volksfrontstrategie - kommunistisch dominierten KZ-Verband zurück und gründeten eigene Organisationen, die "ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten" und den "Bund sozialistischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus".18/p> Diese politische Neuorientierung hat auch in der Denkmallandschaft ihren Niederschlag gefunden. Ende der 40er Jahre entstanden auf regionaler Ebene die letzten namhaften Denkmalstiftungen für Regimeopfer (erst in den 80er Jahren sollte wieder an die Erinnerungstradition für die NS-Opfer angeschlossen werden), ihre Errichtung wurde zunehmend von politischen Konflikten zwischen den Parteien begleitet, vor allem im Hinblick auf die Abgrenzung zur KPÖ (bzw. zum KZ-Verband), zu deren zentralen Forderungen weiterhin die Ehrung des Widerstandes zählte. Einige Beispiele aus der Steiermark: Bereits im Jahr 1947 weigerten sich die ÖVP und anfänglich auch die SPÖ, gemeinsam mit dem KZ-Verband an der Enthüllung des aufgrund eines gemeinsamen Beschlusses der drei Parteien errichteten Freiheitskämpfer-Denkmals in Leoben teilzunehmen; in Voitsberg durfte der Vertreter des KZ-Verbandes (obwohl Miterrichter des Denkmals) nicht das Wort ergreifen, in Judenburg wurde kein prominenterer Politiker als der steirische Sicherheitsdirektor für die Enthüllung gewonnen, der in seiner Rede dazu aufforderte, einen "dicken Schlußstrich" unter die Vergangenheit zu ziehen. Die Marginalisierung des Widerstandes im kollektiven Gedächtnis geht auch aus dem bereits erwähnten Denkmalprojekt der Landeshauptstadt Graz hervor: Im November 1945 war vom Stadtrat die Errichtung eines monumentalen Freiheitskämpfer-Denkmals im Stadtzentrum beschlossen worden, nach mehreren Planungsphasen wurde es im November 1949 schließlich in der reduzierten Form einer Gedenktafel nahezu unter Ausschluß der Öffentlichkeit enthüllt.19 Die genannten Denkmäler des Jahres 1949 verweisen auf das Ende jener Phase, in der der österreichische Freiheitskampf auch in den Bundesländern den zentralen, gemeinsamen Bezugspunkt aller gesellschaftlichen Kräfte darstellte. Die Berufung auf den Widerstand wurde von einer alle politischen Richtungen umfassenden Legitimation des neuen Österreich zum Ausdruck eines ideologisch etikettierten Geschichtsverständnisses, das sich im wesentlichen auf die KPÖ bzw. den KZ-Verband und Teile der SPÖ beschränkte. Stellt man die Frage, warum sich im Zusammenhang mit dem Gedenken an den österreichischen Freiheitskampf (ein Gedenken, das die militärischen Opfer des Krieges nicht ausschloß, sondern vielmehr, wie in der Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 ausgeführt, als Opfer der nationalsozialistischen Kriegspolitik einbezog) kein integratives Geschichtsbild entwickelt hat, so liegt der wesentliche Erklärungsansatz in der Geschichtspolitik der Parteien. Nur in einer kurzen Phase herrschte Konsens in der Beurteilung der NS-Vergangenheit. Bereits kurz nach Kriegsende begann sich die ÖVP aus dieser Erinnerungskultur zurückzuziehen; die "ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten" spielte in der Partei nur eine marginale Rolle. In der sozialistischen Gedenktradition wurde, wie noch ausgeführt wird, zunehmend der Februar 1934, der Aufstand gegen die Ständestaat-Diktatur, ins Zentrum gerückt. Damit wurde die KPÖ zur einzigen politischen Kraft, die entschieden als Anwalt des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes auftrat. Für die KPÖ gewann die Legitimation aus der Vergangenheit - die Kommunisten bildeten die weitaus stärkste Gruppe im aktiven politischen Widerstand 20 - angesichts ihrer politischen Bedeutungslosigkeit einen zentralen Stellenwert. Daß sich die KPÖ mit der Erinnerung an die "für Österreich gefallenen Heldinnen und Helden" (so die Widmung zahlreicher Gedenktafeln in Wien) das Vermächtnis übertrug, deren Kampf in ihrem Sinne weiterzuführen (wie bei nahezu jeder Gedenkfeier betont wurde) und dieses Vermächtnis somit im Hinblick auf ihre politischen Ziele instrumentalisierte, hat ebenfalls zur Delegitimierung des Widerstandes beigetragen. Insgesamt orientierte sich die Geschichtspolitik der beiden Großparteien an den Bestrebungen zur Integration der ehemaligen Nationalsozialisten, während die von der KPÖ weitergepflegte Erinnerung an den österreichischen Freiheitskampf auf zunehmende Ablehnung stieß. So erklärte Gustav Adolf Canaval im Jahr 1954 in den Salzburger Nachrichten zur Frage der Errichtung eines Denkmals für die "Opfer des Faschismus" in Salzburg, daß diese Diskussion obsolet sei, "schon allein aus dem Grunde, weil solche Denk- und Mahnmäler nun einmal in der heutigen Situation und Zeit nur den Zweck haben können, als praktisches Turn- und Vorführungsgerät kommunistischer Propaganda zu dienen." 21 Die Formierung des "Gedächtnisraums Wien" Offenkundig folgte die Entwicklung der Denkmallandschaft Wiens anderen geschichtspolitischen Intentionen als sie für die zumeist katholisch-konservativ dominierten Bundesländer charakteristisch sind, in denen sich seit den 50er Jahren - wie noch ausgeführt wird - das Gefallenengedenken als vorherrschende Gedächtniskultur herausgebildet hat. Die Vielzahl von "antifaschistischen" Erinnerungstafeln, Denkmälern und Gedenkstätten in Gemeindebauten, kommunalen Betrieben, Großunternehmen und an öffentlichen Plätzen erwecken den Eindruck einer "Stadt im Widerstand".22 Aber auch diese Gedächtniskultur verweist in erster Linie auf die geschichtspolitischen Interessen der Parteien, wobei die Konkurrenz zwischen SPÖ und KPÖ in der Frage "Wem gehört der Widerstand?" ebenso wie die Suche der beiden Großparteien nach einem partiellen Konsens über die Vergangenheit und die Entwicklung von parteispezifischen Erinnerungsformen einen durchaus komplexen Kontext bilden. Beispielhaft kommen die geschichtspolitischen Differenzierungen und Traditionsbildungen, die die Gedächtniskultur Wiens bis in die 80er Jahre prägten, am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und an den beiden weiteren Denkmälern, die am 1. November 1948 am Zentralfriedhof enthüllt wurden, zum Ausdruck. Die Enthüllung des Mahnmals der Stadt Wien für die Opfer des Faschismus erfolgte als offizieller Gedenkakt unter Teilnahme von Vizekanzler Schärf (SPÖ) als Vertreter der Bundesregierung, von Unterrichtsminister Hurdes (ÖVP) und Bürgermeister Körner (SPÖ). In dem figural gestalteten Denkmal (entworfen von Fritz Cremer und seinen Mitarbeitern Grete und Wilhelm Schütte) sollte der Kampf um die Freiheit, die Anklage gegen den Faschismus und die Trauer um die Opfer zum Ausdruck gebracht werden.23 Obwohl das Monument laut Inschrift "Den Opfern für ein freies Österreich 1934 bis 1945" gewidmet und durch die Einbeziehung des von der Ständestaat-Diktatur im Februar 1934 niedergeschlagenen sozialdemokratischen Aufstandes zweifellos als "sozialistisches" Denkmal ausgewiesen war, stand der Festakt im Zeichen eines die beiden Lager versöhnenden Zugangs zur Vergangenheit. Bürgermeister Körner ging auf den ´wunden Punkt´ der Jahre 1934 bis 1938 nicht explizit ein, er sprach vielmehr von einem "Denkmal, das an die Tragödie eines ganzen Volkes erinnert und seinen gemeinsamen Toten gilt", die "in den Unglücksjahren 1934 bis 1945 im Kampf für ein freies Österreich die Opfer politischer Unterdrückung und schließlich einer grausamen und übermächtigen Tyrannis geworden sind". Nach der Rede des Bürgermeisters erfolgten die Kranzniederlegungen, wobei in der Presse besonders vermerkt wurde, daß der erste Kranz von Vizekanzler Schärf und Unterrichtsminister Hurdes gemeinsam niedergelegt wurde.24 Während die Enthüllung des