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Am Institut für Byzanzforschung der ÖAW entsteht ein Lexikon, welches eine über 300 Jahre lange Lücke bei der Dokumentation der griechischen Sprachentwicklung schließen soll.
Wer die Vergangenheit verstehen will, muss ihre Texte verstehen. Doch Worte und ihre Bedeutungen wandeln sich. Ein wesentliches Werkzeug zum Verständnis vergangener Sprachen sind daher Lexika, welche die Entwicklung der Sprachen dokumentieren - am besten von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit.
Doch nicht alle Sprachen und Zeiten sind gleich gut erschlossen. So klafft in der Dokumentation der griechischen Sprache des byzantinischen Mittelalters eine gewaltige Lücke. Diese Lücke hat einen Grund: Während das antike Griechenland und seine Sprache über die Jahrhunderte hinweg ausgiebig erforscht wurde, interessierte sich die Forschung die längste Zeit für Byzanz nur mäßig. "Vor allem während der Aufklärung war Byzanz negativ besetzt - wie alles was mit Monarchie oder dem 'finsteren' Mittelalter zu tun hatte", erklärt Erich Trapp vom Institut für Byzanzforschung der ÖAW. Die Folge waren vor allem nur punktuell lexikographisch erschlossene Texte, wie Geschichtswerke oder Romane.
Diese Lücke zu schließen und die zahlreichen neuen Wörter und Wortbedeutungen des Griechischen im Byzantinischen Reich besonders für das 9. bis 12. Jahrhundert möglichst vollständig zu erfassen, lautet das ehrgeizige Ziel, das sich Erich Trapp gemeinsam mit Byzanzforscher(inne)n aus Deutschland und Österreich gesetzt hat.
Die Herausforderung ist groß: "Mit dem Projekt eines Lexikons zur byzantinischen Gräzität haben wir gewissermaßen Neuland betreten. Der Vorläufer unseres Lexikons war jenes des berühmten Mediävisten Charles du Fresne, Sieur du Cange, das vor mehr als 300 Jahren publiziert wurde. Seither ist nicht grundsätzlich an einem Lexikon dieser Art gearbeitet worden", sagt Trapp.
Auf die Forscherinnen und Forscher wartete zu Beginn ihrer Arbeit vor mittlerweile 35 Jahren also nicht nur sehr viel Material, sondern auch wenig, worauf sie aufbauen konnten. Mit ein Grund, wieso die Byzantinistik zwar schon früh erkannte, dass ein derartiges Lexikon dringend notwendig sei, sich aber lange Zeit nicht darüber traute.
Trapp ist überzeugt, dass überhaupt erst die heutigen technologischen Möglichkeiten die Umsetzung eines Lexikon-Projekts dieser Größenordnung möglich gemacht haben. Als besonders wichtiges Hilfsmittel hat sich insbesondere der als Online-Datenbank zur Verfügung stehende Thesaurus Linguae Graecae der Universität von Kalifornien in Irvine erwiesen. Vor allem bei der Dokumentation von antikem und patristischem Wortgut: "Wir finden in der Datenbank immer wieder Worte, von denen wir dachten, dass sie erst Hunderte Jahre später aufgetaucht sind", erläutert Trapp. Für die Forscher(innen) ein Hinweis, dass die vormittelalterliche Zeit lexikographisch schlechter erschlossen ist, als sie bisher dachten. Trapp: "Da jedes Lexikon auf die Lexika zu vorhergehenden Zeiten wesentlich angewiesen ist, müssen wir daher für unser Projekt auch die früheren Jahrhunderte genauer als ursprünglich geplant untersuchen."
Die Wörter selbst zeigen sich von den Fährnissen ihrer lexikographischen Erfassung unbeeindruckt. Sie bahnten sich über den Alltagsgebrauch unbeirrt ihren Weg in die Neuzeit. Das bezeugen Beispiele wie "lethargizo", "periskope", "problematizo", "rhythmetikos", "sigmatizo", "skoliopus" oder "summarizo".
Das Lexikon zur byzantinischen Gräzität soll in rund fünf Jahren fertig gestellt sein. Es ist ein gemeinsames Projekt des Instituts für Byzanzforschung der ÖAW und des Philologischen Seminars der Universität Bonn. Die Finanzierung erfolgt über die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die ÖAW. Über weite Strecken hat auch der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) das Projekt finanziell unterstützt.
Weitere Informationen zum Lexikon
Kontakt:
Prof. Dr. Erich Trapp
Institut für Byzanzforschung
Zentrum Mittelalterforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Wohllebengasse 12-14, 3. Stock
T +43 51581-3439
erich.trapp@assoc.oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/byzanz
Jänner 2009
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