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27 Mitgliedsländer hat die EU derzeit und die Rechtsübersetzung gehört in der täglichen Übersetzungsarbeit zu den besonderen Herausforderungen. Die heute in Österreich praktizierte Rechts- und Verwaltungssprache ist im Wesentlichen während der Habsburger-Monarchie entstanden. Ihre Entwicklung nachzuzeichnen, ist eines der neuen Forschungsthemen am Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie der ÖAW.
Mit rund 2.000 Mitarbeitern ist der Übersetzungsdienst der Europäischen Kommission der größte Übersetzungsdienst der Welt. Aber er ist innerhalb der EU bei weitem nicht der einzige: das Generalsekretariat des Rates der Europäischen Union, das Europäische Parlament oder der Europäische Gerichtshof beschäftigen eine große Zahl an Übersetzerinnen und Übersetzer, um dem täglichen Übersetzungsaufkommen Herr zu werden. 27 Mitgliedsländer hat die EU derzeit und die Rechtsübersetzung gehört in der täglichen Übersetzungsarbeit zu den besonderen Herausforderungen: "Man übersetzt nicht nur zwischen Sprachen, sondern zwischen den Rechtssystemen der verschiedenen Länder - und das ist entsprechend kompliziert", erklärt Gerhard Budin, Universitätsprofessor für Translatorische Terminologiewissenschaft und Übersetzungstechnologie am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien sowie Direktor des Instituts für Corpuslinguistik und Texttechnologie (ICLTT) der ÖAW.
Terminologiedatenbanken als wichtiges Übersetzungstool
Um ihre schwierige Aufgabe bewältigen zu können, stehen den Übersetzer(inne)n und Dolmetscher(inne)n Terminologiedatenbanken zur Verfügung. Rechtsterminologiedatenbanken sollen eine möglichst konsistente Übertragung von Rechtstexten beziehungsweise das reibungslose Dolmetschen von einer Sprache in eine andere Sprache gewährleisten. Sie enthalten nicht nur den Kontext, in dem ein Rechtsbegriff verwendet wird, sondern auch deren Gültigkeitsbereich und können auf spezielle Anforderungen zugeschnitten werden: "Beispielsweise wird in Südtirol italienisches Recht auf Deutsch praktiziert, weswegen für die dortigen Übersetzer(innen) eine eigene Terminologiedatenbank aufgebaut wurde."
Die südtirolerische Terminologiedatenbank beinhaltet zudem österreichische Rechtsbegriffe und stellt sie in Bezug zur deutschen Rechtsterminologie. Denn hier gibt es gravierende Unterschiede: Die österreichische Rechtssprache kann mit einer ganzen Reihe so genannter Austriazismen, also vor allem in Österreich verwendeter Begriffe, aufwarten. So ist in der österreichischen Rechtsordnung ein "Rekurs" ein Rechtsmittel, mit dem man gegen Beschlüsse des Gerichts vorgehen kann. Der deutschen Rechtsordnung ist dieser Begriff unbekannt und kann selbst unter Rechtskundigen für entsprechende Verwirrung sorgen.
Keine EU-Terminologiedatenbank für Austriazismen
Dieser Zugang ist keineswegs selbstverständlich. Auf EU-Ebene haben die österreichischen Rechtsbegriffe bisher kaum Eingang in die Terminologiedatenbanken gefunden. "Leider hat man seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 verabsäumt, die fachbezogenen Austriazismen der Rechts- und Verwaltungssprache systematisch zu erfassen und in die EU-Datenbanken einzuspeisen", so Budin. Doch dieser Umstand ändert sich Budin zufolge nun: "Auf der Basis erster Forschungsarbeiten werden an mehreren österreichischen Universitäten (Graz, Wien, Innsbruck, etc.) Forschungsvorhaben durchgeführt, mit dem Ziel, die Austriazismen in der Rechtssprache systematisch zu erfassen. Dies ist Voraussetzung dafür, diese Daten den Europäischen Übersetzungsdiensten zur Verfügung stellen zu können."
Historische Entwicklung der Sprache mitberücksichtigen
Die Erforschung der Terminologie einer Fachsprache ist aber weit mehr, als Begriffe zu sammeln und sie in den Kontext der Fachsprache eines anderen Landes zu stellen. Die historische Entwicklung der Sprache muss ebenso mitberücksichtigt werden. Die heute in Österreich praktizierte Rechts- und Verwaltungssprache ist im Wesentlichen während der Habsburger- Monarchie entstanden. Ihre Entwicklung nachzuzeichnen, ist eines der neuen Forschungsthemen am ICLTT, für das das Institut auf das reiche Textmaterial des AAC- Austrian Academy Corpus zurückgreifen kann. Das AAC wurde beginnend mit 2003 an der ÖAW aufgebaut und enthält eine umfangreiche Sammlung deutschsprachiger Texte des 19. und 20. Jahrhunderts mit Bezug zu Österreich bis 1989 und insbesondere zur Habsburger-Monarchie bis 1918. Darüber hinaus arbeitet das ICLTT mit dem Österreichischen Parlament zusammen, Kooperationen mit anderen Einrichtungen der ÖAW und anderer Institutionen in Österreich sind geplant.
Durch die Digitalisierung großer Textmengen und die Entwicklung von Texttechnologien zu deren systematischen Untersuchung, ermöglicht die Corpuslinguistik eine empirische Rekonstruktion des Wandels der österreichischen Rechts- und Verwaltungssprache auf breiter Basis. "Als Schnittpunkt zwischen Computational Sciences und Geisteswissenschaften eignet sich die Corpuslinguistik besonders für die Bearbeitung solcher und ähnlich hochgradig interdisziplinär ausgerichteter Forschungsfragen", ist Budin überzeugt.
Um das Potenzial der Corpuslinguistik als wichtiges Werkzeug für aktuelle und künftige Projekte zu optimieren, müssen die Corpora laufend erweitert werden: "Unser langfristiges Ziel ist der Aufbau eines Austrian National Corpus - vergleichbar mit jenen, die es in Großbritannien, den USA, Tschechien, Polen, und anderen Ländern bereits gibt", beschreibt Budin den Fahrplan des ICLTT für die nächsten Jahre. Dieses Ziel kann aber nur als "vernetztes, verteiltes Corpus" in Kooperation mit anderen einschlägigen Einrichtungen (etwa an der Universität Wien, der Universität Graz, und anderen Universitäten und Organisationen in Österreich), die ebenfalls bereits entsprechende digitale Sprachcorpora haben, erreicht werden, ist Budin überzeugt. Auch sollen durch eine Verknüpfung deutschsprachiger Corpora die Recherchemöglichkeiten verbessert werden. Budin: "Hier arbeiten wir in einem aktuellen Projekt mit Basel, Berlin und Bozen zusammen." Auf EU-Ebene sollen im Rahmen des EU-Projekts CLARIN (Common Language Resource and Technology Infrastructure) Sprachressourcen aller Art ebenfalls zusammengeführt und für die gemeinsame Projektarbeit nutzbar gemacht werden.
Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Budin
Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie (ICLTT)
Zentrum Sprachwissenschaften, Bild- und Tondokumentation
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Sonnenfelsgasse 19/8, 1010 Wien
T +43 1 51581-2233
gerhard.budin@oeaw.ac.at
September 2010
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Translation in Musik und Kunst
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