Denkmals als Festakt des offiziellen Wien im Zeichen der Annäherung zwischen den Bürgerkriegsgegnern des Jahres 1934 und nunmehrigen Regierungspartnern in der Großen Koalition stand, wobei strittige Fragen über die Vergangenheit weitgehend ausgeklammert wurden, kamen die unterschiedlichen Geschichtsauffassungen in separaten Gedenkfeiern der Parteien zum Tragen. In unmittelbarem Anschluß an die Feier begaben sich die sozialistischen Teilnehmer - "ein mächtiger Zug, hinter einem Fahnenwald, mit Vizekanzler Dr. Schärf und Bürgermeister Körner an der Spitze" - an das Grab des hingerichteten Februarkämpfers Georg Weissel, um der Übergabe eines von der Gewerkschaft der Gemeindeangestellten gestifteten Gedenksteins beizuwohnen. Mit der "Internationale" wurde die Gedenkfeier beschlossen.25 Am selben Tag wurde am Zentralfriedhof ein Gedenkkreuz enthüllt, das vom KZ-Verband der KPÖ errichtet worden war. In den Gedenkreden wurde der Opfer eines verbrecherischen Regimes gedacht und gelobt, "dessen Blutschuld zu rächen". Die Anklage richtete sich aber vor allem auch gegen die Ausblendung der Vergangenheit in einer auf Versöhnung der verfeindeten Lager der Zwischenkriegszeit und Integration der Nationalsozialisten ausgerichteten Gesellschaft: "Sollen wir die Tage (des Februaraufstandes 1934, Anm. d. Verf.) vergessen, wo Kanonen auf Wohnhäuser gerichtet wurden? Sollen wir die Tage des März 1938 vergessen, an denen man begann, Menschenwürde mit Füßen zu treten? Sollen wir vergessen, daß man uns wie Tiere behandelte und erniedrigte?" Die Gedenkveranstaltung der KPÖ war die einzige, in der von einem Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde der jüdischen Opfer gedacht wurde.26 Die Gedenkfeiern des November 1948 zeigen die Gedächtniskultur des offiziellen Wien als Feld symbolischer Politik, dessen Logik vor allem von den politischen Interessen der Parteien (bzw. der ihnen nahestehenden Opferverbände) bestimmt war. Für die sozialistische Partei und die Volkspartei eröffnete die Bezugnahme auf die NS-Vergangenheit Möglichkeiten des Konsenses und der Versöhnung. In der Suche nach einer die Lagergrenzen überschreitenden historischen Identität wurde auf Übereinstimmungsfaktoren wie die politische Unterdrückung beider Parteien, die gemeinsame Haft in den Konzentrationslagern und den daraus entstandenen "Geist der Lagerstraße" verwiesen, in dem die politischen Gegensätze überwunden worden seien. Am Zentralfriedhof wurde auch insofern ein Zeichen gesetzt, als die SPÖ ihre Bereitschaft zeigte, die Erinnerung an die Niederschlagung des Aufstandes im Februar 1934 weitgehend auf die Parteiebene zu beschränken, wo das Gedenken an die revolutionäre Tradition der Arbeiterbewegung als Integrationsfaktor zwischen den verschiedenen Richtungen und den Generationen wirken konnte.27 Im Gegensatz zu den Versöhnungsbemühungen auf offizieller Ebene stehen die von Konkurrenz bestimmten parteispezifischen Erinnerungskulturen. Die "antifaschistische" Denkmalkultur Wiens hat sich in engem Zusammenhang mit den Deutungskämpfen um die Definition des Widerstandes und um das Vermächtnis der Freiheitskämpfer, aber auch mit Rivalitäten um die Besetzung des öffentlichen Raums mit den jeweiligen Erinnerungszeichen entwickelt. Getragen wurde diese Erinnerungskultur vor allem von der sozialistischen und der kommunistischen Partei, während sich die ÖVP weitgehend zurückzog bzw. durch die Errichtung von Gedenkstätten in Kirchenräumen (wie dem Mauthausen-Fenster in der Votivkirche und dem Dachaukreuz in der Michaelerkirche 1951) eine eigenständige, aber öffentlich kaum rezipierte Form des Gedenkens entfaltete. Die zahlreichen kleineren Denkmäler und Gedenktafeln sind nicht zuletzt als sichtbare Markierungen politischer Einflußzonen anzusehen, denn die Errichtung einer Gedenkstätte im "halböffentlichen" Raum von Gemeindebauten bzw. Betrieben brachte deutlich die dort herrschenden Machtverhältnisse zum Ausdruck. Von der Präsenz der KPÖ in den sowjetisch besetzten Wiener Bezirken wie Floridsdorf und Favoriten zeugen zahlreiche Gedenktafeln an den Wohnhäusern von hingerichteten politischen Häftlingen, die die gleichlautende Widmung tragen: "Als junge Heldin / junger Held für die Freiheit Österreichs fiel ... Die Kommunistische Partei trauert um ihre treue Genossin / ihren treuen Genossen".28 Mit der Gedenktafel am Floridsdorfer Spitz (1950) für hingerichtete Wehrmachtsoffiziere, die dem christlich-konservativen Widerstand zuzuordnen waren, erhob die KPÖ zugleich den Anspruch, als Anwalt des gesamten, auch des nichtkommunistischen Widerstandes aufzutreten und sein Vermächtnis zu definieren: "Sie starben für ein Österreich des Friedens und der Demokratie, für ein antifaschistisches Österreich." 29 Als bedeutendste kommunistische Denkmalinitiative ist der Gedenkstein am Morzinplatz zu bezeichnen. Im Jahr 1949 war der KZ-Verband mit dem Ansuchen an die Stadt Wien herangetreten, auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Metropol am Morzinplatz, wo sich das Gestapo-Hauptquartier befunden hatte, einen Gedenkstein zu errichten, um "die Toten der faschistischen Barbarei zu ehren und gleichzeitig vor einem Wiedererstehen dieser Schreckenszeit zu warnen." 30 Es war allerdings offenkundig, daß von seiten der Stadtgemeinde der Forderung einer KPÖ-nahen Organisation nicht Rechnung getragen würde. Der Gedenkstein wurde daraufhin im Rahmen einer "Befreiungskundgebung" am 13. April 1951 in einer "illegalen" Aktion des KZ-Verbandes errichtet und enthüllt. Der KZ-Verband kritisierte dabei auch die Versäumnisse der Gemeinde Wien in der Würdigung der Opfer des Faschismus: "Was sie unterließ, haben wir getan." 31 Auch diese Gedenkfeier wurde seitens der KPÖ zum Anlaß genommen, um grundsätzliche Kritik an der Regierungspolitik zu üben, die dafür verantwortlich sei, daß Massenmörder und Kriegsverbrecher (die namentlich angeführt wurden) "heute frei umherlaufen, statt in den Gefängnissen zu sitzen" und daß "neofaschistische Organisationen ungehindert ihre hochverräterische Tätigkeit ausüben können". Das Vermächtnis der Toten harre noch der Erfüllung, und es sei heute mehr denn je notwendig, daß "die Überlebenden der Schreckenslager und des Morzinplatzes sich gemeinsam mit allen demokratischen Kräften Österreichs dem aufkeimenden Faschismus entgegenstellen".32 Allerdings bewegten sich die Konflikte zwischen SPÖ und KPÖ um die angemessene Würdigung des Widerstandes, von der wohl wesentliche Impulse für die zahlreichen Denkmalstiftungen beider Parteien in Wien ausgingen, am Ende der Besatzungszeit nur noch in einem begrenzten Segment der österreichischen Erinnerungskultur. In den Bundesländern wurde die Gedächtnislandschaft bereits seit dem Ende der 40er Jahre vom Gefallenengedenken geprägt, aber auch in Wien war das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus außerhalb der parteispezifischen Erinnerungsrituale umstritten, wie aus der Errichtung einer Gedenktafel für den Kabarettisten Fritz Grünbaum durch die Lagergemeinschaften Dachau und Buchenwald im Jahr 1955 hervorgeht. Mitglieder der Lagergemeinschaften, die gemeinsam mit Grünbaum inhaftiert gewesen waren, setzten sich für die Errichtung eines Denkmals ein, machten aber die Erfahrung, daß "keine der angerufenen Stellen oder Persönlichkeiten bereit war, in dieser Sache aktiv zu werden". Insbesondere der Direktor des Kabaretts Simpl, obwohl "selbst ein Abstammungsverfolgter", wandte sich gegen die Anbringung einer Gedenktafel, weil er Demonstrationen bzw. einen Rückgang der Besucherzahlen befürchtete. Die Tafel konnte erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Hausbesitzer