Frühmittelalterforschung


Folgende Projekte sind bereits abgeschlossen und befinden sich im Archiv:
  • Network "Wilhelm Levison, England and the Continent in the Early Middle Ages"
  • Relectio. Groupe de recherches internationales Sur le haut moyen âge/International research group  early Middle Ages/Internationale Forschungsgruppe Frühmittelalter
  • Der Prediger und sein Text. Predigthandschriften im frühmittelalterlichen Bayern.
  • Schreibungen der Natur - Kulturgeschichte der Natur im mittelalterlichen Europa( 4. - 9. Jahrhundert)
  • Transformation of the Roman World (ESF-Projekt)
  • Rulers, history and exegesis: the formation of political identities in the Carolingian Empire: Von September 2005 bis Juni 2006 beschäftigte sich eine internationale Projektgruppe mit Mayke de Jong (Universiteit Utrecht), Rosamond McKitterick (University of Cambridge), David Ganz (University of London) und Else Rose (Universiteit Utrecht) am Netherlandish Institute for Advanced Studies (NIAS) mit der Frage der Formierung von politischer Identität im Karolingerreich des achten und neunten Jahrhunderts.
  • Academic Network Initiative: Latin Palaeography in Central and Central East Europe.

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    Arbeitskreis zum christlichen Diskurs der SpÄtantike und des FrÜhmittelalters
    Der Arbeitskreis versammelt  monatlich eine Gruppe von Wissenschaftern unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit den textualisierten Hinterlassenschaften der Spätantike und des Frühmittelalters befassen – Mediävisten, Philologen, Papyrologen, Byzantinisten, Theologen und  Rechtswissenschafter. Ziel des Arbeitskreises ist es einerseits die Ergebnisse und die unterschiedlichen theoretischen Ansätze der einzelnen Fachdisziplinen vorzustellen und zu diskutieren. Andererseits sind gemeinsame fächerübergreifende Projekte geplant. So wurde im Jänner 2008 das internationale Symposium "Compilers, Preachers, and their Audiences in the Early Middle Ages" veranstaltet.

    Koordinatoren:

    Dr. Richard Corradini
    Dr. Maximilian Diesenberger
    Mag. Marianne Pollheimer

     

    17. 6. 2011, 16:30 Uhr
    Francesco Borri: „Scheidung auf Italienisch: Alboins blutige Tode“

    13. 5. 2011, 16 Uhr
    Martin Steinmüller: „…da sie nicht mehr länger Menschen sondern bereits Engel waren“ – Jenseitsvorstellungen im Martyrium Polykarpi

    8. 4. 2011, 16 Uhr
    Mihailo Popovic: „Le Fiere che si danno nelle parti d’Urumili – Neubetrachtungen der Jahresmärkte in der historischen Landschaft Makedonien (13.-19. Jh.)“

    4. 3. 2011, 16 Uhr
    Johannes Preiser-Kapeller: „Origines gentium, religiöse Transformationen und Staatsbildungen im frühmittelalterlichen Kaukasusgebiet: Alte Quellen, neue Modelle und viele Probleme“

    28. 1 2011, 16 Uhr
    Richard Corradini: „Überlegungen zu ‚De creatione mundi’ im sog. Prager Sakramentar (um 793)“

    Eine vollständige Liste der Vorträge findet sich im Archiv


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    Historische Ethnographie der Franken:
    Die fränkischen Königreiche des 6.-9. Jahrhunderts stellten eine wichtige Stufe im den langen Prozess der Herausbildung ethnischer Identitäten in Europa dar. Viele moderne Nationen sind letztlich aus dieser fränkischen Erfahrung entstanden. Doch wer waren die Franken? Fränkische Identität ist viel schwieriger zu begreifen als meist angenommen. Der Begriff Franci konnte eine spezifische ethnische Zugehörigkeit beschreiben, die Einwohner einer Region (der Francia), eine soziale Stellung (die „Freien“), eine breite Bevölkerung von sehr gemischtem Ursprung (die Bewohner der fränkischen Königreiche), oder er konnte sogar in noch weiterem Sinn als Synonym für Germani oder (West-)Europäer verwendet werden.

    Das Ziel des Projektes ist es daher, wechselnde Wahrnehmungen und Auffassungen von fränkischer Identität zu untersuchen. Texte, im besonderen historiographische Texte, entwarfen und propagierten diese Identitäten. Das Projekt soll Unterschiede innerhalb einer reichhaltigen und komplexen Tradition fränkischer Historiographie erfassen, die im Dienst der Gegenwart die Vergangenheit umformte. Es bezweckt eine systematische Untersuchung der verschiedenen Erzählungen über Kernelemente fränkischer Identität: Herkunft, Stellung des Königtums, Bedeutung des Namens „Franci“, territoriale Gestalt, Beziehungen und Abgrenzungen zu anderen gentes etc.

    Diese Erzählungen sollen nicht nur zwischen verschiedenen Geschichtswerken verglichen werden (die Historiae des Gregor von Tours, Fredegars Chronik und ihre Fortsetzungen, und der Liber Historiae Francorum), sondern auch zwischen den Textvarianten und unterschiedlichen Rezensionen desselben Textes. Der Vergleich zwischen merowingischen und karolingischen Wahrnehmungen der Franken soll Wandlungen der fränkischen Identität aufzeigen. Als Ergebnis können nicht nur neue Einsichten in die Bedeutung fränkischer Identität erwartet werden, sondern auch neue Methoden des Umgangs mit Texten über Ethnizität.

    Bearbeiter: Helmut Reimitz

    Ein weiteres Ziel dieses Projekts ist eine digitale Edition von drei Handschriften aus der Karolingerzeit (Paris, BN 10911, Wien ÖNB 473, St. Petersburg, Bibl. Saltykowa F IV. 4), in denen eine Reihe von Texten zur fränkischen Geschichte zusammengestellt sind (Liber historiae Francorum; Continuationes Fredegarii; Annales regni Francorum; Einhard, Vita Karoli; Astronomus, Vita Hludowici; karolingische Genealogien). Durch diese Edition sollen die in diesen Handschriften zusammengestellten Texte in ihrem überlieferten Zusammenhang als fränkische Geschichtsbücher hergestellt und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus wird aber auch einen Vergleich dieser karolingischen Geschichtsbücher untereinander ebenso wie mit den MGH-Editionen der einzelnen Texte ermöglicht.

    BearbeiterInnen: Helmut Reimitz, Richard Corradini, Karl Giesriegl, Marianne Pollheimer, Gerda Heydemann, Veronika Wieser


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    Annales Fuldenses
    Die Annales Fuldenses sind die bedeutendste historiographische Quelle, die über das ostfränkische Reich und die Geschichte des mitteleuropäischen Raumes im 9. Jh. berichtet. Sie enthalten zahlreiche Nachrichten über das karolingische „Ostland“, die Region an der Donau, die in keiner anderen Quelle zu finden sind.

    Das Projekt untersucht systematisch Text und Kontext der Annales Fuldenses. Frühere Editoren suchten in der Regel einen Urtext zu rekonstruieren und dazu die Handschriften in einem Stemma hierarchisch zu ordnen. Neue Ansätze dagegen gehen gerade von der Vielfalt der Handschriften aus, die selbst zum Gegenstand der Betrachtung wird. Die Handschriften der Annales Fuldenses und die aus ihnen rekonstruierbaren Überlieferungsgruppen verkörpern spezifische Wahrnehmungen der Vergangenheit, oft auch unterschiedliche politische Strategien, und geben Auskunft über den kulturellen Kontext der spät- und nachkarolingischen Epoche.

    Es ergibt sich daher nicht nur ein neues Bild der Überlieferungsverhältnisse, sondern auch ein besseres Verständnis der intellektuellen und politischen Rahmenbedingungen im ostfränkischen Reich des 9. und frühen 10. Jh., etwa der Veränderungen fränkischer Identität und der Herausbildung neuer Identitäten während des Niedergangs des karolingischen Reiches.

    Mehr dazu im zukünftigen Projekt The Transformation of the Frankish World

    Bearbeiter: Richard Corradini


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    Staat im Früh- und Hochmittelalter:
    Das Projekt „Staat im Früh- und Hochmittelalter“ soll dazu dienen, die Debatte über den früh- und hochmittelalterlichen Staat aus der einseitig rechtlich-institutionellen Sicht der älteren (besonders deutschen) Forschung herauszulösen und neue (ethnographische, kulturelle, textuelle) Gesichtspunkte einzuarbeiten, ohne aber den Blick auf die verschiedenen politischen Institutionen und ihre Funktion zu verlieren. Dazu wurde eine internationale Projektgruppe aus hochrangigen Fachleuten aufgebaut, die in jährlichen Treffen Forschungen zu diesem Thema behandelte. Die Mitglieder dieser Forschergruppe sollen, einzeln oder gemeinsam, durch Vergabe von Dissertationen, nationale Projekte, Veranstaltung von Tagungen oder Workshops, eigene Forschungen u.ä. initiativ werden und Informationen aus ihrem Arbeitsbereich weitergeben. Ziel ist es, die immer noch beträchtlichen Unterschiede zwischen nationalen Forschungstraditionen und -interessen in europäischem Rahmen auszugleichen. Koordiniert wird das Projekt am Institut für Mittelalterforschung in Wien.

    Erste Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit wurden in einem Band der Reihe des Instituts „Staat im Frühmittelalter“ (ed. Stuart Airlie, Walter Pohl, Helmut Reimitz) 2006 veröffentlicht. Im September 2007 fand in Wien ein internationales Symposion zu dem Thema statt, dessen Ergebnisse in einem zweiten Band "Der frühmittelalterliche Staat - Europäische Perspektiven" (ed. Walter Pohl/Veronika Wieser) publiziert wurden.

