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Geduld, Fingerspitzengefühl und Kreativität: Das sind die wesentlichen Dinge, die man für die Erstellung eines Dialektwörterbuches braucht. Das Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika der ÖAW gibt am Beispiel des "Wörterbuches der bairischen Mundarten in Österreich" einen Einblick in seine Arbeit.

Am Anfang jedes Wörterbuches steht die Sammlung. Seit 1913 werden an der ÖAW mundartliche Belege aller Art gesammelt. Dies geschieht durch Fragebögen oder Recherchen vor Ort. Auch mundartkundliche Dissertationen, sprachgeographische Abhandlungen, regionale Dialektwörterbücher oder Mundartdichtungen werden auf sammlungswürdige Begriffe und Wendungen untersucht.

Das gesammelte Material wird auf Zettel geschrieben und mit einem Stichwort (dem so genannten Lemma) versehen. Mittlerweile befinden sich als Basismaterial für das "Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ)" geschätzte fünf Millionen Einzelzettel im Fundus des Instituts für Österreichische Dialekt- und Namenlexika der ÖAW.

Vom Zettel zum Wörterbucheintrag

Damit das gesammelte Material seinen Weg in das WBÖ finden kann, muss es zuerst einmal richtig sortiert werden. Wie, hängt von der Art des Eintrags ab. Beispielsweise widmet sich im WBÖ ein eigenes Kapitel der Aussprache der Worte ("Lautung"). "Für dieses Kapitel werden Zettel gleicher Lautungen zusammensortiert und innerhalb gleicher Lautungen in einer räumlichen und zeitlichen Abfolge geordnet", sagt Eveline Wandl-Vogt vom Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika.

Eine mühsame Arbeit, die glücklicherweise seit 1998 von einem Sortierprogramm unterstützt wird. Möglich wird das durch eine Datenbank, in die seit 1993 die bisher gesammelten Zettel digitalisiert eingespeist werden. "Eine wesentliche Arbeitserleichterung, die es den Lexikograph(inn)en ermöglicht, sich voll auf die wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren", ergänzt Wandl-Vogt.

Wissenschaftlich zu arbeiten gibt es wahrlich genug: Die Informationen in einem Dialektwörterbuch sind bedeutend umfassender als jene in herkömmlichen Wörterbüchern: Jeder Eintrag enthält Angaben zu Herkunft, Grammatik und Entwicklung des Wortes - von den Anfängen der deutschen Sprache und ihrer Dialekte bis zur Gegenwart. "Den Hauptteil jedes Eintrags bilden Angaben zur Bedeutung eines Wortes, quasi 'Übersetzungen' eines Dialektwortes in die Standardsprache", erklärt Wandl-Vogt. Ergänzt werden die Einträge um Sachinformationen zu Volkskunde und Alltagsgeschichte.

Ein Jahrhundertprojekt

Das Erstellen eines Wörterbuches wie des WBÖ ist eine Arbeit von Jahrzehnten. Das Projekt WBÖ startete sogar vor mittlerweile fast 100 Jahren. Damit die Einheitlichkeit über einen derart langen Zeitraum gewährleistet werden kann, ist ein strenges Regelwerk nötig, das äußere Form und Aufbau festlegt; und das natürlich immer wieder adaptiert werden muss: Vor 100 Jahren wusste beispielsweise niemand, dass es heute elektronische Datenbanken gibt, für die festgelegt werden muss, wie sie in das WBÖ eingebunden werden sollen.

Am Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika wird ein Wörterbucheintrag von der Belegsammlung bis zum druckfertigen PDF betreut. Eine besondere Herausforderung dabei sind die Sonderzeichen: "Wir arbeiten laufend an speziellen Programmen, die die im WBÖ verwendeten Sonderzeichen fehlerfrei in ein druckbares Format überführen können. Außerdem haben wir eine eigene Font entwickelt, die uns die korrekte Darstellung der Zeichen im Internet ermöglicht."

Der Output kann sich sehen lassen: Jährlich wird eine Lieferung mit rund 200 Spalten (rund 100 Seiten) im Verlag der ÖAW herausgegeben. Doch damit nicht genug: Das WBÖ soll auch über das Internet einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Anfang 2007 startete ein entsprechendes Projekt. Noch heuer sollen die gesammelten Daten webbasiert zur Verfügung stehen. Ein WebGIS wird eine Schnittstelle über eine Karte anbieten, damit man auch über die räumliche Navigation die Datenbankinhalte abrufen kann.


Kontakt:
Mag. Eveline Wandl-Vogt
Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika
Zentrum Sprachwissenschaften, Bild- und Tondokumentation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
1040 Wien, Wohllebengasse 12-14
T +43 1 51581-7282
eveline.wandl-vogt@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/dinamlex


Jänner 2009
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Last update: 2009/07/20
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