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Nachruf Hermann Wiesflecker wurde 1913 in einfachen Verhältnissen in Lienz (Osttirol) geboren. Er besuchte Gymnasien in Brixen und in Schwaz, studierte Geschichte, Altertumskunde, Germanistik, Latein und Italienisch in Innsbruck, Wien und Rom. Während seines Studiums unterhielt er Kontakte zu den Historikern Otto Stolz und Hermann Wopfner und wurde 1936 mit einer Arbeit zur Grafschaft Görz bei Hans Hirsch in Wien promoviert. 1935–1937 besuchte er als Gast den 40. Ausbildungskurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Nach seiner Lehramtsprüfung 1937 unterrichtete er als Gymnasiallehrer in Wien. Im 2. Weltkrieg musste er Kriegsdienst an der Ostfront leisten, wurde schwer verwundet und unterrichtete seit 1944 am Wiener Schottengymnasium. 1947 wurde er Privatdozent – seine Habilitation war der politischen Geschichte der Grafschaft Görz gewidmet – und Supplent der Lehrkanzel für Österreichische Geschichte in Graz. Zugleich und später arbeitete er an den Regesten der Grafen von Görz und Tirol und zu Graf Meinhard II., wobei er entsprechende Publikationen 1949 und 1952 (zwei Bände Görzer Regesten) sowie 1955 (Meinhard II.) vorlegen konnte. 1959 erschien sein vielgelesenes Buch „Erzherzog Johann. Ein Leben für die Steiermark“; schon damals war abzusehen, dass Hermann Wiesflecker sein Leben der Geschichte der Steiermark und der dortigen Geschichtsforschung widmen würde. Erinnert sei nur an die von ihm initiierte Edition der Nuntiaturberichte aus Graz oder die von ihm herausgegebenen Regesten des Herzogtums Steiermark. Dementsprechend war Hermann Wiesflecker seit 1951 Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark und erhielt 2008 ihr Goldenes Ehrenzeichen. Nachdem er 1948 zum a.o. Professor in Graz ernannt worden war, wurde er ebendort 1961 ordentlicher Professor, amtierte sogleich als Dekan seiner Fakultät und 1964/65 als Rektor der Grazer Universität, 1984 wurde er emeritiert. Dass er ein guter und seine Studenten fördernder Hochschullehrer war, bezeugen unter anderem die fast nicht zu zählenden Dissertationen und Diplomarbeiten, die bei ihm verfasst wurden. 1963 in die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs aufgenommen, erfolgte 1965 Hermann Wiesfleckers Ernennung zum korresp. und 1969 zum wirkl. Mitglied der ÖAW, wo er in fünf Kommissionen (Historische Kommission, Weistümer- und Urbarkommission, Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii, Kommission für die Ausarbeitung eines Österreichischen Biographischen Lexikons, Kommission für die Geschichte der Wissenschaften in Österreich) und im Kuratorium der Akademie für das Österreichische Kulturinstitut in Rom tätig war. Hermann Wiesfleckers Hauptwerke hängen mit seiner Arbeit für die Regesta Imperii zusammen, deren XIV. Abteilung, die Regesten Maximilians I., ihm Leo Santifaller 1949 übertrug: Wiesflecker konnte eine epochale 5-bändige Biografie Kaiser Maximilians I. innerhalb von 15 Jahren 1971–1986 publizieren, dazu traten unzählige weitere Publikationen zu Maximilian. 1990 erschien, nach fast 40-jähriger Zeit der Quellensuche, -ordnung und –auswertung, der 1. Band Ausgewählte Regesten des Kaiserreiches unter Maximilian I. mit 3.680 Regesten; weitere drei Bände, in Teilbände gegliedert, konnte Hermann Wiesflecker noch bearbeiten und herausgeben, die letzte Regestennummer im 2004 erschienenen Band IV/2 lautet 21.833. Für alle seine Arbeiten brachte Hermann Wiesflecker Spürsinn, Optimismus, Überzeugungskraft und viel Beharrlichkeit mit. Hermann Wiesflecker starb im 96. Lebensjahr und doch mitten in den Arbeiten zum 5. Band der Maximilan-Regesten. Diese Regesten und die Biografie Maximilians sind sicher zu Recht als „Jahrhundertwerke der österreichischen Geschichtswissenschaft“ bezeichnet worden. (K.H., M.H.) |