    TeilnehmerInnen: Jörg Jarnut, Hans-Werner Goetz, Bernd Schneidmüller, Matthias Becher (D), Ian Wood, Stuart Airlie (GB), Régine LeJan (F), Giuseppe Sergi (I), Gisela Ripoll (E), Walter Pohl (A)


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    Die Überlieferung hagiographischer Texte in Bayern im 8. und 9. Jahrhundert
     
    1: Identität und Heiligkeit im frühmittelalterlichen Bayern:
    Das Projekt untersuchte die im Bayern des 8./9. Jahrhunderts überlieferten hagiographischen Sammlungen in ihrem jeweiligen Kontext. Auf der Grundlage von B. Bischoffs Handschriftenlisten wurde ein systematischer Überblick darüber erarbeitet, wie hagiographische Texte in Handschriften gesammelt und überarbeitet wurden. Einige dieser HS wurden genauer untersucht, um Erkenntnisse über Ziel und Methode hagiographischer Kompilationen jener Zeit zu gewinnen. Diese Untersuchung ermöglichte neue Einblicke in die Rolle des Heiligen in der Gesellschaft, in die politische Funktion bestimmter Heiliger und in die kulturellen Modelle, die in der frühmittelalterlichen Hagiographie propagiert wurden. Daraus ergaben sich neue Einsichten, warum und in welcher Form die spätantike und merowingische Hagiographie erhalten blieb, und was im Zuge der Überlieferung verändert wurde. Zugleich ergaben sich Einblicke in die Haltungen und spezifischen Interessen, die bayerische Skriptorien veranlassten, diese Texte so und nicht anders abzuschreiben oder zu verändern. Die hagiographischen Kompilationen halfen dabei, die Identitäten klösterlicher und kirchlicher Gemeinschaften zu unterstreichen, und beeinflussten darüber hinaus die soziale Erinnerung in den aristokratischen Netzwerken, die sie unterstützten. Das Projekt erlaubte also durch eine innovative Fragestellung neue Erkenntnisse über Gesellschaft und Kultur des Frühmittelalters in unserem Raum, die auch darüber hinaus methodisch von Bedeutung sind.

    Bearbeiter: Maximilian Diesenberger (FWF-Projekt)

    2: Predigt und Hagiographie im frühmittelalterlichen Bayern
    In der Folge wurden weitere Texte, Predigten und apokryphe Apostelakten, in die Forschungen einbezogen und deren teilweise gemeinsame Überlieferung in Handschriften aus dem bayerischen Raum untersucht. Schwerpunkte bildeten die „Salzburger Sermones-Sammlung“, die „Bayerische Sermones-Sammlung“, und die sog. Pseudo-Bonifatianische Sammlung. Ihre Entstehung, Verbreitung und Gebrauch wurde im Vergleich mit anderen Sammlungen hinsichtlich politischer Entwicklungen in Bayern, der Rolle der weltlichen und geistlichen Eliten im Zusammenhang mit der Mission und der Vermittlung einer neu etablierten karolingischen Ordnung untersucht. Die Ergebnisse zum Nutzen und Gebrauch von Predigten in der karolingischen Gesellschaft um 800 wurden in der Habilitationsschrift „Sermones. Predigt und Politik im frühmittelalterlichen Bayern“ dargelegt, die im März 2011 an der Universität Wien angenommen wurde.

    Bearbeiter: Maximilian Diesenberger (Habilitationsprojekt)


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    FrÜhmittelalterliche Urkunden in St. Gallen:
    Karolingische Reform und regionale (Urkunden-)Praxis am Beispiel St. Gallens 814/16-840

    Bis zum heutigen Tag werden im Stiftsarchiv St. Gallen weit über 700 frühmittelalterliche Urkunden aus der Zeit vor 920 aufbewahrt. Es handelt sich dabei um einen nördlich der Alpen einzigartigen Bestand von Originaldokumenten, von denen die meisten unmittelbar das frühmittelalterliche Kloster St. Gallen betreffen. Abgesehen von rund dreißig karolingischen Herrscherdiplomen handelt es sich dabei um so genannte Privaturkunden, die Rechtsgeschäfte wie Schenkungen, Veräußerungen, Tauschgeschäfte und Landleihen bezeugen bzw. (Besitz-)Streitigkeiten dokumentieren.

    Kaum eine andere Gruppe frühmittelalterlicher Privaturkunden wurde so intensiv von den Vertreterinnen und Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen untersucht. Neben der soliden, aber veralteten, Edition Hermann Wartmanns aus dem 19. Jahrhundert standen ihnen dabei seit den 1950er-Jahren zwei Bände aus der Reihe des renommierten Editionsunternehmens der Chartae Latinae Antiquiores (ChLA) zur Verfügung, in denen die St. Galler Urkunden bis 800 nach modernen Kriterien ediert und in Faksimile zugänglich gemacht worden waren.

    Durch die zeitliche Ausdehnung dieses internationalen Editionsunternehmens auf das 9. Jahrhundert und durch die Förderung durch den FWF konnten im Rahmen des 2007 abgeschlossenen Projektes P16294-G08 „Die Urkunden des Klosters St. Gallen im 9. Jahrhundert“ auch die St. Galler Urkunden des Zeitraums von 800-820 im Rahmen der ChLA zugänglich gemacht und in mehreren begleitenden Studien genauer untersucht werden.
    An diese begonnene Arbeit schließt das jetzige Projekt an, wobei es sich ebenso als dessen Fortsetzung als auch als dessen inhaltliche Erweiterung versteht. Und so sollen in diesem Folgeprojekt die etwa 150 St.Galler Dokumente aus der Zeit von 821 bis 840 im Rahmen dreier weiterer Bände der ChLA neu ediert werden.

    Die im Rahmen der ChLA zu edierenden St. Galler Urkunden stammen im Wesentlichen aus der Regierungszeit Ludwigs des Frommen bzw. dem Abbatiat Gozberts (814/16-837/840). Es ist die Zeit einer weit reichenden kaiserlichen Reformpolitik, deren Auswirkungen auf ein regionales bzw. lokales Ambiente ausgehend von den St. Galler Urkunden nachgegangen werden soll. Gerade in diesen werden in der fraglichen Zeit nicht nur auf inhaltlicher, sondern vor allem auf den Gebieten von Schreibern, Schrift, Text und Geschäftsgang, nachhaltige Veränderungen erkennbar, die im Rahmen dieses Projektes untersucht und in einen größeren Kontext gestellt werden sollen.

    Ausgehend von der minutiösen Aufarbeitung des St. Galler Urkundenmaterials dieser Zeit und der Analyse der sich in diesen abzeichnenden Veränderungen sollen Einblicke in das klösterliche Skriptorium und in weiterer Folge in die klösterliche Handschriften-Produktion dieser Jahre gewonnen werden, um auch auf diesem Gebiet Einfluss und konkrete Umsetzung, mithin das „Funktionieren“, von karolingischer Reform besser verstehen zu lernen.

    Auch nach dem Ende des laufenden FWF-Projektes im Jahr 2011 soll im Rahmen des Folgeprojektes „Die frühmittelalterlichen Privaturkunden Alemanniens“ (ÖAW) die mittlerweile eingespielte Editionsarbeit in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Sie ermöglicht es auch, ein aufgrund seiner vielfältigen Implikationen für andere Fragestellungen nicht nur von Vertretern der Historischen Hilfswissenschaften immer wieder betontes Forschungsdesiderat in Angriff zu nehmen: eine umfassende diplomatische Untersuchung der frühmittelalterlichen Privaturkunden Alemanniens. Nicht zuletzt in Anlehnung an die Arbeiten von Heinrich Fichtenau soll auf der Basis der hilfswissenschaftlichen, vornehmlich diplomatischen Analyse versucht werden, das Quellenmaterial in einem größeren, wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischen Rahmen zu betrachten.

    Bearbeiter: Bernhard Zeller (FWF-Projekt)


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    Historische Ethnographie der vandalen:
    Die Vandalen und ihr nordafrikanisches Reich sind in der heutigen Forschung wenig präsent. Das Projekt „Historische Ethnographie der Vandalen“ soll Lücken schließen und bisher nicht oder kaum dargestellte Aspekte der vandalischen Geschichte thematisieren. Hauptfrage ist dabei die nach der vandalischen Identität. Wer waren und wer wurden die Vandalen, und welche Rolle spielte dabei das vandalische Königreich zuerst in Spanien und dann in Afrika? Komplementär dazu soll die Frage nach der Rolle der anderen ethnischen Gruppen im Vandalenreich untersucht werden: die das Königreich mittragenden Gruppen der Alanen, Römer und Berber, aber auch kleinere, teils kaum untersuchte Bevölkerungsgruppen der Griechen, Juden, Libyer und Goten. Dabei sollen nicht nur historiographische Texte, sondern gezielt auch Gedichte, Briefe und theologische Werke nach dem Zusammenhang von „Text und Identität“ befragt werden. Dadurch sollen Grundlagen für eine neue Darstellung der Geschichte des Vandalen geschaffen werden. 

    Bearbeiter: Roland Steinacher (FWF-Projekt). ...mehr


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    Texts and Identities in the Early Middle Ages

    ist der Titel einer internationalen Forschungskooperation des Institut für Mittelalterforschung mit den Universitäten Cambridge, Utrecht, Leeds und Paris I (Sorbonne), die 1996 von Mayke de Jong (Utrecht), Rosamond McKitterick (Cambridge), Walter Pohl (Wien) und Ian Wood (Leeds) gegründet wurde. Vor allem jüngeren Forschern (Doktoranden und Post-docs) soll in dieser Kooperation die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeiten in einem internationalen Kontext zu entwickeln, zu präsentieren und zu diskutieren. Seit 1997, dem ersten Treffen der Gruppe am Netherlandish Institute for Advanced Studies (NIAS) in Wassenaar (NL), finden jährlich Workshops statt: 1998, 2001, 2004 in Cambridge; 1999, 2002, 2005 in Wien; 2000, 2003, 2006, 2010 im NIAS; 2007 in Kooperation mit dem Centre of Medieval Studies der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag; im Oktober 2008 in Auxerre und 2009 in Frankfurt am Main. An diesen Treffen nehmen häufig auch Nachwuchs-Mediävisten anderer Universtitäten oder Forschungsinstitute teil (bisher z.B. St Andrews, Lille, Barcelona, Paderborn, Notre Dame-Indiana, University of Virginia).

