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Frühmittelalterforschung Folgende Projekte sind bereits abgeschlossen und befinden sich im Archiv: |
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Arbeitskreis zum christlichen Diskurs der
SpÄtantike und des FrÜhmittelalters Koordinatoren:
Dr. Richard Corradini 17.
6. 2011, 16:30 Uhr 13. 5.
2011, 16 Uhr
8. 4. 2011, 16 Uhr
4. 3. 2011, 16 Uhr
28. 1 2011, 16 Uhr Eine vollständige Liste der Vorträge findet sich im Archiv |
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Historische Ethnographie
der Franken: Das Ziel des Projektes ist es daher, wechselnde Wahrnehmungen und Auffassungen von fränkischer Identität zu untersuchen. Texte, im besonderen historiographische Texte, entwarfen und propagierten diese Identitäten. Das Projekt soll Unterschiede innerhalb einer reichhaltigen und komplexen Tradition fränkischer Historiographie erfassen, die im Dienst der Gegenwart die Vergangenheit umformte. Es bezweckt eine systematische Untersuchung der verschiedenen Erzählungen über Kernelemente fränkischer Identität: Herkunft, Stellung des Königtums, Bedeutung des Namens „Franci“, territoriale Gestalt, Beziehungen und Abgrenzungen zu anderen gentes etc. Diese Erzählungen sollen nicht nur zwischen verschiedenen Geschichtswerken verglichen werden (die Historiae des Gregor von Tours, Fredegars Chronik und ihre Fortsetzungen, und der Liber Historiae Francorum), sondern auch zwischen den Textvarianten und unterschiedlichen Rezensionen desselben Textes. Der Vergleich zwischen merowingischen und karolingischen Wahrnehmungen der Franken soll Wandlungen der fränkischen Identität aufzeigen. Als Ergebnis können nicht nur neue Einsichten in die Bedeutung fränkischer Identität erwartet werden, sondern auch neue Methoden des Umgangs mit Texten über Ethnizität. Bearbeiter: Helmut Reimitz Ein weiteres Ziel dieses Projekts ist eine digitale Edition von drei Handschriften aus der Karolingerzeit (Paris, BN 10911, Wien ÖNB 473, St. Petersburg, Bibl. Saltykowa F IV. 4), in denen eine Reihe von Texten zur fränkischen Geschichte zusammengestellt sind (Liber historiae Francorum; Continuationes Fredegarii; Annales regni Francorum; Einhard, Vita Karoli; Astronomus, Vita Hludowici; karolingische Genealogien). Durch diese Edition sollen die in diesen Handschriften zusammengestellten Texte in ihrem überlieferten Zusammenhang als fränkische Geschichtsbücher hergestellt und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus wird aber auch einen Vergleich dieser karolingischen Geschichtsbücher untereinander ebenso wie mit den MGH-Editionen der einzelnen Texte ermöglicht. BearbeiterInnen: Helmut Reimitz, Richard Corradini, Karl Giesriegl, Marianne Pollheimer, Gerda Heydemann, Veronika Wieser |
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Annales
Fuldenses Das Projekt untersucht systematisch Text und Kontext der Annales Fuldenses. Frühere Editoren suchten in der Regel einen Urtext zu rekonstruieren und dazu die Handschriften in einem Stemma hierarchisch zu ordnen. Neue Ansätze dagegen gehen gerade von der Vielfalt der Handschriften aus, die selbst zum Gegenstand der Betrachtung wird. Die Handschriften der Annales Fuldenses und die aus ihnen rekonstruierbaren Überlieferungsgruppen verkörpern spezifische Wahrnehmungen der Vergangenheit, oft auch unterschiedliche politische Strategien, und geben Auskunft über den kulturellen Kontext der spät- und nachkarolingischen Epoche. Es ergibt sich daher nicht nur ein neues Bild der Überlieferungsverhältnisse, sondern auch ein besseres Verständnis der intellektuellen und politischen Rahmenbedingungen im ostfränkischen Reich des 9. und frühen 10. Jh., etwa der Veränderungen fränkischer Identität und der Herausbildung neuer Identitäten während des Niedergangs des karolingischen Reiches. Mehr dazu im zukünftigen Projekt The Transformation of the Frankish World Bearbeiter: Richard Corradini |