realisiert werden. Der Text vermied allerdings jede Andeutung darauf, daß Grünbaum nicht nur aus politischen, sondern auch aus "rassischen" Gründen verfolgt worden war: "Er war ein guter Österreicher und hat für dieses Bekenntnis im Konzentrationslager den Tod gefunden", lautete die Inschrift.33 Für die "antifaschistische" Erinnerungskultur Wiens bildeten der Februar 1934 und der politisch motivierte Widerstand gegen den Nationalsozialismus die zentralen Bezugspunkte. Das Gedenken an die ermordeten jüdischen Wienerinnen und Wiener gewann demgegenüber nur marginale öffentliche Präsenz. Zumeist handelte es sich dabei um Stiftungen im Rahmen der Israelitischen Kultusgemeinde, häufig waren sie in halböffentlichen oder Innenräumen angebracht, wie die 1946 enthüllte Gedenktafel für die "jüdischen Männer, Frauen und Kinder, die in den schicksalsschweren Jahren 1938 - 1945 ihr Leben ließen" im Vorraum der Synagoge in der Seitenstettengasse.34 Das Fehlen prägnanter jüdischer Erinnerungszeichen, die "Leerstelle" (Richard Mitten)35, die die "jüdische Frage" auch in der Gedächtniskultur Wiens eine bildete, kann durchaus in Korrelation zum Weiterwirken antisemitischer Vorurteile in Österreich nach 1945 gesehen werden.36 Gefallenengedenken als identitätsstiftende Erinnerungskultur in den Bundesländern Während Denkmäler für den österreichischen Freiheitskampf außerhalb Wiens kaum noch politisch durchgesetzt werden konnten, entstand zu Beginn der 50er Jahre eine breite Bewegung zur Errichtung von Gefallenendenkmälern. Sie sind nicht nur zeitlich nach den Widerstandsdenkmälern entstanden, sondern verstanden sich auch als Antithese zu deren Geschichtsbild. Die "Heldenehrungen" für die Gefallenen wurden zunächst nicht als selbstverständlich, sondern durchaus als Paradigmenwechsel im Hinblick auf den Umgang mit der NS-Zeit empfunden. "Von nun an", hieß es in einem Zeitungskommentar zum Totengedenken aus dem Jahr 1949, werden die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs "auch im Gedächtnis unseres Volkes einen Ehrenplatz einnehmen", und zwar nicht als Opfer des Krieges - "es ist nicht wahr, daß all die Hunderttausende nur durch ein raffiniertes System in den Tod getrieben" wurden - sondern als "Helden der Pflichterfüllung und der Tapferkeit." 37 Die in dieser Phase errichteten Kriegerdenkmäler sind nicht nur als Erinnerungszeichen für die Gefallenen, sondern ebenso als öffentliches Bekenntnis zu den Soldaten und damit als Zeichen für die Rehabilitierung der Kriegsteilnehmer, auch der Überlebenden, zu betrachten. Ab 1949/50 entwickelte sich diese Denkmalkategorie gewissermaßen zur Norm kollektiven Erinnerns: Während in Österreich (mit Ausnahme von Wien) nur eine geringe Anzahl von Widerstandsdenkmälern zur Realisierung gelangte, wurde in den 50er Jahren in nahezu jeder Gemeinde ein Kriegerdenkmal geschaffen bzw. das Gefallenendenkmal des Ersten Weltkriegs erweitert. Getragen wurde diese Denkmalbewegung vom Kameradschaftsbund (bzw. seinen Vorläuferorganisationen), einer Veteranenvereinigung, in der sich Soldaten des Ersten und des Zweiten Weltkrieges zusammenschlossen und die sich die "positive Imagebildung über den Soldaten des Zweiten Weltkriegs" zur Aufgabe machte.38 Die Unterstützung, die dieses Anliegen in der Öffentlichkeit fand, wurde in den Denkmälern sichtbar gemacht; sie brachten zum Ausdruck, "daß sich die Heimat durch die Erneuerung und Neugestaltung von Kriegerdenkmälern wieder zu ihren im härtesten Kampf gefallenen Söhnen bekennt", wie anläßlich der Weihe des ersten Grazer Kriegerdenkmals im Jahr 1951 konstatiert wurde.39 Der Wandel in der Einstellung zum Kriegsdienst wurde insbesondere von den Kameradschaftsvereinen begrüßt: "Eine große Wendung hat sich vollzogen. Während 1945 und später der Soldat in jeder erdenklichen Weise diffamiert wurde, soldatische Pflichterfüllung als Verbrechen, Desertion und Mord an den eigenen Kameraden jedoch als Heldentat gewertet wurde, hat sich nunmehr in Österreich eine gesunde Auffassung durchgesetzt." 40 Mit dem Abschluß des Staatsvertrages verstärkten sich diese Tendenzen insofern, als Rücksichtnahme auf die Besatzungsmächte nun nicht mehr erforderlich war. Als Machtdemonstrationen gestaltete Aufmärsche 41 und die Durchsetzung von repräsentativen Denkmalprojekten dokumentierten nun unmißverständlich, daß die ehemaligen Wehrmachtssoldaten nicht nur rehabilitiert waren, sondern auch - zumindest außerhalb der Bundeshauptstadt - die Hegemonie in der Deutung der Vergangenheit erlangt hatten. Die Aufmärsche der Soldatenverbände, die Zurschaustellung der Orden des Zweiten Weltkriegs und die Soldatentreffen von ehemaligen Wehrmachts- und SS-Einheiten wurden zwar von kritischen Stimmen als "bedenkliche Erscheinungen einer nazistischen Reaktivierung (...) im ersten Jahrzehnt der von der Besetzung freigewordenen Republik" angesehen 42, aber obwohl Presseorgane wie das Neue Österreich, die sozialistische Arbeiterzeitung, kommunistische Zeitungen und die katholische Furche Vorkommnisse wie das öffentliche Auftreten von Ritterkreuzträgern, die Verherrlichung des Hitlerkriegs, antisemitische Vorfälle und "neue Naziaktivitäten" immer wieder aufgriffen, blieben politische Konsequenzen zumeist aus. Der katholische Publizist Heribert Husinsky beschreibt am Beispiel des umstrittenen Verbots eines Treffens von SS-Verbänden in Salzburg im Jahr 1958 die damals vorherrschende Einstellung in Politik und Medien: "Das Argument, das gegen die Entscheidung des Innenministeriums ins Treffen geführt wird, ist nicht neu, aber billig: Man dürfe nie vergessen, daß �der Feind links steht�; deshalb sei es auch dem Ansehen des Landes abträglich, wenn sich demokratische Politiker immer wieder kommunistischen Forderungen �beugten�." 43 Die Erinnerung an den Widerstand zählte offenkundig zu diesen "kommunistischen" Forderungen. Die Aktivitäten der Kameradschaftsbünde, die sich seit Beginn der 50er Jahre zu Massenorganisationen mit Zehntausenden Mitgliedern entwickelt hatten,44 wurden von allen Parteien, naturgemäß mit Ausnahme der KPÖ, gefördert, wobei auch wahltaktische Überlegungen eine Rolle spielten. Die Teilnahme prominenter Politiker an Aufmärschen der Veteranenvereine, bei denen nicht selten demonstrativ die (verbotenen) Wehrmachtsorden 45 getragen wurden (die Anerkennung der Kriegsauszeichnungen war einer der zentralen Forderungspunkte des Kameradschaftsbundes) und Denkmalweihen in Anwesenheit von führenden Landes- und Bundespolitikern waren deutliche Hinweise darauf, daß die Aktivitäten der Kameradschaftsvereine bei den maßgeblichen politischen Kräften nachhaltige Unterstützung fanden. Insbesondere die Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre errichteten "Landesehrenmäler" - auf der Riegersburg in der Steiermark (1959), dem Ulrichsberg in Kärnten (1959), am Geschriebenstein im Burgenland (1961) und in der Wallfahrtskirche Maria Taferl in Niederösterreich (1963) 46 - sowie andere zentrale Gedenkstätten wie die Sigmarkapelle in Wels (1964), deren Gedenktafel für die Waffen-SS in den letzten Jahren heftige Diskussionen auslöste, sind als Symbole dafür zu verstehen, daß es der Kameradschaftsbund und andere Veteranenvereine waren, die das Geschichtsbild auf Bundesländerebene definierten. Mit der Verteidigung der "Ehre" der Wehrmachtssoldaten wurde allerdings die Legitimität des Widerstandes nachdrücklich in Frage gestellt: Wenn Pflichterfüllung zur Norm ehrenvollen Handelns wird, gerät der Widerstand gegen das NS-Regime in die Nähe von "Verrat, Aufruhr und Widerstand gegen die legale Macht", wie in der Aprilausgabe 1963 von Der Kamerad, dem Mitteilungsblatt des Österreichischen Kameradschaftsbundes, zu lesen war. Der Kameradschaftsbund machte aus dieser Haltung kein Hehl: "Wir Frontsoldaten haben mit eigenen Landsleuten, die mit der Waffe in der Hand unsere eigenen Kameraden töteten, erschlugen oder verrieten, nichts, aber schon gar nichts gemein." 