Institut für Mittelalterforschung  
Veranstaltungsschwerpunkt 2001/04

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Werkstattgespräche:

Ethnogenese und Nationsbildung im Mittelalter

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Die Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters began Anfang 2001 ein neues Projekt, das einen Überblick über neue Ergebnisse in mehreren benachbarten Forschungsfeldern der Mediävistik erarbeiten, vor allem aber ihre bessere Vermittlung in der Öffentlichkeit ermöglichen sollte. Ein Ansatzpunkt des Projektes war die Erforschung der ethnischen Prozesse des Frühmittelalters, wie sie nicht zuletzt in der "Wiener Schule" der historischen Ethnographie erforscht werden. Damit wurden zwei weitere Fragen verbunden: erstens die Staatsbildung im Mittelalter und die herrschaftliche Organisation der Gesellschaft, und zweitens die nach den Identitäten und den ihnen entsprechenden (oder widersprechenden) herrschaftlichen Ordnungen im Hoch- und Spätmittelalter. Dabei ging es vor allem um die alten Forschungsprobleme der Nationsbildung und der Landwerdung.

Diese Fragen – Ethnogenese, Nationsbildung, Landwerdung und staatliche bzw. herrschaftliche Ordung – werden traditionell mehr oder weniger getrennt voneinander untersucht. Sie lassen sich jedoch auf ein gemeinsames Grundproblem zurückführen, nämlich auf das Verhältnis von Herrschaft und Identität. Wie ist die Integration von mittelalterlichen Großgruppen möglich, wie ensteht ihr Gemeinschaftsbewußtsein? Und wie erleichtern, oder erschweren, solche ethnischen oder regionalen Verbände die herrschaftliche Erfassung des Raumes und seiner Bewohner? Waren Gens oder Regnum, ethnische oder staatliche Integration, für den Zusammenhalt mittelalterlicher Reiche grundlegend?. Damit hängt das Problem zusammen, wie weit "Texte der Identität" zur Integration und zum Wachstum eines Wir-Gefühls beitrugen. Alle diese Fragen sind zugleich von großer Relevanz für die Gegenwart, in der sich Probleme übernationaler Integration, der Zuordnung staatlicher Aufgaben, aber auch eines neuen Nationalismus oder Regionalismus stellen. Gerade der "ferne Spiegel" des Mittelalters ist geeignet, neue Perspektiven und methodische Zugänge für Fragen des beginnenden 3. Jahrtausends zu entwickeln Zu dieser Frage wurden daher in den Jahren 2001 und 2002 namhafte in- und ausländische Historiker zu öffentlichen Vorträgen und Werkstattgesprächen eingeladen.

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