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Staat im Früh- und Hochmittelalter: Erste Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit wurden in einem Band der Reihe des Instituts „Staat im Frühmittelalter“ (ed. Stuart Airlie, Walter Pohl, Helmut Reimitz) 2006 veröffentlicht. Im September 2007 fand in Wien ein internationales Symposion zu dem Thema statt, dessen Ergebnisse in einem zweiten Band "Der frühmittelalterliche Staat - Europäische Perspektiven" (ed. Walter Pohl/Veronika Wieser) publiziert wurden. TeilnehmerInnen: Jörg Jarnut, Hans-Werner Goetz, Bernd Schneidmüller, Matthias Becher (D), Ian Wood, Stuart Airlie (GB), Régine LeJan (F), Giuseppe Sergi (I), Gisela Ripoll (E), Walter Pohl (A) |
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Die Überlieferung hagiographischer Texte in Bayern im 8. und 9. Jahrhundert Bearbeiter: Maximilian Diesenberger (FWF-Projekt) 2: Predigt und Hagiographie im frühmittelalterlichen Bayern Bearbeiter: Maximilian Diesenberger (Habilitationsprojekt) |
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FrÜhmittelalterliche
Urkunden in St. Gallen: Bis zum heutigen Tag werden im Stiftsarchiv St. Gallen weit über 700
frühmittelalterliche Urkunden aus der Zeit vor 920 aufbewahrt. Es handelt sich
dabei um einen nördlich der Alpen einzigartigen Bestand von Originaldokumenten,
von denen die meisten unmittelbar das frühmittelalterliche Kloster St. Gallen
betreffen. Abgesehen von rund dreißig karolingischen Herrscherdiplomen handelt
es sich dabei um so genannte Privaturkunden, die Rechtsgeschäfte wie
Schenkungen, Veräußerungen, Tauschgeschäfte und Landleihen bezeugen bzw. (Besitz-)Streitigkeiten
dokumentieren. Kaum eine andere Gruppe frühmittelalterlicher Privaturkunden wurde so intensiv
von den Vertreterinnen und Vertretern verschiedener wissenschaftlicher
Disziplinen untersucht. Neben der soliden, aber veralteten, Edition Hermann
Wartmanns aus dem 19. Jahrhundert standen ihnen dabei seit den 1950er-Jahren
zwei Bände aus der Reihe des renommierten Editionsunternehmens der Chartae
Latinae Antiquiores (ChLA) zur Verfügung, in denen die St. Galler Urkunden bis
800 nach modernen Kriterien ediert und in Faksimile zugänglich gemacht worden
waren. Durch die zeitliche Ausdehnung dieses internationalen Editionsunternehmens auf
das 9. Jahrhundert und durch die Förderung durch den FWF konnten im Rahmen des
2007 abgeschlossenen Projektes P16294-G08 „Die
Urkunden des Klosters St. Gallen im 9. Jahrhundert“ auch die St. Galler Urkunden
des Zeitraums von 800-820 im Rahmen der ChLA zugänglich gemacht und in mehreren
begleitenden Studien genauer untersucht werden. Die im Rahmen der ChLA zu edierenden St. Galler Urkunden stammen im Wesentlichen
aus der Regierungszeit Ludwigs des Frommen bzw. dem Abbatiat Gozberts
(814/16-837/840). Es ist die Zeit einer weit reichenden kaiserlichen
Reformpolitik, deren Auswirkungen auf ein regionales bzw. lokales Ambiente
ausgehend von den St. Galler Urkunden nachgegangen werden soll. Gerade in diesen
werden in der fraglichen Zeit nicht nur auf inhaltlicher, sondern vor allem auf
den Gebieten von Schreibern, Schrift, Text und Geschäftsgang, nachhaltige
Veränderungen erkennbar, die im Rahmen dieses Projektes untersucht und in einen
größeren Kontext gestellt werden sollen. Ausgehend von der minutiösen Aufarbeitung des St. Galler Urkundenmaterials
dieser Zeit und der Analyse der sich in diesen abzeichnenden Veränderungen
sollen Einblicke in das klösterliche Skriptorium und in weiterer Folge in die
klösterliche Handschriften-Produktion dieser Jahre gewonnen werden, um auch auf
diesem Gebiet Einfluss und konkrete Umsetzung, mithin das „Funktionieren“,
von karolingischer Reform besser verstehen zu lernen. Auch nach dem Ende des laufenden FWF-Projektes im Jahr 2011 soll im Rahmen des Folgeprojektes „Die frühmittelalterlichen Privaturkunden Alemanniens“ (ÖAW) die mittlerweile eingespielte Editionsarbeit in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Sie ermöglicht es auch, ein aufgrund seiner vielfältigen Implikationen für andere Fragestellungen nicht nur von Vertretern der Historischen Hilfswissenschaften immer wieder betontes Forschungsdesiderat in Angriff zu nehmen: eine umfassende diplomatische Untersuchung der frühmittelalterlichen Privaturkunden Alemanniens.
Nicht zuletzt in Anlehnung an die Arbeiten von Heinrich Fichtenau soll auf der Basis der hilfswissenschaftlichen, vornehmlich diplomatischen Analyse versucht werden, das Quellenmaterial in einem größeren, wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischen Rahmen zu betrachten.