    Darüber hinaus werden Ergebnisse und Themen der Kooperation seit 2000 auch jährlich am International Medieval Congress einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Diese vom Institut für Mittelalterforschung koordinierte Präsentation des Projekts wird auch genutzt, um jüngere, aber auch etablierte Forscher anderer Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Zusammenarbeit an gemeinsamen Forschungsinteressen einzuladen.

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    International Medieval Congress Leeds

    Am International Medieval Congress in Leeds werden jährlich laufende Arbeiten und Projekte des Instituts vorgestellt. Walter Pohl war Mitglied des Programming comitee und koordinierte mit Mitarbeitern der Arbeitsgruppe die Sessions zur frühmittelalterlichen Geschichte, die am Kongress abgehalten werden.  


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    Interdisziplinärer Arbeitskreis Frühmittelalter:
    Der Arbeitskreis wurde mit Mitarbeitern des Instituts für Ur- und Frühgeschichte, des Vienna Institute for Archaeological Studies und des Instituts für mittelalterliche Realienkunde als Forum für die Zusammenarbeit zwischen Frühmittelalter-Historikern und Archäologen gegründet. Anhand von Fallbeispielen sollen die unterschiedlichen Herangehensweisen der jeweiligen Disziplinen diskutiert werden, um aus dem Verständnis für die methodischen Besonderheiten in Archäologie und Geschichte ein besseres Verständnis für die Möglichkeiten und Probleme gemeinsamer Forschungen zu entwickeln. Unter dem Titel „Grenzen im historischen Raum: Wahrnehmungen und Zugänge in Archäologie und Geschichtswissenschaft“ wurde ein Workshop und eine Exkursion nach Gars am Kamp organisiert. Eingebunden waren die Mitarbeiter der Kooperation auch in die Planung und Durchführung des Workshops zu Archäologie und Identität im März 2006.

    Bearbeiter: Helmut Reimitz, Mathias Mehofer (Vienna International Institute for Archaeological Science), Thomas Kühtreiber (Instituts für mittelalterliche Realienkunde der ÖAW), Erik Szameit (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien)


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    Publikationen

    Die Germanen / Walter Pohl

    Inhalt

    I. Enzyklopädischer Überblick
    1. Germanenbilder: antike Wahrnehmungen und moderne Ideologien
    2. Die Vielfalt der Völker
    3. Die Entdeckung der Germanen
    4. Römische Offensiven und germanische Widerstände
    5. Die Germania in der frühen Kaiserzeit
    6. Aufbruch der Peripherie: die Markomannenkriege und das 3. Jahrhundert
    7. Die Alemannen
    8. Die frühen Franken
    9. Von der spätantiken zur merowingischen Germania

    II. Grundprobleme und Tendenzen der Forschung
    1. Was ist germanisch?
        1.1. Suche nach Ursprüngen: Sprachentwicklung, archäologische Kultur, Ethnogenese
        1.2. Römische Wahrnehmungen von der Entstehung der Germanen
        1.3. Tacitus und die Folgen
    2. Elemente germanischer Gesellschaft
        2.1. Königtum, Herrschaft, Gefolgschaft
        2.2. Die Sippe und die Stellung der Frauen
        2.3. Religion, Mythen, Rituale
    3. Ethnische Prozesse und Konfrontationen mit dem Imperium
        3.1. Gentes des Frühzeit: Kimbern und Teutonen, Bastarnen, Sueben
        3.2. Auseinandersetzungen der frühen Kaiserzeit
        3.3. Die Alemannen
        3.4. Die fränkische Germania

    III. Quellen und Literatur
    A. Quellen, Quellensammlungen, Hilfsmittel
    B. Literatur

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    Origini etniche dell’Europa 
    (Walter Pohl)

    Im Frühmittelalter wurden viele Grundlagen Europas geschaffen. Damals begann sich auch jenes Europa der Völker zu entwickeln, das uns heute selbstverständlich geworden ist. An die Stelle des übernationalen Imperium Romanum traten neue Völker, in deren Namen Könige barbarischer Abstammung über die ehemaligen römischen Provinzen herrschten: Goten, Franken, Langobarden, Angelsachsen und andere. Doch waren das nicht, wie man früher glaubte, fertige, quasi naturwüchsig entstandene Völker, die ihre Reiche errichteten. Die Völker selbst entstanden in einem komplizierten Prozess der kulturellen Anpassung und des politischen Ausgleichs zwischen der Mittelmeerwelt und den Bevölkerungen an ihrer Peripherie. Zugleich entwickelte sich aus der antiken Ethnographie und aus der biblischen Weltsicht die Vorstellung, dass diese Welt von Völkern eine gottgegebene Ordnung war.

    Dieses Buch untersucht an zahlreichen Beispielen, wie diese ethnischen Prozesse abliefen. Immer wieder stellt sich die Frage, wie Texte Identitäten entwerfen. Dabei werden viele Brüche und Widersprüche sichtbar, die im traditionellen Bild nicht beachtet wurden: ‚Franken‘ und ‚Alemannen‘ waren zunächst allgemeine Begriffe, bevor Völker dieses Namens historisch wirksam wurden. Der Name der Angelsachsen ersetzte erst nach Jahrhunderten lokale Identitäten. Im Gotenkrieg kämpften bei Goten und bei Byzantinern Angehörige vieler Völker, die als spätantike Soldaten mehr gemeinsam hatten, als sie trennte. Die Ostgoten legten sich aus der antiken Ethnographie eine imaginäre Vergangenheit zurecht. Die Langobarden verfolgten in Pannonien eine erfolgreiche Strategie, ein polyethnisches Heer für den Zug nach Italien zu versammeln. Vor allem untersucht der Band die Schicksale der Steppenvölker, bei denen ethnische Prozesse schneller abliefen als anderswo: die Hunnen Attilas, die Awaren und die Magyaren. Dabei geht es vor allem um die politischen Bedingungen und Folgen von Ethnizität. Auch die Frage von ethnischer Deutung archäologischer Befunde wird ausführlich diskutiert. Das Buch richtet sich an Historiker des Altertums und des Mittelalters ebenso wie an Archäologen und Philologen, an Ethnologen und andere Disziplinen. Zugleich bietet es einem breiteren Publikum wichtige Beiträge zum Verständnis der Welt von heute, in der ethnische Fragen wieder große Bedeutung haben.

    Le origini etniche dell’Europa. Barbari e Romani tra antichità e medioevo (Roma 2000), 325 S.

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    The Transformation of Frontiers from Late Antiquity to the Carolingians

    The Transformation of the Roman World 10 (ed. Walter Pohl/Ian Wood/Helmut Reimitz)

    Table of contents

    Ian Wood, Introduction
    Javier Arce, Frontiers of the late Roman Empire: perceptions and realities
    Peter Heather, The late Roman art of client management: Imperial defence in the fourth century west
    Evangelos Chrysos, Ripa Gothica and litus Saxonicum
    Hans-Werner Goetz, Concepts of realm and frontier from late antiquity to the early middle ages: Some preliminary remarks
    Dick Harrison, Invisible boundaries and places of power: notions of liminality and centrality in the early middle ages
    Gisela Ripoll, On the supposed frontier between the regnum Visigothorum and Byzantine Hispania
    Walter Pohl, Frontiers in Lombard Italy: The laws of Ratchis and Aistulf
    Falko Daim, Byzantine belts and Avar birds. Diplomacy, trade and cultural transfer in the eighth century
    Helmut Reimitz, Conversion and control: the establishment of liturgical frontiers in Carolingian Pannonia
    Ian Wood, Missionaries and the Christian frontier
    Matthias Hardt, Elbe, Saale and the Eastern frontier of the Carolingian empire
    Herwig Wolfram, The creation of the Carolingian frontier system c. 800
    Walter Pohl, Conclusion: the transformation of frontiers
    Bibliography

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    Grenze und Differenz im frÜhen Mittelalter
    ed. Walter Pohl/Helmut Reimitz 
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 1)

    Inhaltsverzeichnis

    Walter Pohl, Einleitung: Soziale Grenzen und Spielräume der Macht
    Peter Stih, Die Ostgrenze Italiens im Frühmittelalter
    Matthias Hardt, Linien und Räume, Zonen und Säume an der Ostgrenze des Reiches im frühen Mittelalter
    Michael Schmauder, Überlegungen zur östlichen Grenze des karolingischen Reiches unter Karl dem Großen
    Andreas Schwarcz, Pannonien im 9. Jahrhundert und die Anfänge der direkten Beziehungen zwischen dem ostfränkischen Reich und den Bulgaren
    Helmut Reimitz, Grenzen und Grenzüberschreitungen im karolingischen Mitteleuropa
    * Einleitung - Limes und Marca
    * Traditionen und Strategien der Orientierung
    * Die Entwicklung einer mitteleuropäischen Peripherie
    * Liturgische und politische Grenzen
    Guy Halsall, Archaeology and the late Roman frontier in Northern Gaul: The so-called „Föderatengräber“ revisited
    Heinrich Härke, Die Darstellung von Geschlechtergrenzen im frühmittelalterlichen Grabritual: Normalität oder Problem?
    Ian Wood, Aethicus Ister: An exercise in difference
    Mayke de Jong, Internal cloisters: The case of Ekkehard’s
    Casus Sancti Galli

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    Eugippius und Severin - Der Autor, der Text und der Heilige
    ed. Walter Pohl/Maximilian Diesenberger
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 2)

    Inhaltsverzeichnis

    Walter Pohl (Wien): Einführung: Commemoratorium - Vergegenwärtigungen eines Heiligen
    Andreas Schwarcz (Wien): Severinus of Noricum between fact and fiction
    Walter Goffart (Toronto): Does the Vita Severini have an underside?
    Ian Wood (Leeds): The monastic frontiers of the Vita Severini
    Kate Cooper (Manchester): The widow as impresario: Gender, legendary afterlives, and documentary evidence in Eugippius’ Vita Severini
    Conrad Leyser (Manchester): Shoring fragments against ruin? Eugippius and the sixth-century culture of the florilegium 
    Maximilian Diesenberger (Wien): Topographie und Gemeinschaft in der Vita Severini
    Fritz Lošek (Krems): Die Latinität des Eugippius und das Latein des Heiligen Severin
    Christian Rohr (Salzburg): Ergänzung oder Widerspruch? Severin und das spätantike Noricum in der Vita Antonii des Ennodius
    Brigitte Resl (Wien): Was bleibt, ist der Text - Passau und die Überlieferung der Vita Severini