47 In welchem Ausmaß diese Position zu Beginn der 60er Jahre bereits die Beurteilung des Widerstands prägte, geht aus der nahezu gleichzeitigen Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen und die Opfer des Widerstandes in Graz hervor, die einen aufschlußreichen Einblick in den "Kampf um die Erinnerung" eröffnet. Der Bau des "Internationalen Mahnmals" am Grazer Zentralfriedhof löste einen der heftigsten Denkmalkonflikte der Nachkriegszeit aus. Bereits 1946 war an einem Massengrab für rund 2500 NS-Opfer verschiedener Nationen, in der Mehrzahl jugoslawische Opfer von Geiselerschießungen und getötete Partisanen, vom Landesverband politisch Verfolgter mit Unterstützung der Landesregierung und der Stadt Graz ein "Freiheitskämpfer-Ehrenmal" errichtet worden. Anläßlich der Enthüllung wurde die Beteiligung von jugoslawischen Freiheitskämpfern in der übernationalen "Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus" ausdrücklich gewürdigt. Im Jahr 1961 stieß die geplante Neuerrichtung des mittlerweile baufälligen Objekts durch die SPÖ-nahe Österreichisch-Jugoslawische Gesellschaft wegen der dort begrabenen Partisanen jedoch auf nahezu einhellige Ablehnung bei allen politischen Kräften, ausgenommen die KPÖ. In Beantwortung einer Anfrage der FPÖ zu diesem Mahnmal, das "ob seines einseitigen Charakters in breiten Kreisen der steirischen Bevölkerung ablehnende Haltung, ja selbst Erbitterung ausgelöst habe", erklärte Landeshauptmann Josef Krainer im steirischen Landtag, daß es sich um eine "reine Privatangelegenheit" handle, die mit offiziellen Stellen des Landes Steiermark nichts zu tun habe. Wie gespalten die SPÖ in dieser Frage war, zeigt sich darin, daß die Einbringung der FPÖ-Anfrage von seiten der sozialistischen Fraktion unterstützt wurde, die sich damit gegen die Denkmalinitiatoren aus ihrer eigenen Partei wandte. Anläßlich der Enthüllungsfeier am 1. November 1961 betonte Landtagspräsident Karl Brunner, der in Vertretung des Landeshauptmannes sprach: "Das heute existente Österreich trägt für diese Opfer keine Schuld, auch nicht dafür, daß sie hier bestattet sind." 48 Nur wenige Tage zuvor war am Karmeliterplatz - im Zentralraum der Stadt gelegen - das "Ehren- und Mahnmal der Stadt Graz" für die Kriegsgefallenen seiner Bestimmung übergeben worden, das vom Land Steiermark und der Gemeinde Graz gemeinsam mit dem Kameradschaftsbund errichtet worden war. Landeshauptmann Krainer wies in seiner Festrede dem Denkmal die Bestimmung zu, uns "immer derer zu erinnern, die unser Vaterland im Kampf schützten. Ehre gebührt jenen, die jederzeit bereit sind, unter Einsatz ihres Lebens ihre Pflicht zu erfüllen." 49 Im Jahre 1963 erfolgten allerdings erstmals Reaktionen gegen eine Geschichtsauffassung, die mit der Rehabilitierung der Wehrmachtssoldaten die Diffamierung des Widerstandes verband. Anlaß war die Weigerung des niederösterreichischen Kameradschaftsbundes, in Maria Langegg eine gemeinsame Gedenkstätte für gefallene und im KZ ermordete Priester zu errichten, denn die "ehrlichen Soldaten, die das Priesterkleid trugen, ihren Eid hielten und dafür starben", sollten nicht "mit den verschiedenen Erscheinungen gegensätzlicher Art" gleichgestellt werden.50 Innenminister Franz Olah (SPÖ) erließ daraufhin ein Aufmarschverbot für den Kameradschaftsbund, das zwar nach dem Rücktritt des niederösterreichischen Landesobmanns wieder aufgehoben wurde, dennoch kann dieses Vorgehen als Indiz für jene gesellschaftspolitischen Veränderungen angesehen werden, wie sie sich vor allem im Zusammenhang mit der beginnenden Studentenbewegung abzeichneten, die sich gerade durch ihr "antifaschistisches Engagement" (wie in Demonstrationen gegen Freisprüche in Kriegsverbrecherprozessen) politisch artikulierte. Mitte der 60er Jahre zeichnen sich auch in Österreich die Konturen einer gesellschaftlichen Aufbruchssituation ab: Mit dem Generationenwechsel wurde in beiden Großparteien begonnen, neue Modelle von Politik zu entwickeln. Die Grenzen zwischen den politischen Lagern wurden durchlässiger, "Modernisierung" und "Demokratisierung" wurden zu den Schlagworten einer neuen Reformphase, die innenpolitisch durch das Ende der Großen Koalition und die zunächst konservative (1966), seit 1970 sozialistische Alleinregierung ("Ära Kreisky") geprägt wurde. Die zunehmende Festigung eines Österreichbewußtseins (1965 beschloß der Nationalrat einstimmig, den 26. Oktober zum Nationalfeiertag zu erklären51), die Politisierung vor allem der studentischen Jugend und das Entstehen eines neuen Typs von kritischem Journalismus trugen ebenfalls dazu bei, die Rahmenbedingungen des Geschichtsbewußtseins langfristig zu verändern. 52 Im Umfeld der Affäre um Taras Borodajkewycz - die Debatten um deutschnationale und antisemitische Äußerungen des Professors an der Wiener Hochschule für Welthandel lösten Demonstrationen von Anhängern und Gegnern aus, bei denen Anfang April 1965 ein Demonstrant, der ehemalige kommunistische Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger, getötet wurde 53 - beginnen sich auch in den Gedächtnisdiskursen Wandlungsprozesse abzuzeichnen. Am 20. Jahrestag der österreichischen Unabhängigkeitserklärung im April 1965 wurde im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg ein Weiheraum für den österreichischen Freiheitskampf seiner Bestimmung übergeben, das erste staatliche, von der Republik Österreich errichtete Widerstandsdenkmal.54 In den politischen Erklärungen zu diesem Jahrestag finden sich deutliche Worte der Abgrenzung gegenüber einer Verharmlosung des Nationalsozialismus, mit hervorgerufen durch den Schock über das erste Opfer politischer Auseinandersetzungen in der Zweiten Republik.55 In seiner vielbeachteten Rede bei der gemeinsamen Festsitzung von Nationalrat und Bundesrat im Parlament versicherte Nationalratspräsident Alfred Maleta (ÖVP), "wir lassen uns das Haus, das wir gebaut haben, nicht in Brand stecken". Maleta bekannte sich zur "Einbeziehung der ehemaligen Nationalsozialisten in die demokratische Gemeinschaft", erklärte aber unmißverständlich: "Wir pardonierten Menschen, aber wir akzeptierten nicht das Geschichtsbild der nationalsozialistischen Vergangenheit." 