Bearbeiter: Bernhard Zeller (FWF-Projekt) |
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Historische
Ethnographie der vandalen: Bearbeiter: Roland Steinacher (FWF-Projekt). ...mehr |
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ist der Titel einer internationalen Forschungskooperation des Institut für Mittelalterforschung mit den Universitäten Cambridge, Utrecht, Leeds und Paris I (Sorbonne), die 1996 von Mayke de Jong (Utrecht), Rosamond McKitterick (Cambridge), Walter Pohl (Wien) und Ian Wood (Leeds) gegründet wurde. Vor allem jüngeren Forschern (Doktoranden und Post-docs) soll in dieser Kooperation die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeiten in einem internationalen Kontext zu entwickeln, zu präsentieren und zu diskutieren. Seit 1997, dem ersten Treffen der Gruppe am Netherlandish Institute for Advanced Studies (NIAS) in Wassenaar (NL), finden jährlich Workshops statt: 1998, 2001, 2004 in Cambridge; 1999, 2002, 2005 in Wien; 2000, 2003, 2006, 2010 im NIAS; 2007 in Kooperation mit dem Centre of Medieval Studies der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag; im Oktober 2008 in Auxerre und 2009 in Frankfurt am Main. An diesen Treffen nehmen häufig auch Nachwuchs-Mediävisten anderer Universtitäten oder Forschungsinstitute teil (bisher z.B. St Andrews, Lille, Barcelona, Paderborn, Notre Dame-Indiana, University of Virginia). Darüber hinaus werden Ergebnisse und Themen der Kooperation seit 2000 auch jährlich am International Medieval Congress einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Diese vom Institut für Mittelalterforschung koordinierte Präsentation des Projekts wird auch genutzt, um jüngere, aber auch etablierte Forscher anderer Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Zusammenarbeit an gemeinsamen Forschungsinteressen einzuladen. International Medieval Congress Leeds Am International Medieval Congress in Leeds werden jährlich laufende Arbeiten und Projekte des Instituts vorgestellt. Walter Pohl war Mitglied des Programming comitee und koordinierte mit Mitarbeitern der Arbeitsgruppe die Sessions zur frühmittelalterlichen Geschichte, die am Kongress abgehalten werden. |
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Interdisziplinärer Arbeitskreis
Frühmittelalter: Bearbeiter: Helmut Reimitz, Mathias Mehofer (Vienna International Institute for Archaeological Science), Thomas Kühtreiber (Instituts für mittelalterliche Realienkunde der ÖAW), Erik Szameit (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien) |
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Publikationen Die Germanen / Walter Pohl Inhalt I. Enzyklopädischer Überblick II. Grundprobleme und Tendenzen der Forschung III. Quellen und Literatur
Origini etniche dellEuropa
Im Frühmittelalter wurden viele Grundlagen Europas geschaffen. Damals begann sich auch jenes Europa der Völker zu entwickeln, das uns heute selbstverständlich geworden ist. An die Stelle des übernationalen Imperium Romanum traten neue Völker, in deren Namen Könige barbarischer Abstammung über die ehemaligen römischen Provinzen herrschten: Goten, Franken, Langobarden, Angelsachsen und andere. Doch waren das nicht, wie man früher glaubte, fertige, quasi naturwüchsig entstandene Völker, die ihre Reiche errichteten. Die Völker selbst entstanden in einem komplizierten Prozess der kulturellen Anpassung und des politischen Ausgleichs zwischen der Mittelmeerwelt und den Bevölkerungen an ihrer Peripherie. Zugleich entwickelte sich aus der antiken Ethnographie und aus der biblischen Weltsicht die Vorstellung, dass diese Welt von Völkern eine gottgegebene Ordnung war. Dieses Buch untersucht an zahlreichen Beispielen, wie diese ethnischen Prozesse abliefen. Immer wieder stellt sich die Frage, wie Texte Identitäten entwerfen. Dabei werden viele Brüche und Widersprüche sichtbar, die im traditionellen Bild nicht beachtet wurden: ‚Franken‘ und ‚Alemannen‘ waren zunächst allgemeine Begriffe, bevor Völker dieses Namens historisch wirksam wurden. Der Name der Angelsachsen ersetzte erst nach Jahrhunderten lokale Identitäten. Im Gotenkrieg kämpften bei Goten und bei Byzantinern Angehörige vieler Völker, die als spätantike Soldaten mehr gemeinsam hatten, als sie trennte. Die Ostgoten legten sich aus der antiken Ethnographie eine imaginäre Vergangenheit zurecht. Die Langobarden verfolgten in Pannonien eine erfolgreiche Strategie, ein polyethnisches Heer für den Zug nach Italien zu versammeln. Vor allem untersucht der Band die Schicksale der Steppenvölker, bei denen ethnische Prozesse schneller abliefen als anderswo: die Hunnen Attilas, die Awaren und die Magyaren. Dabei geht es vor allem um die politischen Bedingungen und Folgen von Ethnizität. Auch die Frage von ethnischer Deutung archäologischer Befunde wird ausführlich diskutiert. Das Buch richtet sich an Historiker des Altertums und des Mittelalters ebenso wie an Archäologen und Philologen, an Ethnologen und andere Disziplinen. Zugleich bietet es einem breiteren Publikum wichtige Beiträge zum Verständnis der Welt von heute, in der ethnische Fragen wieder große Bedeutung haben. Le origini etniche dell’Europa. Barbari e Romani tra antichità e medioevo (Roma 2000), 325 S.
