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Diplomata-Abteilung Kontakt :Dr. Andrea Rzihacek • 51581/7210 •Email: Andrea.Rzihacek
Projekt:
Die
Edition der Urkunden Heinrichs VI.
(1169-1197)
Die
Edition der Urkunden Kaiser Heinrichs VI.
für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) ist ein Projekt der Wiener
Diplomata-Abteilung der MGH (Arbeitsgruppe Wiener Diplomata-Abteilung am
Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Institut für Österreichische
Geschichtsforschung).
Die besondere Bedeutung der Urkunden Heinrichs VI. liegt vor allem in der Größe seines Herrschaftsgebiets, das sich durch seine Heirat mit der Tochter König Rogers II. von Sizilien, Konstanze, nach der Eroberung des normannischen Königreiches nicht nur über das Regnum Theutonicum, das Regnum Arelatense (Königreich Burgund) und das Regnum Italiae, sondern auch über ganz Süditalien und die Insel Sizilien erstreckte. In den einzelnen Reichsteilen waren damals ganz verschiedenartige Urkunden-, Verwaltungs- und Rechtstraditionen lebendig, die einerseits in den zahlreichen Empfängerausfertigungen, andererseits aber auch durch vielfältige wechselseitige Einflüsse zum Tragen kommen. Auf diese Weise zeigt sich eindrucksvoll die Arbeitsweise und Flexibilität der kaiserlichen Kanzlei, die sich sowohl den lokalen Gegebenheiten anzupassen vermochte als auch selbst kräftige Impulse auf das Rechts- und Urkundenwesen weiter Teile Europas übertragen konnte.
DIE EDITION wird in zwei Teilbänden die vollständigen Texte sämtlicher rund 600 erhaltener von Heinrich VI. ausgestellten Urkunden mit kritischem Anmerkungsapparat, Angaben zur handschriftlichen Überlieferung, Drucken und Regesten sowie Vorbemerkungen mit diplomatischen, kanzleigeschichtlichen und inhaltlichen Kommentaren bieten.
Erfasst werden
außerdem alle heute verlorenen Urkunden (Deperdita),
deren Existenz hinreichend nachgewiesen werden kann. Besonderes Augenmerk gilt der Beurteilung der Echtheit der erhaltenen Urkunden. Als Fälschungen entlarvte Stücke werden daraufhin untersucht, ob ein möglicher echter Kern sowie Zeitpunkt und Motiv der Fälschung zu eruieren sind. Ein wichtiges Instrumentarium dabei bildet die Methode des Diktatvergleichs, d.h. die Untersuchung der stilistischen Merkmale der aus der Kanzlei Heinrichs VI. hervorgegangenen Urkunden, die es außerdem als Ergänzung zum Schriftvergleich ermöglicht festzustellen, ob einzelne Urkunden bestimmten Kanzleinotaren zugeordnet werden können.
Vorarbeiten
und Geschichte der Edition Auf Anregung und unter Betreuung Heinrich Appelts, des Herausgebers der Diplome Kaiser Friedrichs I., verfasste Peter Csendes die heute maßgebliche Arbeit über die Kanzlei Heinrichs VI. – bereits in Vorbereitung der 1990 in Angriff genommenen Edition der Urkunden Heinrichs VI. (Peter Csendes, Die Kanzlei Kaiser Heinrichs VI. Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 151, Wien 1981).
Als
Ausgangspunkt für die Erfassung aller auf den Namen Heinrichs VI.
ausgestellten erhaltenen und heute verlorenen, echten und gefälschten
Urkunden dienen die Regesten Gerhard
Baakens
(J. F. Böhmer, Regesta Imperii IV, 3: Die Regesten des Kaiserreiches
unter Heinrich VI., nach Johann Friedrich Böhmer neubearb. v. Gerhard
Baaken. Köln-Wien 1972). Er konnte sich bereits auf den umfangreichen, in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Reisen Ludwig Bethmanns
für die MGH begonnenen, von der Wiener Diplomata-Abteilung übernommenen
und seitdem kontinuierlich ergänzten wissenschaftlichen Apparat stützen,
der zahlreiche Abschriften und Fotos der maßgeblichen handschriftlichen
Überlieferungen sowie Drucke, Regesten und Sekundärliteratur enthält.
Nach dessen systematischer Aktualisierung und Vervollständigung wurde
1991 unter der Leitung von Heinrich
Appelt mit der kritischen Erstellung der Texte samt Vorbemerkungen
begonnen.
Eine ausführliche Einleitung bietet Ergänzungen zur Kanzleigeschichte von Peter Csendes, die sich aus dem nunmehr vollständig vorliegenden Material ergeben, und insbesondere auch eine umfassende Beurteilung der Tätigkeit der Kanzlei Heinrichs VI. und seines Urkundenwesens im Königreich Sizilien, in dem er sich nach seiner Heirat mit der normannischen Königstochter Konstanze 1194 endgültig als Herrscher durchsetzen konnte. Wertvolle Vorarbeiten dafür leistete Thomas Ertl, ehemaliger Mitarbeiter der Wiener Diplomata-Abteilung (Thomas Ertl, Studien zum Kanzlei- und Urkundenwesen Kaiser Heinrichs VI. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 4, Wien 2002). Ein Namenregister, ein Wort- und Sachregister, ein Bücherverzeichnis sowie Empfänger- und Archivverzeichnisse werden die Edition erschließen.
Bereits 1990 konnte Theo Kölzer den dritten Teilband mit den Urkunden der Kaiserin Konstanze vorlegen (Die Urkunden der Kaiserin Konstanze. Constantiae imperatricis diplomata. Bearb. v. Theo Kölzer [MGH. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Diplomata regum et imperatorum Germaniae. Bd. 11, Teil 3], Hannover 1990), die zuvor schon im Rahmen des Codex diplomaticus regni Siciliae erschienen waren (Codex diplomaticus regni Siciliae ser. II, t. I/2. Köln-Wien 1983).
In den letzten
Jahren lagen die Aufgaben der Arbeitsgruppe am Institut für
Mittelalterforschung insbesondere in der Erarbeitung der
kanzleigeschichtlichen Einleitung, sowie in der Vorbereitung des
Namenregisters, während beim Institut für Österreichische
Geschichtsforschung die Revision und Endredaktion der Texte liegt.
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