    The approaches to the Life of Severinus chosen in the papers assembled here are related. At the centre of attention, there is not so much the „historical Severinus“, fiercely debated following Friedrich Lotter's studies, but the text and its author, Eugippius. In what ways is the text shaped by the concerns of Eugippius and his community near Naples at the beginning of the sixth century, far away from the cell of the saint at the Norican frontier? As Ian Wood argues, the Vita can also be read as a statement in a debate about monasticism which increasingly favoured life in a community as opposed to wandering monks. In this respect, it can be compared with the Vita Antonii which raises similar problems with very different stylistic methods (Christian Rohr). The Vita Severini reflects the concerns of a network of (mostly female) patrons and intellectuals with whom Eugippius was familiar (Kate Cooper, Conrad Leyser). It discusses forms of ecclesiastic and lay community from an Augustinian point of view (Maximilian Diesenberger). And it can be read as a statement on the right ways to deal with barbarians (Walter Goffart). It does not simply style the ‚political‘ Severinus as an ideal saint by using hagiographic stereotypes, as Lotter believed; the ways in which Eugippius pictures his saint respond to a number of challenges. At the ‚lost frontier‘ of Noricum, spiritual power is juxtaposed to barbarian violence, obedience to stubbornness, knowledge to ignorance. The Vita Severini is less the expression of a Christian model of sanctity than the echoes of debates about the proper way to face difficult circumstances.

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    Integration und Herrschaft.  Ethnische IdentitÄten und soziale Organisation im FrÜhmittelalter
    ed. Walter Pohl/Maximilian Diesenberger 
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 3)
     

    Inhaltsverzeichnis

     Walter Pohl, Einleitung: Integration und Herrschaft im Wandel der Römischen Welt

    Städte, Kirchen und ethnische Identitäten
    Wolf Liebeschütz, Oligarchies in the cities of the Byzantine East
    Michael Maas, Mores et moenia: Ethnography and the decline in urban constitutional autonomy in Late Antiquity
    Robert A. Markus, The papacy, missions and the gentes
    Rajko Bratož, Die Einstellung der Kirche zu den regna und gentes im 7. Jahrhundert
    Albrecht Diem, Was bedeutet regula Columbani?
    Brigitte Pohl-Resl, Ethnic history and ecclesiastical identity: the example of Passau

    Regnum und Gens in der fränkischen Welt
    Helmut Castritius und Dieter Geuenich, Zur alemannischen Reichsbildung im 5. Jahrhundert
    Stéphane Lebecq, The two faces of King Childeric. History, archaeology, historiography
    Hans-Werner Goetz, Zur Wandlung des Frankennamens im Frühmittelalter
    Rosamond McKitterick, Die Anfänge des karolingischen Königtums und die Annales regni Francorum
    Julia M. H. Smith, Confronting Identities: the rhetoric and reality of a Carolingian frontier

    Gotische Identitäten
    Michael Schmauder, „Verzögerte Landnahme?“ Die Dacia Traiana und die sogenannten decumates agri
    Andreas Schwarcz, Relations between Ostrogoths and Visigoths in the fifth and sixth centuries and the question of Visigothic settlement in Aquitaine and Spain
    Christian Rohr, Das Streben des Ostgotenkönigs Theoderich nach Legitimität und Kontinuität im Spiegel seiner Kulturpolitik. Beobachtungen zu imperialen Elementen im Theoderich-Panegyricus des Ennodius
    Ann Christys, How the royal house of Witiza survived the Islamic conquest of Spain

    Die frühen Slawen: Integration ohne Herrschaft?
    Matthias Hardt, Aspekte der Herrschaftsbildung bei den frühen Slawen
    Przemyslav Urbanczyk, Foreign leaders in early Slavic societies
    Jerzy Gassowski, Early Slavs – nation or religion?

    Modelle und Deutungen
    Walter Pohl, The politics of change. Reflections on the transformation of the Roman World
    Dick Harrison, The development of élites: From Roman bureaucrats to Medieval warlords
    Ian Wood, Conclusion: in praise of uncertainty

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    Vom Nutzen des Schreibens
    Soziales Gedächtnis, Herrschaft und Besitz im Mittelalter
    ed. Walter Pohl/Paul Herold
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 5)

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort der Herausgeber
    Einleitung: Walter Pohl, Vom Sinn und Gebrauch des Schreibens

    Teil 1: Vom Sinn des Schreibens: Schrift und soziales gedächtnis bei den Franken
    Barbara Rosenwein, Writing and Emotions in Gregory of Tours
    Maximilian Diesenberger, Bausteine der Erinnerung: Schrift und Überrestin der Vita Sequani
    Felice Lifshitz, Demonstrating Gun(t)za: women, manuscripts, and the question of historical „proof“
    Rosamond McKitterick, Buch, Schrift, Urkunden und Schriftlichkeit in der Karolingerzeit
    Richard Corradini, Zeiträume – Schrifträume. Überlegungen zur Komputistik und Marginalchronographie am Beispiel der Annales Fuldenses antiquissimi
    Helmut Reimitz, Anleitung zur Interpretation: Schrift und Genealogie in der Karolingerzeit
    Brigitte Merta, Why royal charters? A look at their use in Carolingian Bavaria
    Michael Richter, Vom beschränkten Nutzen des Schreibens im Frühmittelalter

    Überleitung
    Brigitte Resl, Vom Nutzen des Abschreibens. Überlegungen zu mittelalterlichen Chartularen

    Teil 2: Vom Gebrauch des Geschriebenen: Herrschaft, Verwaltung und pragmatische Schriftlichkeit im Spätmittelalter
    Patrick Zutshi, The personal role of the pope in the production of papal letters in the 13th and 14th centuries
    Franz Arlinghaus, Die Bedeutung des Mediums Schrift für die unterschiedliche Entwicklung deutscher und italienischer Rechnungsbücher
    Wolfgang E. Wagner, Landesfürsten und Professoren als Universitätsstifter.Zu Verwendung und Aussagekraft des Fundator-Titels in bezug auf die Universität Wien im Mittelalter
    Renate Kohn, Die Inschrift als Medium landesfürstlicher Selbstdarstellung
    Paul Herold, Das Ringen um den Text. Die Lehensurkunden für Herzog Philipp von Burgund aus dem Jahr 1447 als Beispiel für Genese, Wirkungsweise und Scheitern von Urkundentexten
    Helga Penz, Am Schauplatz der Schrift. Gebrauch, Verwahrung und Überlieferung von spätmittelalterlichem Schriftgut am Beispiel des Archivs des ehemaligen Chorherrenstiftes Dürnstein in Niederösterreich
    Christoph Sonnlechner, Verwaltung von Natur. Ressourcenmanagement und das geschriebene Wort in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Grundherrschaften

    Ausblick
    Thomas Hildbrand, Die Listigkeit des Schriftlichen. Ein Essay über Aspekte kommunikativer Distanz aus mediävistischer Sicht

    Der Nutzen mittelalterlichen Schreibens für uns ist evident. Je weniger schriftliche Quellen erhalten sind, desto wertvoller wird alles Geschriebene für die Rekonstruktion vergangenen Seins und Geschehens. Geschriebenes bildet ab. Zwar entwickelte die wissenschaftliche Quellenkritik immer ausgefeiltere Prüfverfahren, um die Zuverlässigkeit des Abbilds sicherzustellen, doch rückte dadurch das Geschriebene selbst leicht in den Hintergrund. Der Nutzen des Schreibens für die Gemeinschaft des Schreibenden, oder für ihn selbst, war lange kein vordringlicher Forschungsgegenstand. Der Nutzen für die moderne Forschung überdeckte diesen Gesichtspunkt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen auch Mediävisten im Medium die Botschaft zu entdecken. Den meisten Beiträgen dieses Bandes gemeinsam ist ein prozesshaftes Verständnis von mittelalterlichen Quellen. Die traditionelle Quellenkunde hat ihr Forschungsziel meist darin gesehen, den Text in einer Art Schöpfungsakt zu verdichten, sodass seine Aussage innerhalb eines geschichtlichen Kontinuums möglichst präzise verortet werden konnte. Erst in letzter Zeit ist die Geschichte des Geschriebenen selbst zu einem wichtigen Forschungsthema geworden. Untersuchungen von der Art, wie sie hier versammelt sind, führen uns auf eine neue Spur. Sie lassen die gesellschaftliche Anstrengung erahnen, die es bedeutet hat, schreibend der Welt Bedeutung zu geben. Jene Schreiber, die vor vielen Jahrhunderten Texte verfassten, niederschrieben, kopierten, annotierten oder wieder radierten, verraten uns eben dadurch manches über sich selbst und ihre Welt.

    Die Arbeit versammelt Beiträge aus der laufenden Forschungsarbeit von Mitarbeitern der Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters und einiger weiterer jüngerer österreichischer Historiker und stellt sie Aufsätzen namhafter ausländischer Historiker gegenüber. Diese Beiträge stammen zum einen aus der von der Forschungsstelle veranstalteten Reihe der Werkstattgespräche unter dem Titel „Vom Nutzen des Schreibens“ (1999/2000), zum anderen von einem Workshop mit dem Titel „Zugänge zur Schriftlichkeit“, den die Forschungsstelle gemeinsam mit dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung im Oktober 1999 veranstaltete. Insgesamt ist der Band also Resultat eines Dialoges zwischen ausländischen Spezialisten für Schriftlichkeit und jüngeren österreichischen Mediävisten, der die Forschungsarbeiten sichtbar angeregt hat.