The Transformation of Frontiers from Late Antiquity to the Carolingians Table of contents Ian Wood, Introduction
Grenze und Differenz im frÜhen
Mittelalter
Inhaltsverzeichnis Walter Pohl, Einleitung: Soziale Grenzen und Spielräume der
Macht Eugippius und Severin
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Der Autor, der Text und der Heilige Inhaltsverzeichnis Walter Pohl (Wien): Einführung: Commemoratorium - Vergegenwärtigungen eines Heiligen The approaches to the Life of Severinus chosen in the papers assembled here are related. At the centre of attention, there is not so much the „historical Severinus“, fiercely debated following Friedrich Lotter's studies, but the text and its author, Eugippius. In what ways is the text shaped by the concerns of Eugippius and his community near Naples at the beginning of the sixth century, far away from the cell of the saint at the Norican frontier? As Ian Wood argues, the Vita can also be read as a statement in a debate about monasticism which increasingly favoured life in a community as opposed to wandering monks. In this respect, it can be compared with the Vita Antonii which raises similar problems with very different stylistic methods (Christian Rohr). The Vita Severini reflects the concerns of a network of (mostly female) patrons and intellectuals with whom Eugippius was familiar (Kate Cooper, Conrad Leyser). It discusses forms of ecclesiastic and lay community from an Augustinian point of view (Maximilian Diesenberger). And it can be read as a statement on the right ways to deal with barbarians (Walter Goffart). It does not simply style the ‚political‘ Severinus as an ideal saint by using hagiographic stereotypes, as Lotter believed; the ways in which Eugippius pictures his saint respond to a number of challenges. At the ‚lost frontier‘ of Noricum, spiritual power is juxtaposed to barbarian violence, obedience to stubbornness, knowledge to ignorance. The Vita Severini is less the expression of a Christian model of sanctity than the echoes of debates about the proper way to face difficult circumstances.
Integration
und Herrschaft. Ethnische IdentitÄten und soziale Organisation im
FrÜhmittelalter Städte, Kirchen und ethnische Identitäten Regnum und Gens in der fränkischen Welt Gotische Identitäten Die frühen Slawen: Integration ohne Herrschaft? Modelle und Deutungen Vom
Nutzen des Schreibens Inhaltsverzeichnis Vorwort der Herausgeber Teil 1: Vom Sinn des Schreibens: Schrift und soziales
gedächtnis bei den Franken Überleitung Teil 2: Vom Gebrauch des Geschriebenen: Herrschaft,
Verwaltung und pragmatische Schriftlichkeit im Spätmittelalter Ausblick Der Nutzen mittelalterlichen Schreibens für uns ist evident. Je weniger schriftliche Quellen erhalten sind, desto wertvoller wird alles Geschriebene für die Rekonstruktion vergangenen Seins und Geschehens. Geschriebenes bildet ab. Zwar entwickelte die wissenschaftliche Quellenkritik immer ausgefeiltere Prüfverfahren, um die Zuverlässigkeit des Abbilds sicherzustellen, doch rückte dadurch das Geschriebene selbst leicht in den Hintergrund. Der Nutzen des Schreibens für die Gemeinschaft des Schreibenden, oder für ihn selbst, war lange kein vordringlicher Forschungsgegenstand. Der Nutzen für die moderne Forschung überdeckte diesen Gesichtspunkt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen auch Mediävisten im Medium die Botschaft zu entdecken. Den meisten Beiträgen dieses Bandes gemeinsam ist ein prozesshaftes Verständnis von mittelalterlichen Quellen. Die traditionelle Quellenkunde hat ihr Forschungsziel meist darin gesehen, den Text in einer Art Schöpfungsakt zu verdichten, sodass seine Aussage innerhalb eines geschichtlichen Kontinuums möglichst präzise verortet werden konnte. Erst in letzter Zeit ist die Geschichte des Geschriebenen selbst zu einem wichtigen Forschungsthema geworden. Untersuchungen von der Art, wie sie hier versammelt sind, führen uns auf eine neue Spur. Sie lassen die gesellschaftliche Anstrengung erahnen, die es bedeutet hat, schreibend der Welt Bedeutung zu geben. Jene Schreiber, die vor vielen Jahrhunderten Texte verfassten, niederschrieben, kopierten, annotierten oder wieder radierten, verraten uns eben dadurch manches über sich selbst und ihre Welt. Die Arbeit versammelt Beiträge aus der laufenden Forschungsarbeit von Mitarbeitern der Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters und einiger weiterer jüngerer österreichischer Historiker und stellt sie Aufsätzen namhafter ausländischer Historiker gegenüber. Diese Beiträge stammen zum einen aus der von der Forschungsstelle veranstalteten Reihe der Werkstattgespräche unter dem Titel „Vom Nutzen des Schreibens“ (1999/2000), zum anderen von einem Workshop mit dem Titel „Zugänge zur Schriftlichkeit“, den die Forschungsstelle gemeinsam mit dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung im Oktober 1999 veranstaltete. Insgesamt ist der Band also Resultat eines Dialoges zwischen ausländischen Spezialisten für Schriftlichkeit und jüngeren österreichischen Mediävisten, der die Forschungsarbeiten sichtbar angeregt hat. Die Arbeit ist in zwei Schwerpunkte gegliedert. Der erste untersucht in neun Beiträgen das soziale Gedächtnis der Franken in der Merowinger- und Karolingerzeit, wobei historiographische Handschriften im Brennpunkt stehen. Der zweite Teil umfasst sieben Beiträge zu spätmittelalterlichem Verwaltungsschriftgut bzw. fürstlicher Selbstdarstellung, die den Gebrauch der rasch anwachsenden Menge schriftlicher Aufzeichnungen zum Gegenstand haben. Drei programmatische Beiträge am Beginn, in der Mitte und am Ende strukturieren den Band. Urkundenlandschaft