56 Der Gedenkraum für die "Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit" (so die Inschrift) befindet sich in unmittelbarer Nähe zum 1934 geweihten Heldendenkmal des Ständestaates für die militärischen Opfer des Ersten Weltkriegs, das nach 1945 auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet wurde. Bei der Enthüllung legten Vertreter von SPÖ und ÖVP ein einmütiges Bekenntnis zum Widerstand als historische Legitimation der Zweiten Republik ab, damit wurde den politischen Opfern des NS-Regimes erstmals die gleiche offizielle Ehrung zuteil wie den gefallenen Wehrmachtssoldaten. Die Gedenkstätte war ein sichtbares Zeichen dafür, daß sich das offizielle Österreich nunmehr auf die Geschichtsauffassung des Freiheitskampfes verständigt hatte, zugleich wurden die beiden Paralleldenkmäler - auch durch separate Gedenkakte bei staatlichen Feierlichkeiten - zum Symbol für die getrennten Gedächtniskulturen und widersprüchlichen Geschichtserzählungen, die sich im Gedenken an den Freiheitskampf einerseits, an die Gefallenen andererseits herausgebildet haben und die - vielfach bis heute - die offizielle Gedächtniskultur strukturieren. Der Weiheraum im Burgtor bildete den Auftakt zu einer Reihe von Denkmalerrichtungen in Wien. Als Zeichensetzung des offiziellen Österreich markiert er das Ende jener Phase, in der die Formulierung des Geschichtsbildes weitgehend vom Entgegenkommen gegenüber den ehemaligen Nationalsozialisten geprägt war, und die Erneuerung des Konsenses der politischen Eliten beider Großparteien (auf der Ebene der dabei eingebundenen Verbände der politisch Verfolgten auch unter Einbeziehung der KPÖ) über das Geschichtsverständnis der Opfertheorie. In der Auseinandersetzung mit den virulent gewordenen antisemitischen und deutschnationalen Tendenzen waren die Einrichtung einer Gedenkstätte im Wiener Landesgericht (1967), die im selben Jahr vorgenommene und von seiten des Kameradschaftsbundes vehement bekämpfte Namensgebung von Kasernen nach Opfern des militärischen Widerstands 57 und vor allem die Errichtung einer Gedenkstätte im Leopold-Figl-Hof am Morzinplatz sind auch als sichtbare Zeichen der Geschichtspolitik des offiziellen Österreich gegen das nunmehr als Bedrohung erkannte Geschichtsverständnis der "Unbelehrbaren" zu verstehen. Diesen politischen Konsens repräsentiert vor allem die "Gedenkstätte für die Opfer des österreichischen Freiheitskampfes 1938 - 1945" am Morzinplatz, dem Areal der ehemaligen Gestapo-Leitstelle Wien, die auf eine gemeinsame Initiative der Opferverbände von SPÖ, ÖVP und KPÖ zurückging und am Vorabend des Nationalfeiertages 1968 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Sie signalisiert die Überwindung der geschichtspolitischen Konflikte des Kalten Krieges, die zu einer organisatorischen Trennung der Verbände geführt hatten. Während das Bildprogramm der Reliefs am Portal der Opfertheorie als gemeinsamer Leidensgeschichte eines Volkes Ausdruck verleiht (eine Tafel ist den jüdischen Opfern gewidmet), wird die politische Dimension dieses gemeinsamen Denkmals in den Motti von Politikern der drei Parteien - Alfred Klahr (KPÖ), Theodor Körner (SPÖ), Leopold Figl (ÖVP) - an der Stirnwand ausgerückt.58 Die Elemente jener bereits traditionellen "antifaschistischen" Erinnerungskultur, die bis zu den Konflikten der Waldheim-Ära die Denkmallandschaft Wiens charakterisiert, finden sich im Mahnmal am Reumann-Platz (1981) im Bezirk Favoriten nochmals vereint: Errichtet von der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer, enthüllt in Anwesenheit von Politikern der drei Gründungsparteien der Zweiten Republik, wobei Vertreter von SPÖ, ÖVP und KPÖ das Wort ergreifen konnten, wurde der "Opfer des Faschismus für Österreichs Freiheit und Unabhängigkeit" der Jahre "1934-1945" gedacht. Der Gedenkstein trägt auch die Namen von "Orten des Schreckens" - von Konzentrationslagern und Gefängnissen wie Auschwitz, Theresienstadt, Dachau, Mauthausen, Morzinplatz und anderen. Gekennzeichnet wurden damit jedoch die Todesstätten der Opfer, nicht die Orte der Verbrechen der Täter.59 Außerhalb der Bundeshauptstadt gab es kaum Parallelen zu diesen Mahnmalen, auf regionaler Ebene wurde das heroisierende Gefallenengedenken weitgehend bruchlos und mit Unterstützung der maßgeblichen Kräfte in Politik und Kirche weitergeführt. Erst im Rahmen der in den 80er Jahren einsetzenden "neuen Erinnerungskultur" wurden dem Gedenken an die Opfer - nicht nur des Widerstandes, sondern auch der Verfolgung - auch in den Bundesländern neue Denkmäler gewidmet. Zeichensetzungen einer neuen Erinnerungskultur seit den 80er Jahren Die skizzierten Entwicklungslinien öffentlicher Erinnerung in der Nachkriegszeit verweisen darauf, daß die Opfertheorie zwar aus heutiger Perspektive als "Geschichtslüge" (Robert Menasse60) und die Berufung auf den Widerstand als Teil einer Verdrängungsstrategie erscheint, in den 60er Jahren verband sich damit jedoch ein kritisches Konzept, das der Vorherrschaft des Geschichtsverständnisses der Kameradschaftsvereine entgegengesetzt wurde. Seit Mitte der 60er Jahre hat auf offizieller Ebene, vor allem auch in den schulischen Aktivitäten historisch-politischer Aufklärung, jene Haltung an Terrain gewonnen, die die NS-Zeit aus der Perspektive der Regimegegner und -opfer betrachtet, die NS-Verbrechen wurden dabei allerdings - ganz im Sinne der Opfertheorie - den "deutschen" Machthabern zugeschrieben.61 Die Waldheim-Diskussion hat den Anstoß für eine weitere Veränderung gegeben, indem die Perspektive auf die "dunklen Stunden" (Bundespräsident Thomas Klestil in seiner Antrittsrede)62 der österreichischen Geschichte in den Jahren des NS-Regimes gelenkt wurde. Seither steht die Frage nach der "Rolle Österreichs beim Zustandekommen und Funktionieren des Nationalsozialismus" (Gerhard Botz)63 im Zentrum von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten ebenso wie von politischen Erklärungen. Erstmals finden dabei auch jene Österreicherinnen und Österreicher Berücksichtigung, die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen wurden und denen bislang - auch im Gedächtnisraum Wien - entsprechende Würdigungen versagt blieben, insbesondere die österreichischen Juden. Das Hrdlicka-Denkmal am Albertinaplatz und das Holocaust-Denkmal am Judenplatz können als Versuche einer späten symbolischen Wiedergutmachung gesehen werden. Die Entstehungsgeschichte dieser wohl markantesten Denkmalsetzungen im Zentralraum Wiens seit 1945 macht sowohl das Konfliktpotential der öffentlichen Erinnerung an die "dunklen Seiten" der Geschichte wie auch die Probleme bei der Formulierung eines neuen Konsenses über die Vergangenheit - jenseits der Opfertheorie - deutlich. Ein erster Entwurf zu einem "antifaschistischen Denkmal" wurde von Alfred Hrdlicka im Jahre 1978 bei einem Wettbewerb zur Neugestaltung des Stock-im-Eisen-Platzes in unmittelbarer Nähe des Stephansdoms eingereicht. Die Idee wurde vom damaligen Wiener Kulturstadtrat Helmut Zilk aufgegriffen. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort - "einem von Fußgängern benutzten und belebten Platz" - fiel die Wahl schließlich auf den Albertinaplatz in zentraler Lage nahe der Staatsoper. Im August 1983 wurde ein Vertrag zwischen der Gemeinde Wien und Alfred Hrdlicka über die Errichtung eines Denkmals auf dem Albertinaplatz geschlossen, im September desselben Jahres wurde das Denkmal im Wiener Gemeinderat einstimmig - auch mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ - genehmigt. Bereits im darauffolgenden Jahr regte sich Widerstand, vor allem von seiten der einflußreichen Presseorgane Die Presse und Kronenzeitung; insbesondere letztere führte in den Monaten vor der Enthüllung am 24. November 1988 eine regelrechte Kampagne gegen das Denkmal, das mittlerweile zum Streitpunkt zwischen den Parteien geworden war. Die Oppositionsparteien ÖVP und vor allem die FPÖ sprachen sich gegen das von der SPÖ unterstützte Projekt aus.64 Während im "Kulturkampf" zwischen dem rechten und dem linken Lager vor allem der Standort im Stadtzentrum zur Machtfrage wurde, bezog sich die Ablehnung neben der vordergründigen Platzfrage auch auf die Gestaltung des Ensembles, das die Thematik in drastisch-realistischer Form umsetzte und die Anklage gegen die Täter in den Vordergrund stellte.65 Aus heutiger Perspektive ist Hrdlickas "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus", das ebenso wie die Aufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" am Burgtheater zu den umstrittenen Manifestationen eines "anderen Österreich" im Gedenkjahr 1988 zählte, weniger wegen seiner konfliktreichen Entstehungsgeschichte als wegen der Ambivalenz seiner Perspektive auf die