    Die Arbeit ist in zwei Schwerpunkte gegliedert. Der erste untersucht in neun Beiträgen das soziale Gedächtnis der Franken in der Merowinger- und Karolingerzeit, wobei historiographische Handschriften im Brennpunkt stehen. Der zweite Teil umfasst sieben Beiträge zu spätmittelalterlichem Verwaltungsschriftgut bzw. fürstlicher Selbstdarstellung, die den Gebrauch der rasch anwachsenden Menge schriftlicher Aufzeichnungen zum Gegenstand haben. Drei programmatische Beiträge am Beginn, in der Mitte und am Ende strukturieren den Band.

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    Urkundenlandschaft RÄtien
    Peter Erhart/Julia Kleindinst
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 7)

    Das frühmittelalterliche Rätien war Urkundenlandschaft und Schriftlandschaft zugleich. Die einzigartige Überlieferungssituation, begünstigt durch das nahe Kloster St. Gallen, erlaubt einen Einblick in die frühmittelalterliche Gesellschaft dieser Region, ihre sozialen, politischen und religiösen Strukturen. Insgesamt 60 Urkundentexte werden erstmals gemeinsam nach ihrer Zugehörigkeit zum frühmittelalterlichen Rätien aufgrund ihrer diplomatischen und paläographischen Eigenheiten editorisch neu aufbereitet in Wort und Bild präsentiert. Der Bestand, der sich durch eine grosse typologische Vielfalt auszeichnet, ist bis auf ein karolingisches Chartularfragment in der Form von Originalurkunden im Stiftsarchiv St. Gallen überliefert und umfasst den Zeitraum zwischen 745 und 975. Dieser Umstand erlaubt nicht nur einen Überblick über die Entwicklung der Form und Schrift der Urkunden, sondern bietet auch reiches orts- und namengeschichtliches Material, das für einen Vergleich in einem grösseren Rahmen herangezogen werden kann.

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort der Herausgeber
    Vorwort Prof. Herwig Wolfram

    Einführung

    I. Die Urkunden

    1. Eigenheiten der rätischen Urkunde

    2. Der Aufbau der Urkunde

    2.1 Die Verkaufsurkunde

    2.2 Die Schenkungsurkunde

    3. Die Schrift der Urkunden

    4. Die Sprache der Urkunden

    5. Die Datierung

    6. Die Dorsualnotizen – Hinweise auf eine Archivierung

    II. Die Personen der Handlung

    1. Der Schultheiss Folcwin

    2. Die Schreiber

    3. Die Schenker und Verkäufer

    4. Die Zeugen und Nachbarn

    III. Die Orte

    IV. Die Edition

    1. Editionsplan

    2. Edition

    3. Personenregister

    4. Ortsregister

    5. Urkundenkonkordanz

    6. Abkürzungsverzeichnis

    Quellenverzeichnis
    Literaturverzeichnis

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    die suche nach den ursprÜngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters
    ed. Walter Pohl

    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8)

    Die Frage „Woher kommen wir?“ ist in allen Epochen gestellt worden; die moderne Geschichtsforschung stellte sich dieser Suche nach den Ursprüngen. Damit etablierte sie sich zugleich als Instanz, die modernen Identitäten eine Grundlage in der Tiefe der Zeit geben konnte. Das Frühmittelalter spielte bei der Begründung nationaler, aber auch anderer Identitäten eine Schlüsselrolle und verstrickte sich so in moderne Projektionen und Ideologien, von denen sie sich erst in den letzten Jahrzehnten schrittweise befreit hat. Der Band sucht in einer Reihe von Beiträgen nach neuen Zugängen und gibt damit einen einzigartigen Überblick über einen zeitgemäßen Umgang mit frühmittelalterlichen Ursprüngen und Identitäten und ihre Bedeutung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Diskutiert werden u.a. das Problem der ethnischen Interpretation archäologischer und onomastischer Daten, methodische Probleme des Identitäts- und des Germanenbegriffs, die emotionelle Ebene der Identitätsbildung, die Rolle von Frauen in Herkunftsmythen, burgundische, fränkische, sächsische, angelsächische, skandinavische, normannische und slawische Herkunftsvostellungen und ihre Ausstrahlung ins spätere Mittelalter, der Ursprung des mittelalterlichen Reiches und seine Identitätswirksamkeit, der Zusammenhang zwischen christlichen und ethnischen Identitäten und die Spuren von Identitätsbildungsprozessen in der handschriftlichen Überlieferung. Herwig Wolfram berührt in seiner Einleitung alle diese Aspekte und zieht zugleich ein Resümee jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema.

    Inhaltsverzeichnis

    1. Zugänge zu den Identitäten des Frühmittelalters
    Herwig Wolfram, Auf der Suche nach den Ursprüngen
    Walter Pohl, Identität und Widerspruch: Gedanken zu einer Sinngeschichte des Frühmittelalters
    Patrick J. Geary, Cur in feminas tamdiu perseverat?
    Volker Bierbrauer, Zur ethnischen Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie
    Wolfgang Haubrichs, Identität und Name. Akkulturation in Namen und die Traditionsgesellschaften des frühen Mittelalters
    Jörg Jarnut, Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffes der Frühmittelalterforschung

    2. Das nachrömische Europa
    Georg Scheibelreiter, Ein Gallorömer in Flandern: Eligius von Noyon
    Barbara Rosenwein, Identity and emotions in the early middle ages
    Ian Wood, Misremembering the Burgundians

    3. Texte, Identitäten im Frankenreich
    Rudolf Schieffer, Karl der Große, Eirene und der Ursprung des westlichen Kaisertums
    Adelheid Krah, Anerkennung und Integration – die Basis der Königsherrschaft Karls II.
    Max Diesenberger, Erinnern und vergessen. Erzbischof Arn und die Ursprünge des Salzburger Episkopats
    Helmut Reimitz, Die Konkurrenz der Ursprünge in der fränkischen Historiographie
    Richard Corradini, Überlegungen zur sächsischen Ethnogenese anhand der Annales Fuldenses und deren sächsisch-ottonischer Rezeption
    Alheydis Plassmann, Tellus Normannica und dux Dacorum bei Dudo von St-Quentin: Land und Herrscher als Integrationsfaktor für die Normandie

    4. Erinnerungen an das Frühmittelalter
    Bernd Schneidmüller, Ordnung der Anfänge. Die Entstehung Deutschlands und Frankreichs in historischen Konstruktionen des Hoch- und Spätmittelalters
    Joachim Ehlers, Ab errorum tenebris ad veram lucem – Otto von Freising entdeckt den Ursprung seiner Zeit in der christlichen Spätantike
    Meta Niederkorn-Bruck, Papst Gregor I. in liturgischen und liturgietheoretischen Quellen des Hochmittelalters
    Roland Steinacher, Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihre Nachwirkungen

    5. Identitätsbildung in Nord- und Osteuropa
    Anton Scharer, Die Rolle der Kirche bei der Identitätsbildung der Angelsachsen
    Birgit and Peter Sawyer, The making of the Scandinavian kingdoms
    Henry Mayr-Harting, Was the identity of the Prague church in the tenth century imposed from without or developed from within?
    Christian Lübke, Qui sint vel unde huc venerint – Bemerkungen zur Herkunft der Namen von Polen und Lutizen

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    Die Langobarden – Herrschaft und IdentitÄt
    ed. Walter Pohl/Peter Erhart
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 9)

    Wer waren die Langobarden, und wie ist ihre Identität historisch, archäologisch und philologisch zu fassen? Zu dieser Frage vereinigt der Band methodische Überlegungen und exemplarische Studien von etablierten und jüngeren Vertretern verschiedener Disziplinen. Ein Schwerpunkt sind neue Ergebnisse der Archäologie der Langobarden im mittleren Donauraum, wobei sich grundlegende Beiträge, die Überblick über breites Material bieten, mit Vorstellungen von Neufunden und neuen Interpretationen, methodischen Überlegungen und innovativen technologischen Untersuchungen verbinden. Der Abschnitt zu langobardischer Herrschaft und langobardischen Identitäten in Italien enthält vor allem die Arbeiten von Historikern, die danach fragen, wie gesellschaftliche Integration und staatliche Organisation funktionierten. Wie trugen Geschlechterrollen, wie das Mönchtum dazu bei, und was sagt die politisch-geographische Terminologie darüber aus? Der letzte Abschnitt vereinigt Beiträge zu Sprache und Kultur, und zwar aus altnordischer, germanistischer, mittellateinischer, paläographischer und kulturgeschichtlicher Sicht. Erstmals seit Jahrzehnten wird in diesem Band ein breiter Überblick über die internationale Langobardenforschung gegeben, der weit über das Handbuchwissen hinausweist.