RÄtien Das frühmittelalterliche Rätien war Urkundenlandschaft und Schriftlandschaft zugleich. Die einzigartige Überlieferungssituation, begünstigt durch das nahe Kloster St. Gallen, erlaubt einen Einblick in die frühmittelalterliche Gesellschaft dieser Region, ihre sozialen, politischen und religiösen Strukturen. Insgesamt 60 Urkundentexte werden erstmals gemeinsam nach ihrer Zugehörigkeit zum frühmittelalterlichen Rätien aufgrund ihrer diplomatischen und paläographischen Eigenheiten editorisch neu aufbereitet in Wort und Bild präsentiert. Der Bestand, der sich durch eine grosse typologische Vielfalt auszeichnet, ist bis auf ein karolingisches Chartularfragment in der Form von Originalurkunden im Stiftsarchiv St. Gallen überliefert und umfasst den Zeitraum zwischen 745 und 975. Dieser Umstand erlaubt nicht nur einen Überblick über die Entwicklung der Form und Schrift der Urkunden, sondern bietet auch reiches orts- und namengeschichtliches Material, das für einen Vergleich in einem grösseren Rahmen herangezogen werden kann. Inhaltsverzeichnis Vorwort der Herausgeber Einführung I. Die Urkunden 1. Eigenheiten der rätischen Urkunde 2. Der Aufbau der Urkunde 2.1 Die Verkaufsurkunde 2.2 Die Schenkungsurkunde 3. Die Schrift der Urkunden 4. Die Sprache der Urkunden 5. Die Datierung 6. Die Dorsualnotizen – Hinweise auf eine Archivierung II. Die Personen der Handlung 1. Der Schultheiss Folcwin 2. Die Schreiber 3. Die Schenker und Verkäufer 4. Die Zeugen und Nachbarn III. Die Orte IV. Die Edition 1. Editionsplan 2. Edition 3. Personenregister 4. Ortsregister 5. Urkundenkonkordanz 6. Abkürzungsverzeichnis Quellenverzeichnis die suche nach den ursprÜngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters Die Frage „Woher kommen wir?“ ist in allen Epochen gestellt worden; die moderne Geschichtsforschung stellte sich dieser Suche nach den Ursprüngen. Damit etablierte sie sich zugleich als Instanz, die modernen Identitäten eine Grundlage in der Tiefe der Zeit geben konnte. Das Frühmittelalter spielte bei der Begründung nationaler, aber auch anderer Identitäten eine Schlüsselrolle und verstrickte sich so in moderne Projektionen und Ideologien, von denen sie sich erst in den letzten Jahrzehnten schrittweise befreit hat. Der Band sucht in einer Reihe von Beiträgen nach neuen Zugängen und gibt damit einen einzigartigen Überblick über einen zeitgemäßen Umgang mit frühmittelalterlichen Ursprüngen und Identitäten und ihre Bedeutung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Diskutiert werden u.a. das Problem der ethnischen Interpretation archäologischer und onomastischer Daten, methodische Probleme des Identitäts- und des Germanenbegriffs, die emotionelle Ebene der Identitätsbildung, die Rolle von Frauen in Herkunftsmythen, burgundische, fränkische, sächsische, angelsächische, skandinavische, normannische und slawische Herkunftsvostellungen und ihre Ausstrahlung ins spätere Mittelalter, der Ursprung des mittelalterlichen Reiches und seine Identitätswirksamkeit, der Zusammenhang zwischen christlichen und ethnischen Identitäten und die Spuren von Identitätsbildungsprozessen in der handschriftlichen Überlieferung. Herwig Wolfram berührt in seiner Einleitung alle diese Aspekte und zieht zugleich ein Resümee jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema. 1. Zugänge zu den Identitäten des Frühmittelalters 2. Das nachrömische Europa 3. Texte, Identitäten im Frankenreich 4. Erinnerungen an das Frühmittelalter 5. Identitätsbildung in Nord- und Osteuropa Die Langobarden – Herrschaft und IdentitÄt Vorwort
Archäologie der Langobarden an der Donau
Langobardische Herrschaft und langobardische Identitäten in Italien
Langobardische Sprache und lateinische Kultur
Zusammenfassung
Staat im FrÜhmittelalter Der Band ist das
Ergebnis der Diskussionen einer internationalen Projektgruppe zum
mittelalterlichen Staat, die sich zum Ziel gesetzt hat, die teils beschränkten
nationalen Forschungstraditionen zu überschreiten. Er zielt weniger auf das
terminologische Problem, ob der Begriff ‚Staat‘ überhaupt für die
frühmittelalterlichen Königreiche anwendbar ist, sondern fragt danach, wie
politische Integration gelingen konnte und wie in der Interaktion von Monarchie
und Aristokratie, christlichen und weltlichen Institutionen, Königtum und Volk
überregionale Gemeinschaften Gestalt gewannen. Die Beiträge beschäftigen sich
anhand von Fallstudien sowohl mit den Vorstellungen vom Staat als auch den
unterschiedlichen Wirkungsweisen ‚öffentlicher‘ Herrschaft. The
volume results from the discussions of an international project group on the
medieval state aimed at moving beyond national research traditions with their
limitations. Rather than dealing with the terminological problem whether the
term ‘state’ should be used for early medieval kingdoms at all, it raises the
question how political integration was reached and how the monarchy and the
aristocracy, Christian and lay institutions, the kingdom and the people
interacted in shaping supra-regional communities. The contributions offer case
studies discussing both perceptions of the state and the ways how ‘public’ power
