Institut für Mittelalterforschung
Veranstaltungs
schwerpunkt2005                         

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Mittelalter und europäische erinnerungskultur

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Welche Rolle spielte die mittelalterliche Vergangenheit im Verlauf der langen Geschichte von Vergegenwärtigungen, vom Mittelalter bis in die Gegenwart? Dieser Veranstaltungs- und Forschungsschwerpunkt setzte bei einer doppelten Frage an: Zum einen ging es darum, die mittelalterliche "Suche nach den Ursprüngen" im Zusammenhang von Identitätsstiftung und sozialer Erinnerung zu erforschen. Zum anderen ist auch die moderne Aneignung der mittelalterlichen Vergangenheit sowie das teils verhängnisvolle Zusammenspiel zwischen wissenschaftlicher Erforschung und ideologischem Gebrauch der Geschichte immer mehr zum Thema geworden. Generationen haben sich ihre Vergangenheit angeeignet, sie neu debattiert und gedeutet und damit die Interessen ihrer Zeit verbunden. Die heutige Mittelalterforschung hat diese lange Reihe von ebenso faszinierenden wie oft belastenden Vorstellungen geerbt, die das moderne Mittelalterbild geprägt haben.

Kulturelle Erinnerung stellt die Muster bereit, nach denen die Gegenwart gedeutet und die Zukunft vorbereitet werden kann. Sie trägt auch zur Identitätsstiftung bei, legitimiert Herrschaft und Gemeinschaften, transportiert Feindbilder und begründet Zugehörigkeiten. Sie reicht weit über den Lebenshorizont des Einzelnen hinaus und verknüpft viele Generationen in einer einzigen verbindenden Perspektive. Eine ‚Sinngeschichte‘ der Vorstellungen einer Gesellschaft von ihrem Werden kann daher zum Verständnis davon beitragen, wie ethnische, soziale, religiöse und andere Gemeinschaften zusammengehalten werden konnten. Damit schloß das Thema „Vergangenheit und Vergegenwärtigung" direkt an die beiden bisherigen Schwerpunkte, „Vom Nutzen des Schreibens" und „Herrschaft und Identität", an.

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