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Jetzt kommt die Infanterie

Forscher des CeMM entdecken das Fußvolk der molekularen Virenabwehr



Die Forschungsgruppe von Giulio Superti-Furga des CeMM - Forschungszentrums für Molekulare Medizin der ÖAW meldet die Entdeckung eines körpereigenen Abwehrmechanismus, der für die Verhinderung eines Krankheitsausbruchs nach Vireninfektionen verantwortlich zeichnet. Die zukunftsweisenden Ergebnisse der Studie wurden am 5. Juni 2011 in "Nature Immunology" publiziert und in einer parallelen Presseaussendung der Nature Zeitschriftengruppe der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach können die körpereigenen Zellproteine der IFIT Familie virale Gene spezifisch entdecken und bekämpfen.

Täglich wird unser Organismus von Viren mit unterschiedlich großem Krankheitspotential befallen. Der menschliche Organismus verfügt über ein sehr potentes Immunsystem, um infektiöse Substanzen zu bekämpfen. Welche Mechanismen und welche körpereigene Moleküle hinter dieser Immunabwehr stecken, ist noch nicht ganz erforscht. Das Wissen um die Mechanismen der körpereigenen Immunabwehr ist ein wichtiger Schlüssel zur Entwicklung neuer antiviraler Therapien. Nun berichtet das Labor von Giulio Superti-Furga, wissenschaftlicher Direktor des CeMM - Forschungszentums für Molekulare Medizin der ÖAW über einen sehr großen Durchbruch. Während einige Proteine die Alarmfunktion verkörpern, schon entdeckt wurden, sind die tatsächlichen ausführenden Bestandteile des körpereigenen anti-viralen Programmes bis heute eher mysteriös geblieben.

Andreas Pichlmair, Wissenschaftler in Superti-Furgas Labor und ein interdisziplinäres Team am CeMM haben nun mit Unterstützung des Labors von Matthias Müller, Veterinärmedizinische Universität Wien, neue grundlegende molekulare Elemente der Virenbekämpfung identifiziert: Das Zellprotein IFIT1 und ähnliche Namensverwandte besitzen die Fähigkeit, zwischen zellularem genetischen Material und viralem genetischen Material zu unterscheiden und können dadurch virale Gene zerstören, ohne das zelleigene genetische Material zu attackieren. "IFIT Proteine stellen das Fußvolk der antiviralen Armee dar", schwärmt CeMM-Direktor Superti-Furga. "Die Entdeckung dieses Kontrollmechanismus ist sicher das Aufregendste, das wir jemals gefunden haben und von spektakulärer wissenschaftlicher Bedeutung. Sie könnte ein Turöffner für ganze zukünftige Forschungsrichtungen sein und erlaubt vielleicht die spezifische Entwicklung neuer antiviraler Therapieansätze."

Zukünftige Behandlungsoptionen sollten demnach auf die Aktivierung der Funktion dieser zellulären Proteine abzielen, um so das körpereigene Abwehrsystem des betroffenen Wirtes bei der Krankheitsbekämpfung zu unterstützen. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler des CeMM daran, jene Zellkomponenten zu entziffern, die nach der Aktivierung der IFIT Proteine durch Virusinfektionen eingeschaltet werden. Die vollständige Aufklärung des zellulären Antivirenprogrammes ist eine wichtige Basis für die präventive Molekulare Medizin der Zukunft.

CeMM - Forschungszentrum fur Molekulare Medizin der ÖAW

Das CeMM - Forschungszentrum fur Molekulare Medizin der ÖAW ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung für molekulare Medizin. "Aus der Klinik für die Klinik" - orientiert sich das CeMM an den medizinischen Erfordernissen und integriert Grundlagenforschung sowie klinische Expertise, um innovative diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte sind Krebs, Entzündungen und angeborene Immunität.


Die Presseinfo als PDF


Publikation:
IFIT1 is an antiviral protein that recognizes 5'-triphosphate RNA. Andreas Pichlmair, Caroline Lassnig, Carol-Ann Eberle, Maria W Górna, Christoph L Baumann, Thomas R Burkard, Tilmann Bürckstümmer, Adrijana Stefanovic, Sigurd Krieger, Keiryn L Bennett, Thomas Rülicke, Friedemann Weber, Jacques Colinge, Mathias Müller and Giulio Superti-Furga. Nature Immunology. Online veröffentlicht am 5. Juni 2011.
doi:10.1038/ni.2048


Kontakt:
Eva Schweng, MAS
Public Relations
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