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort
    Einführung

    • Jörg Jarnut, Zum Stand der Langobardenforschung
    • Volker Bierbrauer, Zur Archäologie der Langobarden in Italien: Forschungsstand und ethnische Interpretation
    • Wolfgang Haubrichs, Amalgamierung und Identität – Langobardische Personennamen in Mythos und Herrschaft 

    Archäologie der Langobarden an der Donau

    • Jaroslav Tejral, Zur Unterscheidung des vorlangobardischen und elbgermanisch-langobardischen Nachlasses
    • Falko Daim, Zu den langobardischen Schmiedegräbern von Brno und Poysdorf
    • Frauke Stein, Der Spangenhelm von Steinbrunn – ein Ehrengeschenk der Ostgoten?
    • Peter Tomka, Neue langobardische Funde in Nordwestungarn 
    • Slavko Ciglenecki, Langobardische Präsenz im Südostalpenraum 
    • Orsolya Heinrich-Tamaska, Die Interpretationen von Salins Tierstil II am Beispiel des langobardischen und karpatländischen Materials 
    • Irene Barbiera, Sixth-century cemeteries in Hungary and Italy: a comparative approach

    Langobardische Herrschaft und langobardische Identitäten in Italien

    • Stefanie Dick, Formen der langobardischen Herrschaftsorganisation 
    • Nick Everett, How territorial was Lombard law? 
    • Ross Balzaretti, The masculine identity of the Lombard state Panagiotis Antonopoulos, King Cunincpert and the Archangel 
    • Peter Erhart, Gens eadem reparat omnia septa gregis – Mönchtum unter den langobardischen Königen 
    • Herbert Zielinski, Elemente der Stabilität im Dukat Benevent in vorfränkischer Zeit 
    • Evangelos Chrysos, Der Begriff Langobardia 

    Langobardische Sprache und lateinische Kultur

    • Robert Nedoma, Der altisländische Odinsname langbardr: ‚Langbart‘und die Langobarden 
    • Piergiuseppe Scardigli, Von langobardischen Königen und Herzögen: Möglichkeiten und Grenzen einer namenkundlichen Betrachtungsweise
    • Maria Vóllono, Methodik und Probleme bei der Erforschung der langobardischen Sprache am Beispiel einiger juristischer Fachbegriffe: launegild, sculdahis, mundualdo 
    • Claudia Villa/Francesco Lo Monaco, Cultura e scrittura nell’Italia longobarda 
    • Flavia de Rubeis, Scritture epigrafiche e scritture librarie in Italia meridionale 
    • Kurt Smolak, Die literarische Kultur der langobardischen Rhythmen

    Zusammenfassung

    • Paolo Delogu, Conclusion: The Lombards – power and identity
    • Walter Pohl, Geschichte und Identität im Langobardenreich

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    Staat im FrÜhmittelalter
    ed. Stuart Airlie/Walter Pohl/Helmut Reimitz
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 11)

    Der Band ist das Ergebnis der Diskussionen einer internationalen Projektgruppe zum mittelalterlichen Staat, die sich zum Ziel gesetzt hat, die teils beschränkten nationalen Forschungstraditionen zu überschreiten. Er zielt weniger auf das terminologische Problem, ob der Begriff ‚Staat‘ überhaupt für die frühmittelalterlichen Königreiche anwendbar ist, sondern fragt danach, wie politische Integration gelingen konnte und wie in der Interaktion von Monarchie und Aristokratie, christlichen und weltlichen Institutionen, Königtum und Volk überregionale Gemeinschaften Gestalt gewannen. Die Beiträge beschäftigen sich anhand von Fallstudien sowohl mit den Vorstellungen vom Staat als auch den unterschiedlichen Wirkungsweisen ‚öffentlicher‘ Herrschaft.
    Meist wurde in der Debatte über den Staat im frühen und hohen Mittelalter von einem modernen Staatsbegriff ausgegangen, der für das frühere Mittelalter aber inadäquat war. Vor allem in der deutschen Mediävistik ist seit den 1930er Jahren früh- und hochmittelalterliche Staatlichkeit sehr skeptisch beurteilt worden. Der Zusammenhalt der Reiche dieser Zeit wurde in persönlichen Herrschaftsverhältnissen gesucht, sei es (wie in der älteren Forschung) durch eine moralisch ausgestaltete Beziehung zwischen Herrn und Gefolgsmann, sei es (wie in letzter Zeit) durch Rituale und symbolische Kommunikation, die eine direkte Kontrolle über die Mächtigen ersetzen mussten. Das hat zu einem eher archaischen Bild von früh- und hochmittelalterlicher ‚Herrschaft ohne Staat‘ geführt.
    Die Aufsätze dieses Bandes schließen in vielem an diese Bemühungen an, doch werden in ihnen Formen staatlichen Zusammenhalts und ein abstraktes Bewusstsein vom Gemeinwesen in einem wesentlich weiteren Rahmen betrachtet. Die Beiträge behandeln Vorstellungen von Herrschaft, die sich an das ‚Regnum‘ knüpfen, und die Durchsetzungsmöglichkeiten des Königtums (Matthias Becher, Hans-Werner Goetz und Ian Wood), den Karolingerhof als Knotenpunkt adeliger Karrieren (Stuart Airlie), die Rolle der Gentes als Faktor politischer Integration (Walter Pohl) sowie die Ecclesia als Inbegriff des politischen Gemeinwesens (Mayke de Jong) und die Rolle der Bischöfe beim Zusammenhalt des Reiches (Steffen Patzold). Damit wird die Debatte aus falschen Alternativen (Institution oder Personenverband, Regnum oder Ecclesia, Staat oder „Herrschaft ohne Staat“) herausgeführt und kann sich daran orientieren, auf welche Weise im Frühmittelalter staatliche Integration gelingen konnte.

    The volume results from the discussions of an international project group on the medieval state aimed at moving beyond national research traditions with their limitations. Rather than dealing with the terminological problem whether the term ‘state’ should be used for early medieval kingdoms at all, it raises the question how political integration was reached and how the monarchy and the aristocracy, Christian and lay institutions, the kingdom and the people interacted in shaping supra-regional communities. The contributions offer case studies discussing both perceptions of the state and the ways how ‘public’ power worked.
    Debates about the medieval state often departed from modern concepts of the state, which in turn was often judged inadequate to describe early medieval realities. Among German medievalists, a strong scepticism has prevailed since the 1930s. The cohesion of medieval kingdoms was, according to this approach, based on power relations between persons, rather than on the state and its institutions. Whereas the older school saw the mechanisms of integration in the bonds between lord and retainer, bound by a moral of allegiance, recent research has concentrated on rituals and symbolic communication as a means of maintaining some form of public power where direct control was impossible. This has led to a rather archaic view of early- and high-medieval ‘power without a state’.
    The articles in this volume, while taking this line of research into account, offer a more complex image of the early medieval state, considering various forms of political integration and of abstract perceptions of the wider community. The contributions deal with contemporary ideas about the regnum in the context of the exercise of power (Matthias Becher, Hans-Werner Goetz and Ian Wood), with the Carolingian court as a focus of aristocratic careers (Stuart Airlie), with the role of the gentes as a factor of political integration (Walter Pohl) and with the ecclesia as a frame of the political community, represented by the bishops (Mayke de Jong, Steffen Patzold). In this way, the debate can move beyond misleading alternatives (institution or personal networks, regnum or ecclesia, state or ‘power without state’) and focus on the ways in which state integration could work in the early middle ages.  

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    • Walter Pohl, Staat und  Herrschaft im Frühmittelalter: Überlegungen zum Forschungsstand 
    • Hans-Werner Goetz, Die Wahrnehmung von „Staat“ und „Herrschaft“ im frühen Mittelalter
    • Ian Wood, Royal succession and legitimation in the Roman West, 419–536
    • Régine Le Jan, Die Sakralität der Merowinger oder: Mehrdeutigkeiten der Geschichtsschreibung
    • Stuart Airlie, The aristocracy in the service of the state in the Carolingian period
    • Mayke de Jong, Ecclesia and the early medieval polity
    • Steffen Patzold, Die Bischöfe im karolingischen Staat. Praktisches Wissen über die politische Ordnung im Frankenreich des 9. Jahrhunderts
    • Matthias Becher, Die subiectio principum. Zum Charakter der Huldigung im Franken- und Ostfrankenreich bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts
    • Patrick Wormald, Pre-modern ‘State’ and ‘Nation’: definite or indefinite?

    Abkürzungsverzeichnis
    Quellenverzeichnis
    Literaturverzeichnis

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    Texts and Identities in the Early Middle Ages
    ed. Richard Corradini/Rob Meens/Christina Pössel/Philip Shaw

    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 12)

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort der Herausgeber: Mayke de Jong, Rosamond McKitterick, Walter Pohl, Ian Wood Introduction

    1. The perception of Roman past in early Medieval Europe

    • Bart Jaski, Aeneas and Fénius: a classical case of mistaken identity
    • Andrew Merrills, Comparative histories: the Vandals, the Sueves and Isidore of Seville

    • Benjamin Cornford, Paul the Deacon’s understanding of identity, his attitude to Barbarians, and his “strategies of distinction” in the Historia Romana

    • Emma Beddoe, Memory and identity in Flodoard of Reims: his use of the Roman past

     

    2. Historiography and memory: the presence of the Frankish past

    • Gerda Heydemann, Königin und Kamel. Brunhilde in merowingischer Historiographie

    • Helmut Reimitz, The art of truth. Historiography and identity in the Frankish world

    • Maximilian Diesenberger, Dissidente Stimmen zum Sturz Tassilos III.

    • Richard Corradini, Die Annales Fuldenses – Identitätskonstruktionen im ostfränkischen Raum am Ende der Karolingerzeit

    • Bernhard Zeller, Liudolfinger als fränkische Könige? Überlegungen zur sogenannten Continuatio Reginonis

    • >Ewan Johnson, Origin myths and the construction of medieval identities: Norman Chronicles 1000-1100

    • Marianne Pollheimer, Wie der jung weiß kunig die alten gedachtnus insonders lieb het Maximilian I., Jakob Mennel und die frühmittelalterliche Geschichte der Habsburger in der „Fürstlichen Chronik“

    3. Texts, authority and identities

    • Pascal Bertrand, Shaping authority and identity: Saint Antony and his followers in early monastic texts
      Adriaan Gaastra, Penitentials and canonical authority
      Karl R. Giesriegl, Autorität, Chronologie und Gesetzgebung. Königskataloge in fränkischen Leges-Handschriften
      Carine van Rhijn, Priests and the Carolingian reforms: the bottlenecks of local correctio

      Jasmijn Bovendeert, Royal or monastic identity? Smaragdus’ Via regia and Diadema monachorum reconsidered.
      Christina Pössel, Authors and recipients of Carolingian capitularies, 779-829

    4. Temporal and spatial distinctions as markers of identity

    • Rob Meens, The sanctity of the basilica of St Martin. Gregory of Tours and the practice of sanctuary in the Merovingian period

    • Els Rose, Fasting flocks. Lenten season in the liturgical communities of early medieval Gaul

    • Janneke Raaijmakers, Memory and identity: the Annales necrologici of Fulda

    • Irene van Renswoude, Time is on our side: liturgical time and political history in the Chronicle of Lobbes

    5. Religious identifications and difference

    • Philip Shaw, Hair and heathens: picturing pagans and the Carolingian connection in the Exeter Book and Beowulf-manuscript

