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Methodik: Abgesehen von den traditionellen Werkzeugen der
paläographischen Untersuchung wird bei der ersten Bestandsaufnahme nur
explizit datiertes Material oder aufgrund von internen, textuellen oder
archäologischen Elementen datierbares Material herangezogen; diesem
werden in der Folge allein auf der Basis vergleichender Analysen der
Buchstabenformen der Denkmäler ohne explizite (interne oder externe)
Datierung zur Seite gestellt, um eine Schriftlandschaft abzustecken, die
durch schriftliche Parameter bestimmt ist, und nicht durch die bloße
Lokalisation der Inschriften. (Der Unterschied lässt sich fassen, wenn
man die zwei folgenden Ansätze betrachtet: eine morphologisch „langobardische“
Inschrift, die im römischen Gebiet hergestellt wurde, ist eine römische
Inschrift; eine morphologisch „langobardische“ Inschrift, die im
römischen Gebiet hergestellt wurde, bleibt zum anderen dennoch ein
Produkt der langobardischen Kultur).
Zu diesem Zweck
werden die Inschriften einerseits hinsichtlich ihres materiellen Profils
untersucht, d.h. hinsichtlich ihres Formats (Form der Tafel/Platte:
vertikal, horizontal oder quadratisch), ihres Dekors (Rahmen und
eventuelle Ornamentik, Dekorelemente innerhalb des Schriftfeldes), ihres
„Lay-Outs“(Anordnung des Textes innerhalb des Schriftspiegels
[fortlaufender Text oder Spalten; zwei- oder mehrfach geteilter
Schriftspiegel], ihrer Linierung (Anordnung der Textzeilen innerhalb des
Haupttextblockes und der Randeinträge, eventuelle Vorzeichnung der
Linierung), ihrer Schrift (Morphologie der Buchstaben und deren
Orientierungspunkte [Kapitalis, Majuskel, Unziale, Kapitalis rustica,
Mischschriften], sowie auch dekorative Elemente innerhalb der genannten
Schriften). Die Inschriften werden andererseits hinsichtlich ihres
textuellen Profils untersucht (Untersuchung der verwendeten Quellen für
die Texterstellung nach den wichtigsten Editionen). Die Untersuchung
wird also durch den Vergleich mit den publizierten epigraphischen
Sammlungen vervollständigt, um so die möglichen Kriterien zu ermitteln,
die zur Auswahl der überlieferten Inschriften geführt haben.
Chronologischer Rahmen:
5.-9. Jahrhundert
Zu
untersuchte Schriftlandschaften:
• merowingische
• westgotische
• langobardische
• karolingische Inschriften
Materialien:
• original erhaltene
Inschriften
• direkt oder indirekt erhaltene inschriftliche Texte
• epigraphische Sammlungen (erhalten in Handschriften)
Arbeitsschritte:
1. Phase
• Katalogisierung der
epigraphischen Materialien unter einem im engeren Sinn archäologischen
Gesichtspunkt
a)
Format
b) Dekor
c) „Lay-Out“
d) Linierung
e) Schrift
• Katalogisierung des Materials
unter einem im engeren Sinn textuellen Gesichtspunkt
a)
Bestandsaufnahme der edierten Quellen
b) Transkription der kritisch
edierten Quellen (MGH, etc.)
•
Katalogisierung des epigraphischen
Materials, das in den epigraphischen Sammlungen bis ins 9. Jahrhundert
überliefert ist
2. Phase
•
Analyse der Denkmäler
a)
Vollständige paläographische Untersuchung der Denkmäler auf
chronologischer Basis (explizite Datierung oder nach inneren Merkmalen
rekonstruierbare Datierung), nicht nach den Herkunftsgebieten
b) Bestimmung von Gruppen
homogener Schriften und ihrer Verbreitungsgebiete
c) Bestimmung von graphischen
Varianten in verschiedenen Gruppen von Denkmälern
d) Vergleichende Untersuchung
der Schriftlandschaften
e) Vergleichende Untersuchung
der Varianten in Gruppen von Denkmälern, die aufgrund von
charakteristischem Layout und Graphik erkennbar sind
•
Analyse der Texte
a)
Verwendete Quellen in den Texten
b) Verbreitungsgebiete der
Quellen
c) Bestimmung von
Verbreitungsgebieten für rekonstruierbare Chronologien (datierte
Inschriften, Sammlungen, indirekte Quellen)
•
Epigraphische Sammlungen
a)
Hauptsammlungen epigraphischer Natur des Früh- und
Hochmittelalters und Verbreitungsgebiete der überlieferten Inschriften
b) Bestimmung von eventuellen
Kriterien der Unterscheidung des gesammelten und ausgelassenen
epigraphischen Materials. |