NS-Vergangenheit von Interesse, die die blinden Flecken des "antifaschistischen" Geschichtsverständnisses offenbart: Wird mit dem gemeinsamen Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der Unterschied zwischen Tätern und Opfern verwischt? Findet in der Wiedergabe der Regierungserklärung vom April 1945 als Schlußstein der Geschichtserzählung des Denkmals die Opfertheorie ihre neuerliche Renaissance? Zum Stein des Anstoßes wurde jedoch die Figur des straßenwaschenden Juden, die sich auf die pogromartigen Ausschreitungen im März 1938 bezieht, als Wiener Juden gezwungen wurden, die Straßen von den Parolen des Ständestaates zu reinigen. Nicht nur jüdische KritikerInnen sehen in dieser Darstellung eine "ständige Wiederholung jener Erniedrigung".66 Für Ruth Beckermann transportiert sie die eigentliche Botschaft des Denkmals: Die Marginalisierung des jüdischen Standpunktes, die auch in der gesellschaftskritischen Geschichtsdebatte tradiert wird: "Was immer dieses Denkmal den Wienern sagen will, mir sagt es: Im Staub seid ihr gelegen. Auf dem Bauch seid ihr gerutscht. Und das ist heute unser Bild von euch. (...) Dieses Denkmal paßt in die Stadt ohne Juden." 67 Ruth Beckermanns Befund trifft heute so nicht mehr zu: Seit 1986 sind vielfältige Erinnerungszeichen an das jüdische Wien entstanden, Gedenktafeln zur Erinnerung an die Ermordung und Vertreibung jüdischer Bürger, an die Zerstörung der Synagogen, darunter auch Projekte wie der von Schulkindern gepflanzte Gedenkwald zum "Andenken an die 65.000 jüdischen Bürger Wiens, die in den Jahren 1938 - 1945 der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum Opfer fielen" in Wien-Donaustadt, dessen Widmung auch in hebräischer Sprache wiedergegeben wird.68 Mit dem Holocaust-Denkmal am Judenplatz im ersten Wiener Gemeindebezirk wird diese Erinnerung in den zentralen Symbolraum der Stadt aufgenommen, auch als Zeichen dafür, daß sich, wie es in den politischen Erklärungen seitens der Stadt heißt, "Wien der historischen Schuld und der lebendigen Verpflichtungen gegenüber den jüdischen Bürgern dieser Stadt und dieses Landes bewußt ist." 69 Das Wiener Denkmal zur Erinnerung an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung verweist - ebenso wie die Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin - darauf, daß der Holocaust in den Mittelpunkt der offiziellen Erinnerungskulturen gerückt ist, zugleich kann es in mehrfacher Hinsicht als eine Antwort auf die Erfahrungen mit dem Hrdlicka-Denkmal gesehen werden: Den Anstoß gab Simon Wiesenthal, mit dem Argument, der straßenwaschende Jude sei ein "Denkmal der Erniedrigung".70 Hinsichtlich ihrer Bestimmung richtetet sich die Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus nicht anklagend gegen die "Tätergesellschaft", sie soll vielmehr ein würdiger Erinnerungsort für die Opfer und ihre Nachkommen sein. Beim Gestaltungskonzept wurde von einer figuralen Darstellung Abstand genommen, da sie "der Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens nicht gerecht werden könne".71 Angesichts der Zweifel, ob Kunst imstande ist, das Nichtbegreifbare ausdrücken zu können, wird für Amnon Barzel, einen der Juroren des künstlerischen Wettbewerbs, "die Leere selbst zu einem möglichen Element zur Gestaltung eines Holocaust-Mahnmals". Rachel Whitereads preisgekrönter Entwurf basiert auf dieser Idee der Leere - eingeschlossen in eine nicht zugängliche Bibliothek, deren Bücher nach außen gekehrt sind.72 In den Diskussionen um das Holocaust-Mahnmal wurden zum ersten Mal die traditionellen geschichtspolitischen Argumentationsmuster verlassen. Im Vordergrund stand nicht mehr, wie beim Szenario des Hrdlicka-Denkmals, die Durchsetzung eines Denkmalprojekts gegen eine breite Verhinderungsfront, vielmehr ging es um die Frage, wie an diesem Ort an den "Zivilisationsbruch Auschwitz" (Dan Diner) zu erinnern sei. Die Auffindung von Überresten der beim Pogrom 1421 zerstörten Or-Sarua-Synagoge gab der Diskussion um diesen Erinnerungsort eine zusätzliche Dimension. Unter den Kritikern "befanden sich auch viele jüdische Stimmen, weil bei dieser Denkmalsdebatte nicht befürchtet werden mußte, eine ablehnende Haltung zu Whitereads Entwurf würde nur den Gegnern jeglicher Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes in die Hände arbeiten." 73 Das im Winter 2000 fertiggestellte Whiteread-Denkmal, aber auch jene Erinnerungszeichen an die ermordeten Juden, die während des letzten Jahrzehnts in den Bundesländern entstanden sind, lassen erkennen, daß "die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung des österreichischen Judentums (...) wohl einen fixen Platz im österreichischen Gedächtnis erhalten hat." 74 Mit dem Wiener Holocaust-Denkmal wird sichtbar, daß eine bislang abwesende Erinnerung in den Zentralraum des österreichischen Gedächtnisses gerückt ist. Die Frage bleibt offen, obmit dem seit 1986 gewachsenen Konsens über die Notwendigkeit des Erinnerns und "Aufarbeitens" der bislang tabuisierten "dunklen Punkte" der Vergangenheit zugleich langfristig die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas schwinden könnte. Sind die Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus zugleich die Schlußsteine der Vergangenheitsdiskussion? Wie die Erinnerung an den "Zivilisationsbruch" Nationalsozialismus gestaltet werden kann,75 um weiterhin als "Messer in der Wunde" (der deutsche Künstler Jochen Gerz in einer TV-Diskussion zum Thema Holocaust-Mahnmale76) zu wirken, bleibt auch künftig eine Herausforderung für die Erinnerungskultur in Österreich. * Die Förderung dieser Forschungsarbeit erfolgte im Rahmen des Millennium-Programms Grenzenloses Österreich des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr, Wien. 1 Zit. n. Der Standard, 16. 11. 1994, S. 27. 2 Zit. n. Gerhard Botz, Gerald Sprengnagel (Hg.): Kontroversen um Österreichs Zeitgeschichte. Verdrängte Vergangenheit, Österreich-Identität, Waldheim und die Historiker. Frankfurt / Main - New York 1994 (= Studien zur Historischen Sozialwissenschaft 13), S. 575f. 3 Waldheim erklärte u. a.: "Wir dürfen nicht vergessen, daß viele der ärgsten Schergen des Nationalsozialismus Österreicher waren. Es gab Österreicher, die Opfer, und andere, die Täter waren. Erwecken wir nicht den Eindruck, als hätten wir damit nichts zu tun. Selbstverständlich gibt es keine Kollektivschuld, trotzdem möchte ich mich als Staatsoberhaupt der Republik Österreich für von Österreichern begangene Verbrechen des Nationalsozialismus entschuldigen." Fernsehansprache des Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim am 10. März 1988 anläßlich der 50. Wiederkehr der Besetzung Österreichs, in: Jahrbuch der österreichischen Außenpolitik. Außenpolitischer Bericht 1988. Wien 1989, S. 459-462. 4 Zur Genese der Opfertheorie vgl. Günter Bischof: Die Instrumentalisierung der Moskauer Erklärung nach dem 2. Weltkrieg, in: Zeitgeschichte, 20. Jg., 1993, Nr. 11/12, S. 345-366 5 Kurt Waldheim in einer Wahlbroschüre vom April 1986, zit. n. Neues Österreich (Hg.): Pflichterfüllung. Ein Bericht über Kurt Waldheim. Wien o.J.- Zur Waldheim-Debatte vgl. Richard Mitten: The Politics of Antisemitic Prejudice: The Waldheim Phenomenon in Austria. San Francisco 1992; Michael Gehler: Die Affäre Waldheim. Eine Fallstudie zum Umgang mit der NS-Vergangenheit in den späten achtziger Jahren, in: Rolf Steininger, Michael Gehler (Hg.): Österreich im 20. Jahrhundert. Ein Studienbuch in zwei Bänden. Bd. 2: Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Wien - Köln - Weimar 1997 (= Böhlaus Studienbücher), S. 355 - 413. 