worked. InhaltsverzeichnisVorwort
Abkürzungsverzeichnis
Texts and
Identities in the Early Middle Ages Inhaltsverzeichnis Vorwort der Herausgeber: Mayke de Jong, Rosamond McKitterick, Walter Pohl, Ian Wood Introduction 1. The perception of Roman past in early Medieval Europe
2. Historiography and memory: the presence of the Frankish past
3. Texts, authority and identities
4. Temporal and spatial distinctions as markers of identity
5. Religious identifications and difference
Bibliography
Abbreviations
zwischen
niederschrift und wiederschrift
ed. Richard Corradini/Max Diesenberger/Meta
Niederkorn-Bruck Inhaltsverzeichnis
Zwischen dem 5. und der Mitte des 6. Jahrhunderts bestand das Regnum der Vandalen und Alanen so wie eine Reihe berberischer Territorien im römischen Nordafrika, welches sich in der althistorischen, mediävistischen und archäologischen Forschung zusehends als Testfall für ein besseres Verständnis der Umgestaltung der römischen Welt in Spätantike und Frühmittelalter erweist. Auf einer Tagung des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW gemeinsam mit dem Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN), Paderborn wurde im Jänner 2005 den Fragen des „Werdens“ einer vandalischen Identität nachgegangen. Die Teilnehmer/innen der Tagung, eine internationale Forschergruppe aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Tunesien, Ungarn und den Vereinigten Staaten, verfassten insgesamt 18 Beiträge, die nun der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgelegt werden. Dabei spielen die nahezu völlig ungeklärten Bezüge zu frühgeschichtlichen Sachkulturen des östlichen Europa genauso eine Rolle, wie die vandalischen Migrationen durch das Imperium Romanum und die Strukturen der nordafrikanischen Provinzen im 5. und 6. Jahrhundert. Die seit den 1950er Jahren vernachlässigte und in den letzten Jahren wieder lebendige internationale Forschung zur Geschichte der Vandalen, Alanen wie Berber und der afrikanischen Provinzen soll mit diesem Band durch Antworten aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln weiter angeregt werden. The Vandal-Alan Regnum as well as the Berber polities of the changing cultural landscape of 5th and 6th century North Africa offer historians and archaeologists a rich field for research concerning transformations in the Roman world. An international conference, held in January 2005 by the Institut für Mittelalterforschung of the Austrian Academy of Sciences together with the Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN) of the University of Paderborn, provided the platform for the 18 articles presented in this volume. An international group of scholars from Austria, France, Germany, Hungary, Italy, Spain, Tunisia and the USA contributed to the volume. The studies focus on North African archaeological questions as well as the much-discussed connections to archaeological finds outside the Roman world, historical questions concerning the migrations of Vandal groups through Gaul and Spain, and the 5th and 6th century organization of the Roman North African provinces. Scholars have long neglected the Vandal and Berber kingdoms. The present volume attempts to make up for this deficit, and to add to the recent international discourse. Vorwort F RANK M. CLOVER, Introduction – Toward a History of the Vandals(V OR-)GESCHICHTENP ETER W. HAIDER, „Vandalen“ in Polen: Kulturkontakt, Kulturtransfer und Ethnogenese zwischen ca. 100 v. und 200 n. Chr.F LORIAN GAUß, Definition und Abgrenzung der kaiserzeitlichen Przeworsk- und Wielbark-Kultur: Ein „ethnographisches Bild“?P ÉTER PROHÁSZKA, Auf den Spuren eines vandalischen Königsgrabes. Neues zu den Funden von OsztrópatakaH ELMUT CASTRITIUS, Das vandalische Doppelkönigtum und seine ideell-religiösen GrundlagenJ ÖRG KLEEMANN, Vandals went west – was die archäologischen Quellen über die Westmigration der ‚Vandalen‛ aussagen könnenJ AVIER ARCE, Los vándalos en Hispania (409–429 A.D.): Impacto, actividades, identidadJ OAN PINAR/GISELA RIPOLL, The so-called Vandal Objects of HispaniaG UIDO M. BERNDT, Gallia – Hispania – Africa: Zu den Migrationen der Vandalen auf ihrem Weg nach NordafrikaD AS REICH DER VANDALENP HILIPP VON RUMMEL, Where have all the Vandals gone? Migration, Ansiedlung und Identität der Vandalen im Spiegel archäologischer Quellen aus NordafrikaC HRISTOPH EGER, Vandalisches Trachtzubehör? Zu Herkunft, Verbreitung und Kontext ausgewählter Fibeltypen in NordafrikaF ATHI BÉJAOUI, Les Vandales en Afrique: Témoinages archéologiques. Les récentes découvertes en TunisieY VES MODÉRAN, « Le plus délicat des peuples et le plus malheureux » Vandales et Maures en AfriqueA NDREAS SCHWARCZ, Religion und ethnische Identität im Vandalenreich. Überlegungen zur Religionspolitik der vandalischen KönigeA LESSANDRA RODOLFI, Procopius and the Vandals: How the Byzantine propaganda constructs and changes African IdentityR OLAND STEINACHER, Gruppen und Identitäten. Gedanken zur Bezeichnung „vandalisch“G IAN PIETRO BROGIOLO/ALEXANDRA CHAVARRÍA ARNAU, Dai Vandali ai Longobardi: Osservazioni sull’insediamento barbarico nelle campagne dell’occidenteS EBASTIAN BRATHER, Kleidung Grab und Identität in Spätantike und FrühmittelalterAbkürzungsverzeichnis Quellenverzeichnis Literaturverzeichnis Anschriften der Autorinnen und Autoren Register
Vergangenheit und
Vergegenwärtigung.
