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Im österreichischen Sprachgebrauch gibt es für den Frühling unterschiedliche Bezeichnungen, noch mehr aber für Frühlingsboten wie beispielsweise den Frühlings-Krokus: Am ÖAW-Institut für Dialekt- und Namenlexika hat man mehr als 60 Synonyme zusammengetragen.
Die Bezeichnungen
Frühling
oder
Frühjahr
für die Zeit der länger werdenden Tage sind relativ jung, denn die Germanen unterschieden ursprünglich nur zwei Jahreszeiten, den Winter und den Sommer. Die älteste und noch in mittelhochdeutscher Zeit im Großteil des deutschen Sprachraums dominierende Bezeichnung war
Lenz
, die wir heute nur noch als dichterisch konnotiertes Wort kennen. "
Lenz
ist etymologisch mit dem Adjektiv
lang
verwandt, was zeigt, dass das Motiv für die Benennung das Längerwerden der Tage war", erklärt Hubert Bergmann vom ÖAW-Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika.
In den Dialekten haben sich
Lenz
beziehungsweise seine unterschiedlichen lautlichen Formen und Ableitungen als Normalbezeichnung für den Frühling gehalten: Im Tiroler Paznaun heißt er beispielsweise
L ångez
, in der Gegend um Lienz
Langes
und im Salzburger Flachgau
Lanzing.
Die standardsprachliche Bezeichnung
Frühling
lässt sich in den Ortsmundarten nur für ein relativ kleines Gebiet in Oberösterreich nachweisen. Das wichtigste Synonym für Frühling in der Hochsprache ist das
Frühjahr
, das in den Mundarten häufig verwendet wird.
Zwischen
Auswärts
und
Einwärts
In manchen Gegenden Österreichs, schwerpunktmäßig in einigen Mundarten Kärntens und der Steiermark sowie in Teilen Ober- und Niederösterreichs, steht für den Frühling die Bezeichnung
Auswart
bzw.
Auswärts
u.ä. in Gebrauch. Dieser liegt die Vorstellung zu Grunde, dass das Jahr nun "auswärts", d.h. hinaus, der schönen Zeit entgegen geht. Analog dazu trägt der Herbst in manchen Mundarten den Namen
Einwärts
. Wie erwähnt, ist ein Schwerpunktgebiet für die Verbreitung des Namens
Auswart
Kärnten. "Hier können wir eine interessante bedeutungsmäßige Parallele zu Benennungen im Friulanischen und Slowenischen ausmachen", weist Hubert Bergmann auf den intensiven Sprach- und Kulturkontakt in der Vergangenheit hin: "Im Friulanischen etwa heißt der Frühling
insude
, was auf eine Ableitung von lateinisch
exīre (herausgehen)
zurückzuführen ist, und in den slowenischen Mundarten Kärntens wiederum sind für den Frühling die Wörter
vigred
und
vilaž
gebräuchlich, Ableitungen von einem Zeitwort mit der Bedeutung herausgehen, -kriechen". Wie des Öfteren im Alpen-Adria-Raum zeigen sich hier Benennungsanalogien in miteinander genetisch primär nicht verwandten Sprachen.
Von
Engelleinsblüh, Purzigagel
und
Höllriegel
Während sich die Vielfalt bei der Benennung des Frühlings noch in Grenzen hält, werden wir bei den Namen der ihn ankündigenden Boten, der Frühlingsblumen, mit weitaus komplexeren Verhältnissen konfrontiert. Zahllos und bisweilen sehr kleinräumig sind zum Beispiel die in den Mundarten üblichen Benennungen für Crocus albiflorus, den Frühlings-Krokus. Über 60 (!) unterschiedliche dialektale Bezeichnungen (die eigenen Bezeichnungen für die Knollen der Krokus nicht mitgerechnet...) sind im betreffenden Synonymenartikel des Wörterbuchs der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ) zusammengestellt. Mundartliche Pflanzennamen liefern oft interessante Hinweise nicht nur auf Aussehen, Standort oder Blütezeit, sondern bisweilen auch auf volkskundlich Relevantes wie Volksmedizin oder Volksglauben.
Kontakt:
Mag. Dr. Hubert Bergmann
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Zentrum Sprachwissenschaften, Bild und Tondokumentation
Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika
Wohllebengasse 12-14
1040 Wien
T +43 1 51581-7279
M +43 699 11698770
F +43 1 51581-7280
hubert.bergmann@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/dinamlex
April 2007
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Erwachen im Untergrund
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