6 Vgl. Heidemarie Uhl: Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs in Graz und in der Steiermark, in: Stefan Riesenfellner, Heidemarie Uhl (Hg.): Todeszeichen. Zeitgeschichtliche Denkmalkultur in Graz und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wien - Köln - Weimar 1994. (= Kulturstudien. Sonderband 19), S. 111-196. 7 Anton Pelinka: Vorwort, in: Reinhold Gärtner, Sieglinde Rosenberger: Kriegerdenkmäler. Vergangenheit in der Gegenwart. Innsbruck 1991, S. 7f.- Zum "österreichischen Gedächtnis" vgl. weiters: Günter Bischof, Anton Pelinka (Hg.): Austrian Historical Memory and National Identity. New Brunswick, London 1997 (= Contemporary Austrian Studies 5); Meinrad Ziegler, Waltraud Kannonier: Österreichisches Gedächtnis. Über Erinnern und Vergessen der NS-Vergangenheit. Wien - Köln - Weimar 1993; Ruth Wodak e.a.: Die Sprachen der Vergangenheiten. Frankfurt / Main 1994; Ruth Wodak e.a.: Zur diskursiven Konstruktion nationaler Identität. Frankfurt / Main 1998; Werner Bergmann, Rainer Erb, Albert Lichtblau (Hg.): Schwieriges Erbe. Der Umgang mit Nationalsozialismus und Antisemitismus in Österreich, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt / Main - New York 1995; Rolf Steininger (Hg.): Der Umgang mit dem Holocaust. Europa - USA - Israel. Wien - Köln - Weimar 1994 (= Schriften des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und des Jüdischen Museums Hohenems. 1); Thomas Albrich: Holocaust und Schuldabwehr. Vom Judenmord zum kollektiven Opferstatus, in: Steininger / Gehler (Hg.), Österreich im 20. Jahrhundert, a.a.O., S. 39-106; Heinz P. Wassermann: "Zuviel Vergangenheit tut nicht gut!" Nationalsozialismus im Spiegel der Tagespresse der Zweiten Republik. Innsbruck - Wien - München 2000. 8 Anton Pelinka: Vom Umgang mit der Geschichte. Denkmäler und historische Erinnerung in der Zweiten Republik, in: Denkmal und Erinnerung. Spurensuche im 20. Jahrhundert. Anregungen für Schülerinnen und Schülerprojekte. Hg. v. Bundesministerium f. Unterricht und Kunst, Abt. f. Politische Bildung. Wien 1993, S. 17. 9 Zur gesellschaftlichen Zäsur in den 60er Jahren vgl. Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert. Wien 1994 (= Österreichische Geschichte 1890-1990), S. 456ff. 10 Hier wären allerdings noch weitere regionale Differenzierungen erforderlich, vor allem im Hinblick auf Kärnten, das aufgrund verschiedener Faktoren (Auseinandersetzungen um den Schutz der slowenischen Minderheit, Grenzziehungsfragen, sozio-ökonomische Randlage) weiterhin von deutschnationalen Prägungen bestimmt wurde. Vgl. Helmut Rumpler: Der schwierige Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft, in: ders. (Hg.): Kärnten. Von der deutschen Grenzmark zum österreichischen Bundesland. Wien - Köln - Weimar 1998 (= Geschichte der österreichischen Bundesländer seit 1945), S. 48-62. 11Vgl. Josef Seiter: "In Erz und Granit aber werden ihre Taten dauern...". Denkmäler, Monumente und Grabmäler für Soldaten und Angehörige der alliierten Armeen nach 1945, in: Heidemarie Uhl (Hg.): Steinernes Bewußtsein. Die öffentliche Repräsentation staatlicher und nationaler Identität Österreichs in seinen Denkmälern. Bd. 2: Von 1945 bis zur Gegenwart. Wien - Köln - Weimar (erscheint Ende 2000). 12 Mahnmal unerbittlicher Gerechtigkeit, in: Das Kleine Volksblatt, 21. 8. 1945, S. 1f. 13 Vgl. Robert Kriechbaumer: Leopold Figl, in: Herbert Dachs, Peter Gerlich, Wolfgang C. Müller (Hg.): Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik. Wien 1995, S. 125-133. 14 Uhl, Erinnern und Vergessen, a.a.O., S. 117f. 15 Zit. n. Die Totenfeier der Stadt Wien für die Opfer des Faschismus, in: Wiener Zeitung, 3.11.1945, S.3; Gedenkfeier für die Opfer des Freiheitskampfes, in: Neues Österreich, 3.11.1945, S.3. 16 Wolfgang Neugebauer: Zwanzig Jahre Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (1963-1983), in: Helmut Konrad, Wolfgang Neugebauer (Hg.): Arbeiterbewegung - Faschismus - Nationalbewußtsein. Festschrift zum 20jährigen Bestand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und zum 60. Geburtstag von Herbert Steiner. Wien - München - Zürich 1983, S. 405. 17 Josef Hindels: Nazivergangenheit und Gegenwart, in: Zukunft, H. 9, 1987, S. 22. 18 Vgl. Brigitte Bailer: Wiedergutmachung kein Thema. Österreich und die Opfer des Nationalsozialismus. Wien 1993, S. 45ff. 19 Uhl, Erinnern und Vergessen, a.a.O., S. 133ff. 20 So betreffen von den 2800 belegbaren Verfahren vor dem Oberlandesgericht Wien schätzungsweise mehr als 80 Prozent Kommunisten, ähnliche Zahlen ergeben sich aus den Volksgerichtshof-Akten und aus den Tagesberichten der Gestapo Wien. Von den illegalen Druckschriften dieser Zeit sind annähernd 90 Prozent kommunistischer Provenienz. Vgl. Wolfgang Neugebauer: Widerstand und Opposition, in: Emmerich Tálos, Ernst Hanisch, Wolfgang Neugebauer (Hg.): NS-Herrschaft in Österreich 1938 - 1945. Wien 1988 (= Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik 36), S. 541. 21 G(ustav) A(dolf) Canaval: Paulus und das geistige KZ, in: Salzburger Nachrichten, 27./28.3.1954. 22 Zur Dokumentation der Wiener Gedenkstätten vgl. Gedenken und Mahnen in Wien 1934 - 1945. Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung. Eine Dokumentation, hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, bearb. v. Herbert Exenberger, Heinz Arnberger unter Mitarb. v. Claudia Kuretsidis-Haider. Wien 1998. 23 Vgl. Karl Klambauer: Das Mahnmal der Stadt Wien, in: Uhl (Hg.), Steinernes Bewußtsein, a.a.O. 24 Vgl. Österreichs Beitrag im Kampf gegen Hitler, in: Wiener Zeitung, 3.11.1948, S. 4. 25 Wien ehrt die Opfer des Faschismus, in: Arbeiterzeitung, 3.11.1948, S. 3. 26 Zit. n. Der Mund der Toten ist verschlossen, der unsere aber spricht!, in: Volksstimme, 3.11.1948, S. 7.- In der Israelitischen Kultusgemeinde dominierten nach 1945 der KPÖ bzw. auch der SPÖ nahestehende Gruppierungen. Vgl. Helga Embacher: Neubeginn ohne Illusionen. Juden in Österreich nach 1945. Wien 1995, S. 40f. 27 Zur "Burgfriedenspolitik" zwischen SPÖ und ÖVP bzw. zur Instrumentalisierung der Erinnerung an den Februar 1934 vgl. Elisabeth Klamper: "Ein einig Volk von Brüdern". Vergessen und Erinnern im Zeichen des Burgfriedens, in: Zeitgeschichte, 24. Jg., 1997, Nr. 5/6, S. 170-185. 28 Vgl. Erich Fein: Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes. Mahnmale für die Opfer des Faschismus. Eine Dokumentation. Wien 1975, S. 69 ff. 29 Mahnmalenthüllung für die Widerstandsgruppe Biedermann, in: Der Neue Mahnruf, 4/1950. 30 Ein Obelisk auf dem Morzinplatz, in: Der Neue Mahnruf, 10/1949, S. 4. 31Der Gedenkstein für die Opfer der Gestapo auf dem Morzinplatz, in: Der Neue Mahnruf, 5/1951.- Im Jahr 1985 wurde an Stelle dieses Gedenksteins von Bürgermeister Helmut Zilk ein neues, von der Stadt Wien gestiftetes Denkmal enthüllt. 32 Zit. n. Der Gedenkstein am Morzinplatz, in: Der Neue Mahnruf, 6/1951, S. 6. 33 Vgl. Geschichte einer Gedenktafel, in: Der Neue Mahnruf, 9/1971, S. 4. 34 Gedenken und Mahnen in Wien, a.a.O., S. 65. 35 Vgl. Richard Mitten: Die "Judenfrage" im Nachkriegsösterreich. Probleme der Forschung, in: Zeitgeschichte, 19. Jg., 1992, Nr. 11/12, S. 356-367. 36 Vgl. Robert Knight (Hg.): "Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen". Die Wortprotokolle der österreichischen Bundesregierung von 1945 bis 1952 über die Entschädigung der Juden. 2. Aufl. Wien - Köln - Weimar 2000; ders.; Neutrality not Sympathy: Jews in Post-War Austria, in: Robert Wistrich (Hg.): Austrians and Jews in the Twentieth Century. London 1992, S. 220-233; Oliver Rathkolb: Zur Kontinuität antisemitischer und rassistischer Vorurteile in Österreich 1945/1950, in: Zeitgeschichte, 16.Jg., 1989, Nr. 5, S. 167-179; Christian Fleck, Albert Müller: Antisemitismus in Österreich. Zum nachnazistischen Antisemitismus in Österreich. Vorderbühne versus Hinterbühne, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 3 (1992), S. 481-515. 