ed. Helmut Reimitz, Bernhard Zeller Geschichte besteht nicht aus einer Ansammlung vergangener Daten und Fakten, sondern vor allem aus den Fragen, die an sie gerichtet werden – aus den Verhandlungen, die eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit führt. Zur Geschichte des Mittelalters gehört daher nicht nur die Erforschung der tausend Jahre von der Auflösung des römischen Imperiums bis zur Neuzeit, sondern auch die Frage, wie über das Mittelalter zu verschiedenen Zeiten gedacht wurde. Gerade das frühe Mittelalter spielte für die Identitätsstiftung der modernen europäischen Nationen eine wichtige Rolle. Wissenschaftliche Erforschung, naiver Rückgriff und ideologischer Mißbrauch der frühmittelalterlichen Geschichte verbanden sich in oft verhängnisvoller Weise. Erst wenn die Interessen hinter all diesen Vergegenwärtigungen und Aneignungen sichtbar gemacht werden, kann eine gemeinsame europäische Geschichte Gestalt annehmen. Dazu möchte der Band, in dem die Beiträge zu einem vom Institut für Mittelalterforschung veranstalteten Symposium veröffentlicht werden, einen Beitrag leisten, indem die Aneignungen frühmittelalterlicher Geschichte in verschiedenen europäischen Ländern verglichen werden sollen, nicht zuletzt in Ostmitteleuropa; indem der ideologische Gehalt der wissenschaftlichen Erforschung frühmittelalterlicher Geschichte mit populären Geschichtsbildern verglichen wird; und indem die wissenschaftliche Erforschung „nationaler Geschichte“ im frühen Mittelalter im Kontext allgemeiner Formen und Muster historischer Erkenntnis und Erzählung vom 16. bis zum 20. Jahrhundert betrachtet wird. Walter Pohl, Vergangenheit und Vergegenwärtigung: Einleitung Thomas Wallnig, Das untote (Früh)mittelalter: Bernhard Pez und seine „Epistolae apologeticae“ (1715) Giuseppe Albertoni, Cassianus primus episcopus? Joseph Resch und der Streit um die Anfänge des Bistums Säben Daniela Rando, Venedigs Mittelalter in der Moderne Daniela Saxer, Die Urkunde im Parlament: Das „Schweizerische Urkundenregister“ als Geschichte ohne Darstellung (1850-1880) Agnes Graceffa, Race mérovingienne et nation française: les paradoxes du moment romantique dans l’historiographie française 1815-1860 Bonnie Effros, Scholarly and Popular Depictions of the “première race” in Late Nineteenth-Century France Ian Wood, The Panthéon in Paris: lieu d’oubli Courtney Booker, The Demanding Drama of Louis the Pious Stefan Esders, Verfassungsgeschichte im deutschen Kaiserreich: Wilhelm Sickel (1847-1929) Jens Schneider, Deutsche Lieder? Die romantische Gegenwart des Mittelalters Bernhard Jussen, Beobachtungen zur „Deutschen Frühzeit“ im deutschen Massenbild des 19. und 20. Jahrhunderts (Reichsgründung bis frühe Bundesrepublik) Stephan Donecker, Verweise auf Spätantike und Frühmittelalter in frühneuzeitlichen Diskursen zum Baltikum. Die Diskursivität europäischer Peripherie Wladyslaw Duczko, The Gothic Ideology – the Use of an Imaginary Past in 17th- to 19th-Century Sweden Stergios Laitsos, Die Konstruktion der Vlachen im 17. und 18. Jahrhundert Peter Štih, Suche nach der Geschichte oder wie der karantanische Fürstenstein das Nationalsymbol der Slowenen geworden ist Pavlina Rychterová, Vergegenwärtigungen tschechischer Frühgeschichte Juraj Šedivy, Die slowakische Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach „ihrem“ Frühmittelalter Przemyslav Urbańczyk, The Early Slavs and Modern Poland
ed. Walter Pohl/Mathias Mehofer WALTER POHL, Archaeology of Identity: Introduction SEBASTIAN BRATHER, Bestattungen und Identitäten - Gruppierungen innerhalb frühmittelalterlicher Gesellschaften
PHILIPP
VON RUMMEL,
Gotisch, barbarisch
oder römisch? Methodologische Überlegungen zur ethnischen Interpretation
von
Kleidung
JÖRG KLEEMANN, Frühmittelalterliche
Bestattungen als Projektionen kontextueller Identitäten
DIETER QUAST, Die Langobarden in
Mähren und im nördlichen Niederösterreich –
ein Diskussionsbeitrag
PETER STADLER, Ethnische Gruppen im
Awarenreich
CSANÁD
BÁLINT, A
contribution to research on ethnicity: a view from and on the east
IRENE
BARBIERA, The
Valorous Barbarian, the migrating Slav and the indigenous peoples of the
mountains. Archeological research and the changing faces of Italian identity in
the 20th Century
PRZEMYSŁAW URBAŃCZYK,
Before the Poles: problems of
ethnic identification in Polish archaeology of the Early Middle Ages
