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Schätze bewahren

XXVI. Internationales Colloquium des Corpus Vitrearum in Wien

Vom 10. bis 14. September 2012 fand im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien das XXVI. Internationale Colloquium des Corpus Vitrearum statt. Knapp 120 Teilnehmer aus insgesamt dreizehn Staaten weltweit (darunter Kollegen aus den USA, Kanada und Russland) nahmen an der hochkarätigen Tagung teil, die vom Österreichischen Nationalkomitee des Corpus Vitrearum gemeinsam mit der Kommission für Kunstgeschichte der ÖAW und dem Österreichischen Bundesdenkmalamt veranstaltet worden war und unter dem Ehrenschutz von Frau Margit Fischer stand.
Insgesamt 22 Kunsthistoriker aus zwölf verschiedenen Ländern sprachen zu Themen der „dynastischen Repräsentation in der Glasmalerei“ des Mittelalters und der Neuzeit.

„Das Generalthema“, so Günther Buchinger, „hat das Österreichische Nationalkomitee des Corpus Vitrearum ganz bewusst unter dem Aspekt des genius loci gewählt. Gerade Wien und sein Umland bieten als ehemaliges Machtzentrum der längst regierenden Dynastie der europäischen Geschichte, der Habsburger, die von 1282 bis 1918 mit nur kurzen Unterbrechungen in Wien residierten, zahlreiche Beispiele historischer Verglasungen, die für dynastische Propaganda genutzt worden sind.“

Im Gedenken an Prof. Eva Frodl-Kraft
„Das Wiener Colloquium soll einerseits das sechzigjährige Bestandsjubiläum des Internationalen Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) in Erinnerung rufen, andererseits ist es auch dem Andenken der österreichischen Kunsthistorikerin Eva Frodl-Kraft gewidmet, die zu den Gründungsmitgliedern der Internationalen Vereinigung zählt“, so Elisabeth Oberhaidacher-Herzig, die derzeitige Präsidentin des Österreichischen Nationalkomitees. „Der offizielle Beschluss zur Gründung des Internationalen Projekts CVMA war auf dem XVII. Internationalen Kunsthistorikerkongress in Amsterdam gefasst worden. Dieses erste auf internationaler Basis organisierte Unternehmen der Kunstgeschichte überhaupt sollte gewährleisten, dass die Dokumentation der mittelalterlichen Glasmalereien in allen Ländern in ähnlicher Form vonstatten geht. Zum primären Anliegen zählte es, ein methodisches Gerüst zu schaffen, das der diffizilen Kunstgattung Glasmalerei gerecht wird“, erklärt Oberhaidacher-Herzig.
Gerade die alle zwei Jahre stattfindenden Colloquien waren und sind bis heute ein wesentliches Mittel zur Aufrechterhaltung einer gemeinsamen Linie und dienen zugleich der Schaffung einer freundschaftlichen Verbindung der Wissenschafterinnen und Wissenschafter untereinander.

Glasmalereien aus acht Jahrhunderten

Im Rahmen der Tagung wurden auch die wichtigsten Standorte in Wien und Niederösterreich besichtigt, deren Glasmalereibestände – dem Generalthema der Tagung folgend – im Hinblick auf dynastische Repräsentation geschaffen bzw. für dynastische Propaganda genutzt worden sind. Zu diesen zählen der berühmte Babenbergerstammbaum im Brunnenhaus von Stift Heiligenkreuz, die kunsthistorisch überaus bedeutsamen Herzogsscheiben aus der Bartholomäuskapelle des Wiener Stephansdomes, die drei monumentalen Kaiserfenster in der Georgskathedrale der Burg von Wiener Neustadt sowie die im frühen 19. Jahrhundert für Kaiser Franz II. (I.) geschaffenen Familienbildnisse in der Franzensburg von Laxenburg.

Während bislang primär die mittelalterlichen Glasgemälde im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung standen, soll in Zukunft neben den Glasgemälden der Frühen Neuzeit auch der Erforschung der Glasmalereien des 19. und 20. Jahrhunderts ein Augenmerk geschenkt werden. „In diesem Sinne ist es der Tagung gelungen, den großen Bogen von der mittelalterlichen Glasmalerei über die Glasmalerei der Frühen Neuzeit bis hin zum 19. und frühen 20. Jahrhundert zu spannen“, berichtet Christina Wais-Wolf.
Die spannenden Ergebnisse und Beiträge der Vortragenden sollen der Tradition folgend in naher Zukunft in einem umfangreichen Tagungsband präsentiert werden.

10.-14. September 2012
XXVI. Internationales Coloquium des Corpus Vitrearum Medii Aevi
„Dynastische Repräsentation in der Glasmalerei“
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Festsaal
Dr. Ignaz Seipel Platz 2, 1010 Wien

www.cvma.at
www.corpusvitrearum.org