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Menschenrechte und die alltägliche Gewalt in Palästina

Nahost-Expertin Lori Allen aus Cambridge zu Gast an der ÖAW in Wien



Welchen Einfluss haben die Menschenrechte auf die Herausbildung eines palästinensischen Staates? Und was passiert, wenn Gewalt und Leid auf der Tagesordnung stehen? Diesen Fragen geht die Sozialanthropologin Lori Allen am 31. März 2011 in ihrem Vortrag am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nach.

Lori Allen (Department of Middle Eastern Studies, Cambridge University) führte ihre ethnologischen Feldforschungen in Palästina zu einem Zeitpunkt durch, als die zweite Intifada gerade ihren Höhepunkt erreicht hatte. Dabei sprach sie vor allem mit MenschenrechtsaktivistInnen, Opfern von Menschenrechtsverletzungen und Flüchtlingen.

Wie Allen in ihrem Vortrag "Producing a State: Human Rights and Political Disenchantment in Palestine" betont, spielen die Menschenrechte bei der Herausbildung eines palästinensischen Staates im Westjordanland eine zentrale, wenn auch ambivalente Rolle: sie werden einerseits zur Durchsetzung politischer Forderungen und im internationalen Dialog eingesetzt, andererseits wirken sie sich auf das politische Bewusstsein und den Aufbau einer lokalen Verwaltung aus.

In der von ihr mitherausgegebenen Zeitschrift Middle East Report setzte sich die Sozialanthropologin u.a. auch mit der Frage auseinander, wie Gewalt den Alltag der Menschen in Palästina prägt und warum es zu Selbstmordanschlägen kommt ("Social Security: How Palestinians Survive a Humanitarian Crisis" und "There Are Many Reasons Why: Suicide Bombers and Martyrs in Palestine").

Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit an der University of Chicago im Jahr 2005 erhielt Lori Allen Stipendien an der Brown University und der Harvard Academy for International and Area Studies. Derzeit arbeitet die Nahost-Expertin an einem Buchprojekt mit dem Titel "Suffering for Rights: A Geneaology of Palestinian Nationalism". Darin werden politische Praktiken und Diskurse zu Recht und Leid von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart aus historisch-ethnographischer Perspektive untersucht. Allen konzentriert sich dabei speziell auf die Frage, welche Bedeutung der Opferrolle im palästinensischen Nationalismus zukommt und welche Spannungen sich dadurch mit jüdischen Konzepten ergeben, die Israel als Zufluchtsort definieren. Für Allen sind die Entwicklungen in Palästina jedenfalls ein Schlüsselfaktor für das Entstehen einer globalen Politik von Leid und Menschenrechten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust herausgebildet hat.

Lori Allen ist Gründungsmitglied der Task Force on Middle East Anthropology, die ins Leben gerufen wurde, um die Relevanz, Sichtbarkeit und Anwendung von sozialanthropologischen Perspektiven im Mittleren Osten zu stärken. Sie ist ebenfalls Mitglied des Komitees für akademische Freiheit der Middle Eastern Studies Association.

Neben ihrem Vortrag am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW hält Lori Allen ein Seminar mit dem Titel "The Anthropology of Human Rights in Palestine" sowie einen Vortrag über Menschenrechte und die Hamas an der Universität Wien.


Weitere Informationen zum Vortrag


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