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20.01.2010

Kulturelles Gedächtnis, Religion und Politik im Frühmittelalter

Neues Europa-Projekt zum kulturellen Gedächtnis im Mittelalter



Die kulturelle Dynamik des Mittelalters besser zu verstehen und seine Bedeutung für das heutige Europa zu erkennen, ist das zentrale Anliegen eines neuen europäischen Projektes am ÖAW-Institut für Mittelalterforschung (IMAFO). Es ist ein Kooperationsprojekt mit Wissenschafter(inne)n der Universitäten Utrecht, Cambridge und Leeds und wird von Walter Pohl, Direktor des IMAFO, geleitet. Der Part der Österreicher(innen) wird es sein, in den nächsten drei Jahren Strategien der Wissensvermittlung als Ressource für die Karolingische Herrschaft genauer zu untersuchen. Eine zentrale Bedeutung bei diesem Prozess kommt der christlichen Kirche zu. Das österreichische Teilprojekt ("Learning Empire - creating cultural resources for Carolingian rulership") fügt sich in das Gesamtprojekt über Kulturelles Gedächtnis und Quellen des Frühmittelalters ("Cultural memory and resources of the past, 400-1000 AD") ein. Die Projektsumme von einer Million Euro wird von der European Science Foundation (ESF) verwaltet und ist Teil einer Initiative, die Geisteswissenschaften in Europa besser zu vernetzen (HERA). Das Projekt ist das einzige unter etwa 20 heuer genehmigten, das von Österreich aus geleitet wird.

Den Prozess der Überlieferung studieren

Das Frühmittelalter ist die erste Epoche der Geschichte, aus der viele Tausend Originalmanuskripte erhalten sind. Durch dieses Fenster blicken wir auf die antike Literatur und Wissenschaft, auf die Bibel und die Schriften der Kirchenväter. Bis heute werden Originalmanuskripte als Zeugen ihrer Entstehungszeit gelesen. Doch darf man nicht vergessen, dass jene Texte eine faszinierende Ressource darstellen, um den Prozess der Überlieferung selbst zu studieren. Texte und kulturelle Inhalte sind dabei nicht unverändert geblieben und sind in wechselnden (politischen) Kontexten unterschiedlich benützt worden.

Die Wissenschafter(innen) am IMAFO gehen in ihrem Teilprojekt unter anderem der Frage nach der Rolle des Papstes als kulturellem Vermittler mit großem Einfluss im 8. Jahrhundert nach. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über das Lernen und Bildungsstrategien im Bayern des 8. Jahrhunderts. Darüber hinaus interessiert Walter Pohl und sein Team im Rahmen dieses Projekts, was Begriffe wie "Volk" oder "Fremde" bei den Merowingern und Karolingern bedeuteten und wie kulturelle Traditionen aus Rom und Byzanz um 800 wahrgenommen wurden. "Unser Projekt umfasst zwei Elemente: Einerseits die Analyse der Überlieferung der Texte und auf der anderen Seite der Kontext ihres Gebrauchs im frühen Mittelalter. Hier spielen soziale, politische und religiöse Interessen hinein und haben sicher einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Entwicklung staatlicher Integration in Europa", fasst Walter Pohl zusammen.


Kontakt:
Univ. Prof. Walter Pohl
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Zentrum Mittelalterforschung
Institut für Mittelalterforschung
Wohllebengasse 12-14, 1040 Wien
T +43 1 51581-7240
walter.pohl@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/gema


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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