    • Ann Christys, "How can I trust you, since you are a Christian and I am a Moor?" The multiple identities of the Chronicle of Pseudo-Isidore

    • Peter Erhart, Contentiones inter monachos – Ethnische und politische Identität in monastischen Gemeinschaften des Frühmittelalters

    • Owen M. Phelan, The Carolingian renewal and Christian formation in ninth century Bavaria

    • Thomas Lienhard; De l’intérêt d’une identité ethnique: les chefs slaves et la Chrétienté d’après la Conversio Bagoariorum et Carantanorum

    Bibliography   

    Abbreviations
    Primary sources
    Literature

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    zwischen niederschrift und wiederschrift
    Frühmittelalterliche Hagiographie und Historiographie im Spannungsfeld von Kompendienüberlieferung und Editionstechnik

    ed. Richard Corradini/Max Diesenberger/Meta Niederkorn-Bruck
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 18)

    Inhaltsverzeichnis

    • Richard Corradini und Max Diesenberger, Zwischen Niederschrift und Wiederschrift. Einleitung
    • Matthias M. Tischler, Der doppelte Kontext. Neue Perspektiven für die Erforschung der karolingischen Annalistik
    • Wesley Stevens , Ars computi quomodo inventa est
    • Ian N. Wood, Chains of chronicles: the example of London, British library ms. add. 16974
    • Ann Christys, Expanding/expounding the Chronicle of Pseudo-Isidore: Paris BN lat. 6113
    • James T. Palmer, Hagiography and Time in the Carolingian vitae of St Boniface
    • Rosamond McKitterick, Entstehung und Gestaltung fränkischer Annales im Spiegel der Lorscher Annalen
    • Sören Kaschke, Fixing Dates in the Early Middle Ages: The Chronicon Laurissense Breve and its Use of Time&
    • Ildar H. Garipzanov, Annales Guelferbytani: Changing Perspectives of a Local Narrative
    • Yitzhak Hen, Canvassing for Charles: The Annals of Metz in Late Carolingian Francia
    • Christian Rohr, Zur Konstruktion einer Passio. Sprachliche und überlieferungsgeschichtliche Überlegungen zur Langfassung der Passio Floriani und ihrem Verhältnis zur Passio Irenaei und zum Martyrologium Hieronymianum
    • Pascal Bertran, Pauca de vita sancti Antonii excerpta. Florilegien aus der Evagriusübersetzung der Vita Antonii
    • Clare Pilsworth, Vile Scraps: “Booklet”style Manuscripts and the Transmission and Use of the Italian Martyr Narratives in Early Medieval Europe
    • Ian N. Wood, Giovardi, MS Verolensis 1, Arichis and Mercurius
    • Rob Meens, Christianization and the Spoken Word: The Sermons attributed to St. Boniface
    • Albrecht Diem, Vita, Regula, Sermo: Eine unbekannte lateinische Vita Pacomii als Lehrtext für ungebildete Mönche und als Traktat über das Sprechen (mit dem Text der Vita Pacomii im Anhang
    • Kate Cooper, Family, Dynasty, and Conversion in the Roman Gesta Martyrum
    • Marianne Pollheimer, Der Prediger als Prophet? Die Homiliensammlung des Hrabanus Maurus für Lothar I
    • Gerda Heydemann, Text und Translation. Strategien zur Mobilisierung spiritueller Ressourcen im Frankenreich Ludwigs des Frommen
    • Charles Mériaux, L’auteur de la Vita Autberti
    • Georg Scheibelreiter, Die Adelsheilige und ihre Sippe - Hathumod von Gandersheim
    • Thomas Lienhard, Et saint Clément reprit chair: tradition et adaptation d’un thème hagiographique durant le haut Moyen Âge (VIe-IX siècle)
    • Matthias Tischler, Mittelalterliche Apostel-, Christus- und Engelweihelegenden im hagiographischen Kontext

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    Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)Geschichten
    ed. Guido M. BERNDT/Roland STEINACHER

    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 13)

    Zwischen dem 5. und der Mitte des 6. Jahrhunderts bestand das Regnum der Vandalen und Alanen so wie eine Reihe berberischer Territorien im römischen Nordafrika, welches sich in der althistorischen, mediävistischen und archäologischen Forschung zusehends als Testfall für ein besseres Verständnis der Umgestaltung der römischen Welt in Spätantike und Frühmittelalter erweist. Auf einer Tagung des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW gemeinsam mit dem Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN), Paderborn wurde im Jänner 2005 den Fragen des „Werdens“ einer vandalischen Identität nachgegangen. Die Teilnehmer/innen der Tagung, eine internationale Forschergruppe aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Tunesien, Ungarn und den Vereinigten Staaten, verfassten insgesamt 18 Beiträge, die nun der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgelegt werden. Dabei spielen die nahezu völlig ungeklärten Bezüge zu frühgeschichtlichen Sachkulturen des östlichen Europa genauso eine Rolle, wie die vandalischen Migrationen durch das Imperium Romanum und die Strukturen der nordafrikanischen Provinzen im 5. und 6. Jahrhundert. Die seit den 1950er Jahren vernachlässigte und in den letzten Jahren wieder lebendige internationale Forschung zur Geschichte der Vandalen, Alanen wie Berber und der afrikanischen Provinzen soll mit diesem Band durch Antworten aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln weiter angeregt werden.

    The Vandal-Alan Regnum as well as the Berber polities of the changing cultural landscape of 5th and 6th century North Africa offer historians and archaeologists a rich field for research concerning transformations in the Roman world. An international conference, held in January 2005 by the Institut für Mittelalterforschung of the Austrian Academy of Sciences together with the Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN) of the University of Paderborn, provided the platform for the 18 articles presented in this volume. An international group of scholars from Austria, France, Germany, Hungary, Italy, Spain, Tunisia and the USA contributed to the volume. The studies focus on North African archaeological questions as well as the much-discussed connections to archaeological finds outside the Roman world, historical questions concerning the migrations of Vandal groups through Gaul and Spain, and the 5th and 6th century organization of the Roman North African provinces. Scholars have long neglected the Vandal and Berber kingdoms. The present volume attempts to make up for this deficit, and to add to the recent international discourse.
     

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    FRANK M. CLOVER, Introduction – Toward a History of the Vandals

    (VOR-)GESCHICHTEN

    PETER W. HAIDER, „Vandalen“ in Polen: Kulturkontakt, Kulturtransfer und Ethnogenese zwischen ca. 100 v. und 200 n. Chr.

    FLORIAN GAUß, Definition und Abgrenzung der kaiserzeitlichen Przeworsk- und Wielbark-Kultur: Ein „ethnographisches Bild“?

    PÉTER PROHÁSZKA, Auf den Spuren eines vandalischen Königsgrabes. Neues zu den Funden von Osztrópataka

    HELMUT CASTRITIUS, Das vandalische Doppelkönigtum und seine ideell-religiösen Grundlagen

    JÖRG KLEEMANN, Vandals went west – was die archäologischen Quellen über die Westmigration der ‚Vandalen‛ aussagen können

    JAVIER ARCE, Los vándalos en Hispania (409–429 A.D.): Impacto, actividades, identidad

    JOAN PINAR/GISELA RIPOLL, The so-called Vandal Objects of Hispania

    GUIDO M. BERNDT, Gallia – Hispania – Africa: Zu den Migrationen der Vandalen auf ihrem Weg nach Nordafrika

    DAS REICH DER VANDALEN

    PHILIPP VON RUMMEL, Where have all the Vandals gone? Migration, Ansiedlung und Identität der Vandalen im Spiegel archäologischer Quellen aus Nordafrika

    CHRISTOPH EGER, Vandalisches Trachtzubehör? Zu Herkunft, Verbreitung und Kontext ausgewählter Fibeltypen in Nordafrika

    FATHI BÉJAOUI, Les Vandales en Afrique: Témoinages archéologiques. Les récentes découvertes en Tunisie

    YVES MODÉRAN, « Le plus délicat des peuples et le plus malheureux » Vandales et Maures en Afrique

    ANDREAS SCHWARCZ, Religion und ethnische Identität im Vandalenreich. Überlegungen zur Religionspolitik der vandalischen Könige

    ALESSANDRA RODOLFI, Procopius and the Vandals: How the Byzantine propaganda constructs and changes African Identity

    ROLAND STEINACHER, Gruppen und Identitäten. Gedanken zur Bezeichnung „vandalisch“

    GIAN PIETRO BROGIOLO/ALEXANDRA CHAVARRÍA ARNAU, Dai Vandali ai Longobardi: Osservazioni sull’insediamento barbarico nelle campagne dell’occidente

    SEBASTIAN BRATHER, Kleidung Grab und Identität in Spätantike und Frühmittelalter

    Abkürzungsverzeichnis

    Quellenverzeichnis

    Literaturverzeichnis

    Anschriften der Autorinnen und Autoren

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    Vergangenheit und Vergegenwärtigung.
    Frühes Mittelalter und Europäische Erinnerungskultur

    ed. Helmut Reimitz, Bernhard Zeller
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 14)

    Geschichte besteht nicht aus einer Ansammlung vergangener Daten und Fakten, sondern vor allem aus den Fragen, die an sie gerichtet werden – aus den Verhandlungen, die eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit führt. Zur Geschichte des Mittelalters gehört daher nicht nur die Erforschung der tausend Jahre von der Auflösung des römischen Imperiums bis zur Neuzeit, sondern auch die Frage, wie über das Mittelalter zu verschiedenen Zeiten gedacht wurde.

    Gerade das frühe Mittelalter spielte für die Identitätsstiftung der modernen europäischen Nationen eine wichtige Rolle. Wissenschaftliche Erforschung, naiver Rückgriff und ideologischer Mißbrauch der frühmittelalterlichen Geschichte verbanden sich in oft verhängnisvoller Weise. Erst wenn die Interessen hinter all diesen Vergegenwärtigungen und Aneignungen sichtbar gemacht werden, kann eine gemeinsame europäische Geschichte Gestalt annehmen.