HUBERT FEHR, Am Anfang war das
Volk? Die Entstehung der
bajuwarischen Identität als Problem der archäologischen und interdisziplinären
Frühmittelalterforschung
BONNIE
EFFROS, Anthropology and ancestry in nineteenth-Century France: “Craniometric
Profiles of Merovingian-Period
Populations”
PIERO MAJOCCHI, The treasure of
Theodelinda: ideological assertions and political contingencies in the
construction of a myth
CRISTINA LA ROCCA, STEFANO GASPARRI,
Forging an early medieval royal couple: Agilulf, Theodelinda and the ‘Lombard
Treasure’
(1888-1932)
Abbildungsverzeichnis
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
ego trouble
Identität kann als eine komplexe Schnittstelle zwischen dem Individuum und der
Gesellschaft gesehen werden, wobei die Spielräume für die individuellen
Identifikationen in jeder historischen Epoche unterschiedlich verhandelt und von
verschiedenen Parametern bestimmt wurden. Dabei sind Konflikte und Brüche,
Scheitern und die Sehnsucht nach Veränderung unvermeidlich. Der Band widmet sich
einigen mittelalterlichen Autoren vom 5. bis zum 11. Jahrhundert, deren Texte
Spuren solcher Verhandlungen um Identität und Differenz enthalten, die in ihrem
sozialen, ethnischen, politischen oder religiösen Kontext lesbar und als
textuelle Strategien erkennbar gemacht werden können. Die in diesem Band
versammelten Beiträge zeigen alle, dass zum einen das Bewusstsein um ein
individuelles Selbst im Spannungsfeld gesellschaftlicher Identitäten im
Mittelalter keineswegs so unbekannt und unreflektiert war, wie es manchen
erscheinen will, zum anderen in den sieben Jahrhunderten kein kontinuierliches,
dogmatisches Wissen um das Indiviuum etabliert, geglaubt und festgehalten wurde.
Walter Pohl,
Introduction: Ego trouble?
Kate Cooper,
“If
your delight is in souls, love them in God”: Augustine of Hippo, religious
identity, and the relational self
Richard Corradini,
Die Kehrseite des Diskurses. Zur
Un(mit)teilbarkeit des Individuums bei Augustinus
Thomas
Kitchen,
Sidonius Apollinaris
Conrad Leyser,
Pope Gregory the Great: Ego-trouble or identity
politics?
Kurt Smolak,
Omnia passus
– die Leiden des Eugenius von Toledo (Zu den Gedichten 5, 13-19, 101
Alberto)
Yitzhak Hen,
A Visigothic king in search of an identity – Sisebutus
Gothorum gloriosissimus princeps
Paul Hilliard,
The Venerable Bede as scholar, gentile, and
preacher
Walter Pohl,
Paul the Deacon – between Sacci and Marsuppia
Ian N. Wood,
Categorising the
cynocephali
Mary Garrison,
Tuus Albinus: peevish egotist?
or parrhesiast
David Ganz,
Einhard: identities and
silences
Shane Bobrycki,
Nigellus, Ausulus:
Self-promotion, self-suppression and Carolingian
ideology in the poetry of Ermold
Stuart Airlie,
I, Agobard, unworthy
bishop
Mayke de Jong,
Becoming Jeremiah: Paschasius Radbertus on Wala, himself and
others
Matthew Gillis,
Noble and Saxon: The meaning of
Gottschalk of Orbais’ ethnicity at the synod of Mainz,
829
Régine Le Jan,
The multiple identities of Dhuoda
Cristina La Rocca,
Angelberga, Louis’s II wife, and her will
(877)
Irene van Renswoude,
The sincerity of fiction. Rather and the quest for
self-knowledge
Rob Meens,
In the mirror of Eusebius. The episcopal identity of Atto of
Vercelli
Ian N. Wood,
Shoes
and a fish dinner: the troubled thoughts of Bruno of Querfurt
Hans-Werner Goetz, Die Chronik
Thietmars von Merseburg als Ego-Dokument: ein Bischof , mit gespaltenem
Selbstverständnis
Rosamond McKitterick,
Conclusion
Abbreviations
Bibliography
Primary
sources
Literature
ed. Walter Pohl/Veronika Wieser
‚Staat‘ im Frühmittelalter
ist ein in mehrfacher Hinsicht kontroverses
Thema. Noch immer gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen
Forschungstraditionen in Europa, sowohl was Forschungsinteressen als auch
Interpretationsmuster betrifft. Führende Vertreter der internationalen
Mittelalterforschung behandeln die unterschiedlichen Ansätze in einem breiten
diachronen und synchronen Vergleich. Das Ziel dieses Bandes ist, einerseits die
teils beschränkten nationalen Forschungstraditionen zu dem Thema zu
überschreiten und dadurch andererseits auch die Debatte aus der einseitig
rechtlich-institutionellen Sicht der älteren Forschung herauszulösen, um neue
(ethnographische, kulturelle, textuelle) Gesichtspunkte zu berücksichtigen und
aufzunehmen.
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