37 Helden und Opfer. Totengedenken im vierten Jahr nach Kriegsende, in: Murtaler Zeitung, 29.10.1949, S. 3. 38 Zeitgemäße Aufgabenstellungen, in: Kleine Zeitung, 27.9.1977, S. 16. 39 Dem Andenken der Gefallenen, in: Kleine Zeitung, 5.6.1951, S. 4. 40 Ehrenrettung des Soldaten, in: Sonntagspost, 30.11.1952, S. 8f. 41 Eine der ersten Veranstaltungen fand 1956, ein Jahr nach Unterzeichnung des Staatsvertrages, in Graz statt, wo der Kameradschaftsbund sein erstes offizielles Landestreffen mit einem Marsch durch die Innenstadt und einer Fahnenweihe am Freiheitsplatz beschloß, an der nahezu 20.000 ehemalige Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges teilnahmen. Unter den Anwesenden waren auch Landeshauptmann Josef Krainer und Nationalratspräsident Alfons Gorbach. Vgl. Landestreffen und -delegiertentag, in: Österreichische Soldatenzeitung, 25.3.1956, S. 6.- Drei Jahre später, im Juni 1959, wurde erstmals Wien als Ort eines Bundestreffens gewählt. 42 Walter Hacker: Warnung an Österreich, in: ders. (Hg.): Warnung an Österreich. Neonazismus: Die Vergangenheit bedroht die Zukunft. Wien - Frankfurt / Main - Zürich 1966, S. 8f. 43 Heribert Husinsky, Keine Nachsicht, in: Neues Österreich, 13.11.1958, zit. n. ebd., S. 43. 44 Zur Geschichte des Kameradschaftsbundes vgl. Hans Klingbacher: Der österreichische Kameradschaftsbund. Organisation und Strukturen unter besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung. Phil. Diss. Wien 1987. 45 Die strittige Frage wurde im Jahr 1960 durch das „Abzeichengesetz“ geregelt, wonach Orden und Auszeichnungen der Wehrmacht nach Entfernung des Hakenkreuzes öffentlich getragen werden durften. Vgl. Walter Hacker, Nur ein halbes Gesetz., in: Neues Österreich, 29.5.1960, zit. n. Hacker, a.a.O., S. 77ff. 46 Vgl. Joachim Giller, Hubert Mader, Christina Seidl: Wo sind sie geblieben...? Kriegerdenkmäler und Gefallenenehrung in Österreich. Wien 1992, S. 120ff. 47 Widerständler stören Bürgerfrieden, in: Der Kamerad, 6. Jg., Nr. 11, November 1964, S. 1. 48 Das neue Mahnmal feierlich enthüllt, in: Tagespost, 3.11.1961, S. 5.- Vgl. Heidemarie Uhl: Gedächtnisraum Graz. Zeitgeschichtliche Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum von 1945 bis zur Gegenwart, in: Sabine Hödl, Eleonore Lappin (Hg.): Erinnerung als Gegenwart. Jüdische Gedenkkulturen. Berlin - Wien 2000, S. 211 - 232. 49 Zehntausend auf dem Karmeliterplatz bei der Enthüllung des Grazer Ehren- und Mahnmales, in: Tagespost, 24.10.1961. 50 Niederösterreichische Landzeitung, F. 37, 12.9.1963, zit. n. Hacker, a.a.O., S. 171. 51Die Einführung eines Nationalfeiertages stieß vor allem bei deutschnational orientierten Gruppierungen bzw. der FPÖ auf Ablehnung. Vgl. Gustav Spann: Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages, in: 26. Oktober. Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages. Hg. v. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport, Abteilung für Politische Bildung. Wien o.J., S. 27-34. 52 Vgl. Hanisch, Der lange Schatten des Staates, a.a.O., S. 456f. 53 Vgl. hierzu Gérard Kasemir: Spätes Ende für "wissenschaftlich" vorgetragenen Rassismus. Die Affäre Borodajkewycz, in: Michael Gehler, Hubert Sickinger (Hg.): Politische Affären und Skandale in Österreich. Von Mayerling bis Waldheim. Thaur - Wien - München 1995, S. 486-501. 54 Bereits im Jahr 1958 war auf Beschluß des Ministerrates eine Tafel mit dem Text "Im Gedenken an die Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit. Die österreichischen Bundesregierung" am Äußeren Burgtor angebracht worden. Vgl. Österreich ehrt seine treuesten Söhne, in: Arbeiterzeitung, 17.7.1959, S. 1. Zu den Debatten um diese Tafel vgl. Heidemarie Uhl: Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus und für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs in der Zweiten Republik, in: Uhl (Hg.), Steinernes Bewußtsein, a.a.O. 55 Vgl. Das Vermächtnis der Toten - Aufruf an die Jugend, in: Volksblatt, 28. 4. 1965. 56 Maleta: Wir lieben dich, Vaterland!, in: Wiener Zeitung, 28.4.1965, S. 1f. 57 Vgl. Kasernenbenennung nach Widerstandskämpfern, in: Der Neue Mahnruf, Nr. 6, 1967, S. 2. 58 "Österreich lieben für das, was es sein könnte!" - Die Feiern in Wien, in: Arbeiterzeitung, 26.10.1968, S. 1; Gedenken und Mahnen in Wien, a.a.O., S. 60f. 59 Ebda, S. 227f. 60 Robert Menasse: Das Land ohne Eigenschaften. Essay zur österreichischen Identität, 3. Aufl. Wien 1993, S. 15. 61 Vgl. Peter M. Utgaard: Remembering and Forgetting the Holocaust in Austrian Schools, 1955-1996, in: Günter Bischof, Anton Pelinka, Ferdinand Karlhofer (Hg.): The Vranitzky Era in Austria. New Brunswick, London 1999 (Contemporary Austrian Studies 7), S.201-205. 62 Ohne Geschichte auch keine Zukunft. Ansprache von Bundespräsident Thomas Klestil nach der Vereidigung, in: Wiener Zeitung, 9.7.1992. Klestil forderte u.a., "vor unserer Geschichte in Wahrheit zu leben, mit ihren hellen wie mit ihren dunklen Stunden". 63 Gerhard Botz: Österreich und die NS-Vergangenheit. Verdrängung, Pflichterfüllung, Geschichtsklitterung, in: Dan Diner (Hg.): Ist der Nationalsozialismus Geschichte? Zu Historisierung und Historikerstreit. Frankfurt / Main 1987, S. 146. 64 Zur Entstehungsgeschichte des Hrdlicka-Denkmals vgl. Ulrike Jenni: Vorgeschichte und Entwürfe der antifaschistischen Denkmäler in Wien, in: dies. (Hg.): Alfred Hrdlicka. Mahnmal gegen Krieg und Faschismus in Wien, Bd. 1, Graz 1993, S. 83ff. 65 Manfred Wagner: Kommunikation mit dem Betrachter, in: ebd., S. 29. 66 Barbara Coudenhove-Kalergi: Auf dem Judenplatz, in: Profil, Nr. 37, 11. 9. 1995, S. 88. Vgl. auch Matti Bunzl: On the Politics and Semantics of Austrian Memory: Vienna�s Monument against War and Fascism, in: History & Memory, 7. Jg., 1996, H. 2, S. 30. 67 Ruth Beckermann: Unzugehörig. Juden und Österreicher nach 1945. Wien 1989, S. 14. 68 Gedenken und Mahnen in Wien, a.a.O., S. 453. 69 Michael Häupl, Hannes Swoboda, Ursula Pasterk: Zum mahnenden Gedenken, in: Judenplatz Wien 1996. Wettbewerb Mahnmal und Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Naziregimes in Österreich 1938 - 1945. Wien 1996, S. 8. (Statement des Wiener Bürgermeisters und weiterer VertreterInnen des Stadtrates). 70 Simon Wiesenthal: Zur Geschichte der Juden in Österreich, in: ebda, S. 14. 71 Häupl, Swoboda, Pasterk, in: ebda, S. 8. 72 Amnon Barzel: Die Gestaltung der Erinnerung, in: ebd., S. 21. 73 Dietmar Seiler: Im Labyrinth der Geschichtspolitik. Die Erinnerung an die Shoa im öffentlichen österreichischen Gedächtnis, in: Zeitgeschichte, 24. Jg, 1997, Nr. 9/10, S. 295. 74 Ebda. 75 Vgl. James Edward Young: Beschreiben des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation. Frankfurt / Main 1992; Hanno Loewy (Hg.): Holocaust: Die Grenzen des Verstehens. Eine Debatte über die Besetzung der Geschichte. Reinbek bei Hamburg 1992; Saul Friedlander (Hg.): Probing the Limits of Representation. Nazism and the "Final Solution". Cambridge (Mass.) - London 1992; Dan Diner: Kreisläufe. Nationalsozialismus und Gedächtnis. Berlin 1995; Omer Bartov: Murder in Our Midst. The Holocaust, Industrial Killing, and Representation. New York - Oxford 1996; James Edward Young: Formen des Erinnerns. Gedenkstätten des Holocaust. Wien 1997. 76 ORF 2, 21.4.1997, Treffpunkt Kultur, Stumme Mahner - Mahnmäler gegen den Holocaust. |
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