    Dazu möchte der Band, in dem die Beiträge zu einem vom Institut für Mittelalterforschung veranstalteten Symposium veröffentlicht werden, einen Beitrag leisten, indem die Aneignungen frühmittelalterlicher Geschichte in verschiedenen europäischen Ländern verglichen werden sollen, nicht zuletzt in Ostmitteleuropa; indem der ideologische Gehalt der wissenschaftlichen Erforschung frühmittelalterlicher Geschichte mit populären Geschichtsbildern verglichen wird; und indem die wissenschaftliche Erforschung „nationaler Geschichte“ im frühen Mittelalter im Kontext allgemeiner Formen und Muster historischer Erkenntnis und Erzählung vom 16. bis zum 20. Jahrhundert betrachtet wird.

    Inhaltsverzeichnis

    Walter Pohl, Vergangenheit und Vergegenwärtigung: Einleitung

    Thomas Wallnig, Das untote (Früh)mittelalter: Bernhard Pez und seine „Epistolae apologeticae“ (1715)

    Giuseppe Albertoni, Cassianus primus episcopus? Joseph Resch und der Streit um die Anfänge des Bistums Säben

    Daniela Rando, Venedigs Mittelalter in der Moderne

    Daniela Saxer, Die Urkunde im Parlament: Das „Schweizerische Urkundenregister“ als Geschichte ohne Darstellung (1850-1880)

    Agnes Graceffa, Race mérovingienne et nation française: les paradoxes du moment romantique dans l’historiographie française 1815-1860

    Bonnie Effros, Scholarly and Popular Depictions of the “première race” in Late Nineteenth-Century France

    Ian Wood, The Panthéon in Paris: lieu d’oubli

    Courtney Booker, The Demanding Drama of Louis the Pious

    Stefan Esders, Verfassungsgeschichte im deutschen Kaiserreich: Wilhelm Sickel (1847-1929)

    Jens Schneider, Deutsche Lieder? Die romantische Gegenwart des Mittelalters

    Bernhard Jussen, Beobachtungen zur „Deutschen Frühzeit“ im deutschen Massenbild des 19. und 20. Jahrhunderts (Reichsgründung bis frühe Bundesrepublik)

    Stephan Donecker, Verweise auf Spätantike und Frühmittelalter in frühneuzeitlichen Diskursen zum Baltikum. Die Diskursivität europäischer Peripherie

    Wladyslaw Duczko, The Gothic Ideology – the Use of an Imaginary Past in 17th- to 19th-Century Sweden

    Stergios Laitsos, Die Konstruktion der Vlachen im 17. und 18. Jahrhundert

    Peter Štih, Suche nach der Geschichte oder wie der karantanische Fürstenstein das Nationalsymbol der Slowenen geworden ist

    Pavlina Rychterová, Vergegenwärtigungen tschechischer Frühgeschichte

    Juraj Šedivy, Die slowakische Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach „ihrem“ Frühmittelalter

    Przemyslav Urbańczyk, The Early Slavs and Modern Poland

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    ArchÄologie der IdentitÄt

    ed. Walter Pohl/Mathias Mehofer
    (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 17)

    Inhaltsverzeichnis

    WALTER POHL, Archaeology of Identity: Introduction

    SEBASTIAN BRATHER, Bestattungen und Identitäten - Gruppierungen innerhalb frühmittelalterlicher Gesellschaften

    PHILIPP VON RUMMEL, Gotisch, barbarisch oder römisch? Methodologische Überlegungen zur ethnischen Interpretation von Kleidung

    JÖRG KLEEMANN, Frühmittelalterliche Bestattungen als Projektionen kontextueller Identitäten

    DIETER QUAST, Die Langobarden in Mähren und im nördlichen Niederösterreich ein Diskussionsbeitrag

    PETER STADLER, Ethnische Gruppen im Awarenreich

    CSANÁD BÁLINT, A contribution to research on ethnicity: a view from and on the east 

    IRENE BARBIERA, The Valorous Barbarian, the migrating Slav and the indigenous peoples of the mountains. Archeological research and the changing faces of Italian identity in the 20th Century

    PRZEMYSŁAW URBAŃCZYK, Before the Poles: problems of ethnic identification in Polish archaeology of the Early Middle Ages

    HUBERT FEHR, Am Anfang war das Volk? Die Entstehung der bajuwarischen Identität als Problem der archäologischen und interdisziplinären Frühmittelalterforschung

     BONNIE EFFROS, Anthropology and ancestry in nineteenth-Century France: “Craniometric Profiles of Merovingian-Period Populations”

    PIERO MAJOCCHI, The treasure of Theodelinda: ideological assertions and political contingencies in the construction of a myth

    CRISTINA LA ROCCA, STEFANO GASPARRI, Forging an early medieval royal couple: Agilulf, Theodelinda and the ‘Lombard Treasure’ (1888-1932)

    Abbildungsverzeichnis

    Quellenverzeichnis

    Literaturverzeichnis

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    ego trouble
    ed. Richard Corradini/Matthew Gillis/Rosamond McKitterick/Irene van Renswoude

    Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 15

    Identität kann als eine komplexe Schnittstelle zwischen dem Individuum und der Gesellschaft gesehen werden, wobei die Spielräume für die individuellen Identifikationen in jeder historischen Epoche unterschiedlich verhandelt und von verschiedenen Parametern bestimmt wurden. Dabei sind Konflikte und Brüche, Scheitern und die Sehnsucht nach Veränderung unvermeidlich. Der Band widmet sich einigen mittelalterlichen Autoren vom 5. bis zum 11. Jahrhundert, deren Texte Spuren solcher Verhandlungen um Identität und Differenz enthalten, die in ihrem sozialen, ethnischen, politischen oder religiösen Kontext lesbar und als textuelle Strategien erkennbar gemacht werden können. Die in diesem Band versammelten Beiträge zeigen alle, dass zum einen das Bewusstsein um ein individuelles Selbst im Spannungsfeld gesellschaftlicher Identitäten im Mittelalter keineswegs so unbekannt und unreflektiert war, wie es manchen erscheinen will, zum anderen in den sieben Jahrhunderten kein kontinuierliches, dogmatisches Wissen um das Indiviuum etabliert, geglaubt und festgehalten wurde.

     

    Inhaltsverzeichnis
     

    Walter Pohl, Introduction: Ego trouble?

    Kate Cooper, “If your delight is in souls, love them in God”: Augustine of Hippo, religious identity, and the relational self

    Richard Corradini, Die Kehrseite des Diskurses. Zur Un(mit)teilbarkeit des Individuums bei Augustinus

    Thomas Kitchen, Sidonius Apollinaris

    Conrad Leyser, Pope Gregory the Great: Ego-trouble or identity politics?

    Kurt Smolak, Omnia passus – die Leiden des Eugenius von Toledo (Zu den Gedichten 5, 13-19, 101 Alberto)

    Yitzhak Hen, A Visigothic king in search of an identity – Sisebutus Gothorum gloriosissimus princeps

    Paul Hilliard, The Venerable Bede as scholar, gentile, and preacher

    Walter Pohl, Paul the Deacon – between Sacci and Marsuppia

    Ian N. Wood, Categorising the cynocephali

    Mary Garrison, Tuus Albinus: peevish egotist? or parrhesiast

    David Ganz, Einhard: identities and silences

    Shane Bobrycki, Nigellus, Ausulus: Self-promotion, self-suppression and Carolingian ideology in the poetry of Ermold

    Stuart Airlie, I, Agobard, unworthy bishop

    Mayke de Jong, Becoming Jeremiah: Paschasius Radbertus on Wala, himself and others

    Matthew Gillis, Noble and Saxon: The meaning of Gottschalk of Orbais’ ethnicity at the synod of Mainz, 829

    Régine Le Jan, The multiple identities of Dhuoda

    Cristina La Rocca, Angelberga, Louis’s II wife, and her will (877)

    Irene van Renswoude, The sincerity of fiction. Rather and the quest for self-knowledge

    Rob Meens, In the mirror of Eusebius. The episcopal identity of Atto of Vercelli

    Ian N. Wood, Shoes and a fish dinner: the troubled thoughts of Bruno of Querfurt

    Hans-Werner Goetz, Die Chronik Thietmars von Merseburg als Ego-Dokument: ein Bischof , mit gespaltenem Selbstverständnis

    Rosamond McKitterick, Conclusion

    Abbreviations

    Bibliography

    Primary sources

    Literature

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    der frÜhmittelalterliche staat – europÄische perspektiven

    ed. Walter Pohl/Veronika Wieser
    Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 17

     

    ‚Staat‘ im Frühmittelalter ist ein in mehrfacher Hinsicht kontroverses Thema. Noch immer gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Forschungstraditionen in Europa, sowohl was Forschungsinteressen als auch Interpretationsmuster betrifft.  Führende Vertreter der internationalen Mittelalterforschung behandeln die unterschiedlichen Ansätze in einem breiten diachronen und synchronen Vergleich. Das Ziel dieses Bandes ist, einerseits die teils beschränkten nationalen Forschungstraditionen zu dem Thema zu überschreiten und dadurch andererseits auch die Debatte aus der einseitig rechtlich-institutionellen Sicht der älteren Forschung herauszulösen, um neue (ethnographische, kulturelle, textuelle) Gesichtspunkte zu berücksichtigen und aufzunehmen. 
    Zentrales Thema des vorliegenden Bandes ist daher weniger die Lösung des terminologischen Problems, ob der Begriff ‚Staat‘ für die frühmittelalterlichen Königreiche überhaupt anwendbar ist, sondern vielmehr die Frage, wie im Europa des ersten Jahrtausends n. Chr. politische Integration gelingen konnte. Damit soll ein Beitrag zur Erforschung jener historischen Prozesse geleistet werden, die in der Interaktion von Monarchie und Aristokratie, christlichen und weltlichen Institutionen, Königtum und Volk jene überregionalen Gemeinschaften und sozialen Strukturen etablieren halfen, auf die in Europa auch lange nach dem Ende des Mittelalters weiter aufgebaut wurde.

     

    Inhaltsverzeichnis
     

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